Saisonverlängerung - aber wie?

claus-juergen

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#1
hallo miteinander,

nachdem ich anfang november ein paar tage in istrien verbracht habe, möchte ich hier einmal zur diskussion stellen, ob es nicht auch noch andere dinge als sonne, baden, wassersport und alles rund ums meer im sommer zu geniessen gibt.

meine erfahrung der letzten jahre hat gezeigt, daß gerade die spätherbstlichen monate bis weihnachten beispielsweise in istrien oft temperaturen herrschen, die alle möglichen freizeitaktivitäten im sogenannten outdoorbereich ermöglichen. wenn nicht gerade die bora heftig bläst und der regen dann waagerecht ins gesicht geweht wird, kann man um diese zeit viele dinge unternehmen, die im sommer nicht möglich sind.

beispielsweise ist es mir im sommer zu heiß um rad zu fahren oder auf den öffentlichen straßen herrscht zu starker verkehr. wenn die verantwortlichen vielleicht einmal ein netz von radwegen bauen und erschließen, wäre diese zielgruppe eine klientel, die es leicht als urlauber zu gewinnen gibt. einzelne radveranstaltungen habe ich in den letzten jahren gesehen. es gibt aber auch einzelne radler, die sichere und gut markierte wege ohne teilnahme an veranstaltungen wollen.

wandern in der natur wäre eine weitere möglichkeit, arbeitsplätze mehr als nur für ein paar sommermonate zu schaffen. viele wanderwege sind schlecht oder gar nicht markiert. einkehrmöglichkeiten gibt es kaum im gebirge. dabei kann der naturfreund oder alpinist auch in istrien oder dalmatien einschließlich der inseln herrliche touren mit tollen ausblicken geniessen. bisher ist das jedoch nur für insider möglich.

tennis oder golf sind andere sportarten, die bis in den winter hinein an der küste betrieben werden können. meiner meinung nach mangelt es hier an der dafür erforderlichen infrastruktur. das problem des hohen wasserverbrauchs bei golfplätzen ist ja hinlänglich bekannt, kann aber gelöst werden.

die naturschönheiten, die oft schon in nationalparks erfasst sind, können auch ausserhalb der hauptsaison aufgesucht werden. plitvice, die krka-wasserfälle oder die paklenica-schluchten können fast das ganze jahr besucht werden. hier gilt es, dies zu vermarkten. wem ist denn schon bekannt, daß die eintrittsgelder oft im winter erheblich unter den sommertarifen liegen.

schließlich möchte ich noch die kultur anführen. aus venezianischer oder österreichischer zeit oder der frankopanen-zeit sind viele denkmäler vorhanden, die größtenteils schon der öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. hier gilt es jedoch, dies auch kulturell interessierten bekannt zu machen. viele urlauber klappern die bekannten orte wie porec, rovinj, opatija, split und dubrovnik ab und wissen nichts über weitere historische und sehenswerte städte und dörfer.

zusammengefasst glaube ich, daß kroatien seine möglichkeiten bei weitem noch nicht vollständig ausgeschöpft hat. da gibt es noch viel zu tun, nicht nur an marketing sondern auch am ausbau der dafür erforderlichen infrastruktur.

ich bin gespannt, was ihr zu diesem thema beizutragen habt. die diskussion ist eröffnet.

grüsse

jürgen
 

Mick

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#2
Da gibts von meiner Seite aus nicht viel zu diskutieren, außer dir eigentlich komplett recht zu geben. Und wie du schon sagst, muss man in Kroatien das drumherum einfach erstmal entsprechend anpassen. Von mehr geöffneten Lokalen bis hin zum Angebit entsprechender Aktivitäten/Veranstaltungen. Allein mit dem ganzjährigen anbieten von Wellness ist es nicht getan. Sowas bekomme ich auch in Hotels hier in Deutschland, dazu brauche ich nicht weiter in den Süden zu fahren. Allerdings tut die Hotellerie und auch die Tourismusverbände schon mehr als in der Vergangenheit. Es gibt spezielle Herbst-, Weihnachts- und Sylvesterpackages, immer mehr Hotels und Gastätten, zumindest in den etwas größeren Orten, haben geöffnet. Aber: Man muss den potenziellen Touristen auch etwas wirkliches bieten, was ihnen eine Grund gibt, auch im November oder Februar dorthin zu fahren. Meine Frau zum Beispiel, die sagt: Wenn ich am Meer bin, dann will ich auch drin schwimmen können und es mir nicht nur ansehen. Kroatien ist für viele halt immer noch ein Badeurlaub-Ziel.
 

