Ü50-Genuss-Schnuppersegeltörn im Frühling 2019

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Andy155

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Danke, danke. Die Dame, die mit mir schreibt, möchte nicht erwähnt werden nur, wenn jemand danach fragt.

Wo Christian schon den Kaffee anspricht... allmorgendlich war ich für den Kaffee verantwortlich, was daran lag, dass ich die Kunst des Kaffee kochens ohne Filtermaschine und ohne Filterkaffee beherrsche. Stattdessen gab es das staubfeine Zeug aus dem kroatischen Supermarktregal. Wahrscheinlich duftete es in der jeweiligen Marina immer stark nach unserem Kaffee und sobald der aufgebackt* war, kehrte leben in die Bude








Begriffskunde

*aufbacken: sagt man zu Essen, Trinken, Geschirr und Besteck auf dem Tisch bringen.

Mooring, auch Muring: heißt eine Kette oder Leine zum Festmachen von Booten an einer Mole oder Boje. Ihr Ende ist am Grund zum Bsp. an einem Betonklotz befestigt. Am anderen Ende ist eine Belegleine befestigt, welche am Boot auf die Klampe* geschlagen wird. An der Belegleine wiederum ist eine Pilotleine befestigt, welche an Land oder der Boje greifbar ist und vom Boot aus mit dem Bootshaken aufgenommen werden kann. Greift man mit der Hand nach der Mooring, muß man höllisch aufpassen, da die Leinen meist mit kleinen und verdammt scharfkantigen Muscheln versetzt sind. Das fühlt sich an, als würde man ins Maul eines Piranhas greifen.
Als absoluter Spezialist für das Aufnehmen und Lösen der Mooring kristallisierte sich bei uns der Bernd heraus.

*Klampe: heißt eine Vorrichtung zum Befestigen von Leinen. Je nach Taustärke sind die größer oder kleiner. Sie haben ein Horn nach jeder Seite und die Leine wird im Wechsel darum geschlagen. (Etwas ähnliches gab es früher an Rollos und Jalousien, wo der Faden nach dem Hochziehen in achten um auch solch eine Art Klampe gewickelt werden konnte.) Den Abschluß beim Belegen der Klampe bildet der Klampenschlag, welcher die Leine gegen unbeabsichtigtes Lösen sichert. Am Boot werden nicht nur die Mooring, sondern auch die beiden Heckleinen um eine Klampe geschlagen.



 
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Andy155

Guest
19.05.2019 Sonntag

Morgens saßen wir alle frisch geduscht und ausgeschlafen am Frühstückstisch. Nach der Stärkung blieben wir zur Besprechung des kommenden Tages im Cockpit zusammen. Es erinnerte schon ein wenig an Schulausflug, wie wir erwartungsvoll, immer noch ohne jegliche Ahnung vom Segeln, unseren Skipper mit großen Augen ansahen und gespannt waren, wo die Reise uns heute hinführen würde.



Der Skipper erklärte uns geduldig, was es alles zu beachten gibt und welche Eigenarten die jeweiligen Richtungen in Bezug auf mögliche Häfen und Marinas, Wellen, Bootsbewegungen, Windrichtungen und Wetterrisiken haben könnten. Es standen 3 Möglichkeiten zur Auswahl, die wir abwägten und man ließ dabei uns zwei gestrig Seekranke entscheiden. Im Nachhinein betrachtet haben wir eine Wahl erster Klasse getroffen.






Danach wiederholten wir nochmals einen Teil der Sicherheitseinweisung. Wir mussten alle nochmal unsere Schwimmwesten anziehen üben und dann an den Bettplätzen verstauen, damit jeder seine Weste wiederfindet falls es nötig werden sollte. Das Ganze nahmen wir sehr ernst. Je geübter, umso sicherer klappt es im Panikfall.







Vor dem Ablegen wurde noch der Wassertank aufgefüllt.



Mooringspezialist Bernd wartet auf das Kommando.






Von Maslinica sind wir vorerst mit dem Motor entlang der Nordküste von Šolta mit leichtem Ostwind Richtung Brač gestartet. Hier schütteten wir nach altem Brauch ein Gläschen alkoholischen Getränks ins Meer, um Neptun, den Gott des Meeres, gut zu stimmen. In dem Fall kam ihm ein leckerer Pelinkovac zu Gaumen.

Wir querten das Fahrwasser, in dem sämtlicher Schiffsverkehr von Split in Richtung Hvar, Vis, Korčula, Lastovo usw. verläuft und auch eine Menge Segler unterwegs waren.

