300-Meter-Regel, Badeabstand, Sicherheitsausrüstung
Mit hoher Geschwindigkeit durch eine Ankerbucht, dicht vorbei an Badenden und ankernden Yachten: Ein SeaHelp-Mitglied beklagt rücksichtslose Jetski-Fahrer im kroatischen Revier. Dabei sind die Regeln eindeutig – und seit 2025 teilweise neu gefasst. SeaHelp erklärt aus aktuellem Anlass erneut, was für Fahrer von Jetskis gilt und warum gerade in Ankerbuchten besondere Rücksicht erforderlich ist.„Viele Jetski-Fahrer richten sich nicht daran und fahren ohne Rücksicht nahe an Booten vorbei“, schreibt ein SeaHelp-Mitglied nach seinem diesjährigen Kroatien-Törn. Besonders aufgefallen sei ihm das Verhalten in der Vela-Luka-Bucht bei Murter sowie an der Ostseite von Kaprije. Hinweise anderer Wassersportler, langsamer zu fahren, würden teilweise ignoriert.
Ein Einzelfall? Zumindest das zugrundeliegende Problem ist den kroatischen Behörden bekannt. In der Hauptsaison treffen in beliebten Buchten Schwimmer, SUP-Fahrer, Kajaks, Dinghis, Segel- und Motoryachten sowie schnelle motorisierte Wassersportgeräte auf engstem Raum zusammen. Gerade Jetskis können dabei aufgrund ihrer hohen Beschleunigung und Wendigkeit schnell zur Gefahr werden. Dabei lässt das kroatische Recht wenig Interpretationsspielraum.
Innerhalb von 300 Metern gilt: maximal acht Knoten
Die wichtigste Regel findet sich in Artikel 50 der kroatischen Verordnung über die Sicherheit der Seeschifffahrt („Pravilnik o sigurnosti pomorske plovidbe…“, Narodne novine NN 52/2025). Danach müssen sich alle Wasserfahrzeuge innerhalb von 300 Metern zur Küste, in engen Fahrwassern sowie auf den Zufahrten zu Häfen und Ankerplätzen mit besonderer Vorsicht bewegen und dürfen höchstens acht Knoten fahren. Die Fahrt darf andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährden.
Für Jetskis kommt eine weitere, entscheidende Vorschrift hinzu: Motorboote und Wasserstrahlfahrzeuge – der Gesetzestext nennt ausdrücklich „skuteri“ und „jet ski“ – dürfen erst in einer Entfernung von mehr als 300 Metern zur Küste gleiten. Und selbst dort gilt das nur, sofern für das betreffende Seegebiet kein zusätzliches Gleitverbot besteht. Die zuständige Lučka kapetanija, also die Hafen- beziehungsweise Hafenkapitänsbehörde, kann darüber hinaus für einzelne Gebiete weitere Geschwindigkeitsbeschränkungen festlegen.
Damit ist die Situation in einer typischen kroatischen Ankerbucht eigentlich eindeutig: Eine Ankerbucht ist keine Jetski-Rennstrecke.
Entscheidend ist aber nicht nur der Tacho
Noch wichtiger für den vom SeaHelp-Mitglied geschilderten Fall ist eine zweite Vorschrift. Nach Artikel 48 der Verordnung muss die Geschwindigkeit grundsätzlich so gewählt werden, dass der durch das eigene Fahrzeug verursachte Wellenschlag andere Fahrzeuge auf dem Wasser oder an der Küste sowie Einrichtungen an Land nicht gefährdet oder beschädigt.
Und Artikel 49 geht noch weiter: Wasserfahrzeuge müssen jederzeit so geführt werden, dass durch ihre Fahrt und ihre Manöver keine Gefahr für Menschenleben, Eigentum, Küste, Meeresumwelt oder die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer entsteht.
Das ist für die Praxis entscheidend. Wer mit einem Jetski knapp an einer ankernden Yacht, einem Schlauchboot oder einem Schwimmer vorbeifährt, kann sich deshalb nicht allein darauf zurückziehen, formal unter acht Knoten geblieben zu sein. Geschwindigkeit, Abstand und Fahrweise müssen der konkreten Situation angemessen sein.
Auch die 300-Meter-Regel ist kein Freibrief
Weitere Hinweise/Informationen
Jetski Kroatien: Regeln, Tempolimit in Buchten & Bußgelder
300-Meter-Regel, Tempolimits, Badeabstände und Pflicht-Sicherheitsausrüstung im Überblick.