und wieder gibt es eine neue Biographie über Josip Broz Tito

claus-juergen

Globaler Moderator
Mitarbeiter
Registriert seit
8. Apr. 2008
Beiträge
20.207
Zustimmungen
22.573
Punkte
113
Ort
Landkreis Augsburg und Liznjan/Istrien
#1
Die FAZ stellt eine neue Biographie über den vor nun 40 Jahren verstorbenen Diktator Jugoslawiens vor. Sätze wie "...Die Herausforderung für Tito-Biographen ergibt sich daraus, dass viele zeitgenössische Berichte über dessen Leben bereits im Dienste der Legendenbildung standen..." oder "...Und wer Texte über ihn liest, darf sich bisweilen getrost die Lorbeerzweige wegdenken, mit denen es Broz noch postum gelingt, Beschreibungen seines Lebens zu umkränzen..." oder "...Nach den blutigen Anfängen der vierziger und fünfziger Jahre, als Tito seinem Lehrmeister Stalin bei der Vernichtung von Gegnern nicht nachstand, kam im Fall Jugoslawiens eine erstaunliche Liberalität hinzu. Seit den sechziger Jahren war Jugoslawien wohl tatsächlich eine „kommode Diktatur“..." verklären meiner Meinung nach diese Person. Er ist und bleibt genauso ein Massenmörder und Verbrecher für mich wie andere Zeitgenossen des 20. Jahrhunderts. Leider haben das wohl viele seiner ehemaligen Untertanen in den Nachfolgestaaten, auch in Kroatien noch nicht erkannt. :(

https://www.faz.net/aktuell/politik/politische-buecher/josip-broz-tito-16993106.html

grüsse

jürgen
 

claus-juergen

Globaler Moderator
Mitarbeiter
Registriert seit
8. Apr. 2008
Beiträge
20.207
Zustimmungen
22.573
Punkte
113
Ort
Landkreis Augsburg und Liznjan/Istrien
#2
Nun stellt auch die Süddeutsche Zeitung das Buch vor und bemängelt, daß wohl die Autorin die Diktatur Titos zu sehr beschönigt.

Hier ein Auszug aus der Buchvorstellung:

"Im Lauf der Lektüre wird aber immer klarer, dass der deutliche Fokus auf die Person Tito die Wirkung seiner Politik auf die Gesellschaft seltsam vernachlässigt. So wird die Art und die Entwicklung der Diktatur immer nur am Rande erklärt, aber nie systematisch ergründet, über die Nachteile der Arbeiterselbstverwaltung (Korruption, Misswirtschaft, Bürokratie) wird nur selten gesprochen und das Treiben des Geheimdiensts eher sporadisch erwähnt.

Über das Schicksal der deutschen Minderheit, die nach dem Krieg erst interniert und dann vertrieben wurde, wird ebenso lapidar hinweggegangen wie über das Schicksal der politischen Gefangenen auf der Mittelmeerinsel Goli Otok. Und ob es ausreicht, Titos "demokratischem Sozialismus" nur einen "repressiven Bodensatz" zu attestieren, lässt sich bezweifeln."


https://www.sueddeutsche.de/politik/tito-jugoslawien-weltkrieg-1.5146003

grüsse

jürgen
 
Top Bottom