Istrien
Seite 1 von 6 123 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 58

Thema: Goldies Bootfahrererlebnisse zu YU-Zeiten

  1. #1
    Forum-Guide Avatar von Goldie
    Registriert seit
    Mar 2007
    Beiträge
    788
    Danke
    1.416
    643 Mal bedankt in 263 Beiträgen

    Goldies Bootfahrererlebnisse zu YU-Zeiten

    In den 60er Jahren war es soweit: Flußfahrten und Wasserskilaufen vom Winterende bis zum Winteranfang waren ja super, aber die Adria lockte und reizte uns gewaltig. Also Sportboot verkauft und ein Kajütboot gekauft, welches wir mit 2 König-AB á 65 PS bestückten. Wow! War das Boot damit schnell (wenn diese "Eier", wie sie in Bootfahrerkreisen genannt wurden, richtig liefen, wovon wir natürlich ausgingen). Schnell sollte das Boot ja auch sein, denn wir wollten in unserem 7-wöchigen Urlaub richtig Strecke machen und auch auf der Adria Wasserski laufen können.

    Unser Zugwagen: Borgward Isabella Ts Coupe. Na, das war doch was. Nur der Lack war nicht mehr so schön. In Opatija wollten wir unseren Törn starten. Lt. Reisebeschreibungen war Opatija ein mondäner Kurort mit suptropischer Vegetation. Da läßt man sich doch nicht mit einem Auto sehen, welches nicht prächtig aussah. Beschlossene Sache: Das Auto wird (und wurde) neu lackiert. Es erstrahlte bald in neuem Glanz = leuchtend rot. Na, das hatte doch was. Mit einem so aussehenden Pkw konnte man sich doch wohl auch in einem mondänen Kurort sehen lassen.

    Einige Tage später ging es ab in den Urlaub. Eine Fahrtbeschreibung erspare ich mir. Die Fahrt kann sowieso nur jemand nachempfinden, der seinerzeit von Norddeutschland aus mit dem Pkw und einem schweren Anhänger im Schlepp bis an die YU-Adria gefahren ist.

    Unseren leuchtend roten Borgward betreffend möchte ich an dieser Stelle den Ereignissen vorgreifen:

    Wir stellten ihn auf der bewachten Hafenmole in Opatija ab. Als wir uns bei der Rückkehr von unserem 7-wöchigen Törn der Mole näherten, hielten wir natürlich bereits von Weitem schon Ausschau nach unserem feuerroten Borgward. Wir entdeckten ihn nicht. Panik war angesagt. Man hatte uns unser Auto geklaut! Was nun? Wir rauschten in den Hafen, machten notdürftig das Boot fest, brachten mit affenartiger Geschwindigkeit unsere Kletterpartie auf die sehr hohe Mole hinter uns und stürmten durch die Reihen der abgestellten Fahrzeuge. Jetzt wollt Ihr wohl wissen wie die Sache ausging. Gelle? Natürlich einfach und logisch:
    Man hatte uns nicht das Auto geklaut. Wir haben es erst nur nicht wiedererkannt. Der frische Lack, der damals wohl auch nicht der beste war, mochte die salzhaltige Luft und die pralle Sonne nicht. Und so kam es, daß wir mit einem glanzlosen, zart rosefarbenen Auto die Heimreise antreten mußten. Machte uns nicht wirklich etwas aus. Wir hatten uns gut erholt und nahmen es deshalb ziemlich gelassen hin.

    Vorausgeschickt sei auch noch folgendes:

    Handys gab es noch nicht. Funk durfte man seinerzeit in YU nicht haben. Daß man mal von irgendwo aus nach Hause telefonieren konnte klappte nie. Man kam telefonisch einfach nicht aus YU raus. Erst in nachfolgenden Urlauben hatten wir den Bogen raus = geschniegelt und gebügelt ein sehr großes Hotel aufsuchen, so tun, als sei man dort Gast, und dann hatte man oft wirklich das Glück, daß eine Verbindung zustande kam.

    Leider stellte sich auch heraus, daß Seekarten und Hafenhandbücher, an die für UNS seinerzeit ein Rankommen war, nur so la la und nicht wirklich gut zu gebrauchen waren. Aber richtig gute, genaue Straßen-/Landkarten konnten wir in YU kaufen. Darauf konnte man genau erkennen, wo es an der Küste und auf den Inseln bewaldete Buchten, Häuser, Kirchen usw. gab. Ein Blick auf die Karte, ein Blick in Richtung Land und man wußte schnell und genau, wo man gerade entlang düste. So ließ sich auch ganz schnell ein sicherer Unterschlupf finden, wenn das Wetter plötzlich umschlug.