Im Lee der Insel Brač setzten wir dann das Großsegel (halb) und Genua (F1) und begannen im Brački kanal Richtung Ost gegen den Wind aufzukreuzen. Bald darauf kam unsere erste Wende. So kreuzten wir ein paar Stunden im zickzack zwischen dem Festland und der Insel Brač. Nun zeigte sich bereits die gute Wahl der Strecke, wir waren beinah allein. Wir nahmen schon gut Fahrt auf. Das steuern des Bootes am Segel fühlte dabei gegenüber der Motorfahrt völlig anders an. Steht man falsch zum Wind, verliert man sofort an Fahrt und die Segel beginnen zu flattern. Auch hier galt es wieder, Begriffe zu verstehen. „Hoch am Wind“, „um Höhe kämpfen“, „abfallen“ ...








Unser Ziel hieß heute Postira, eine kleine Stadt an der Nordküste der Insel Brač. Im Hafen gäbe es laut Chris zwar keine Toiletten und Duschen, aber ein Hotel. In diesem könnte man gegen konsum eines Kaffees problemlos einen Hygienegang erledigen.

Das Anlegen war neben allem Ernst ein tolles und lustiges Erlebnis. Alle gaben Ihr Bestes und nahmen die Positionen ein, die der Skipper andachte. Die einen knoteten die Fender mittels Webeleinstek an die Reeling, die anderen begaben sich an die Backbord- und Steuerbordheckleinen, einer zum Bootshaken und dann war da noch unser Bernie... verantwortlich für die Mooring! Von Brandy dauerhaft Moränen getauft.
Es war erstaunlich, wie reibungslos das Anlegen schon am 2. Tag der ablief. Jeder wußte, was zu tun ist und Chris konnte uns sogar für unsere Arbeit loben.

Zum Abendessen sollte es für uns heute etwas ganz besonderes geben... der Skipper kocht sein Geheimrezept.
Wir wollten helfen, wurden aber liebevoll zum Landgang gedrängt. So spazierten wir durch die wunderschöne kleine Hafenstadt, fotografierten, alberten herum und freuten uns aufs Essen!
Wir fühlten uns sehr gut, frische Luft, angenehmes Wetter, tolle Stimmung mit vielen Lachtränen... kurzum die angesagte Krise war weit entfernt.
Nach gut einer Stunde kamen wir von unserer Besichtigungstour zurück und fanden den Weg an Bord immer der Nase nach. Es roch zum dahinschmelzen und die fleißigen Hände begannen sofort mit dem eindecken des Tisches und dem Einschenken des roten Tröpfchens, welches zu Essen nicht fehlen darf... der gute Plavac.






Der Skipper hatte Spagetti Tonno gekocht. Es war himmlisch und wir waren alle satt und eigentlich schläfrig nach dem Essen.

Es folgte jedoch ein geselliger Abend an Bord mit viel Gelächter und mehr oder weniger anständigen Witzen und Anekdoten.
Nicht zu vergessen, dass Chris an diesem Abend mehrfach vom nicht weit gelegenen Hotel und dessen Barmann schwärmte.
Als es später recht lustig und mit viel Musik bei uns im Boot etwas lauter wurde, trollte sich unser Skipper zum Hygienegang in sein Lieblingshotel am Platze.
Nach seiner Rückkehr überzeugte Chris uns mit schönen Worten, einen Absacker im Hotel zu nehmen und lockte uns an die Bar! Im Nachhinein war uns klar, dass er die anderen Gäste der Marina vor unserer Partymusik schützen wollte... schmunzel.
In der Bar angekommen waren die Damen vom Donner gerührt... Der Barkeeper war Mr. Big aus der Serie Sex and the City.
Es war noch ein toller Abend an der Bar und Mr. Big wusste das ein oder andere Erlebnis aus seiner Zeit in Deutschland zu berichten, was uns in schallendes Gelächter ausbrechen ließ.
Er bot uns auch freundlich an, am Morgen bei Ihm Olivenöl aus Eigenproduktion zu erstehen, was bei Teilen der Crew auch Anklang fand.

Irgendwann packte uns alle die Müdigkeit und wir begaben uns in unsere Kajüten, um dem Schaukeln des Bootes zu fröhnen und mit den vertrauten knarzenden Geräuschen des Resonanzkörpers alsbald im Land der Träume anzukommen.

