der wilde Schrottplatz von Gajana in Istrien

Werbung

claus-juergen

Globaler Moderator
Mitarbeiter
In der vorletzten Woche waren wir im südlichen Istrien. Die Familie meiner Tochter hatte ein Haus in Gajana bei Vodnjan gemietet und wir wohnten ein paar Kilometer entfernt. Täglich traf man sich und so waren mein Schwiegersohn Thomas und ich mit den Enkeln einmal unterwegs um uns einen Schrottplatz anzusehen. Ja, so etwas kann durchaus interessant sein. Vor der Reise hatte ich vom Satellit aus diese Bild im Kopf.

Schrottplatz

Seltsam, stehen da doch hunderte von Fahrzeugen anscheinend ungeordnet. Ist das eine Autoverwertung oder was soll das?

Schrottplatz


Es ist viel schlimmer als befürchtet und zeigt uns, daß Kroatien noch längst nicht in der EU mit all seinen Regeln angekommen ist. Da stehen wild abgestellt verhältnismäßig neue Pkw kreuz und quer in der Landschaft. Ich würde schätzen, alle Baujahr etwa ab 1990. Davon nur ganz wenige unfallbeschädigt. Motorschaden oder andere durchaus behebbare Mängel haben anscheinend die Eigner dazu veranlaßt, die Pkw hier für alle Ewigkeit zu deponieren.

Schrottplatz


Hierzulande werden ausgediente Pkw ausgeschlachtet und Teile gebraucht verwertet. Doch in Kroatien?

Schrottplatz


Manchens Fahrzeug wurde mit Schrott oder Altreifen vollgestopft und abgestellt.

Schrottplatz


Nur vereinzelt findet man noch Modelle aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Schrottplatz


Der Renault 4 wurde einst in Lizenz in Novo Mesto produziert.

Schrottplatz


Es gibt weder einen Zaun noch eine andere Absperrung. Ab und zu kommt ein Abschleppwagen und stellt wieder eine alte Karre dahin wo gerade Platz ist. Die beiden freilaufenden Hunde kläffen laut. Sonst ist niemand da.

Schrottplatz


Es gibt auch keine Werkstatt oder eine Halle und damit auch keinen Anhaltspunkt für die Verwertung der Altfahrzeuge. Die rotten langsam vor sich hin. Irgendwann laufen Flüssigkeiten aus und gelangen in den Boden.

Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Behörden keine Ahnung von dieser Deponie haben. Thomas ist beruflich in der Automobilbranche tätig und erklärt, daß hier unabhängig vom Umweltaspekt Werte lagern die kaum zu beziffern sind. Noch dazu würde die systematische Zerlegung der Pkw Arbeitsplätze schaffen und anders als der Tourismus der ganzjährigen Wertschöpfung dienen.

Aber so ist nun mal Kroatien. Der fahrbare Untersatz wird mehr oder eher weniger gepflegt. Läuft die Karre dann nicht mehr, wird eine Neufahrzeug geleast. Dann muß man das kaputte Auto nur noch irgendwie möglichst umsonst loswerden. Also auf nach Gajana einen eingewachsenen Feldweg entlang. Auch bei Tag ist das Abladen auf der Deponie möglich weil das im Ort zwar jeder mitbekommt, es allerdings sprichwörtlich niemanden juckt.

Viel einfacher ist es, ein Zimmer oder eine Fewo ein paar Monate im Sommer zu vermieten. Die Einnahmen reichen dann schon ein Weilchen für den Unterhalt des Pkw. Das ist zudem viel weniger Arbeit als so "sinnlose Wartungen am Pkw die man nicht sieht und auch nicht braucht". Jugoslawien ist eben doch noch nicht ganz tot.
;)


grüsse

jürgen
 

Luppo

Moderator
Mitarbeiter
Da kann man sich vorstellen, welche Mengen Flüssigkeiten, vor allem Motoröl im Boden versickert.
Es gibt immer wieder Situationen und Fakten, bei denen die Kroaten offensichtlich in den Siebziger Jahren stehengeblieben sind.
Wir völlig richtig bemerkt, lieber die umgebaute Garage vermieten und Espresso trinken als sich um seine Dinge kümmern.
Sowas kennt man doch nur aus zentralafrikanischen Schurkenstaaten.
Kürzlich hatten wir das Thema Steuerbetrug bei den Gastro-Rechnungen. Hier scheint auch noch nicht alles rund zu laufen, um nicht zu sagen, dass möglicherweise nach wie vor ein guter Teil des Umsatzes am Staat vorbeigewirtschaftet wird.
 

