Croatia Airlines soll privatisiert werden

claus-juergen

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#1
hallo,

Scheinbar ist es mal wieder so weit. Vor Jahren schon sollte die immer noch staatliche Fluggesellschaft Croatia Airlines privatisiert werden. Wie auch Allitalia wollte jedoch keine andere Fluggesellschaft das Unternehmen kaufen. Vor allem im letzten Jahr wurde jedoch eine Rekordzahl an Passagieren befördert. Nun hofft die Regierung darauf, einen Käufer zu finden.

http://kroatien-nachrichten.de/privatisierung-der-croatia-airlines-wird-vorangetrieben/

Croatia Airlines gehört mit etwa 15 Flugzeugen zum führenden Verbund von Fluggesellschaften Star Alliance unter Führung der Lufthansa.

https://de.wikipedia.org/wiki/Croatia_Airlines

grüsse

jürgen
 

claus-juergen

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#3
hallo Serge,

das kann man doch zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht sagen. Fakt ist, daß den Laden bisher niemand kaufen wollte. Vermutlich ist das Unternehmen nach der guten letztjährigen Saison mehr wert. Da ist es doch verständlich, daß der kroatische Staat nun Kasse machen will.

Ehrlich gesagt ist es auch nicht Aufgabe des Staates, eine Fluggesellschaft zu betreiben. In den anderen EU-Ländern wurden die alle schon längst privatisiert. Nur mit Allitalia ist es ein einziges Theater. Seit 20 Jahren verdient diese Gesellschaft kein Geld und ging zuletzt in Konkurs. Dabei hat der italienische Staat ständig Geld ins Unternehmen gesteckt und tut das bis zum heutigen Tag. Da sind Konflikte wegen dieser Subventionen mit der EU vorprogrammiert.

Du kennst das doch aus deiner Heimat mit der Swissair. Das selbe Spiel ging schon mit dieser Fluggesellschaft schief. Als der Luftraum liberalisiert wurde und die Konkurrenz die Schweiz zu den selben Bedingungen anfliegen konnte, war die ehemalige Top-Fluggesellschaft 2002 pleite. Den Rest hat die Lufthansa geschluckt.

Ich meine, daß grundsätzlich der Staat sich nicht als Unternehmer betätigen sollte. Die Privatwirtschaft kann das fast immer besser. Deshalb ist die Privatisierung der Croatia Airlines, die noch dazu von der EU gefordert wird, ein zwingendes Muß.

grüsse

jürgen
 

LoveCroatia

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#4
Dann soll aber bitte ein anständiger Preids bezahlt werden und nicht wie sonst in HR alles an Freunde verschachert werden.
 

claus-juergen

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#5
hallo Serge,

bei Firmenübernahmen dieser Größe sind Due-Diligence-Prüfungen eigentlich Pflicht. Deren Ergebnis bestimmt in etwa den Kaufpreis eines Unternehmens. Ob Kroatien allerdings all das Geld, welches in den letzten 20 Jahren direkt oder versteckt in die Airline geflossen ist, wieder hereinbekommt steht auf einem anderen Blatt Papier.

Sicherlich wird der Kaufpreis, wenn es denn zu einem Verkauf kommen sollte, bekannt gegeben. Sicherlich können wir auch die weitere Entwicklung des Unternehmes verfolgen.

Allein die Tatsache, daß Croatia Airlines nicht an der Börse platziert werden soll, spricht schon für sich. So können wir beide uns nicht beteiligen. Vielleicht fürchtet der kroatische Staat aber auch, daß die Aktien nicht weggehen. Das wäre dann wiederum eine Blamage.

Vielleicht gehen aber in nächster Zeit auch Übernahmeofferten seriöser und solventer Airlines ein. Die Lufthansa wäre für mich so ein Kandidat. Warten wir also ab...

grüsse

jürgen
 
N

nihil-est

Guest
#6
Ich urpersönlich sehe die Fragestellung an sich etwas anders. Habe natürlich auch das Thema verfolgt, bin selber mit denen öfters geflogen ( wie Mitforisten ja wissen aus älteren Beiträgen von mir ).

" Too big to fail " oder gar Systemrelevant sind geflügelte Vokabeln. Auch in Kroatien.

