Ü50-Genuss-Schnuppersegeltörn im Frühling 2019

Daniel_567

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Andy155

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22.05.2019, Mittwoch, TEIL 2

Wir waren mit den Käfern unterwegs und Christian konnte in der Marina aushandeln, dass das Boot bis ca. 16:00 Uhr liegen bleiben konnte, ohne dass wir nachzahlen müssten.
Als wir die Autos zurück gegeben hatten und die Entscheidung zum Peka essen viel, war nur die Frage offen, welche Art Peka jeder bevorzugt. Ich hatte noch nie Peka und die erste sollte unbedingt eine Lammpeka sein. Silvie dachte genau so. Christian wollte Oktopus, Diana mag beides nicht und wollte Kalb usw. ... Meine Befürchtung, dass das zuviel Sonderwünsche für 7 Personen seien, war unbegründet, die Bestellung wurde entgegen genommen.

Beim Ablegen in Vrboska war noch leichter Nieselregen, ringsherum war aber bereits blauer Himmel, wir sahen sogar noch einen Regenbogen. Im Hvarski Kanal zwischen den Inseln Hvar und Brač in westliche Richtung fahrend hatten wir wieder bestes Wetter. Für ein Stück des Weges setzten wir das Vorsegel zusätzlich zum laufenden Motor.
Ab dieser Fahrt begannen wir, so glaube ich, die Woche so richtig zu genießen. Uns auf dem Boot sonnend fuhren wir vorbei am Vidova Gora (dem höchsten Punkt der Insel Brač) und hörten dabei aus dem mitgebrachten Bluetooth-Lautsprecher erst “Kordula Grün” und dann Tomislav Bralić’s “Samo more nosim ja u duši”.
In dem Moment trugen auch wir nichts anderes mehr in unsere Seele, als das Meer.
Zu “Kordula Grün“ wird bestimmt im Nachgang von Christian noch etwas folgen...










In der Tiha-Bucht bei Stari Grad ist das Restaurant Veli Dolac. Dort wird ausschließlich Peka und ausschließlich auf Vorbestellung zubereitet. Man hat in der Bucht die Möglichkeit, an einer Boje fest zu machen. Das war wieder etwas Neues. Chris erklärte vorher den Ablauf und die möglichen Fehler. Beim zweiten Versuch klappte es, wobei Bernd wieder die Aufgabe des Mooring fangens hatte. Unterschied war hier, dass ihm niemand die Mooringleine von Land aus hochziehen konnte, sondern er sie sich mit dem Bootshaken selbst aus dem Wasser fischen mußte. Wir hatten eine Boje weit hinten, wodurch das Wasser in der Bucht äußerst ruhig war.

Die Tiha-Bucht mit dem Restaurant:









Danach ließen wir das Beiboot zu Wasser. Das Stück kann man paddeln, meinte Chris. Der Außenborder sei nicht nötig. So wurde ich nebst Bernd von Chris als erste am Steg des Restaurants abgesetzt und Chris paddelte zurück. Als nächstes sollten die 3 Frauen übersetzen. Was dann folgte, konntet ihr oben in dem Video schon sehen, aus meiner Sicht von der anderen Seite sah das so aus:







Während die Crew also noch mit dem Übersetzen beschäftigt war, ging ich die paar Stufen zum Restauarant hinauf und wurde von der überaus netten Kellnerin in Empfang genommen. „Dobra večer, mi smo brod Rasotica i smo 7 ljudi.” Sie staunte nicht schlecht und deutete mir in ihrer Sprache antwortend auf einen bereits eingedeckten Tisch für 7 Personen. Ihr Mann war am Pekaofen zu Gange und begrüßte mich ebenfalls freundlich. Auf meine Frage: „Što mislite, kada možemo jesti?” bekam ich die überraschende Antwort: „Pet minuta.“ In 5 Minuten...!!! wir waren also auf den Punkt zur richtigen Zeit hier angekommen.
Sie animierten mich noch, die Peka im Ofen zu fotografieren, bevor sie rausgenommen wird. Woher ich kroatisch kann, wollten sie noch wissen. Ich erklärte, weil ich zu Hause immer Radio Dalmacija höre und äffte einen Werbespot nach, der dort ständig läuft. Sie äfften ebenfalls einen solchen nach und wir standen da und mußten laut lachen.
Zwischenzeitlich war der Rest auch da und neben Bier und Wein wurde die Peka serviert. Alle waren begeistert. Es wird sehr schwer sein, diese Peka jemals zu übertreffen. So hatten wir nicht nur einen vrhunsku vina auf dem Tisch sondern auch eine vrhunsku peku...

