Was hat Dubrovnik mit der Trebišnjica in Bosnien zu tun?

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ELMA

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#1


Bild von ELMA
Zitat aus dem Bericht von ELMA)
http://www.adriaforum.com/kroatien/...brovnik-in-der-altstadt-t4.51027/#post-521767


"Die Bürger von Ragusa wussten offensichtlich, dass es am Fuße des nahen Gebirges mehrere starke Karstquellen gibt, die nie versiegen.
Das Wasser stammt zum größten Teil aus dem Fluss Trebišnjica im heutigen Bosnien. Der große, wasserreiche Fluss erreicht nie das Meer, sondern versickert in den zerklüfteten Kalkfelsen in der Nähe von Trebinje.
An der Küste tritt das Wasser teilweise in Unterwasserquellen ( vrulje genannt) wieder hervor. Im Westen von Dubrovnik gibt es heute noch in einer großen Höhle bei Gruz eine starke Quelle, die den nur 4,2 km langen Fluss Ombla speist ( auch Dubrovacka rijeka genannt ) Auf der Landkarte erscheint er als schmale Meeresbucht ( überspannt von der neuen Tudjmanbrücke) , deutliche Strömungen unter dem Wasserspiegel lassen jedoch den Flusslauf erkennen.

Der aus Neapel stammende Baumeister Onofrio della Cava bekam im 15. Jahrhundert den Auftrag, für die Stadt Ragusa eine zuverlässige Wasserversorgung zu sichern und damit den Komfort für die Bewohner zu steigern und die hygienischen Zustände zu verbessern.
Onofrio ließe zwischen 1436 und 1444 ein 12km langes Wasserleitungssystem von den Quellen im nahen Gebirge bauen, das Wasser wurde in die Stadt geleitet und in der großen Zisterne, dem Onofriobrunnen gespeichert.
16 kunstvolle Wasserspeier versorgten die Bewohner mit sauberem Wasser."


Bild aus Wikipedia



Quelle und Lizenz:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Izvor_Omble.JPG
Author:Bracodbk
Zitat ( Bildunterschrift)
Die Ombla an ihrer Karstquelle. Aus einem großen Einzugsbereich kommt eine sehr große Wassermenge aus einer großen Felsöffnung.

Der Onofriobrunnen beeindruckt mich immer wieder wenn ich Dubrovnik besuche..

Die ganze Geschichte der Wasserversogung Dubrovniks zu Zeiten der Römer und die Rolle des Flusses Trebišnjica machte mich neugierig.

So beschlossen wir vor einiger Zeit, einmal diesem Fluss in Bosnien zu folgen.

Elke
 
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ELMA

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#2
Hier der Bericht:

Der Fluss Trebišnjica ist der längste seiner Art in Europa.
63,8 km lang.

Es ist der längste Karstfluss, ein Fluss der viele Quellen, aber keine Mündung hat.



( Vorbemerkung :
Die meisten Sachinformationen habe ich Wikipedia entnommen
zum Copyright:
Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar

httpss://de.wikipedia.org/wiki/Trebišnjica

Wir sind schon mehrmals an der Trebišnjica entlang gefahren - vom Stausee Biljecka Jezero bis nach Velicani im Popovo Polje ( Und auf der M6 weiter nach Mostar )

Die Trebišnjica hat ein großräumiges karsthydrologisches Einzugsgebiet in der östlichen Herzegowina.

Die Quellbäche der Trebišnjica liegen im Bereich des Bilečko Polje.

Sie sind heute nicht mehr zu sehen, da das Polje zum Bilećko jezero aufgestaut wurde. Das Ostufer des Stausees ist heute fast vollständig in Montenegro.

Der Bilećko jezero (Bileća-See oder auch Miruša-See) hat eine Fläche von 33 km², und eine maximale Wassertiefe von 104 m.





Die Trebišnjica fließt dann entlang der südlichen Abhänge des Gebirgszuges Bjelašnica durch Trebinje sowie bevor sie eines der bekanntesten Karstpoljen des Balkans, das Popovo polje (Priesterfeld) durchfließt und dort nahe Hutovo unter der Erde verschwindet.

Unterhalb der Staumauer besteht kein Wassermangel - kleine Dörfer, Felder, kleine Obstgärten erwecken den Eindruck, dass es sich dort von etwas Landwirtschaft recht gut leben lässt.



Im Mai 2016 führte die Trebišnjica nach einer längeren Regenperiode viel Wasser. Man kann sich kaum vorstellen, dass so viel Wasser irgendwann einmal im Untergrund verschwindet!







Zum Vergleich : Sommer 2010 - der Wasserspiegel lag um einige Meter tiefer.






Der Wasserverlust der Trebišnjica im Popovo polje beträgt 63 m³/s zur Trockenzeit.

Im Winter hingegen gibt es Überschwemmungen.


Im Popovo polje versickerte die Trebišnjica ursprünglich direkt hinter Trebinje, wurde aber 1979 in einem Betonbett kanalisiert, was u.a. die Versickerungsgeschwindigkeit und auch die winterlichen Überschwemmungen verringerte.





