Insel Hvar - Wanderung von Jelsa nach Humac

m.w.

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#1
Im Juni dieses Jahres war ich das erste Mal auf der Lavendelinsel Hvar, genauer in Jelsa an der Nordküste der Insel. Jelsa ist ein idealer Ausgangsort, um die Insel zu erkunden – egal, ob man mit dem eigenen PKW unterwegs ist oder auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen ist. Im Vergleich zu Hvar-Stadt sind die Unterkünfte günstiger und mit dem Auto oder dem Bus ist man in kurzer Zeit in der Stadt Hvar mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten.

Jelsa kann zwar nicht mit dem pittoresken mittelalterlichen Stadtbild von Hvar-Stadt mithalten, dafür bietet sich dieser Ort ideal als Ausgangspunkt für ausgedehnte Wanderungen an. Eine besonders interessante Wanderung ist jene von Jelsa über den griechischen Beobachtungsturm Tor zum Hirtendorf Humac, rund 8 Kilometer östlich von Jelsa. Als Orientierungshilfe empfiehlt sich die in der Touristeninformation um 10 Kuna erhältliche Karte mit Wander- und Radwegen in der Region Jelsa, ein gewisses Orientierungsvermögen ist allerdings erforderlich, weil die Markierungen nicht lückenlos sind.

Der Wanderweg zweigt unmittelbar vor der Kirche „Gospa od zdravlja“ oberhalb des Zentrums von Jelsa nach rechts ab (Markierung am rechten Pfeiler des Eingangs zum Kirchhof).



Kurz nach der Kirche führt der Weg durch Olivenhaine und bietet einen ersten schönen Ausblick auf Jelsa sowie auf die Inselberge südlich von Jelsa.





Nun ist das 1. Etappenziel dieser Wanderung bereits in Sichtweite: der altgriechische Beobachtungsturm „Tor“ (etwa in der Bildmitte, gleich links neben der Wolke).



Bald wird der Weg zusehends schmäler und verliert sich nach Durchquerung der Olivenhaine fast im hohen Gras. Dank der Wegweiser ist die Orientierung in diesem Abschnitt aber dennoch kein Problem.





Hier gabelt sich der Wanderweg erstmals, nach links geht’s zur Burgruine Galesnik, ich folge aber dem Wegweiser nach rechts auf die Abzweigung in Richtung des Beobachtungspostens „Tor“, einem Überrest aus der Zeit der griechischen Kolonisation der Insel Hvar im 4. Jahrhundert vor Christus. Dieser Turm steht auf einem 230 m hohen Hügel südlich von Jelsa und liegt strategisch günstig – von hier oben lässt sich die Bucht von Jelsa, die Ebene von Stari Grad sowie der Hvarski Kanal zwischen den Inseln Brac und Hvar überblicken. Der Anstieg auf den Hügel ist zwar steil, aber lohnenswert!



Blick auf Jelsa während des Aufstiegs, im Hintergrund Brac


Zoom-Ansicht von Jelsa


Zoom-Ansicht von Bol auf Brac


Blick auf Vrbanj (links) und Stari Grad


Tor


Ausblick von Tor auf Jelsa






Bis hier war ich inklusive Fotopausen rund 1 ¼ Stunden unterwegs, nach einer guten halben Stunde Pause ging’s weiter. Ab hier ist der Wanderweg nicht mehr markiert, wenn man die Landschaft aufmerksam im Auge behält, ist die Orientierung aber trotzdem kein Problem. Kurz nach Tor erreicht man eine Stelle, an welcher vor Jahren ein Waldbrand wütete, die verkohlten Baumstümpfe sind noch deutlich zu sehen, während dazwischen bereits neues Leben emporwächst. Im Hintergrund sieht man Svirce, Vrbanj und Stari Grad.



Nach rund 25 Minuten mündet die Abzweigung nach Tor in den eigentlichen Wanderweg nach Humac, ersichtlich am Wegweiser nach Vrh, einer alten Siedlung auf dem Inselrücken. Ab hier gibt es auch wieder die bekannten rot-weißen Markierungen.



Im Schatten einer großen freistehenden Pinie bietet sich die Gelegenheit zur einer kurzen Rast bei traumhaftem Ausblick auf die Bucht von Jelsa.



Der schmale, aber deutlich erkennbare Wanderweg führt stets leicht bergauf durch niedrige Macchia, teilweise entlang der für die dalmatinischen Inseln üblichen Trockenmauern.



Blick auf die Ebene von Stari Grad


Blick in Richtung Sveti Nikola, des höchsten Bergs auf Hvar


Nach knapp 3 Stunden inkl. Pausen ab Jelsa (reine Gehzeit etwas mehr als 2 Stunden) erreicht der Wanderweg die nicht asphaltierte, aber sehr gut präparierte und weitgehend von großen Steinen befreite Piste auf dem Inselrücken. Am Stamm der Pinie ist ein Wegweiser nach Jelsa zu sehen.



Von hier sind es nach Humac noch ungefähr 5 Kilometer, bei flottem Tempo muss man daher mit einer guten Stunde Gehzeit rechnen. Hier oben fahren nur wenige Autos, auf Radfahrer bzw. motorisierte Biker trifft man hingegen etwas öfters. Auf dem Wanderweg begegnet man hingegen oft stundenlang keiner Menschenseele, auch ich war während der gesamten Strecke von Jelsa bis zur Straße auf dem Inselrücken als einziger unterwegs.





Die Strecke schlängelt sich entlang des Inselrückens und eröffnet zur Linken wunderschöne Ausblicke auf die Insel Brac sowie die Makarska Riviera sowie zur Rechten einen nicht minder schönen Fernblick auf die Inseln Scedro, Korcula und die Halbinsel Peljesac (bei guter Sicht ist auch die kleine unbewohnte Insel Susac zu erkennen).

Blick auf Scedro (vorne), Korcula (links) und Susac


Blick auf Peljesac (links) und Korcula


Blick auf Brac und die Makarska Riviera


Neben der Straße stehen einige kleine runde Steinhäuser, ein besonders eindrucksvolles Exemplar befindet sich rund einen Kilometer vor Humac. Diese dienten ursprünglich den Hirten als Unterkunft.



Je näher man Humac kommt, umso zahlreicher werden die für Hvar typischen Lavendelfelder.



Nach insgesamt rund 4 Stunden ist das Ziel der Wanderung – das Hirtendorf Humac – erreicht. Das Dorf liegt etwas abseits der Straße, inmitten zahlreicher Lavendelfelder. Das in seiner heutigen Form vermutlich im 17. Jahrhundert errichtete Dorf ist nicht mehr ständig bewohnt, sondern wird nur mehr während der Erntezeit genutzt. Während der Saison wird eine Konoba betrieben, von welcher aus auch Ausflüge zur Höhe Grapceva Spilja organisiert werden.









Nach einer längeren Pause in Humac musste ich mich leider auf den Rückweg machen. Laut Wanderkarte gibt es zwei Möglichkeiten; entweder von Humac bergab bis zur Inselmagistrale und danach hinunter ans Meer und entlang der Küste zurück nach Jelsa oder im Wesentlichen denselben Weg zurück, mit der Alternative anstelle des Wanderwegs durch die Macchia auf einer Schotterstraße über Pitve zurück nach Jelsa zu wandern. Da ich die traumhaften Ausblicke auf die umgebende Inselwelt ein zweites Mal genießen wollte, entschied ich mich für die zweite Variante.

Rund 1 ½ Stunden von Humac Richtung Westen erreicht man die Abzweigung nach Zavala auf der Südküste der Insel Hvar (im Hintergrund sieht man die Halbinsel Peljesac und Korcula).



Geradeaus geht es weiter auf den Berg Sveti Ante, ich aber nehme die kurz danach nach rechts abzweigende Piste nach Pitve, welche sich in scheinbar endlosen Serpentinen entlang der Berghänge ins Tal windet.



An den steilen Hängen entlang der Strecke sieht man immer wieder Olivenhaine.



Nach ungefähr einer weiteren Stunde Wanderung mündet die Schotterstraße kurz vor Pitve in die asphaltierte Straße, welche durch den Tunnel auf die Südküste nach Zavala führt.



Auf der Straße bleibe ich allerdings nur wenige Meter, dann folge ich einem Feldweg, welcher nach rechts in Richtung Jelsa abzweigt. Von diesem Weg aus hat man diesen malerischen Blick auf das Dorf Pitve.



Nach ungefähr einer weiteren halben Stunde ist der Ausgangs- und Endpunkt der Wanderung Jelsa in Sichtweite, von dieser Stelle benötigt man noch ungefähr 20 Minuten bis zum Ortszentrum.



Insgesamt sollte man für diese Wanderung einen ganzen Tag einplanen, gestartet bin ich um 10 Uhr morgens, inklusive sämtlicher Ruhe- und Fotopausen habe ich ungefähr 8 ½ Stunden für die gesamte Strecke benötigt. Wichtig ist es, ausreichend Verpflegung und vor allem Wasser mitzunehmen, weil es unterwegs keinerlei Verpflegungsmöglichkeiten (außer in der Saison in Humac) gibt.

Diese Route zählt meiner Meinung nach zu einer der schönsten und eindrucksvollsten Wanderungen an der kroatischen Adriaküste, nicht nur wegen der traumhaften Landschaft mit Olivenhainen und Lavendelfeldern sowie herrlichen Ausblicken auf das Meer und die benachbarten Inseln, sondern auch wegen geschichtsträchtiger Orte wie Tor und Humac.
 
E

ELMA

Guest
#3
Hallo m.w.-
wie schon oft sind Deine Berichte über Wanderungen in Kroatien etwas Besonderes - etwas was bei mir spontan den Wunsch weckt: Das möchte ich mal tun.
Ich kenne Hvar ( ein wenig) , war auch schon in dem Hirtendorf Humac (aber auf direktem Weg), bin ein Stück auf dem Höhenzug entlanggewandert ( aber bei weitem nicht so weit wie Du) und weiß , dass Du keinesfalls übertrieben hast:
Diese Route zählt meiner Meinung nach zu einer der schönsten und eindrucksvollsten Wanderungen an der kroatischen Adriaküste
Schade , dass man im Internet nicht auch Düfte vermitteln kann- Lavendel, Rosmarin- die vielen Kräuter, die an Deinem Weg standen. Das war sicher unglaublich schön.

Ich habe es genossen, virtuell mitzuwandern - Deine schönen Bilder betrachtet und danke Dir ganz herzlich für diesen Bericht und für die Arbeit, die Du Dir damit gemacht hast. :gut:

Gruß,
ELMA
 
V

vadda

Guest
#4
Danke, m.w.!

Da werden Erinnerungen wach, wir haben diese (Tor-)Tour ;) vor gut 2 Jahren von Vrboska aus gemacht, allerdings mit dem Fahrrad und in umgekehrter Richtung. Neben den leckeren Sardinen und dem selbstgebackenen Brot in der Konoba in Humac...






...ist mir der teilweise etwas beschwerliche "Fahrradweg" noch gut in Erinnerung.





Nach deinen Bildern möchte ich sofort wieder losfahren!
 

jadran

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#5
klasse bericht kann ich nur sagen, zumal mir das umfeld sehr gut bekannt ist.
nur wer den duft von lavendel und rosmarin kennt, weis wie die sinne schweben.
im rausch dieser düfte treibt es dich ins nächste dorf um diese zu erkunden

jadran
 
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#6
Vielen Dank,
ein toller Bericht mit tollen Fotos, da mag man gleich wieder hin
 

sonni

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#7
Ich habe eben erst diesen Bildbericht entdeckt! Tolle Foto´s! Superschöne Gegend! Bin total begeistert! Besonders die Lavendel-Bilder find ich toll.
Danke, m.w.!!!!
Hvar kennen wir noch nicht und bisher stand diese Insel noch nicht auf unserer "demnächst-hin-will-Liste" - das ändert sich hiermit!
 

Beachgirl

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#8
Schöner Bildbericht von dieser wunderschönen Insel!! Danke !

sonni: Hvar muss man einfach bereist haben!!

lg Beachgirl
 

Segelfilmer

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#9
Wanderungen gehören neben Segeln (selbstverständlich :) ) zum Besten, was man in Küstennähe machen kann. Durch die Langsamkeit reicht die Zeit, eben viel mehr mitzubekommen als beim motorisierten Abfahren.

Besonders schön im Bericht finde ich die Bemerkungen und Hinweise am Anfang und Ende des Berichts zu Karten, Zeitplanung etc.

Liebe Grüße - Thomas
 
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