Kata

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#3
Lieber Jürgen,
genau diese Überlegungen habe ich auch schon oft angestellt.
Speziell das Thema Wandern: das wäre im Herbst in Istrien sicher wunderschön. Aber ich z.B. habe einen echt schlechten Orientierungssinn in der Natur, ich bräucht wirklich gut markierte Wanderwege, und als Anreiz natürlich Einkehrmöglichkeiten. Ich glaube, da gäbe es noch viel Geschäft, was die Kroaten mit uns Touristen machen könnten.

Oder Yogaferien ... *träum*. Dafür würde sich eines der wunderschönen alten Steinhäuser im inneren Istrien eignen. Ein eigener Koch, der gesunde Mahlzeiten aus regionalen Produkten kocht, morgens und abends Yogastunden, dazwischen Wanderungen oder Spaziergänge, Kultur, Weinverkostungen oder mal eine Meditation.
Lebensmittel und Wein werden nur oder vorwiegend aus den umliegenden Produktionsbetrieben bezogen, so werden die lokalen Produzenten gestärkt.


lG Kata
 

Kata

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#4
Aber: Man muss den potenziellen Touristen auch etwas wirkliches bieten, was ihnen eine Grund gibt, auch im November oder Februar dorthin zu fahren. Meine Frau zum Beispiel, die sagt: Wenn ich am Meer bin, dann will ich auch drin schwimmen können und es mir nicht nur ansehen. Kroatien ist für viele halt immer noch ein Badeurlaub-Ziel.
Naja ... aber vergleich mal mit der Nordsee, speziell auf Sylt ist übers ganze Jahr was los ... was hat das schon gross zu bieten: überteuerte Preise, High Society ...
UND natürlich die wunderbare Natur.
Was kann man dort im Winter machen? Wandern, Essen, Trinken, Shoppen, Wellness.
Das alles ginge in Kroatien theoretisch auch.
Voraussetzung wäre aber auch eine bessere Fluganbindung ... damit nicht nur Süddeutsche und Österreicher in annehmbarer Autofahr-Zeit dorthin gelangen, sondern auch Norddeutsche.
Und es müsste die entsprechende Infrastruktur geschaffen werden, dann müsste sie beworben werden, und dann müssten die potentiellen Kunden sich dafür entscheiden, dorthin zu fahren.
Kroatien ist für viele Deutsch glaube ich noch immer ein weisser Fleck auf der Landkarte. Ich wohne ja in München, aber von meinen Freunden hier, war noch niemand in Kroatien. Und viele beäugen uns durchaus misstraurisch, wenn wir wieder mal verkünden: Wir fahren nach Kroatien. Ich weiss auch nicht woran das liegt ... ich glaube, sie verbinden Kroatien vor allem noch immer mit Ostblock, Krieg, Korruption.

Jetzt bin ich etwas abgeschweift ... grundsätzlich gebe ich Dir aber recht ...


liebe Grüsse
Kata
 
F

Fenris

Guest
#5
Servus,

ich habe durch einen damaligen Feund Istrien 1992 im Winter - verlängertes Feiertagswochenende 6. Jänner, auf der Flucht vor den Touristen, kennen- und lieben gelernt und fahre seither immer wieder auch im Spätherbst, Winter mindestens ein Wochenende nach Porec. Wir sind in der glücklichen Lage nicht lange planen zu müssen, Wetter beobacheten und wenns passt sind wir in 4 Stunden am Ziel.

Was ich mir wünschen würde - mehr Möglichkeiten zum wandern oder walken (größere Touren über mehrere Stunden) , d. h. bessere Markierungen, Rundtouren um wieder an den Ausgangspunkt (Parkplatz) retour zu kommen, wie meine "Vorposter" schon geschrieben haben, Einkehrmöglichkeiten.
Das wären alles nur kleine Investitionen im Gegensatz zu manch anderen Großprojekten, die meist in die Hose gehen. Es gibt sicher hunderte Feldwege, Steige, Pfade die man nutzen könnte; bzw. wo es Durggangsrechte von den Grundbesitzern gäbe, die man auch verbinden könnte zu schönen Touren.