    Jippppiiiiiii ! Dazu fällt mir gerade noch etwas ein:
    Die Entfernung von Punkt zu Punkt konnte ich auch ganz schnell und bequem ermitteln. Eine Länge von 20 km war auf der Karte als Maßstab zu sehen. Das machte genau die Länge meiner Zigarettenschachtel, die auf dem Boot stets griffbereit war, aus. Meine Zigarettenschachtel auf der Karte einmal in Fahrtrichtung gelegt = 20 km lange Strecke, zweimal = 40 km usw.! Klappte prima, zumal wir nur mit Vollgleitern unterwegs waren und keine Abdrift usw. berechnen mußten.

    Für die Experten unter Euch, die Ihr jetzt vermutlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagt, sei erwähnt:
    Wir haben im Laufe der vielen (bis zum Kriegsbeginn) noch folgenden Jahre hunderte oder sogar einige tausend Seemeilen auf der Adria völlig, wirklich völlig schadlos hinter uns gebracht. Motorpannen sind hiervon ausgenommen.

    Wenn gewünscht, werde ich gern hin und wieder einmal über das eine oder andere unserer Bootfahrererlebnisse zu YU-Zeiten berichten.
    Es könnte sein, daß wir noch irgendwelche uralten Bilder finden, aber eigentlich haben wir seinerzeit gefilmt.

    Monika

  2. Die folgenden 15 Nutzer bedanken sich bei Goldie für den guten Beitrag:

    baskafan (23.06.2011), Bayliner2355 (15.10.2009), Christl (13.10.2009), diavolo rosso (05.10.2011), hebisontour (14.10.2009), hermann2441 (25.01.2010), kesi (08.03.2010), Marius (13.10.2009), Tamara98 (13.10.2009), tangotanja (09.08.2010), tomzut (14.10.2009), uwe (13.10.2009), wallbergler (13.10.2009)

  3. #2
    Globale Moderatorin:
    Unser Kinderheim / Neue Mitglieder im Forum / Wissenswertes + Tipps / Tipps zur Anreise / Forum-Treffen
    Avatar von Christl
    Registriert seit
    May 2005
    Ort
    Bayern + Istrien
    Beiträge
    10.090
    Danke
    2.514
    6.991 Mal bedankt in 1.951 Beiträgen

    AW: Bootfahrererlebnisse zu YU-Zeiten / Vorwort

    unbedingt weitererzählen !!
    Gruß Christl

    das Leben ist zu kurz, um schlechte Laune zu haben.....

    vergeßt unsere Kinder nicht =>> unser Kinderheim in Kroatien

  4. Der folgende Nutzer bedankt sich bei Christl für den guten Beitrag:

    Goldie (25.01.2010)

  5. #3
    Registriertes Mitglied Avatar von Marius
    Registriert seit
    Feb 2008
    Beiträge
    4.992
    Danke
    3.083
    1.905 Mal bedankt in 1.052 Beiträgen

    AW: Bootfahrererlebnisse zu YU-Zeiten / Vorwort

    Den Borgward Isabella Coupe musste ich erst googeln... Was für ein Gerät!

    Cool!

    Von hier aus gibt's auch ein: WEITER!!! Ich wittere Abenteuer!!!
    Wo immer du hingehst, dort bist du dann.

  6. #4
    Registriertes Mitglied Avatar von Marius
    Registriert seit
    Feb 2008
    Beiträge
    4.992
    Danke
    3.083
    1.905 Mal bedankt in 1.052 Beiträgen

    AW: Bootfahrererlebnisse zu YU-Zeiten / Vorwort

    Sogar in der richtigen Farbe...

    Kommt das hin, Monika?
    Wo immer du hingehst, dort bist du dann.

  7. #5
    Registriertes Mitglied
    Registriert seit
    Feb 2004
    Beiträge
    308
    Danke
    53
    75 Mal bedankt in 42 Beiträgen

    AW: Bootfahrererlebnisse zu YU-Zeiten / Vorwort

    Für die Experten unter Euch, die Ihr jetzt vermutlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagt, sei erwähnt:
    Was ist ein Experte sind das nicht wir
    Bei mir lief das Bootfahren nicht anders
    Gruß aus Wien
    herbert
    Achtung Werbung

  8. #6
    Mato
    Guest

    AW: Bootfahrererlebnisse zu YU-Zeiten / Vorwort

    Und dann soll mir einer etwas EX-Yugoslawien sagen. Urlaub pur, oder?

    Man konnte fast alles bekommen, die Frage war nur, wo?

    Wenn man so geschickt war wie Monika und Wolfgang, bekam man alles.

    Natürlich gabs noch keine Händys. Mein erstes Händy Siemens S10 (eine Handwaffe) hatte ich 1994. Einen Platz zum telefonieren musste ich manchmal lange suchen. Wenn ich diesen gefunden habe, hies es: still stehen, ich habe Empfang.

    Oh, wie schön das manchmal war.

    Monika und Wolfgang können sich sicher auch an die Wasserknappheit erinnern. Das beste war, du kommst aus dem Pool, willst duschen (natürlich vorher die Haare einchamponiert) und ziehst an der Kette: oh, kein Wasser.
    Himmlich, oder nicht?