Croatia Airlines, ein an sich kleines Unternehmen der Branche in einem kleinen Staat. Staatsunternehmen.

Die Zeit der Staatsunternehmen an sich, erst recht strategisch gesehen, ist m.E. längst vorbei. Sowas ist überholte Denkweise von vor über 30 Jahren in den allermeisten Branchen.
Eine eigene " Staatsairline " zu haben gehört für mich hierzu. In heutiger Zeit überbewertetes Prestigedenken.

Wohl&Wehe des Staates ( als EU-Staat ), 900 Mitarbeiter, 15 Flugzeuge, hängen sicherlich nicht von diesem Staatsbetrieb ab ohne jede Schlüsselstellung mit gar Alleinstellungsmerkmal.

Staatsunternehmen dieser Art&Grösse sind moderne Groschengräber. Selbst in viel grösseren Staaten wie Italien ( Alitalia ) übrigens scheiterte eine Privatisierungsbemühung achtkantig ( Kurzversion ).

Da hat unser @claus-juergen , eine interessante Frage aufgeworfen. Privatisierung an der Börse für alle. Keine Seltenheit wie wir alle wissen. Erst recht nicht in dieser hart umkämpften Branche.
15 Flugzeuge incl. Streckenrechte ( = Aktiva ), grob das Geschäftsmodell, was kann sowas an Wert haben?

Ich lehne mich jetzt etwas aus dem Fenster raus - was den Flugverkehr bezüglich Kroatien betrifft, nix&niemand würde es merken wenn diese Kapazitäten urplötzlich fehlen würden. Besser aufgestellte Fluggesellschaften, mit Leerkapazitäten, würden die kleine Bresche sofort bedienen können und auch ausfüllen.


Gruss in die Runde


Gerd
 

claus-juergen

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#7
hallo Gerd,

du siehst das Thema so wie ich. Ergänzend sei erwähnt, daß vermutlich der Wert so einer kleinen Fluggesellschaften nur in den Slots liegt. Das sind die Start- und Landezeiten. Liegen die günstig z. B. vom späten Vormittag bis zum späten Nachmittag, dann ist deren Wert höher einzustufen als die Slots in den Nachtstunden. Diese sind hingegen bei den Billigfluggesellschaften beliebt, weil die sich direkt auf den Ticketpreis auswirken.

Die Flugzeuge von Croatia Airlines sind vermutlich eh nichts wert, da sie geleast sind. Möglicherweise besteht der Wert der Gesellschaft in qualifiziertem Personal. Das war es dann schon.

Damit ist klar, daß nur die Übernahme durch eine andere Fluggesellschaft Sinn macht. Wir werden es sicher erfahren, ob der Staat hier eine nennenswerte Einnahme zu verzeichnen hat. Ich glaube es eher nicht.

grüsse

jürgen
 

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#8
Das heisst die Arbeitsplätze von der Airline gehen auch noch flöten....man kann Swissair mit Hub Zürich nicht mit Croatia gleichsetzen.
Die Swissair ging an ihrem Grössenwahnsinn zu Bruch.
 

claus-juergen

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#9
hallo Serge,

nein, bezüglich der Arbeitskräfte würde ich mir keine Sorgen machen. Das fliegende Personal ist eh weniger ortsgebunden als das Bodenpersonal. Piloten sind derzeit in der zivilen Luftfahrt durchaus gesucht.

Die Swissair ist tatsächlich nicht mit der Croatia Airlines gleichzusetzen, war die Swissair seinerzeit glaublich ein Vielfaches größer. Warum die letztendlich pleite ging, entzieht sich meiner Kenntnis. Jetzt unter dem Dach der Lufthansa läuft die Nachfolgefirma mit der Tochter Edelweiss anscheinend recht gut.

grüsse

jürgen
 

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#10
Swiss auch....streiken auch ned sondern arbeiten gut und dafür gibts gute Entlöhnung.
 

claus-juergen

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#11
hallo,

eine zehnköpfige Kommission soll es wohl richten. Die Tatsache, daß der Investor aus der EU kommen muß, ist eigentlich auch klar, weil nach den Regeln mehr als 50 % der Anteile einer Fluggesellschaft in der EU verbleiben müssen, da sonst Landerechte entzogen werden können. Das ist der Grund, warum die britische Easyjet derzeit ihre englischen Anteilseigner loshaben möchte.

http://kroatien-nachrichten.de/zehn...privatisierung-von-croatia-airlines-anfuhren/

grüsse

jürgen
 

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#12
Hallo Wirtschaftsexperten,

nachdem ich mal wieder in einem Flieger irgendwo über dem Pazifik rumgondle, möchte ich nun auch meinen Senf zur Croatia Airlines abgeben…
Eine eigene " Staatsairline " zu haben gehört für mich hierzu. In heutiger Zeit überbewertetes Prestigedenken.
Jawohl, 2019 in der EU klarer Fall. Da floß schon viel Geld rein um heute gerade mal eine „schwarze 0“ zu erreichen (margin 0.02%).

Bitte vergesst jedoch nicht, dass es eine Zeit vor der EU gab. Versetzen wir uns doch in die Zeit 1997-2000. Für den Flugverkehr und die Politik galten da noch andere Regeln, z. B.:
  • Flugrechte: innerhalb eines Staates darf nur eine ansässige Airline Flüge durchführen (jetzt EU-weit+Sonderrechte)
  • Tourismus: sehr wenige Touristen im Land, insbesondere Mittel-/Süddalmatien.
  • Infrastruktur: die Autobahn A1 endete bei Karlovac, Brücken oft noch in Konstruktion
  • Finanzausstattung: das Land ist im Aufbau, private Hochrisiko-Investoren mit dem Kleingeld für eine Airline gab es wahrscheinlich noch nicht, Investoren aus dem Ausland waren von der Aggression noch abgeschreckt
Was also tun um die Touristen wieder ins Land zu führen, den eigenen Bürgern zeitgemäße Mobilität zu bieten und schnelle Fracht transportieren zu können?

Vielleicht gründet/finanziert man selbst eine Airline?

Ich gebe es offen zu. Wir waren die Jahre um 2000 sehr dankbar, dass es die Croatia Airline gab. Als Jugendlicher bin ich mehrmals die Woche USA, UK, Frankreich, Deutschland nach Zagreb, Split und Dubrovnik gependelt. Viele hundert Flüge waren das, innerhalb Kroatiens natürlich nur die Croatia Airline. Die Inlandsflüge waren (in meiner Erinnerung) immer voll. Klar, ohne die Autobahn hatte man eigentlich nur den Flug um Behördengänge in Zagreb, Familien- und Arztbesuche zu realisieren. Das Land war noch zentral auf Zagreb ausgerichtet und digital war schon 2x nichts. Denkt auch an die Reiseveranstalter.

Verdict: Heute ein antikes Konstrukt, aber binnen der Phase des Aufbaus womöglich ein wichtiges Werkzeug, um das Land wieder zum Leben zu erwecken.

Grüße

Ben
 
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Marius

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#13
Bisher habe ich mich in diesem Strang erfolgreich zurueck gehalten, ich hoffe, das schaffe ich weiterhin. :)
 
N

nihil-est

Guest
#14
Mojen @hiking & biking ,

den zeitgeschichtlichen Diskurs, neuere Zeitgeschichte, beschreibst Du wunderbar im Kontext. Keine Frage.

In Zeiten vom Real-time-Aktienkurs hat das aber keinerlei Bedeutung mehr. Von weiteren wertgebenden modernen Attributen sind wir fern!
Selbst geopolitisch ( jüngst NL Invest in Air France ) sehe ich nicht als Streif am Himmel - geht auch schief Ethiad vs Air Berlin wie wir wissen.

Innerkroatisch, Costal mit den Wasserflugzeugen, bringt kein tragfähiges Modell derzeit. Eine Einbahnstrasse auf der sich just eine weitere kroat. Fluggesellschaft zu gründen versucht.

Das ein europ. Player auf Croatia Airlines anspringt? Sehe ich nicht aktuell. Ladenhüter-Airlines gibt es genug.
Blick auf die intern. Player. Zubringer zu Drehkreuzen. Sehe ich jetzt auch nicht.

Ein aktuell tragfähiges Modell, sogar innerhalb der Star-Alliance, was nicht austauschbar ist sehe weder ich noch ein Investor. Nur darum ist es ja eine Staatslinie noch. Das in einem Markt mit Überkapazitäten, denkbar schlechte Ausgangslage.


Gruss


Gerd
 
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