Gute Gebietskarten wo die Wandertouren und Radtouren auch eingezeichnet sind - kosten sicher auch nicht die Welt. Ich bin sicher, dann würden mehr Kurzurlauber dieses Angebot auch nutzen und dann ergeben sich die Einkehrmöglichkeiten von alleine - ich bin mir sicher wenn genügend Nachfrage herrscht finden sich geschäftstüchtige Agritourismos die für die nötige Stärkung sorgen.
Dementsprechende Werbung, Werbetafeln, Infos in den Tiouristeninfos.

Wenn erst die Kurz-Wochenendurlauber geköderst sind, ergeben sich Wochenurlauber von alleine bzw. wird "hipp" auch für diejenigen die heute noch Istrien/Kroatien im tiefsten kommunistischem Ostblock sehen. (Übrigens damals hätte mich auch niemand hingebracht!!)
Ich kann nur von Porec schreiben, hier hat sich in den letzten 15 Jahren einiges im Winter verändert, es läuft schön langsam auch im Winter an. Einige Hotels haben bis Dezember geöffnet, bzw. sperren im März wieder auf, manche haben auch über Weihnachten und Neujahr bereits geöffnet, Lokale haben nachgezogen, Cafes sind offen, da kann frau zufrieden sein. Geschäfte sind die meisten zu, das hilft sparen.

Eine Anregung wäre auch verstärkte Info über diverse Dorffeste, kulturelle Veranstaltungen die in den Orten im Landesinneren stattfinden. Wobei ich auch verstehe, dass die Istrianer teils auch ihre Ruhe vor den Touristen haben wollen, speziell bei "richtigen Brauchtumsveranstaltungen". Ich weiß wovon ich rede, wir nehmen uns auch eine Auszeit von den Touristen und fahren darum im Winter nach Istrien ;0)

Es gibt nichts schöneres als an einem milden Wintertag warm eingepackt irgendwo an der istrischen Küste zu sitzen und auf das Meer zu schauen - ich muss nicht reingehen, schauen genügt für die Seele ..........................
naja, gegen ein Glas guten Rotwein und Käse und Prosciutto ist auch nichts einzuwenden...............

Um den Wintertourismus weiter anzukurbeln werden wir in 4 Wochen übers Wochenende nach Porec fahren und es genießen, falls es passt auch ins Hinterland fahren und gut essen!
Um die Saison im Frühjahr früher anzukurbeln fahren wir bereits Ende März eine Woche (über Ostern) zum wandern und walken! Wir tun was wir können!!!!!!!!!!!

Freu mich schon auf den 14. Dezember !!!!!!!!!!

LG Fenris
 

Luppo

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Unterfranken
#6
Denkt dran, bei allen Wünschen, die Ihr an die Entwicklung des Tourismus stellt.
Wir fahren deswegen so gerne dort hin, weil es dort nicht so touristisch erschlossen wie in Spanien oder in der Türkei ist.
Urlaub ist, was man draus macht.
Ich war dieses Jahr auch ziemlich spät (Anfang Oktober) in Porec und fand es sehr angenehm, es war wie im Sommer, nur mit etwas geringerer Temperatur.
Von Oktober bis Mai ist halt nun mal keine Badesaison. Dafür bleibt Zeit, um gut zu essen, zu wandern, radfahren und zum Sightseeing. Seele baumeln lassen.
Verlangt besser nicht, dass an jedem Feldweg Schilder aufgestellt werden. Dann ist es mit der Beschaulichkeit in einigen Jahren vorbei.
Solange die Mehrheit glaubt, in Kroatien herrscht immer noch Ostblock-Flair, solange haben wir die Gegend für uns.
 
A

Anita-Elisabeth

Guest
#7
Wenn ich das so lese, bekomme ich das Gefühl, dass Krk in diesem Punkt schon ein wenig weiter ist, als Istrien.

Hier auf der Insel gibt es ein gut ausgebautes Wanderwegnetz. Allein die sogenannte Krk-Umgehung (eine Art Rundwanderweg über die gesamte Insel) ist 120 Kilometer lang. Dazu kommen noch die lokalen Wanderwege der einzelnen Gemeinden, darunter z.B. zwei Olivenwanderwege (mit Infotafeln rund um das Thema Oliven (-geschichte, -anbau, -verwertung, -nutzung).

Auch das Radwegenetz wird weiter ausgebaut. Dazu zählen hier Radwege an der Inselmagistrale und speziel ausgeschilderte Wege für geländegängige Räder.

