Ostern 2011 auf Cres - ein Tagebuch - Teil 6 Valun oder Lubenice?

sonni

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#1
Donnerstag.

Wir liegen schlafend im Wohni, als kurz vor 9 Uhr der "Rasenmäher-Mann" lautstark seine Arbeit aufnimmt!
Was solls - stehen wir halt auf!
Der Mann entschuldigt sich in gebrochenem Deutsch für die Störung: "Minuten noch, dann wieder Ruhe!"

Tolles Wetter heute - man kann sich dran gewöhnen!
Beim Frühstück beraten wir: "Heute nach Valun oder Lubenice?"
Wir können uns noch nicht recht entscheiden, also fahren wir erstmal los - die Richtung ist ja die Gleiche!
Ein schöner Ausblick an der Straße nach Valun auf die Bucht von Valun, dahinter die Bucht von Cres.



Die gut ausgebaute, kurvenreiche Straße teilt sich jetzt - Valun oder Lubenice?
Lubenice!
Und wieder wird die Straße eng und ist von Steinmauern begenzt.
Auf den 5,5 km bis Lubenice kommt uns zum Glück nichts entgegen!
Wir sind gespannt auf Lubenice - ebenfalls ein Ort, der in jedem Reiseführer auftaucht.
Gegen halb 11 kommen wir in Lubenice an.
Wir sind beeindruckt - schon aus der Ferne - von diesem Felsennest 378m hoch über dem Meer.



Gleich links, noch 200m vor dem Ort, sieht es aus, als wäre dort der Parkplatz.
(Ein Kassenhäuschen steht da - 15 Kuna Parkgebühr! Jetzt ist es aber geschlossen - Nebensaison!)
Die Auffahrt sieht nicht so gut aus - eher was für ein geländetaugliches Fahrzeug!
Zum Glück gibt es 100m weiter einen ordentlichen Parkplatz direkt vor Lubenice.



Ich werfe zunächst einen Blick in die kleine Kapelle neben dem Parkplatz - leider habe ich sie nicht von außen fotografiert...



Und dann treten wir ein in das alte Dorf.
Nur noch wenige, alte Menschen leben hier, der Verfall des Ortes schreitet voran.

Ob hier noch jemand wohnt?



Oder hinter dieser Tür?



Wir laufen langsam durch das Dorf - totale Ruhe hier! Noch sind wir die einzigen Touri´s!









Verträumt - verschlafen? Man weiß gar nicht, wie man diesen Ort beschreiben soll!
Irgendwo habe ich gelesen, dass der Ort bis heute nicht an die Wasserversorgung angeschlossen ist.
Die Wasserversorgung erfolgt über Zisternen.







Am Rand des Dorfes liegt der kleine Friedhof mit Kapelle daneben.





Lubenice aus einer anderen Richtung fotografiert:



Von hier aus kann man schon mal einen Blick hinunter auf die traumhafte Bucht Luka werfen:



Doch zunächst zurück ins Dorf - ich schaue in Antoniuskirche...





Ich trete aus der Kirche heraus und lehne mich an die alten Mauern.
Zwei alte Frauen, vollkommen in Schwarz gekleidet, gehen ihrer Arbeit nach.
Sie beachten mich nicht weiter - ich schaue ihnen unaufdringlich zu.
Die besondere Atmosphäre des Ortes nimmt mich ein.
Ich lehne an der Mauer und die Zeit scheint still zu stehen...oder wie Jahrzehnte zurückversetzt, Jahrhunderte...
Ein Gefühl totaler Ruhe macht sich breit in mir - weit weg ist der Alltag, weit weg sind Hektik und Stress!



Eine Weile genieße ich noch diesen Zustand.
Dann "wache ich auf"...mein Mann ist schon längst raus aus dem Ort.
Wie lange habe ich eigentlich so in Gedanken versunken verharrt? Ich weiß es nicht...

Langsam laufe ich heraus aus Lubenice - eines der Tore des Ortes:



Nun steh ich wieder vor dem Dorf Lubenice.



Gedanken gehen mir durch den Kopf:
Wie wird es hier aussehen, wenn wir in 10 Jahren wiederkommen?
Die Alten werden nicht mehr sein...wird das Dorf vollends verfallen?
Wird es einem Freilichtmuseum gleichen?
Wieder wache ich auf aus meinen Gedanken...zurück in die Realität!

Wir haben ja heute noch mehr vor!
Jeder hat einen Rucksack auf dem Rücken - mit Esserei, Wasserflaschen und Handtüchern.
Wir wollen runter zur Bucht Luka.