Zwischenzeitlich konnte ich der Dame, unauffällig auf Bernd deutend, ein „On ima rođendan danas!” zuflüstern, was sie mit Augenzwinkern bestätigte. Zu aller Überraschung kam dann einige Zeit nach dem Essen noch ein Happy Birthday - Kuchen auf die Tafel. Das machte den Abend rund. Erst als es bereits stockdunkel war, begannen wir, wieder in Gruppen zu unserem Boot überzusetzen. Das verlief diesmal recht unspektakulär.
Weil es hier so schön war, vereinbarten wir für den nächsten Morgen, alle Fünfe gerade sein zu lassen und erstmal mit Sonnen und Baden in den Tag hineinzuleben.

Diese Nacht an der Boje verlief äußerst ruhig. Der Resonanzkörper hatte heute Sendepause.







 
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Heiko705

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Das war ja mal ein klasse Tag! Boah! Und die Käfer-Cabrios hätten mir auch super gefallen. Da habt Ihr viel erlebt. Besser geht's ja gar nich'. Das zweite Video fand' ich noch besser.

Aber sag' mal, Andy: Das war doch nich' Dein Ernst, dass Du nur durch Radio Dalmacija die Sprache so gut kannst, oder?;)
 

Heiko705

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Ja, dann ist alles klar! Ich hab' mich nämlich schon gewundert. Hab' auch desöfteren Radio Rijeka oder Radio Dalmacija gehört, doch dadurch kann ich noch nicht viel mehr.
 
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Andy155

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23.05.2019, Donnerstag.


Wie verabredet, ließen wir es heute ruhig angehen. Ausschlafen, frühstücken, sonnen, baden. So war der Plan und so wurde es auch gemacht. Die Bucht war dazu ideal.

Erwähnen möchte ich, dass das Anlegen an der Boje auch bezahlt werden mußte. Immer, wenn ein Boot an einer Boje fest machte, kam ein kleines Motorboot angefahren und es wurden gegen Quittung 35€ kassiert. Als hätte es hinter einem Felsvorsprung auf der Lauer gelegen. Hier fragte ich mich ernsthaft, warum ich jeden Tag zur Arbeit gehe. Ich bräuchte nur ein paar Bojen...

Wir bauten heute auch den kleinen Außenborder ans Schlauchboot, für den Fall, dass jemanden ganz plötzlich das dringende Bedürfnis eines Hygienegangs an Land überkommt.




Am Nachmittag verließen wir die Bucht für eine Einkaufsfahrt nach Stari Grad. Eigentlich wollten wir am Fährhafen einkaufen gehen. Wegen des aufkommenden Windes und unruhigen Wassers war ein Anlegen aber nicht gefahrlos möglich. Abgesehen davon wäre eh kein Platz gewesen. Wir fuhren statt dessen zum Stadthafen von Stari Grad. Hier konnten wir für die Dauer des Einkaufs kostenlos festmachten, die Zeit reichte sogar noch für einen kurzen Imbiss bestehend aus Bockwurst und Bier auf dem Boot.









Von hier aus wollten wir für die nächste Nacht in die uvala Smrka, eine Bucht zur Insel Brać gehörig. Dort gibt es einen U-Boot-Bunker und man könne früh morgens die Fischer beobachten. Wir kreuzten also segelnd auf, aber der Wind war dann doch zu stark und es würde wahrscheinlich zu spät werden. Wir fuhren also nur wieder zurück bis zur Tiha-Bucht und wählten wieder eine Boje, was heute beim ersten Mal gelang. Diese lag jedoch windmäßig ungünstig, das Boot schaukelte unruhig und unangenehm. Also nochmal losmachen und eine andere Boje gewählt, übrigens genau die, die wir schon letzte Nacht hatten. Kaum wieder festgemacht, kam auch schon das Kassierermotorboot...