Hinzu kommen gezielte Veranstaltungen im Frühjahr und Herbst, wie beispielsweise die Osterwanderung der Stadt Krk, die Wanderung am 1. Mai der Gemeinde Dobrinj (die im nächsten Jahr erneut "ausgebaut" werden soll), verschiedene organisierte Radtouren-Veranstaltungen.
Am bekanntesten ist sicher Bas-Ovca, das "Schafsfest" das jährlich in Baska stattfindet. Wanderungen, Radtouren und Wellness stehen hier im Zusammenspiel mit kulinarischen Angeboten der lokalen Gastronomen im Mittelpunkt. Auch die anderen Gemeinden arbeiten an ähnlichen Konzepten zur Verlängerung der Saison.
Darüber hinaus werden Angebote zur Olivenernte (Oktober/November) platziert und selbst zu Weihnachten und Silvester gibt es schon Aktivitäten, wie die Rittertage und spezielle Paketangebote einzelner Hotels.

Es ist aber nicht leicht, gegen das nennen wir es mal "Sommerimage" Kroatiens anzukämpfen. Insbesondere natürlich, wenn es sich bei solchen Angeboten, die hier mit dem Namen "Well-Live" belegt wurden und bei denen auch versucht wird, den sanften, also umweltschonenden, Tourismus zu fördern, um lokale oder regionale Bemühungen handelt.
Die Werbespots für den europäischen Markt und die internationalen Messeauftritte werden ja vom kroatischen Tourismusverband produziert und finanziert. Entsprechend müssen sie das ganze Land repräsentieren und der größte gemeinsame Nenner ist natürlich das Angebot in den Sommermonaten. Die lokalen bzw. regionalen Tourismusverbände können sich diese Werbung nicht erlauben.
Auf den einzelnen Internetseiten kann man aber meiner Ansicht nach schon Veränderungen erkennen.
Auch wir bieten ja z.B. Wanderurlaub an. Noch ist uns aber der Markteintritt für diese spezielle Zielgruppe nicht gelungen. Zugegebener Maßen haben wir auch noch nicht den nötigen Zeit- und Finanzaufwand für das erforderliche Marketing betrieben. Wir sind halt eine kleine Agentur, die sich noch im Aufbau befindet.

Ich gehe davon aus, dass diese Entwicklungen hier auf der Insel nach und nach greifen werden und es - bei dem eingesetzten Aufwand für die Vermarktung - noch einige Jahre dauern wird, bis sich die Vielfältigkeit dieses Reiseziels herumgesprochen hat.

Trotz all dieser Bemühungen sollte man aber die Augen vor den Defiziten nicht verschließen.
So gibt es hier beispielsweise kaum Angebote für Regentage (die vereinzelt auch auf der "goldenen Insel" auftreten können ;) ).
Die Struktur der Unterkünfte ist für einen Ganzjahresbetrieb nicht ausgelegt. Dazu muss man sich die Entwicklung dieser vor Augen führen: Die meisten Privatunterkünfte entstanden in den 50er, 60er Jahren durch Regierungsaufrufe. Die damals z.B. in Deutschland entstandene Reiselust in den Süden schwappte auch nach Jugoslawien, das zwar als blockfreier Staat den Tourismus (und die damit verbundenen Devisen) begrüßte, aber keine entsprechende Infrastruktur (wie Hotels) zur Verfügung stellen konnte. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, enger zusammenzurücken und so Zimmer zur Verfügung zu stellen. Nach und nach wurden aus den Zimmern Wohnungen, aber häufig handelt es sich um einen "netten Nebenerwerb" in den Sommermonaten, wo man eben als Vermieter mit weniger Platz zurecht kommt, da vieles im Freien stattfindet. Erst im letzten Jahrzehnt entstanden Ferienwohnungen (und vereinzelt auch Ferienhäuser), die ausschließlich zur Vermietung genutzt werden. Daher sind manche Vermieter - sosehr sie sich auch über Sommergäste freuen - im Herbst froh, wenn Ihnen ihr Haus wieder alleine gehört. Viele Unterkünfte sind nur eingeschränkt beheizbar.
Auch das gastronomische Angebot ist außerhalb der Sommermonate eingeschränkt. Natürlich gibt es Gaststätten, die ganzjährig geöffnet haben und die Zahl steigt jährlich. Da aber bisher die Gästezahlen noch niedrig sind, öffnet sich ein kleiner Teufelskreis: Für kleinere Gastbetriebe ist es unrentabel die Kosten für Personal, Heizung und Strom aufzuwenden, wenn nur wenige Tische besetzt sind. Entsprechend sind nur wenige Lokale geöffnet. Das eingeschränkte Angebot ist wiederum unattraktiv für Gäste, die womöglich erstamalig Kroatien in der Nebensaison besuchen und die wenigen Gäste die es ausprobieren, kommen daher eventuell nicht wieder.
Da die meisten Privathaushalte sich "Auswärtswärtsessen" nur sehr selten erlauben können, gibt es für die Gastronomen auch keinen Ausgleich und nur wenige haben insbesondere finanziell einen so langen Atem, um sich über die Wintermonate auch bei den Einheimischen als Speiselokal zu etablieren.
Eine positive Strömung ergibt sich aber hier auch aus dem Immobilienmarkt. Vermehrt erwerben Deutsche und Österreicher Ferienimmobilien auf der Insel. Entsprechend sind sie nicht mehr ausschließlich in den Sommermonaten zu Gast und erhöhen so - wenn auch nur geringfügig - die Nachfrage im gastronomischen Segment.

