Der Steinbruch Valtura an der Spitze Istriens

claus-juergen

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#1
In Medulin und Umgebung verbringen jedes Jahr viele Tausend Urlauber ihre Ferien. Manche erkunden die Sehenswürdigkeiten der Umgebung. Einige kennen vielleicht auch die "weiße Straße" von Sisan nach Kavran, die an der herrlichen Budava-Bucht mit ihrem kleinen Fischereihafen und der Fischzucht vorbeiführt. Die wenigsten jedoch dürften den Steinbruch von Valtura kennen, der direkt an dieser Straße, verborgen hinter undurchdringlichem Wald liegt und in welchem Kalkstein als Baustoff für Simse, Platten und anderes abgebaut wird. Nachdem ich schon seit vielen Jahren an diesem Steinbruch achtlos vorbeigefahren bin, habe ich mir im Frühsommer dieses Jahres das Areal einmal näher angesehen.







Der Zugang zum Steinbruch wird nach Feierabend durch einen Felsquader mit Hilfe eines großen Radladers versperrt. Dies vermutlich deshalb, damit die teuren und sperrigen Gerätschaften nicht durch Unbefugte abtransportiert werden. Für Fußgänger ist das Gelände hingegen zugänglich.



Gleich nachdem man zwischen Quader und aufgeschüttetem Geröll durchgeschlüpft ist, kann man den Steinbruch, der etwas unterhalb der Straße liegt, gut überblicken. Ganz im Hintergrund sieht man die Spitze des Televrin, der höchsten Erhebung der Insel Losinj.



Auf einer Abraumhalde werden die aus dem Fels gesprengten Quader gelagert.



Diese Blöcke waren etwas abseits abgelegt. Ich nehme an, daß die Qualität aufgrund von Rissen oder Hohlräumen oder auch farblichen Mängeln nicht den Anforderungen entspricht und sie deshalb keine Abnehmer finden.



Hier kann man gut erkennen, wie die rechteckigen Blöcke aus dem Fels gesprengt bzw. geschnitten werden. Die braunrote Farbe stammt vom mit dem Wasser einsickernden Erdreich, weil das Gestein immer wieder Hohlräume aufweist.



Hier noch mal die zum Abtransport gelagerten Kalksteinblöcke. Der Transport erfolgt mit Hilfe von LKW.



Mittels dieser Bohrmaschine werden mehrere Meter lange Löcher vertikal in den Fels gebohrt, die dann mit Sprengstoff gefüllt werden. Wenn man es richtig macht, bricht der Stein dann genau an der berechneten Stelle auseinander.



Diese Säge dient dem Zerteilen der herausgesprengten Säulen in "handliche" Blöcke von ca. 1,50 Meter Breite und Höhe bei einer Länge von etwa 4 Metern. Wie hoch das Gewicht so eines Blocks ist, kann ich nicht sagen.





Der fest installierte Kran hebt die Blöcke dann aus der Grube, wo sie mit einem großen Radlader zum Lagerplatz gebracht werden.



Teilweise ist das Gestein schneeweiß und homogen, teilweise brüchig und verfärbt. Das Wasser rechts unten hat sich an der tiefsten Stelle gesammelt. Es wird für den Bohr- und Schneidevorgang benötigt.





Oft kann man erst nach dem Heraussprengen so einer Säule sagen, ob es sich gelohnt hat. Vielfach ist erst dann zu erkennen, daß das Gestein löchrig und damit unbrauchbar ist.



Der Strom für die Maschinen und den Kran wird mit Hilfe dieses Stromaggregats vor Ort erzeugt.



Nur einen Kilometer auf der Schotterpiste weiter gefahren hat man diesen herrlichen Blick auf die Fischzucht in der Budava-Bucht.

Natürlich kann das hier abgebaute Gestein nicht mit dem weltbekannten Marmor aus Brac oder den gelblichen Kalksteinen aus der Region um Benkovac konkurrieren. Es findet jedoch trotz seiner geringeren Qualität Abnehmer und sichert Arbeitsplätze außerhalb der saisonabhängigen Tourismusindustrie.

Wer sich den Steinbruch einmal ansehen möchte, sollte so wie wir einen Sonntag oder Feiertag wählen, weil es während der Abbauarbeiten wochentags zu gefährlich ist, den Steinbruch zu betreten. Der Zugang ist für Unbefugte verboten.

jürgen
 

Andi Bolle

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#2
Von wegen für Fußgänger zugänglich.
Ich nenne das einen "Steinbruch-Einbruch". ;):lol:

Danke Juergen, für die interessanten Einblicke!

Gruß
Andi
 

claus-juergen

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#3
hallo Andi,

nachdem du ja solche Wortspiele liebst, nehme ich an, daß die dort beschäftigten Arbeiter nicht "steinreich" sind und möglicherweise aufgrund der schweren Arbeit auch nicht "steinalt" werden.;)

grüsse

jürgen
 

burki

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#5
Ja, ein erstklassiger Bericht mit Eindrücken von der schweren körperlichen Arbeit.

Mal ins Hinterland geschaut bringt oft erstaunliche Erkenntnisse.

Danke Jürgen

burki
 

Huberlinger36

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#8
Zitat Andy Bolle:

"Von wegen für Fußgänger zugänglich.
Ich nenne das einen "Steinbruch-Einbruch". :wink::lol:"

Und hier der Einbrecher auf der Flucht. Es bleibt nichts verborgen...