Wir ließen erneut das Beiboot zu Wasser, um zum Peka-Restaurant zu kommen. Heute saßen wir dort aber lediglich bei einer Flasche Wein.





Die Männer nahmen noch ein Bier, die Frauen fuhren schon aufs Boot zurück und bereiteten das Abendessen. Natürlich unterhielten wir uns auch wieder mit dem Peka-Mann. Zum Abschied winkte er uns noch heran und fragte nach unseren T-Shirt-Größen. Zu unserem Erstaunen schenkte er uns jeden ein Funktionsshirt mit der Aufschrift seines Restaurants.

Zurück beim Boot schauten auch die Frauen nicht schlecht und waren, natürlich zurecht, empört, dass sie keins bekommen hatten. Der Außenborder war schon abgebaut, also ruderte ich nochmals zurück. Auf meinen Satz „Naše žene su sada tužne!” (Unsere Frauen sind jetzt traurig!) wußte der Peka-Chef sofort Bescheid und öffnete nochmals seine Schatzkiste für weitere 3 Shirts. So ließ sich auch heute wieder jegliche Krise auf dem Boot vermeiden

War es heute Abend oder schon gestern? Ich weiß es nicht mehr, jedenfalls würfelten wir noch eine Runde. Es war ein Würfelspiel, bei dem man mit etwas Risiko viel gewinnen konnte oder eben alles verlieren. Unser Käpt‘n, der nie ein Risiko einging, gewann heute trotzdem. Ganz so, wie es sich für einen Skipper mit einer unerfahrenen Crew gehört...
 
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Andy155

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24.05.2019, Freitag


Die Nacht war unruhig, an Schlaf kaum zu denken. Die Boje wollte sich nicht mit dem Bootskörper vertragen und die Wasserbewegungen taten ihr Übriges dazu, dass beide die ganze Nacht aufeinander einschlugen. Das hörte sich an, als würde jemand unaufhörlich mit einem Gummiball gegen eine Wand schießen, genau links neben unseren Köpfen.

Dazu kam plötzlich und ohne Vorwarnung ein fürchterliches Geklopfe und Vibrieren rechts neben unseren Köpfen, gleich hinter der nur sehr dünnen, geschreinerten Wand. Der Diesel sprang an.

Es war kurz nach 6 und der Käpt‘n hatte das Boot von der Boje gelöst und steuerte bereits die Ausfahrt der Bucht an. Gleichzeitig mit mir stiegen Sonja und Brandy aus den Kojen. Sie schliefen auf der anderen Seite des Dieselungetüms.

Wir nahmen Kurs Richtung der Smrkva-Bucht, wo wir vorhatten, zu frühstücken. Das Meer war ruhig, es waren keine Schiffe unterwegs und trotz des tuckernden Motors war es eine friedliche Stille. Es war noch kühl, aber langsam kam die Sonne hoch.

Brandy und Sonja genießen die morgendliche Ruhe, 07:09 Uhr.




Als wir den Hvarski Kanal queren wollten, kam wie aus dem nichts starker Wind auf. Es fühlte sich zuerst an wie Jugo, nach ein paar Minuten wie Bura. Auf jeden Fall waren beide für die Bootsbewegung unangenehm. Christian ließ ein Stützsegel setzen, um etwas mehr Stabilität zu erreichen. Mit der träumerischen Ruhe war es jedenfalls vorbei. Die Bucht Smrkva konnten wir auch vergessen, ihrer Lage wegen hätten wir dort auch keinen ruhigen Liegeplatz gehabt.

Wir steuerten stattdessen Richtung Splitska Vrata. Das ist die Durchfahrt zwischen der Insel Šolta und der Insel Brač. Sie ist wie ein Nadelöhr, durch den der ganze Verkehr von und nach Split geht. Mittlerweile war es auch sehr belebt.




Als wir hindurch waren, war wieder mirno more und die Sonne kam raus. Wir beschlossen, nach Milna/Brač zu fahren. Hier legten wir an. Es war gegen 9:00 Uhr und für 100 Kuna dürften wir bis 12:00 Uhr bleiben. Duschen, Toiletten, Strom... alles dabei.

Zufahrt Milna


So war es immer. Wenn das Boot am Strom hing, wurde alles geladen, was Akkus hat. Handys, Tablets, Uhr, Powerbank, E-Zigarette...



Nachdem alle frisch geduscht waren, schwärmten wir zum Stadtrundgang im sonnigen Milna aus. Auch davon zeige ich gerne ein paar Fotos, jedoch muß ich die selbst erst schnell sichten. Deshalb:

...to be continued!


Brandy und Andy, Spontanselfie in Milna.
 
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Andy155

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Wir hatten eine Starterbattetie und eine Verbraucherbatterie, welche natürlich bei Motorfahrt geladen wurden. Diese funktionierten zwar, aus Chris‘ Logbuchaufzeichnungen geht aber hervor, dass beide nicht mehr die „fittesten“ waren.
 
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Andy155

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In Milna hatten wir noch etwas Zeit für einen Spaziergang. Diana und ich setzten uns etwas ab, gingen zu zweit los und hockten uns in der Altstadt ans Wasser auf einen Kaffee. Wir waren letztes Jahr schon mal hier, mußten also nicht unbedingt auf Entdeckertour und vielleicht war es doch mal der Wunsch nach etwas Zweisamkeit.















Von Milna aus fuhren wir ziemlich westlich quer rüber zur Bucht Gornja krušica (Insel Šolta). Dort hatten wir vor zu baden und eine Brotzeit abzuhalten. Es gab weder Mole noch Bojen. Wir benutzten zum ersten Mal den Anker, was auch eine Wissenschaft für sich ist, will man alles richtig machen. Hierbei zeigten sich die Frauen als hervorragende Matrosen, der Anker wurde von ihnen bedient. Chris erklärte, wie immer, alles vorher sehr genau. Die Wassertiefe betrug um die 15m und wir hatten 40m Ankerkette bei ablandigem Wind draußen.

Baden wollte dann doch keiner, also Picknick im Salon. Das Boot bewegte sich allerdings an der Ankerkette so schnell hin und her, hin und her, hin und her, dass beim Essen nicht wirklich Freude aufkam. Man hatte das Gefühl, wir brauchen die ganze Breite der Bucht für unser hin und her. Sah man aus dem Fenster, zog die Landschaft vorbei, als säße man im Zug.

Draußen fühlte sich das nicht so schlimm an und wir nutzten die Zeit und das schöne Licht noch für Fotos. In den Köpfen hatte sich schon eine etwas melancholische Gemütsstimmung breit gemacht, war das doch unser letzter Seetag. Gleichzeitig waren wir in diesem Moment wahrscheinlich die glücklichsten Menschen der Welt.

Wie man sieht, kann auch Chris mit der Kamera umgehen. Von links nach rechts: @Silvie75, Bernd, Brandy, Sonja, Diana, @Andy155.



Was nun noch folgte war die Rückfahrt nach Kaštela zum Heimathafen. Hört sich traurig an, das Gegenteil war der Fall. Es wurde spannend, stand doch guter Wind und eine Menge Segelboote waren in die selbe Richtung unterwegs. Es war regelrechte Rush-hour. Der Wind drückte uns mit Affenzahn durch die Enge zwischen der Insel Čiovo und dem Cup Marjan hindurch.
In dieser Düse, wie Chris es bezeichnete, übernahm er das Steuer selbst. Im Formationsflug mit ein paar anderen Seglern schossen wir mit extremer Schräglage durchs Wasser. Chris fuhr dabei das Boot, als wäre es ein Go-Kart. ;-) Dazwischen fuhren noch Windsurfer mit ihren bunten Segeln. Wir hatten hier nochmal riesigen Spaß.

Der Anführer der Hells Angels war auch auf dem Boot.



Reflektion.



Was fehlt jetzt noch? Mmh... ganz fertig sind wir noch nicht.
 
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