Dennoch meine ich, dass sich zumindest die Insel Krk auch in diesem Gebiet weiterentwickelt. Aus dem Bauch heraus würde ich behaupten, dass sich die Gästezahlen in der Vor- und Nachsaison stetig erhöhen. Gerne kann ich die Zahlen für 2012, sobald sie mir vorliegen, hier veröffentlichen.
 
F

Fenris

Guest
#8
Denkt dran, bei allen Wünschen, die Ihr an die Entwicklung des Tourismus stellt.
Wir fahren deswegen so gerne dort hin, weil es dort nicht so touristisch erschlossen wie in Spanien oder in der Türkei ist.
Urlaub ist, was man draus macht.
Ich war dieses Jahr auch ziemlich spät (Anfang Oktober) in Porec und fand es sehr angenehm, es war wie im Sommer, nur mit etwas geringerer Temperatur.
Von Oktober bis Mai ist halt nun mal keine Badesaison. Dafür bleibt Zeit, um gut zu essen, zu wandern, radfahren und zum Sightseeing. Seele baumeln lassen.
Verlangt besser nicht, dass an jedem Feldweg Schilder aufgestellt werden. Dann ist es mit der Beschaulichkeit in einigen Jahren vorbei.
Solange die Mehrheit glaubt, in Kroatien herrscht immer noch Ostblock-Flair, solange haben wir die Gegend für uns.
Hallo Luppo,
zwischen einigen ausgeschilderten Wanderungen und an jedem Feldweg ein Schild herrscht wohl noch ein bisserl ein Unterschied! auch hab ich weder am spanischen Festland sowie in der Türkei an den wenigen ausgeschilderten Wanderwegen Massentouristen gesehen...........
und genauso wenig werden nur durch eine Verbesserung der Infrastruktur in der Nichtsaison massenhaft die Camping- und sonstigen Sommertouristen alle wandern, radfahren, mit der Seele baumeln, wellnessen oder sonstwas in den Herbst/Wintermonaten nach Istrien/Kroatien kommen, ebensowenig ich den Ansturm der Aldi/Lidl Selbstversorger (nicht abwertend gemeint, nur als Tatsache) auf die Trüffel- und sonstigen Spezialitäten losgehen werden und deshalb im Herbst ins Land einfallen wie ein Schwarm Heuschrecken.

Vor diesem "worst case scenario" hab ich in den nächsten 50 Jahren keine Angst.............. und dann ist es mir wirklich wurscht!

LG Fenris,
(die sich ein bisserl Verbesserungen und ein paar Schilder bei den Wanderwegen wünscht)
 

claus-juergen

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Landkreis Augsburg und Liznjan/Istrien
#9
hallo,

ergänzend dazu möchte ich feststellen, daß istrien nur 250.000 einwohner hat. dazu kommt in der sommersaison ein vielfaches an touristen. wer schon mal im hinterland war, wird wissen, daß da noch eine menge platz ist. ich glaube nicht, daß der massentourismus diesen teil des landes, den ich recht gut zu kennen glaube, zu meinen lebzeiten noch erfassen wird. die überwiegende anzahl der urlauber sind in den wenigen sommermonaten an der west- und südküste und nur zum geringen teil an der ostküste.