    LG
    Mato

  9. #7
    Mato
    Guest

    AW: Bootfahrererlebnisse zu YU-Zeiten / Vorwort

    Zitat Zitat von herbert Beitrag anzeigen
    Was ist ein Experte sind das nicht wir
    Bei mir lief das Bootfahren nicht anders
    Im Jahre 1988 hatte ich ein Boot, 2,7 m lang mit einem TOMOS 5PS.
    Mit 4 Mann hatte das Boot erst die richtige Lage.
    Nur nicht bewegen, bitte, bitte, nicht bewegen.

    Wir zogen die meduliner Bucht entlang. Das war schön.

    LG
    Mato

  10. #8
    Registriertes Mitglied
    Registriert seit
    Feb 2004
    Beiträge
    308
    Danke
    53
    75 Mal bedankt in 42 Beiträgen

    AW: Bootfahrererlebnisse zu YU-Zeiten / Vorwort

    ja mato 5 PS war fast standard bei mir war es 1971 aber ein chrysler
    4.50 schlauchboot.
    meine tägliche route ging von pakostane zur insel vrgada

    die zeit war super aber nicht weil es in yu super war sondern wir waren jung und unbedarft.
    wenn heute einer zugibt das er genauso rausfährt wie wir damals, na ja ihr kennt es ja wie der angemacht wird.
    erfahrung kann man nur erfahren und ein wenig abenteuer hat noch keinem geschadet
    Gruß aus Wien
    herbert
    Achtung Werbung

  11. #9
    Registriertes Mitglied Avatar von jore
    Registriert seit
    Oct 2009
    Beiträge
    9
    Danke
    0
    1 Mal bedankt in 1 Beitrag

    AW: Bootfahrererlebnisse zu YU-Zeiten / Vorwort

    Hi, war damals eine schpne Zeit...
    Staus im Karawankentunnel.. denkste..
    werde in 14 Tagen, dann bin ich wieder zuhause, einen schönen Reisebericht von JUGO 1990 einstellen.

    Und hier die Hupen-Anekdote..

    Unser MAN mit 90 PS, der Bootstransporter, hatte mit unserer Polar 820 die Einfahrt zum Karawankentunnel passiert. Ein schönes Gefährt, Lichter überall, 4 Superfanfaren per Druckluft, sah toll aus.
    Dann, kann ja mal passieren, geriet ich mit dem linken Fuss auf den Fanfarenknopf, der im Fussraum untergebracht war. Na ja, ein kleiner Stoss ins 4 fach Nebelhorn, was solls.
    Nur das Ding ging nicht mehr zurück, Sch....
    Anhalten ging nicht, zurückholen auch nicht, musste ja fahren und aufpassen, hatten ja schliesslich 3 m Breite und Rundumlicht laufen.
    So gings dann den ganzen Tunnel durch.. tuuuuuuuuuuuuuuuuut-röööööööööööööööör.
    Aber wir hatten Platz, hihi...
    Hinterm Tunnel anhalten, Knopf rausziehen, weiterfahren...
    Keine Klagen, keine Polizei, gar nichts, einfach weiter


    Macht mal ein Thema Anekdoten zu Boot fahren..
    hab da eine ganz dicke Kiste voll

    gruss

    jore

  12. #10
    Forum-Guide Avatar von balou
    Registriert seit
    Mar 2006
    Beiträge
    390
    Danke
    3
    72 Mal bedankt in 41 Beiträgen

    AW: Bootfahrererlebnisse zu YU-Zeiten / Vorwort

    Ja Ja,da gab es schon dolle Dinger, nicht nur mit dem Boot sondern auch mit dem Auto. Der Karawankentunnel war noch nicht vorhanden, der oftmals schnellste Weg war über den Wurzenpass und wenn auch für Wohnmobile gesperrt dann eben in der Nacht ruck zuck drüber. Oder auf der Rückfahrt mit 2 WM von Griechenland zur Küste durch den Kosovo, damals war noch Polizeistunde von der wir nichts wussten, dann aber von der Polizeistreife (die uns mitten in der Prärie nachts anhielt und uns verhaften wollte) genau darüber aufgeklärt wurden. Dank der Kinderfreundlichkeit der Polizisten und Stunden langer Debatte konnten wir die Verhaftung dann ab wären.
    Gerade das nicht alles auf Tourismus ausgelegt und noch landes typisch war, war so toll, dass sich so mancher diese Zeit zurück wünscht. Da war halt das Sanitärgebäude auf dem CP nicht mit Marmor oder Fliese, der Strom mal aus oder das Wasser alle, na und. Alle haben es überlebt und nach dem Urlaub viel zu erzählen gehabt. Für uns eine unvergessene tolle Zeit.

    Gruß
    Balou

Seite 1 von 6 123 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •