Mit dem Rad zum Sveti Jure – Juli 2012

dickerbernie

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#1
Unsere Flugreise nach Kroatien zum Küstenort Podgora wollte ich mit einer Radtour zum Sveti Jure krönen.

Ich hatte mir von zuhause Kleidung, Helm und ein Werkzeugtäschchen mit dem Nötigsten mitgenommen. In Podgora hatte ich mir die verschiedenen Vermieter von Rädern angesehen und auch schon Touren nach Makarska über Stara Podgora unternommen. Nun sollte es der Aufstieg auf 1762 m zum Sveti Jure sein.

Da wir im Urlaub gern ausschlafen und gepflegt frühstücken war es bei unserem gemeinsamen Weg zum Strand schon nach 10 Uhr. Verabschiedungsküsschen und zurück zum Zimmer, Umziehen und zum Radvermieter – 11 Uhr war schon durch.

Beim Vermieter bestand ich dann auf neuen Bremsklötzchen vorn und hinten – die ich dann aber selbst ausgetauscht habe. Sattel einstellen – Proberunde – es war letztendlich Viertelvorzwölf als ich den Anstieg über Stara Podgora anging – bei etwa 36 Grad im Schatten – mit 5 Halbliter-Flaschen Wasser und Mineralien-Tabletten im Rücksäckchen. Natürlich hatte ich Geld und mein Notfall-Handy dabei.

In Stara Podgora (Alt Podgora oberhalb des Küstenortes) trank ich die erste Flasche leer – füllte sie aber an der Quelle unterhalb des Brunnens unweit der Kirche wieder auf und trank auch noch etwa einen halben Liter des angenehm kühlen Quellwassers.



Mit immer noch 2,5 Liter Wasser ging es dann zum Eingang in den Biokovo Naturpark, wo ich meine 20 Kuna Biker-Eintritt zahlte. Ab hier sind es 23,3 Kilometer zum Gipfel. Jeder Kilometer ist im Asphalt angezeigt. Hilfreich – aber auch frustrierend, wenn die einzelnen Kilometer einfach nicht enden wollen.
Vorn kleinstes Ritzel und hinten im Wechsel der größten 3 Ritzel ging es im Schon-Schleich-Tempo durch den duftenden und schattenspendenden Pinienwald.
Nach 2 kurzen Trinkpausen ging es dann hinaus in die pralle Sonne – mit einem atemberaubenden Blick auf die Makarska Riviera.



Der flache Wind brachte kaum Kühlung. Der permanente heftige Anstieg biss schon hier mächtig. Der Schweiß tropfte in Strömen – die Wasservorräte schwanden.
Irgendwie habe ich es dann doch zum Restaurant mit Reiterhof in etwa 1000 Meter Höhe geschafft und dort eine Cola gekippt und (leider nur) 1 Liter Wasser gekauft. Die reichten dann gerade bis zur Info-Bude am Aussichtspunkt Ravna Vlaska in 1228 Meter Höhe, wo ich einen weiteren Liter Wasser erstand.



Meine Hoffnung, dass es „hier oben“ mit der Steigung einmal etwas ruhiger wird, und man mal wieder ein paar zügige Kilometer radeln kann, wurde praktisch nicht erfüllt. Zu kurz waren die flacheren Stücke. Zu sengend die Sonne. Zu groß war die Angst, durch zu viel Krafteinsatz keine Reserven mehr für das Finale zu haben. Die in den Asphalt geschriebenen Kilometerangaben machten mir wenig Hoffnung auf einen erfolgreichen Anstieg. Zu langsam war mein Fortschritt – Kräfte und Wasservorrat schwanden.
Meine nächste Hoffnung war der Honig-Produkte-Verkäufer. Und in der Tat: Er gab mir seine gekühlte Wasserflasche gegen ein kleines Pläuschchen – Geld wollte er nicht.



Dummerweise ließ ich dann die nächste Gelegenheit zum Wasserkauf in etwa 1400 Meter Höhe verstreichen.

Mit mehreren kurzen Pausen erreichte ich dann irgendwie Kilometer 22 – und wollte angesichts des Finalanstiegs hier noch umkehren. Mein Magen rebellierte, Wasser hatte ich schon lange keins mehr und der Anstieg schien mir jetzt unüberwindbar.
Trotzdem ging es weiter – bis zum Gipfel, wo ich mich nach Wassernachschub sehnte.
Den bekam ich dann auch von lieben Besuchern bei der kleinen Kapelle, wo sie den Wahnsinnsausblick genossen.







Ich habe dann ein kleines Steintürmchen zum Dank gesetzt und mich nach einigen Fotos und etwas Ruhepause wieder auf den Rückweg gemacht.





Die von mir selbst erneuerten Bremsen sollten sich hier bewähren. Die Federung der Frontgabel hatte ich schon zu Beginn der Tour fixiert (Lockout). Im Anstieg bei geringer Geschwindigkeit ist die Federwirkung nur Kraftraub. In der Abfahrt können manche Schwellen und Risse dazu führen, dass die Federung nachgibt und man in der Abfahrt ausgehebelt wird. Ohne Helm sicher tödlich – aber auch sonst wünsche ich niemandem auf dieser Strecke in der Abfahrt einen Abflug…
Ich habe den Bremsen und vor allem den heißen Felgen immer etwas Abkühlung gegönnt – und ein paar Fotos gemacht.





Auf 1400 Meter habe ich dann doch noch Wasser gekauft und mir die dort ausgehängten Bilder des vergangenen Winters mit über 2 Meter Schnee in der Region zeigen lassen.





Beim Honig-Mann habe ich dann zum Dank ein Glas Honig erstanden und noch ein paar Minuten geplaudert. Den Rest bin ich dann mit noch einigen Foto-Stopps ins Tal gefahren.





Meine Frau wartete schon besorgt in Podgora auf mich als ich dort endlich gegen fast 19 Uhr eintraf. Der Mann vom Fahrrad-Verleih war mir hinter Stara Podgora besorgt mit dem Auto entgegen gekommen – und froh, mich spät aber wohlauf vor sich zu sehen. Am Ende war alles gut – nur die Bremsen waren abgefahren…

Ich bin 54 Jahre alt, übergewichtig – aber auf dem Rad trainiert. Leichtgewichte haben im permanenten Anstieg sicher ihre Vorteile gegenüber meinen deutlich über 100 Kilogramm Körpermasse. Aber ich habe Reserven, die so manches Leichtgewicht, das sich von Beginn an zügig auf den Weg macht, eventuell zum Ende hin nicht mehr hat.

Nachahmer sollten folgende Fragen mit einem klaren „Ja“ beantworten können:
Ist die technische Ausstattung des Fahrrads für Aufstieg und vor allem die Abfahrt geeignet?
Hat man zumindest ein Not-Werkzeug-Set samt Flickzeug und zum Ventil passender Pumpe dabei?
Ist genug Getränk (Salz, isotonisch) dabei (ich habe etwa 8 Liter verbraucht) – bzw. hab ich ausreichend Geld für Nachkäufe mit?
Ist mein Trainingszustand für eine solche Tour ausreichend?
Habe ich ein Telefon dabei – ausreichend geladen?

Ich bin mit einem geliehenen Nakamura 24-Gang Shimano Hardtail MTB mit manueller Lockout Front-Federung die Strecke geradelt.
Das Befahren der Asphaltstrecke mit einem Rennrad ist möglich, wenn man die Bereifung der doch recht unebenen Fahrbahn angepasst etwas breiter und profilierter wählt.
Geübten Downhillern sollte die Abfahrt keine Probleme bereiten. Allen anderen empfehle ich das Wegschalten der Federung und ein eher durch häufigeres Bremsen gemäßigtes Tempo. Denn auch in der Nachmittagszeit kommen einem regelmäßig Autos entgegen. Die fahren zwar in der Regel gemäßigt – aber etliche Kurven sind nicht wirklich einsehbar. Und viel Platz bietet die Straße nicht!