Es war ein aufregender Tag, wir haben viel erlebt, gelernt und gesehen. Das Beste war aber, dass die gesamte Crew frei von Unwohlsein den Tag verbrachte.

Ein paar Fotos aus Postira:














 
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Marius

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Ein typischer Andy wieder mal.
Man muss solche Leute loben und preisen, auf dass sie lange hierbleiben und uns viel erzählen! :)
 
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Andy155

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Begriffskunde


-hoch am Wind segeln, anluven: möglichst weit gegen den Wind segeln. Direkt gegen den Wind geht mit einem Segelboot nicht. Liegt das Ziel genau in die Richtung, aus der der Wind kommt, muß man aufkreuzen.

-aufkreuzen: im zickzack auf ein Ziel zusteuern, was im Wind liegt. Es sind mehrfache Wendemanöver nötig.

-Wende: ein Kurswechsel, bei dem der Bug des Schiffes durch den Wind geht. Der Wind kommt also kurzzeitig von vorn, man muß also sehen, dass man vorher genügend Fahrt aufnimmt.

-abfallen: Kursänderung weg vom Wind.

-Großsegel: das Segel, welches am Mast gefahren wird.

-Genua: ist ein Segel, was vor dem Mast gefahren wird. Also eine bestimmte Art Vorsegel.


Logbucheintrag:



 
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Silvie75

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Danke lieber Andy für diesen tollen Bericht unseres Törns.
Da ich Mitglied dieser tollen Crew war, möchte ich noch eines anmerken:
Während unsres Aufkreuzens zwischen dem Festland und der Insel Brac (die kroatische Schreibweise gibt mein Tablet nicht her) hatten wir Zeit genug und besprachen daher unter anderem auch, wer denn die Verantwortung auf dem Boot übernehmen sollte, falls dem Kapitän was passiert. Ganz schnell waren sich alle einig, das kann nur Andy sein. Er war derjenige, der am schnellsten begriff und seine ruhige Art hat bei uns keinen Zweifel aufkommen lassen, dass er genau der Richtige ist.
Sogar das Kommando für die Wende beherrschte Andy und die Crew gehorchte.
Aber natürlich war unser Chris der beste Skipper der Welt, ruhig und besonnen.

Viele Grüße Silvie
 
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ELMA

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Dein Beitrag vom Freitag, als Ihr konzentriert die Knoten geübt habt, hat mich dazu gebracht, mein Bootsscheinlehrbuch wieder hervoruzuholen und auszuprobieren, welche Knoten ich noch beherrsche,
Wir haben vor 10 Jahren unser Boot verkauft und seither habe ich Knoten - aber andere- nur noch beim Bergsteigen gebraucht.
O je, ich habe viel nachschauen müssen- aber die Erinnerung an Klampen belegen, an Palstek ( das war der schwierige mit der Schlange) , Achtknoten, Kreuzknoten u.a. kam schnell wieder.

Steck ein Stück Leine in die Hosentasche und übe die Knoten immer wenn Du Zeit hast. Das hilft !
Toll, wie Du die Skipperpsrache schon "drauf " hast !:zustimm:

Gruß,
Elke
 

Marius

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Bravo Andy!

Und Chris hat sowieso meinen Respekt! Schoen zu sehen und zu lesen, wie das ein Vollprofi macht (siehe z.B. Logbuch).

Ich freue mich schon auf die erste Ausfahrt mit Andy als Skipper! :)
 
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Andy155

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20.05.2019 Montag

Hier füge ich zuerst einen Abschnitt ein, den Diana aus ihrer Sicht dargestellt haben möchte.

„Am Morgen kamen alle aus den Kojen gekrochen und rochen schon den frischgebrühten leckeren Kaffee, den Andy uns zubereitet hatte. Plötzlich kam dieser mit dem Handtuch über der Schulter in Badehose aus der Kabine und steuerte den Ausgang an. Da es in der Marina keine Duschen gab, beschloss er kurzerhand, in der noch eisigen Adria baden zu gehen. Uns blieben die Münder offen stehen. Andy, geprobt im Neujahrsbaden in Hvar, ließ sich von unseren Blicken nicht beeindrucken und setzte seinen Weg zielstrebig fort. Das eigentliche Spektakel folgte aber erst jetzt... Alle nahmen ihre Kaffeetassen in die Hand, zogen warme Jacken oder Pullover an und trotteten dem vermeintlich verrückt gewordenen Bader hinterher. Wie im Zoo haben wir als Zaungäste der Badeveranstaltung beigewohnt und Respekt gezollt.





Die Damen beschlossen an diesem Morgen, die warme Dusche in den bordeigenen Wellnesbereichen zu nehmen und alsbald saßen wir frisch am reich gedeckten Frühstückstisch.

Besprechung mit Seekarte



Bisher hatten wir schon 36 Seemeilen zurückgelegt und an diesem Tag sollten einige Folgen. Nach unserer Morgenbesprechung legten wir ab, Andy am Steuer, vorerst in Richtung Pučišća.“







Regenbö bei Omiš





Da wir inzwischen wunderbar sonniges Wetter hatten, sind wir zum Landgang in Pučišća aufgebrochen. Der Ort ist bekannt für seine Steinbrüche und die Steinmetzschule. Hier wird der bekannte weiße und gelbe Kalksstein, der berühmte Bračer Marmor, abgebaut und verarbeitet. Nicht nur die Steinmetzkunst sondern auch der Stein selbst ist weit über Kroatiens Grenzen hinaus bekannt. So wurde er beispielsweise im Weißen Haus und in den Parlamenten in Budapest und Wien verbaut.




Das wollten wir uns unbedingt ansehen und natürlich ein Fitzelchen des Marmors als Andenken haben. Wir haben die Steinmetzschule besichtigt und waren beeindruckt, was unter den Händen der Arbeiter und Lehrlinge vor Ort entsteht. Auch sonst ist diese Hafenstadt ein sehr sehenswertes Örtchen.
Am Boot neben uns wehte eine slowakische Flagge. Wir könnten ihren Aktivitäten entnehmen, dass sie auch am segeln lernen waren. Unsere Wege kreuzten sich im Verlauf noch mehrmals.


















Wir nutzten den Landgang noch, um einige Einkäufe für die Rasotica zu erledigen und legten schon wieder ab in Richtung des nächsten Übernachtungsortes. Das sollte heute die schöne Bucht Uvala Luka mit dem unter Seglern bekannten Restaurant Pipo sein.
Mit der eisernen Genua legten wir nach gut 2 entspannten Stunden an Land in Richtung der Bucht ab.

Die Slowaken sahen wir unterwegs bei ihren Übungen. Wie man sieht, waren sie auch gut dabei.




Nach gut eineinhalb Stunden erreichten wir unser Ziel und legten in Uvala Luka an. Wir wurden von den Betreibern der Konoba freundlich empfangen und kündigten uns zum Essen am Abend an. Mit einem gemütlichen Anlegerbier läuteten wir den entspannten Teil ein. Es war wunderschön dort.











Wie vom Skipper versprochen war das Essen zwar etwas höherpreisig, aber gut. Der Fisch wurde auf dem Tisch durch den Wirt selber zerteilt.




Nach einem tollen Abend in der Konoba und vielen Fotos vom Schauspiel der Wolken über dem Biokovo gab es guten Wein und der Salon des Bootes wurde zur Spielhölle. Wir hatten Riesenspass beim Maxwürfeln.




Überhaupt waren wir eine echt tolle Truppe! Es lief alles harmonisch, lustig und trotzdem wertschätzend ab. Dadurch wurde das Erlebnis Segeln bereits jetzt zu einer wunderbaren Erfahrung... aber es war ja erst Montag... Die Krise musste ja nun bald im Anmarsch sein. Für heute blieb sie aus und wir genossen den Abend. Da nur drei Boote in der Bucht festgemacht hatten, legte sich eine friedliche Ruhe über uns und wir schliefen wie die Engel.

Bis? Ja bis wann? Bis wir Andys göttlichen Kaffe erschnupperten!
 

Marius

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Haha, ein herrlicher Abschluss, da schließt sich der (Kaffee-) Kreis zum Anfang, ach, wie schön.

Andy ist sowieso ein Traum. Stellt euch mal vor, der würde nicht nur Fotos sondern auch Videos machen, also ich meine echte Videos, nicht „Fotostrecken“

Also ich habe leider nicht so viel Geld, um einen Andy zu engagieren, aber bei Kost & Logis wäre ich dabei! ;-)

Ich freue mich auch schon sehr auf Chris‘ Urteil, ob eh alle brav waren! :)
 

Heiko705

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Toller Beitrag, Andy. Gefällt mir außerordentlich. Der Bericht gehört wirklich mit zu den Besten! Eine Frage drängt sich mir auf: Ist die Uvala Luka auf Brač? Liegt sie in der Nähe von Povlja?
 
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