Der Abstieg beginnt...



Schon ein ganzes Stück weiter unten - über uns ragt Lubenice in den blauen Himmel.



Das Ziel vor den Augen:





Angekommen!



Aber wir sind nicht die Ersten hier unten und oben am Hang hört man Stimmen - die Nächsten sind schon im Anmarsch!

Ein bissel Kletterei und wir finden eine Bucht nur für uns:





Wir richten uns in der Bucht ein - es ist traumhaft schön hier!
Dann erkunde ich die "Gegend" - etwas Kletterei und ich erreiche eine schöne Bucht nach der andren...









Ich klettere zurück zu "unserer" Bucht und träume in der Sonne vor mich hin.
Da springt mein Mann auf: "Delfine! Da draußen sind Delfine!"
Tatsächlich! 3 Delfine queren mit ihren eleganten Sprüngen die Bucht!
Ich zerre schnell die Digi aus der Tasche und versuche, diesen seltenen Anblick irgendwie festzuhalten...es gelingt mir nur so lala ...aber besser als gar nicht:







Und so schnell wie sie aufgetaucht sind, sind sie auch wieder verschwunden!

Ich geh nochmal auf Foto-Tour:



Die Bucht Luka von der andren Seite aus gesehen:



Bis zum späten Nachmittag bleiben wir hier.

Dann machen wir uns an den schweißtreibenden Aufstieg - bei hochsommerlicher Hitze möcht ich hier nicht hoch kraxeln...
Und wieder so´n Geröllfeld:



Der Abstieg dauerte etwa 45 Minuten, der Aufstieg eine Stunde! Wasserreserven nicht vergessen!
Am Parkplatz angekommen schauen wir nochmal hinunter zur Bucht.
Mittlerweile ist der Parkplatz gut gefüllt und die Atmosphäre vom Vormittag ist nun nicht mehr da...
Auf enger Straße - diesmal mit Gegenverkehr - geht es zurück.
Wir sehen einen Wegweiser mit der Aufschrift "Pernat" - na los - den Ort schauen wir uns noch an.

Es sind einige Kilometer zu fahren, bis wir in Pernat ankommen.
Ein ebenso verschlafener Ort mit verfallenden Häusern:









Am besten schaut die Kapelle am Ortseingang aus.



Das haben wir übrigens öfter festgestellt: Die Kirchen oder Kapellen sind in einem guten Zustand im Gegensatz zu den sonstigen Gebäuden.

So, nun aber zurück zum CP!

An der Straße ein aussichtsreicher Rastplatz mit diesem Stein.
Er trägt die Aufschrift: CARPE DIEM!
Wie passend!



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Mifle0371

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#2
Das ist ja ein richtiges Feuerwerk an Berichten!

Diese zumindest in der Vor-und Nachsaison einsamen Buchten sind auch mein Ding. Herrlich!!! Dazu noch das einsame Dorf, einfach toll.

Michael
 
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brfzg

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#3
War Anfang April in Lubenice . Hab die selben Erfahrungen gemacht - Menschenleere. traumhafte Netu und Ruhe. Bin verliebt in diesen Ort!!!
Wenn der im Sommer nur genauso ruhig wäre, ich würde meinen gesamten Urlaub dort verbringen!

LG Markus
 

m.w.

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#4
Danke für diesen (und die anderen bisherigen) Teil deines Reiseberichts, ich - und da bin ich sicher nicht der einzige - wünschte, ich wäre jetzt auch dort und könnte die Ruhe der Vorsaison auf Cres bzw. Losinj und diese tollen Landschaften genießen!
 

hanton

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#5
Hallo sonni,

wirklich wunderschöne Reiseberichte. Bei diesen tollen Aufnahmen muss man einfach einmal wieder auf diese beschauliche Insel.

Darf man fragen welche Kamera Du für die schönen Aufnahmen verwendet hast?

LG
Hanton
 

sonni

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#6
Hallo hanton,
ich habe eine Panasonic DMC-TZ 2. Nix besonderes denk ich mal. Manchmal hätte ich auch gern noch bessere Foto´s (Spiegelreflex & Co).
Allerdings lässt mein "technisches Verständnis" sehr zu wünschen übrig ;-) - die Kamera bietet sicher noch mehr Möglichkeiten als die, die ich nutze...
Aber besser so als gar nicht!
 

burki

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#7
Na zumindest hast die Delphine "erwischt"...mit einer Auslöseverzögerung von 0,4 s (ist nicht so prickelnd) ist das perfekt eingefangen, es sei denn du musstest 10 mal "abdrücken"

Soviel mal zur technischen Ausstattung, und 6 MPix reichen allemal für Fotos hier im Forum aus, wichtig ist wohl immer noch das Auge hinter der Optik - und die stimmt in deinen Berichten :)

burki
 

socola

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#8
Tolle Berichte und Bilder!!

sonni!!

Wir sind im August auf Baldarin und vielleicht kann ich ja den einen oder anderen Ausflug machen.
Dank deiner Bilder freu ich mich immer mehr auf den Urlaub.
Nur schade, daß da mehr Leute und Autos unterwegs sein werden. ;) Dafür ist dann das Wasser wärmer.

lg - socola
 

Kata

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#9
Ein wunderbarer Bericht!!! Danke!
Diese Stimmung auf den Fotos, und in Deiner Beschreibung, einfach wunderschön!!!!
liebe Grüsse
Kata
 

Marius

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#10
Bravo! Wunderschöne Bilder, sehr schön kommentiert.

Sonni, gestatte mir eine Frage, in solchen verlassenen, aber doch noch bewohnten, kleinen Orten, beschleicht dich da manchmal auch das unbestimmte Gefühl, dass du gerade zu tief in jemandens Privatsphäre eindringst?
 

sonni

aktives Mitglied
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#11
Hi Marius,
Naja - irgendwie schon!
Ich habe manchmal gedacht, die Einwohner müssen sich doch (besonders in der Saison) vorkommen wie im Zoo...stimmt mich schon nachdenklich! Andererseits ist der Tourismus eine Einnahmequelle, oft die Einzige!
Wenigstens versuche ich, nicht aufdringlich zu sein, nicht zu gaffen oder ungefragt die Einwohner zu fotografieren.
 

jo floh

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#12
Deine Berichte sind alle ganz toll,Danke das du uns an deinen Erlebnissen und Eindrücken teilhaben lässt.
Ich hab mein Herz vor 7 Jahren an Cres verloren.Damals standen wir 4 Stunden an der Fähre an um von der Insel wieder runter zu kommen und das im Mai.
Ich dachte ich seh diese wundervolle Schönheit nie wieder.Vor 2 Jahren im August konnte ich meinen Mann aber zu einem Ausflug dorthin überreden und es gab keine Probleme mit Wartezeiten an der Fähre.
 
B

brfzg

Guest
#13
Bravo! Wunderschöne Bilder, sehr schön kommentiert.

Sonni, gestatte mir eine Frage, in solchen verlassenen, aber doch noch bewohnten, kleinen Orten, beschleicht dich da manchmal auch das unbestimmte Gefühl, dass du gerade zu tief in jemandens Privatsphäre eindringst?
Hallo Marius,

finde Deine Frage absolut berechtigt und fühle mich durchaus erwas "ertappt" - gerade jetzt, wo jemand diese Frage ganz direkt stellt.
Bei mir ist das so: Wenn ich an einen solchen Ort komme bin ich begeistert von der aus unserer Sicht herrlichen Ruhe und Abgeschiedenheit, wie es wohl nur derjenige als "wunderbar" empfinden
kann der das Leben in Hektik, Lärm und Stress kennt, und eben nicht wie die dort verbliebenen Einwohner eigentlich in zumindest aus unserer Sicht großer Armut leben. Und es ist aber tatsächlich
ihre Privatsphäre. Jedenfalls die Hinterhöfe, Hausengänge etc. Aber ich bin dann eben so begeistert davon, das ich in dem Moment wo ich vor Ort bin und das sehe, oftmals jeglichen Respekt vor
dieser Privatsphäre verliere und fotografiere. Zu Hause beim durchsehen der Bilder denk ich da oft wieder dran - um beim nächsten mal doch wieder alles zu vergessen und drauf los zu fotografieren...
Speziell in Lubenice gings mir dieses Jahr genauso wie Sonni.
Vielleicht erinnerst Du Dich an meinen Beitrag "Kroatische Wäschetrockner" - als ich mir zu hause die Bilder durgesehen hab, da hab ich mich dann auch gefragt, wie ich mich fühlen würde, wenn jetzt
jemand an meinem garten mit der wäschespinne vorbeiliefe und meine Wäsche fotografiern würde...
Ich glaube viele von uns machen sich viele Gedanken, aber handeln dann doch ganz anders... Aber das bringt die Schönheit und vielerorts auch noch Unberührtheit dieses wunderschönen Landes
eben mit sich!

Gruß
Markus
 
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