Mit einem zwar alten, aber gut konstruierten System ( das ohne Pumpen auskommt) wird das Wasser auf die Felder im Popovo Polje geleitet.

Es wird Gemüse angebaut, Wein , Getreide, Mais…

Die Felder sind dort nicht allzu groß.







Die M6 führt am Rand des Popovo Polje entlang.

Ja weiter man nach Norden fährt ("flußabwärts"), desto genauer muss man hinschauen, um noch Wasser in dem kanalisierten Fluss zu sehen.

Im Sommer ist das Popovo Polje ein Hitzekessel . 42 Grad und mehr sind nicht selten.





Das Wasser wird zunehmend weniger- ist aber dennoch vohanden, was der grüne Pfanzenbewuchs entlang der Betonrinne erkennen lässt.







Sind es in der Nähe von Trebinje vor allem kleine Felder, so scheinen weiter nördlicher größere Genossenschaften oder Konzerne das Popovo Polje als Anbaugebiet für Obstplantagen und vor allem für Wein entdeckt zu haben.



Wasser ist hier zwar im Sommer an der Oberfläche kaum mehr vorhanden - aber ganz sicher im Untergrund in ausreichender Menge für die Bewässerung.







Wohin fließt das Wasser, das im Karst verschwindet?

Da ist zunächst mal die große Quelle von Čapljina, nahe der unteren Neretva in der Herzegowina.

Dann gibt es eine Reihe von Unterwasserquellen (vrulje genannt, das heißt kochendes Wasser) in der Nähe des Hafens von Slano in Kroatien, nordwestlich der Stadt Dubrovnik, die direkt ins Mittelmeer sprudeln.



Bildquelle und Lizenz

https://upload.wikimedia.org/wikipe...a_catchment.svg/487px-Ombla_catchment.svg.png


Und schließlich tritt das Wasser der Trebišnjica nach 20 km unterirdischem Verlauf als kräftige Quelle in der großen Höhle bei Komolac, einem Ortsteil von Dubrovnik, wieder hervor und speist den Fluss Ombla (auch Umbla oder Dubrovačka rijeka; Fluss von Dubrovnik).

Dubrovnik und die kroatischen Orte an der Adria profitieren vom Karstfluss Trebišnjica für die Trinkwasser -und Energiegewinnung.

Diese Abhängigkeit ( v.a. die lange Unterbrechung der Trinkwasserversorgung ) führte zu großen Problemen während des Jugoslawienkrieges.

( Genaueres über die hydroenergetische Nutzung kann man bei Wikipedia nachlesen)

httpss://de.wikipedia.org/wiki/Trebišnjica

Elke
 
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ELMA

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#3
Die Trebišnjica ist nicht der einzige Fluss, der zwar eine Quelle, aber keine Mündung hat.

In Kroatien gibt es da noch

die Jesenica in der Region Lika

den Fluss Gacka ( Lika)
http://www.np-sjeverni-velebit.hr/posjeti/okolica/gackadolina/?lang=de

den kleinen Fluss (Matica?) im fruchtbaren Vrgoracko Polje ( unweit Ploce)



Sicher gibt es noch weitere.

Uns macht es einfach Spaß, solchen Phänomenen nachzugehen und Orte und Landschaften auch abseits der touristisch bekannten Regionen zu besuchen, die kulturell und geologisch mit den kroatischen Regionen verbunden sind.

Ergänzung und Tipp für eine Route nach Mostar

Wir wollten von Trebinje nicht nach Dubrovnik fahren, sondern nach Mostar in BIH.
Kurz nach Velicani führt die M6 aus dem Popovo Polje hinaus und hinauf auf die trockenen Karsthöhen.



Diese Region ist fast menschenleer - nach den Gräueln des Krieges sind kaum mehr Menschen in dieses Gebiet zurückgekehrt.



Wer auf dieser Straße nach Mostar fährt, sollte sich unbedingt die große, frei zugängliche Sammlung der Bogumilensteine bei Radimlja, Nähe Stolac anschauen.


Bild von ELMA

Ich habe hier über diese historischen Steine, die man im südlichen Kroatien( vor allem rund um Imotski) und an vielen Stellen auf dem Balkan findet, berichtet

http://www.adriaforum.com/kroatien/...ien-bosnien-und-montenegro.74670/#post-737296

Ein Bild von Hartmut
Stećak bei Brotnice unweit Cavtat in Süddalmatien



Link zur Google Karte
https://www.google.de/maps/place/20...d645f8592700ddb!8m2!3d42.5942366!4d18.2981491
Link zum Bericht
http://www.adriaforum.com/kroatien/threads/konavle-03-brotnice-auf-stecak-suche.57022/#post-581770

weitere sehr gute Informationen s. hier

http://www.croatia.org/crown/articl...-Dubrovnik-with-several-important-discoveries

Gruß,
Elke
 
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claus-juergen

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#4
hallo Elke,

danke für deinen informativen und reich bebilderten Einblick in Kroatien und die Herzegowina abseits des Tourismus. Vielleicht schaffe ich es, in der Nebensaison auch mal diese Gegend zu erkunden.

grüsse

jürgen
 
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