hannes99

erfahrenes Mitglied
Nicht immer mit dem Finger auf Kroatien zeigen und denken in Deutschland wäre alles besser!
Ihr müsst nur mal bei den "Steel Buddies" im Westerwald reinschauen, was ganz bei mir in der Nähe ist. Da sieht es noch schlimmer aus als aus dem gezeigten kroatischen Schrottplatz! Trotzdem wird dort gefilmt und Leute zahlen für eine Führung auf dem riesigen Schrottplatz 25 € und kaufen Fanartikel. Wo ist da der deutsche Umweltschutz?
Ich könnte noch mehr berichten, tue es aber nicht denn mit dem Inhaber des Schrottplatz ist nicht gut Kirschen essen
 

claus-juergen

Globaler Moderator
Mitarbeiter
Nicht immer mit dem Finger auf Kroatien zeigen und denken in Deutschland wäre alles besser!
Ihr müsst nur mal bei den "Steel Buddies" im Westerwald reinschauen, was ganz bei mir in der Nähe ist. Da sieht es noch schlimmer aus als aus dem gezeigten kroatischen Schrottplatz!…
Hallo Hannes,

der Begriff „immer“ ist sicherlich etwas übertrieben. Zumindest ich zeige nicht immer mit dem Finger auf Kroatien. Ich komme aber im Land durchaus mehr herum als der Pauschalreisende in seinem Hotel, der sich nur zwischen Zimmer, Speisesaal, Pool und Strand bewegt. Und gerade deshalb fallen mir bestimmte Dinge auf. Dazu kommt, dass ich kein Schönwetter Prophet bin. Wenn irgendwo etwas stinkt, dann darf das angesprochen werden. Das gilt für diesen Schrottplatz wie auch die illegalen Sondermülldeponien in Gospic oder in Pazin. Mit der in Gospic befasst sich seit Wochen das kroatische Parlament. Anscheinend handelt es sich dort nicht um Peanuts.

Zu Kroatien gehört nun mal auch, dass die Korruption höher ist als beispielsweise in Deutschland. Dies erwähne ich, weil du den Vergleich mit unserem Heimatland anstellst. Möglicherweise ist die Steuerhinterziehung auch weiter verbreitet. Auch die Anzahl und Schwere der Verkehrsunfälle ist erheblich höher als hierzulande. Wer dies nicht wissen will, der kann mit offenen oder geschlossenen Augen an jedem Strand der Welt liegen weil er kein Interesse am Urlaubsland zeigt. Hauptsache das Bier ist billig, die Sonne scheint, und das Meer ist warm.

Was den von dir zitierten Schrottplatz angeht, kenne ich den nicht und kann deshalb auch darüber keine Aussage treffen. Wenn aber jemand 25 € Eintritt für die Besichtigung eines Schrottplatzes verlangt, dann muss das schon etwas besonderes sein zumal dort scheinbar unter behördliche Aufsicht, Altöl, Bremsflüssigkeit und andere Flüssigkeiten in den Boden versickern dürfen. Irgendwie kann ich das nicht glauben.

grüsse

jürgen
 
Zuletzt bearbeitet:

Julija

erfahrenes Mitglied
Wir haben auf unserer heutigen Rückfahrt aus Slowenien auch irre viele Fahrzeuge abgestellt, in der Pampa bzw. auf den Grundstücken gesehen.
Bei uns um die Ecke ist ein Fahrzeug schon Jahrzehnte hinter dem Haus mit einer Plane abgedeckt. Das Gras ist schon teilweiße im Auto gewachsen. In Dörfer sieht man sowas oft. Aber so viele auf einem Haufen habe ich noch nie nirgends gesehen.
 
Werbung
Top