Ist der Mindestlohn niedriger als der niedrigste Lohn, für den jemand in Deutschland arbeitet, brauche ich keinen Mindestlohn. Ist der Mindestlohn so hoch wie der niedrigste Lohn, für den eine relevante Anzahl von Menschen arbeitet, brauche ich keinen Mindestlohn. Ist der Mindestlohn so hoch, dass ihn kaum jemand für einfache Tätigkeiten zahlen kann, ist der Mindestlohn ebenso falsch.
Eine erstmal schlüssige Argumentation, die nicht von mir stammt. Der Haken dabei ist, so einfach ist die Welt nicht.
Gerne möchte ich zuerst auf die Mär eingehen, dass die Jobs nach Asien oder sonstwohin in die Welt verlagert würden. Die Jobs, bei denen es sich lohnt sie tausende Kilometer zu verlagern, sind bereits verlagert. Wir müssen uns also über die Jobs unterhalten, die aus diversen Gründen nicht verlagert werden können.
Ein Beispiel. Ein Unternehmen möchte den Pförtner nicht mehr selber anstellen, sondern lieber eine Sicherheitsfirma damit beauftragen. Sie schreibt den Job also aus und nimmt, welch Wunder, das billigste Angebot. Machen übrigens selbst Behörden (leider) nicht anders. Diese Arbeit ist sicher keine Raketenwissenschaft, weshalb sich immer Menschen finden lassen, die, sofern sie unbedingt arbeiten wollen, das auch für den niedrigst möglichen Preis machen. Was hindert nun eine Sicherheitsfirma daran ein Angebot abzugeben, von dem noch nicht mal der Mitarbeiter bezahlt werden könnte? Nichts. Denn den Rest bis zum Existenzminimum des Angestellten stockt die Arbeitsagentur auf. Selbiges gilt für Reinigungskräfte und weitere Dienstleistungen, die nur zu gern ausgelagert werden, um die eigenen Haustarifverträge zu umgehen. Damit auch kein Wunder, dass Lohndumping geradezu gefördert wird, obwohl sich der Konzern X sehr wohl auch einen höheren Preis leisten könnte. Zur Gewinnsteigerung wird aber jeder Cent gerne eingespart.
Anderes Beispiel der Friseur. Ein Männerhaarschnitt für 15 Euro, der mindestens 15 Minuten dauert und in diesem Preis soll der Unterhalt für das Geschäft enthalten sein sowie der Verdienstausfall bei Krankheit? Wie kann das funktionieren? Aufstockung durch die Arbeitsagentur. Dass auch diese Tätigkeit nur extrem bedingt nach Indien ausgelagert werden kann, dürfte einleuchten.
Natürlich könnte man sagen, dann legt man für diese Branchen einen Mindestlohn fest. Da der Aufwand deutlich übersichtlicher ist bei einem generellen Mindestlohn, halte ich das für die bessere Wahl. Sollte er in bestimmten Branchen nicht ausreichend sein, kann man für diese tatsächlich einen eigenen Mindestlohn festlegen. Dürfte aber eher die Ausnahme sein.
Abschließend stelle ich die These auf, dass sich durch den Mindestlohn die Arbeitslosenquote nicht markant erhöhen wird. Für die Zahlungen in die Sozialkassen, behaupte ich, dass dadurch sogar mehr eingehen wird als für die wenigen tatsächlichen zusätzlichen Arbeitslosen aufgebracht werden muss. Ob dem so sein wird, bleibt abzuwarten. Ich bin mir aber sicher, sollte es zu markanten Fehlentwicklungen durch den Mindestlohn kommen, kann dieser angepasst werden und ist nicht in Stein gemeiselt.