In und um Pula - Teil 18: Das Fort Turcian zwischen Pula und Medulin

Huberlinger36

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#1
Fährt man von Medulin nach Pula, sieht man in Höhe des kleinen Flugplatzes rechts in einiger Entfernung das Fort Turcian auf dem gleichnamigen Hügel. Im Vorbeifahren fiel uns auf, dass die Bauwerke des Forts viel besser als im Vorjahr zu sehen waren. Irgendwie wirkte der Hügel kahler. Weil wir schon früher keinen Zugang zum Inneren gefunden hatten, fehlte mir die Lust auf einen erneuten Besuch. Aber die beste aller Ehefrauen wollte genau wissen, was sich verändert hat. Wer kann da schon auf Dauer widerstehen...
Am 14. Mai war es soweit. Die Festung und ich waren sturmreif. Wir fuhren hin. Die Schranke an der Auffahrt war zu.

--Hier sollte ein Bild von der Schranke rein. Aus mir unerklärlichen Gründen wird das Bild vom Programm abgelehnt--:confused:


Also ging es zu Fuß hinauf.. Das Tor der Festung war verschlossen. Von drinnen das übliche laute Hundegebell. Also wieder nichts mit einer Innenbesichtigung.





Ganz offensichtlich hatten aber Arbeiten stattgefunden. Im Festungsgraben waren Bäume und Büsche entfernt worden, teilweise mit Brandrodung.



Als wir schon frustriert den Rückweg antraten, erschien ein Pkw mit zwei jungen Männern. Die hatten Schlüssel zur Festung. Sie waren sehr freundlich und aufgeschlossen. Wir wurden zu einer Besichtigung eingeladen. Welch ein Glücksfall!
Wir erfuhren trotz erheblicher Sprachprobleme, dass die Festung im Rahmen eines Jugendprojektes wieder begehbar gemacht werde. Die Stadt Pula unterstütze das Projekt durch Überlassung der Anlage und Bereitstellung geringer finanzieller Mittel.
Neben dem Projekte Turcian gebe es noch zwei weitere, ähnliche Projekte:

Fort Casoni Vecchi ( ''Monte Paradiso'')
und
Küstenfort Punta Cristo.

Über beide habe ich schon mal berichtet.

Mit den ''Besatzungen'' dieser beiden Projekte sei man befreundet und betreibe regen Erfahrungsaustausch.
Ich habe leider nicht so ganz verstanden, wie das alles funtioniert. Anscheinend will man Jugendlichen aus sozialen Randschichten eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung bieten. Das scheint auch zu klappen.

Vielleicht hat jemand nähere Erkenntnisse über diese ''Jugendprojekte''.

Wir bekamen eine Führung durch die Anlage angeboten. Annahme mit Begeisterung. Leider hatten weder die ''Besatzer'' noch wir eine brauchbare Taschenlampe dabei. So musste mein winziges LED-Zündschlüssellämpchen genügen. Das war dann streckenweise doch sehr abenteuerlich. Dann machte auch noch der Akku der Kamera schlapp, so dass ich den Blitz nicht mehr einsetzen konnte.

Zunächst der Innenhof, die sogenannte ''Kehle'':





Ein Blick von innen auf die leicht gepanzerte Eingangstür. Der Verriegelungsmechanismus funktioniert noch.



Dann ging es in die Unterwelt





Mit unzähligen Gewölben, Kasematten, Gängen, Treppen und sonstigen Räumlichkeiten.











Hier die noch jetzt in Betrieb befindliche Toilettenanlage. Wohin deren ''Produkte'' eigentlich verschwinden ist noch unerforscht.



Unter diesem Raum befindet sich eine große Zisterne.



Das ''Klubzimmer''



Ich verlor dort unten bald jede Übersicht. Mein Begleiter fand sich jedoch auch bei völliger Dunkelheit bestens zurecht. Der Wachhund ebenso.
Wir kamen mal oben, mal unten irgendwo heraus. Immer gab es Neues zu sehen.









Dann ging es wieder querbeet in den Aussenanlagen herum

















Eine Hinterlassenschaft der letzten Besatzung. Vermutlich die kroatische Armee.



Ein Wächter der besonderen Art, der seinen Harem hütet. Besser etwas Sicherheitsabstand halten...



Ein Blick in die ehemalige Mannschaftsküche



Ein Markierungsstein von 1887



Alle Zugänge sind stark gesichert. Ungebetene Besucher stehlen alles, was zu finden ist. Besonders beliebt: Werkzeug, Elektrogeräte und Baumaterial.