Gruß Huberlinger
 
B

brfzg

Guest
#9
Nur einen Kilometer auf der Schotterpiste weiter gefahren hat man diesen herrlichen Blick auf die Fischzucht in der Budava-Bucht.
Im April bin ich genau diese Schotterpiste gefahren, und ich habe diesen Steinbruch nicht gesehen...:x

Schon erstaunlich, was da in Istrien nicht nur "oben" wunderschönes zu sehen ist, auch "unterirdisch" ist das echt interessant und schön!

Klasse Fotos, interessanter Bericht, vielen Dank!

Gruß
Markus
 

diavolo rosso

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#10
Hallo Jürgen,

Danke für die tollen und interessanten Bilder und den Bericht, den Du uns ja in Aussicht gestellt hast.
Passt genau in diese Zeit und lässt uns vom kommenden Jahr und Istrien träumen.

Nachdem ich heuer beim Radeln diese Steinsperre schon mal in Augenschein genommen habe, weil ich "rein zufällig" genau dort einen "Technischen Halt" notwendig hatte, werde ich im kommenden Frühjahr mit dem Mountain - Bike "einbrechen". Für mich war die Sperre einfach ein Signal: Zufahrt zum Strand gesperrt. Sowas hätte ich dahinter nie vermutet.
Schön gelegen auch die Fischzucht in der Budava Schlucht.

Anschließend an die Schlucht kommt Kavran, danach Pavicini. Dort gibts einen Weinbauern. Kennt jemand zufällig dessen Weine ?

Grüße
Klaus
 

claus-juergen

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#12
hallo klaus,

danke erst mal für dein lob.

es gibt im übrigen in der budava-bucht neben dem fischereihafen schon einen zugang ans meer. etwa dort, wo ich die bucht fotografiert habe, zweigt rechts ein steiler weg ab und führt bergab zur alten pumpstation des militärs. der zaun ist löchrig und man kann die alten anlagen ansehen. an der dortigen mole konnten früher tankschiffe anlegen und diesel bzw. kerosin anlanden, welches über eine pipeline zum flughafen pula gepumpt werden konnte. die rohre und ventile sind noch vorhanden. gelegentlich kommen angler an die anlegestelle, weil das wasser dort recht tief ist.

kavran und umgebung kenne ich natürlich. somit auch den weinbauern. da gibt es auch einen ausschank in recht urigem ambiente mit grob behauenen holzbänken und tischen. wenn man sich dort als gruppe anmeldet, kann man da auch etwas essen. wir haben dort vor jahren mal wein getrunken und auch eingekauft. zur qualität des weines kann ich als laie nichts sagen. wir haben ihn getrunken. genauere erinnerungen an den tag habe ich nicht mehr...;)

grüsse in die stauden

jürgen
 

spy56

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#14
Hallo Jürgen,

sehr intererssanter Bericht.

Bin diese Strecke schon einige Male gefahren; auch habe ich die Absperrung gesehen

habe aber nicht gedacht dass sich ein Steinbruch dahinter verbirgt.

werde diesen aber nächstes Jahr fotografisch unter die Lupe nehmen.

Gruß Martin
 

Andi Bolle

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#15
Hallo Jürgen

Ich frage mich, ob so ein Steinbruch festgelegte Grenzen hat.
Also ob innerhalb einer vorgegebenen Fläche abgebaut werden darf, aber nicht
darüber hinaus.
Oder dürfen die Jungs buddeln so weit und so lange noch brauchbares Material
gefunden wird?

Hmmm. :gruebel:

Gruß
Andi
 

diavolo rosso

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#16
Hallo Jürgen,

Danke für die interessante Ausführung zum Weinbauern - auch wenn der mit dem Steinbruch nicht mehr viel zu tun hat. Er liegt nur "zwangsläufig" an der Strecke, wenn man die staubige Straße benutzt, die am Steinbruch vorbeiführt. Ebenso dann die Budavaschlucht - alles Teil des Durchgangsweges.
Und nach Deiner Beschreibung sind sowohl der Steinbruch als auch der Weinbauer einen Halt wert.
Außerdem weiß ich, daß mein Moutainbike den Weg vom Weinbauern schon alleine zurückfindet - so wie anno dazumal die Gäule den Bauern selbstständig nach Hause gebracht haben (zumindest dann, wenn freundliche Mit-Menschen den Bauern auf den richtigen Wagen gesetzt haben, was nicht immer der Fall war)

Grüße
Klaus
 

claus-juergen

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#17
Ich frage mich, ob so ein Steinbruch festgelegte Grenzen hat.
Also ob innerhalb einer vorgegebenen Fläche abgebaut werden darf, aber nicht
darüber hinaus.
Oder dürfen die Jungs buddeln so weit und so lange noch brauchbares Material
gefunden wird?
hallo andi,

ich gehe schon davon aus, daß es genaue bestimmungen gibt, wie groß das loch maximal sein darf. in diesem land ist die bürokratie nach meiner einschätzung nach höher als bei uns. allerdings gibt es sicher möglichkeiten, die abbaugenehmigung erweitern zu lassen. das argument der arbeitsplätze wird hier wahrscheinlich höher eingeschätzt als der schutz der natur.

grüsse

jürgen
 

baskafan

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#18
Danke für diese Bilder!
Ich weiß nicht warum - aber mich faszinieren Steinbrüche - sie haben so was mächtiges und dauerhaftes in sich.
Und was aus diesen Steinen alles gemacht werden kann.
Danke Hannes
 
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