ich habe deshalb auch keine angst, daß das binnenland zubetoniert wird. hingegen wäre es wichtig, hier die touristische infrastruktur zu verbessern, so daß auch bessere einkunftsmöglichkeiten für die ansässige bevölkerung geschafffen werden. mir tut es sogar leid, wenn alte kulturdenkmäler beispielsweise in krsan, pican, hum, kotli oder gracisce verfallen, weil die bewohner wegziehen oder schon lange ihr heil an der küste oder im ausland suchen.

es wird auch in zukunft individualtourismus ausserhalb der sommersaison geben. auch für diese gruppe muß die entsprechende infrastruktur geschaffen werden. dazu gehören auch adäquate unterkünfte genauso wie ordentlich markierte wanderwege. gerade an letzteren mangelt es noch gewaltig, was ich als passionierter wanderer abseits der bekannten "trampelpfade" sagen kann. wenn hier etwas geschieht, kann die anzahl dieser gäste oder die dauer deren aufenthalts erhöht werden.

radwege fehlen bis auf in den letzten jahren markierte feldwege bis heute völlig. in der letzten woche wurde kurz vor dem ortseingang von medulin auf höhe der waschanlage ein radler von einem pkw überfahren und tödlich verletzt. im raum medulin sind beispielsweise im sommer radler nach liznjan, banjole, pula oder premantura auch bei nacht unterwegs. wieso kann man da nicht endlich mit dem bau von rad- oder kombinierten rad- und gehwegen beginnen. wer den einen kilometer straße zwischen medulin und liznjan kennt und hier im sommer bei nacht die radler und fußgänger auf der straße gesehen hat, dem ist bewusst, daß gerade hier der ausbau dieser straße dringend erforderlich ist.

es gibt viele möglichkeiten, die anzahl der urlauber zu erhöhen und die aufenthaltsdauer zeitlich auszudehnen. leider geht manches halt einfach noch sehr langsam...

grüsse

jürgen
 
A

AlterNeuer

Guest
#10
Hallo Claus-Jürgen,

Möglichkeiten den Tourismus anzukurbeln gibt es sicher viele.
Vom Ausbau und der Beschilderung von Wanderwegen abgesehen, sind diese jedoch mit grösseren Investitionen verbunden.
Investieren auf Pump ist, wie sich vielerorts in Europa und der Welt gezeigt hat, der falsche Weg.

Das wenige Geld, welches Kroatien für Investitionen zur Verfügung steht, muss in erster Linie dahin fliessen, wo die Mehrheit der Bevölkerung auch einen möglichst grossen Nutzen davon hat und das sind eben keine Golf- und Tennisplätze.

Auch ich habe mir natürlich Gedanken darüber gemacht, wie sich die Tourismussaison verlängern liese.
Das geht m. E. nur über private Investitionen, für welche die kroatischen Behörden natürlich die Voraussetzungen schaffen müssen.
Sinnvoll wäre z. B. der Bau von einigen Thermen direkt am Meer oder dessen unmittelbarer Nähe. Für Valalta könnte ich mir das z. B. sehr gut vorstellen. Damit liese sich dann dort auch die Campingsaison um 2 bis 3 Monate verlängern.
Wer die Ostseetherme am Timmendorfer Strand http://www.ostsee-therme.de/ kennt, weiss, wovon ich rede.

Hier könnte sich mit dem EU-Beitritt wirklich einmal etwas verbessern.

Gruss
AlterNeuer
 

Luppo

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#11
Sicherlich ist der Ausbau von Rad- und Wanderwegen eine sinnvolle Investition, so wie das auch allgemein für Verkehrswege gilt.
Mich persönlich stört es zwar nicht, da ich mit meinem Mountainbike sehr gut zurecht komme, aber ich sehe das auch eher aus der rein sportlichen Sicht und bin ganz froh, ziemlich allein die Gegend erkunden zu können.
Große Projekte wie Thermen/Aqua-Freizeitparks u.ä. halte ich nicht für sinnvoll.
Der Unterhalt kostet meist mehr wie sich Einnahmen erzielen lassen, selbst in Deutschland schafft es kaum eine Freizeiteinrichtung, kostendeckend zu arbeiten.
Nennenswerte Umsätze in der Nebensaison und im Winter werden sich nur aus einem kleinen Kreis "spezieller" Gäste (Rad/Wandern) und vielleicht über Silvester erzielen lassen.
Das ist in anderen Mittelmeerregionen auch nicht anders. Möglicherweise lässt sich das Saisonende ein paar Wochen nach hinten schieben. Aber Urlaub im Winter am Meer wird immer etwas für Individualisten bleiben.
 
B

brfzg

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#12
Sind ja teilweise wirklich interessante Ideen hier.
Aber - und jetzt bitte nicht falsch verstehen - sind wir hier im Forum größtenteils Leute, die von solchen Dingen nicht wirklich viel Ahnung haben.
Meint ihr nicht auch, dass es in Kroatien genug Fachleute gibt, die auch Ideen haben und etwas was von Kosten-/Nutzen-Rechnungen verstehen?

Grüsse
Markus
 

Luppo

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#13
Ich denke, der Threadersteller wollte einfach mal die Diskussion anregen, was wir aus "ausländischer" Sicht optimieren würden.
Du hast schon recht, die machen sich sicherlich selbst Gedanken.
Kroatien lebt nicht unerheblich vom Tourismus, und das wollen sie bestimmt in 10 oder 20 Jahren auch noch.
Das ist eine große Aufgabe, eine behutsame und kontinuierliche Entwicklung voranzutreiben und die Kosten nicht aus den Augen zu lassen.
Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn der heutige Charme und der Charakter erhalten bliebe.
Die Fehler, die gemacht werden können, kann sich jeder an der spanischen Riviera anschauen.
Ein Hotel neben dem anderen am Strand mit Ganzjahresangeboten, anonyme Wohnsiedlungen für Residenten bis an den Horizont (ungelogen, durch eine "Urbanizacion" bin ich mal eine Stunde mit dem Auto gefahren, ich war immer noch noch am Ende). Aber weit und breit war kein Dorfkern zu sehen, geschweige denn gemütliche Kneipen oder Märkte.
Also liebe Planer, verändert nicht zu viel. Wir lieben Kroatien so wie es ist.
 

claus-juergen

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#14
Ich denke, der Threadersteller wollte einfach mal die Diskussion anregen, was wir aus "ausländischer" Sicht optimieren würden...
hallo luppo,

ich stimme dir im großen und ganzen zu. auch markus hat recht, wenn er meint, daß es in kroatien entsprechende fachleute gibt. es ist nur so, daß ich glaube, daß im land noch viel getan werden könnte, um den tourismus zum einen jahreszeitlich auszudehnen und zum anderen auch andere urlaubergruppen zu erschließen.

aus meiner sicht gibt es da vielfältige möglichkeiten. ob, wie alterneuer meint, hotels an der küste zu wellnesshotels ausgebaut werden sollen, wird eine frage der rentabilität sein. sicherlich wird es künftig ganzjährig geöffnete hotels mit hallenbädern und wellness-angeboten höherer klassifizierung geben. der markt hierfür ist jedoch sehr begrenzt. das kempinski hotel adriatic in savudrija, welches für 200 mio euro durch die hypo alpe adria bank finanziert wurde, ist jedenfalls bei weitem nicht ausgelastet.

die touristische erschließung des hinterlandes ist für mich eine möglichkeit, auch abseitseits der küste die lokale wirtschaft anzukurbeln.

billiger und einfacher zu verwirklichen sind allerdings die von mir angesprochenen radwege oder markierten wanderwege. es düfte jedoch wie auch in anderen bereichen oft nicht nur ein problem der finanzierbarkeit sondern auch extrem langsamen entscheidungen und bürokratie sein.

grüsse

jürgen
 

Luppo

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#15
Richtig, es ist alles eine Frage des Aufwands und gerade ein vernünftiges Rad- und Wanderwegenetz ist wahrscheinlich noch am unteren Ende der Kostenskala.
Wenn man den allgemeinen Zustand mancher Dörfer und Siedlungen im Hinterland anschaut, wären größere Investition sicher sinnvoll.
Aber was genau sollte geschehen? Die Häuser sind Eigentümersache. Sehenswürdigkeiten (Kirchen/Baudenkmäler/Seen) gibt es so viele nicht.
Vielleicht könnten sich noch mehr Landwirte entschließen, auf Agrotourismus zu setzen. Ich weiß allerdings nicht, wie groß der Bedarf ist. Ich verbringe meine Tage lieber direkt am Meer.
 

teleskopix

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#16
Wandern kann man auf Krk schon ganz gut. Wir waren dieses Anfang Mai 1 Woche und Ende September / Anfang Oktober 2 Wochen in Baska.
Gut wie gehen geocachen, aber die Tupperdosensuche unterscheidet sich von wandern doch kaum.
Ich kann nur jedem der ein Android-Smartphone hat empfehlen sich die App Orux + deutsche Anleitung mit den Karten von Opencyclemap die man hier kostenlos bekommt zu holen. Wander und MTB-Touren findet man z.B. bei GPS-Tour.info oder GPSIes wenn die örtlichen Wanderverantwortlichen Ihre Radl und Wandervorschläge im GPX-Format in den Portalen reinstellen, dann kann jeder der ein Android-Smartphone/I-Phone/HandGPS-Gerät hat diese Touren bequem wandern/radeln ohne sich zu verirren. Wer jetzt wegen dem Akku des Smartphones Probleme hat wegen der Laufzeit, kann ab 50,--€ Zusatzakkus kaufen mit denen das Smartphone mehr wie 12 Stunden läuft, mit GPS-Empfang. Da sollte schönen Wander und Radltouren nix mehr im wege stehen. Die Apps die ich verlinkt habe sind alle kostenlos!
Wenn ich lese 60 Mio Smartphones sind in Deutschland im Gebrauch, Deutschland hat 80 Mio Einwohner, dann hat in einer Familie zumindest eine(r) ein Smartphone.
Fehlen also nur mehr Touren in den Portalen. Das gute auch für die Wanderverantwortlichen, das reinstellen in die Portale kostet nichts.
Somit läßt sich die Radl und Wanderfraktion mit wenig finanziellen Mitteln schon besser erreichen.
Wanderwege markieren macht deutlich mehr Arbeit, kostet wesentlich mehr, kostet Unterhalt, aktualisieren da der Wegeverlauf sich geändert hat kostet wieder Geld.
Da eigentlich jeder ein Smartphone hat, verstehe ich nicht warum das nicht besser genutzt wird. Die Lösung die ich zeige ist Offline, d.h. während des Wanderns/Radelns ist keine Internettverbindung notwendig.
Justmy2Cent

Grüße
Teleskopix
 

Premanturafan

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#17
Das hier bereits erwähnte Konzept in Baska in Bezug auf Wanderungen (Wanderkarten bekommt man in jedem Hotel) und Wellness (kleines Wellnesszentrum mit Swimmingpool und Sauna) ist aus meiner Sicht übertragbar in andere Regionen. Im letzten Winter hab ich bei meinem Aufenthalt in Premantura mal eine Recherche gemacht was es für Möglichkeiten für Wellness und Sauna gibt (die Tage sind kurz)- abgesehen von einer Kellersauna in einem Hotel in Medulin war nix zu finden...
Ich sehe hier wirklich großes Potential für eine Saisonverlängerung- natürlich müssen die einheimischen Gastronomiebetriebe auch mitspielen, aber hier sehe ich schon eine Enrtwicklung.In Premantura gibts zum Bespiel den "Vernat" der das gantze Jahr geöffnet hat und "es einfach probieren" möchte ob es funktioniert. Und es geht!

Nichtz zu vernachlässigen sind vor allem in Istrien die große Anzahl von italienischen Wohnungsbesitzer die ganz verrückt auf Wellness sind (von November- März stürmen sie regelmäßig die slowenischen Thermen) Die würden sicher gerne in ihrer Wohnung in Istrien sein und ein Wellnessangebot nutzen.

Ich kann mir gut vorstellen dass es EU Geld für den Tourismus (wichtigste Branche in Kroatien) gibt um die Infrastruktur weiter zu verbessern.
Ich stelle mir schon einen Februartag vor an dem ich nach einem Spaziergang im Park Kamenjak noch schnell 2 Sunden in den Whirlpool und die Sauna springe...:)
 

claus-juergen

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#19
hallo Julia,

was das Wandern angeht ist es in Kroatien immer noch so, daß viele Wanderwege schlecht bis gar nicht markiert und oft auch zugewachsen sind. Da müsste der Alpenverein oder wer auch immer einiges an Arbeit investieren.

grüsse

jürgen
 

Julia 35

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Hallo Jürgen, das finden wir auch! Wir würden viel mehr dort wandern, wenn wir wüssten wo:)
 
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