Ein Blick auf das ferne Pula



Ein letzter Blick zurück:





Dann verlassen wir den gastlichen Ort. Wir versprechen, dass wir uns im nächsten Jahr vom Fortgang der Arbeiten überzeugen werden. Ein kleines monetäres Dankeschon für die interessante Führung ist selbstverständlich...
Besucher sind übrigens in der Festung, wie auch bei den beiden anderen im Text erwähnten, herzlich willkommen. Feste Öffnungszeiten gibt es aber nicht. Wenn von der ''Besatzung '' jemand anwesend ist, (erkennbar an der geöffneten Schranke und dem offenen oder angelehnten Tor) kann man eintreten.

Viel Freude beim Nachmachen wünscht
Huberlinger36
 

Huberlinger36

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#2
AW: In und um Pula - Teil 18: Das Fort Turcian zwischen Pula und Medulin

Wie findet man die Festung Turcian?
Sie liegt an der Straße Pula -> Sisan nahe der Ortschaft Sikici auf der rechten Seite.
Am einfachsten erkennt man die Lage auf den angehängten Bildern von Google Earth. Die Bilder jetzt direkt in den Text einzufügen habe ich leider nicht geschafft...
Huberlinger36
 

tosca

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#3
AW: In und um Pula - Teil 18: Das Fort Turcian zwischen Pula und Medulin

Toll Huberlinger,

ich mag so alte Gemäuer - wenn die erzählen könnten.....

(ist zwar o.T. aber aber ich erwähne es trotzdem ;) Diesen Winter im Skirlaub war mal kein Skiwetter, da habe ich die Festung Nauders in Österreich in der Nähe des Reschenpass besichtigt - hochinteressant!!!)
 

Huberlinger36

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#4
Ein neuer Besuch 6 Jahre später:

Claus-Jürgen, der sonst fast alles schon kennt, war noch nie im Innern des Turtian. Am 2. Mai 2015 sollte das geändert werden. Am Nachmittag fuhren wir zum Fort. Leider war die Schranke vor der Auffahrt verschlossen. So mussten wir zu Fuß den Hügel erklimmen. Dort war der Eingang verschlossen.
Nur ein prächtiger Schäferhund lümmelte oben über die Mauer.
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Der Hund interessierte sich nicht sonderlich für uns, sondern blickte in die Ferne. Er schien etwas zu erwarten...
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Claus-Jürgen hatte Hummeln im Hintern und wollte ein neues Ziel ansteuern. Ich riet unter Hinweis auf das Verhalten des Hundes zum Abwarten.
So geschah es. Und nach einiger Zeit erschien tatsächlich ein Pkw. Der Fahrer schloss das Tor auf und erlaubte uns den Zutritt. Während der Hund versorgt wurde, verschwanden wir in der Unterwelt.
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Viele Neuigkeiten gab es nicht zu sehen. Aber eine Art Bildergalerie mit Bildern aus alten Zeiten war vorhanden.
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Einige Räume wirkten aufgeräumt, andere waren voll Gerümpel
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Die Reste der ehemaligen Mannschaftsküche sind noch vorhanden.
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Eben so die Reste eines Clubzimmers aus neuerer Zeit
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Dieser aufwendige Kamin wird scheinbar gelegentlich noch genutzt. Er verfügt sogar über einen Rauchabzug.
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Die Kunststoffabdeckung hat der Witterung offensichtlich nicht standgehalten.
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Treppen in die Unterwelt
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Vom "Dach" der Festung hat man einen guten Überblick. In der Ferne die Werftanlagen in Pula.
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Der Wagen hat seine besten Tage hinter sich. Rechts im Bild der Rauchabzug vom Kamin.
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Oben auf der Anlage ist der Schlüsselgewaltige mit dem freundlichen und zutraulichenHund zu sehen.
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Claus-Jürgen wetzt durch die Anlage. Mal oben, mal unten...
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Ein letzter Blick in den Graben.
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Und den darin befindlichen "Koffer" zur Nahverteidigung
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Ein letzter Blick zurück, während der Hund zum Abschied bellte.
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Von Jugendarbeit haben wir nichts gesehen. Scheinbar findet auf dem Gebiet hier nicht mehr viel statt.
Der Zahn der Zeit nagt am Gemäuer und der Armierung. Auf längere Sicht wird die Anlage kaum zu erhalten sein. Der Erhalt dürfte einfach zu teuer sein. Eine wirklich sinnvolle Nutzung auf Dauer ist schwer vorstellbar.
Und die Ziegenherde mit dem Pracht-Bock ist auch nicht mehr da....

Gute Nacht wünscht Huberlinger36
 
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