 

diavolo rosso

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#2
Hallo Bernie,

Danke für den eindrucksvollen Bericht - für ein paar Fotos dazu wäre ich dankbar. -- Hat sich ja jetzt erledigt. danke. ---
Ich kann es Dir deutlich nachfühlen, wenn man bei diesen Temperaturen an seine Leistungsgrenze geht. Wenn der Schweinehund "umdrehen" befehlen will.... Und knapp 1800 Höhenmeter sind schon ein gewaltiger Hammer. Auch das mit den Bremsen und sonstigen Hinweisen ist absolut korrekt.
Das ist der Grund, warum ich stets mein eigenes Bike mitnehme.

Du hast geplaudert - in welcher Sprache denn? Ich schätze nämlich so kleine Unterhaltungen mit den Einheimischen ebenso - die bereichern ungemein.

Grüße
Klaus
 

dickerbernie

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#3
....perfektes Deutsch... Originalton: "Ich habe immer mit Deutschen zusammen gearbeitet...."

Apropos Fotos: Ich mache da wohl irgendtwas noch nicht ganz richtig.

Ich habe meine Originalfotos schon drastisch komprimiert - trotzdem stoße ich zu früh an die Anhang-Obergrenze.
Natürlich gibt es noch mehr Fotos...
 

sonni

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#4
Danke für deinen Bericht! Alle Achtung!
Wir sind im Vorjahr mit dem Auto auf den Sv. Jure gefahren...
 

wallbergler

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#5
Hallo dickerbernie,

da ich selbst oben (aber nur mit dem Auto) war, weiß ich um die Streckenführung und die Schinderei ,die du dir da angetan hast.

Eigentlich unfassbar, dass du bei der späten Abfahrt schon wieder um 19 Uhr zurück warst.

Von Podgora bis zur Zahlstelle sind ja ganz schöne Steigungen zu bewältigen. Und die zweite Phase bis du oben auf dem bekannten Aussichtsplatz ankommst. Normaler Weise wäre die "relative Ebene", die mit kurzen Anstiegen zu bewältigen ist, nicht soo schlimm. Aber man muss ja wissen, wie du doch schon gepowert hast , bis du hinauf kamst.

Und der Schlussanstieg zwischen den Stahlleiten , mein lieber Mann, das hat dir sicher noch den Rest heraus geholt.

Insgesamt kann ich mir dein Glücksgefühl , wie du oben angekommen bist, nachvollziehen. (hatte eine Alpenüberquerung, zwar mit Pedelec aber über das Pfitscher Joch).

Und für die Abfahrt weiß jeder einfühlsame Radler hier, hast du gehörig deine Armsehnen beansprucht.

Und das alles bei der Hitze, höchsten Respekt , das muss auch so gewürdigt werden.

Vielen Dank für deinen wunderbaren Bericht, auf diese Fahrt kannst du sehr , sehr stolz sein.

Lieben Gruß
wallbergler

der selbst kein Leichtgewicht ist.

P.S. Könnte bitte einer der Moderatoren, die Bilder einbinden, damit sie größer erscheinen?
Danke im Voraus.
 
V

vize2

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#6
Hallo Helmut

Habs bereits heute Nacht versucht, leider hat dickerbernie die Bilder nicht verkleinert, sondern bis ans Limit komprimiert und da schauen die Bilder in gross nicht gar so gut aus. Werde mal eine PN schicken und ein bisschen Einführung anbieten!

Wär auch schade, wenn der gute Bericht nicht mit adäquaten Fotos unterstützt wird...

Viele Grüsse
Viktor
 

diavolo rosso

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#7
Hallo Viktor,

Dir ergeht es heute wie mir gestern mit dem "Dreckfuhler-Teufel".

Du hast den Bernie in eine dickerbiene verwandelt. So rasant kann eine Geschlechtsumwandlung gehen.....griiiiiiins.....

Und das mit der Einführung erinnert mich an die Würstchen, die es gratis beim Metzger zur Neueröffnung gab..........!

lG Klaus
 

wallbergler

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#9
Habs bereits heute Nacht versucht, leider hat dickerbernie die Bilder nicht verkleinert, sondern bis ans Limit komprimiert und da schauen die Bilder in gross nicht gar so gut aus. Werde mal eine PN schicken und ein bisschen Einführung anbieten!

Wär auch schade, wenn der gute Bericht nicht mit adäquaten Fotos unterstützt wird...
Vielen Dank Viktor,

so macht der Forum Zusammenhalt Spaß.

Lieben Gruß
Helmut
 

dickerbernie

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#10
So...ich habe jetzt die ausgewählten Bilder in den Text bekommen...

Wenn ich sie anklicke, werden sie etwas größer.

Auf Anfrage versende ich auch gern in Originalgröße...

Bernie
 
V

vize2

Guest
#11
Hallo Bernie

Danke, sehr schöne Bilder!

Hab noch ein wenig an der Grösse geschraubt und dir eine PN geschickt.
Wirst sehen, das nächste Mal gehts wie von selbst!
...und immer dran denken, beim Einfügen das grüne Häkchen zu entfernen!

Viele Grüsse
Viktor
 

wallbergler

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#12
Leider sehe ich im Augenblick überhaupt keine Bilder mehr!

Lieben Gruß
wallbergler
 
H

Hero

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#13
Super Aufnahmen zu einem super Bericht!
Mein Respekt zu dieser Leistung!
Ich werde mir den Sveti Juri im September mal ansehen, aber mit dem Auto.


VG
HeRo
 

baskafan

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#14
Hallo Bernie

Ich habe vorerst nur den Text gelesen gehabt, aber durch die Bilder sehe ich erst welche Anstrengung wirklich dahinter steckt.
Tolle Leistung und wunderbare Bilder - Gratuliere!!


Kannst Stolz sein auf diesen schönen Bericht - bitte weitermachen
 

Adrianarra

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www.100urlaubsziele.de
#16
Wirklich klasse :smile:

Bei uns steht nächstes Jahr ein ähnliches Programm auf der Wunschliste ganz oben,
ich hoffe wir können uns diesen Traum endlich erfüllen!
 

baskafan

Adriasüchtiger
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#17
Wirklich klasse :smile:

Bei uns steht nächstes Jahr ein ähnliches Programm auf der Wunschliste ganz oben,
ich hoffe wir können uns diesen Traum endlich erfüllen!
Hallo Adrianarra !
Willkommen im Forum - Vielleicht könnten wir im nächsten Jahr auch einen kleinen Bericht sehen.
Oder gibt es auch schon von diesem Jahr ein paar Bilder oder ähnliches ??
Wir würden uns freuen!
 

m.w.

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#19
Respekt vor dieser - aus meiner Sicht - Extrem-Bike-Tour, tolle Bilder!
 
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#20
Zum Glück bin ich mit dem Auto hoch ;) und das ist auch anstrengend bei der einspurigen Straße ab dem Plateau.
Den kurzen 30min Aufstieg zum Vosac sollte man sich gönnen den die Aussicht auf die Küste dort oben ist phantastisch.



Dem Kassierer hatte ich gesagt das ich abends nochmal rauf möchte und er meinte das ginge o.k. ohne nochmals Eintritt zu bezahlen.
Ich bin jedoch nicht ganz rauf sondern nur bis zum Plateau (dort hat man die beste Aussicht auf die Küste) wo sich abends auch etliche Jugendliche mit Rollern auf ein Bier treffen. Der Blick auf Tucepi und Umgebung bei Nacht ist einfach hammermäßig.

Ich hatte hier schon einige Bilder dazu gepostet:
http://www.adriaforum.com/kroatien/geheimtipps-makarska-und-umgebung-t67497/
 
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