Albanien 7 - unterwegs südlich des Vivari Kanals

claus-juergen

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Wie im Teil 6 der Berichte über unsere Reise nach Albanien erwähnt hat der Butrint Binnensee eine Verbindung über einen natürlichen Kanal zum offenen Meer. Somit ist das große fast abgeschlossene Gewässer streng genommen gar kein See. Will man nun von Ksamil aus in den Süden des Landes reisen muß man diesen Kanal mangels einer Brücke mittels einer Fähre überqueren. Das haben wir gemacht.



Die Planken sind zwar etwas holprig. Aber es klappt ganz gut wie diese einfache Fähre am Drahtseil übers Wasser gezogen wird.



Der Fährmann sitzt im Schatten eines Sonnenschirms und betrachtet sein Handy.



Mensch und Tier und auch Reisebusse oder Lkw können die Fähre nutzen. Im Hintergrund erkennt man den Besucherparkplatz von Butrint. Die antike Anlage selbst befindet sich rechts auf einer Halbinsel.



Die Preise wurden in den letzten Jahren kräftig erhöht. Mifle war ja auch schon hier.



Wenige Meter vom Fähranleger entfernt steht eine Dreiecksfestung. Die wurde wegen ihres dreieckigen Grundrisses so benannt.



Die Anlage ist zugänglich. Ein Bediensteter passt auf, daß niemand auf die ungesicherten Mauern klettert und hinabfällt. Eintritt muß nicht bezahlt werden.



Also schauen wir uns drinnen in Ruhe um.



Nun von oben der Blick auf die andere Seite mit dem Fähranleger.



Der Kanal weitet sich hier bereits zum Binnensee.



Drüben befindet sich Butrint.



Auf den ehemaligen Wehrgang darf man gehen. Nicht jedoch auf die Mauer selbst. Dabei ist doch auch dieser Wehrgang völlig ungesichert. Undenkbar in Mitteleuropa.



Der Turm



Eine Etage darüber



Nische in einem Nebengebäude



Auf der Straße fahren wir anschließend weiter zum Mursi See.



Immerhin gibt es eine nicht beschädigte Tafel in englischer Sprache zur Geschichte des Bauwerks.



grüsse

jürgen
 

claus-juergen

Globaler Moderator
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Unser nächster Stopp südlich des Kanals ist eine Gedenkstätte wo eigentlich kein Tourist vorbeikommt oder die gezielt aufsucht. Ich wollte dahin um näheres zu erfahren.

Weil ich in diesem Bericht einen ausführlichen Wikipedia Artikel verlinke nur kurz so viel zum geschichtlichen Hintergrund. Kurz vor Ende des 2. Weltkrieges als sich die Besatzungsmächte Deutschland und Italien aus großen Teilen des Balkans und damit auch Albanien zurückziehen mußten nutzten griechische Militärs, heute würde man sagen "Freiheitskämpfer" dieses Machtvakuum um vollendete Tatsachen zu schaffen. Die vor allem muslimischen Albaner wurden schon in den Jahrzehnten zuvor aus der Gegend vertrieben und dazu kam es 1944 bis 1945 zu den Massenmorden durch griechische Bewaffnete.



Diese Gedenkstätte wurde erst nach dem Ende der Hoxha Diktatur errichtet. Zuvor war das Thema wohl tabu.



Cameria nennt sich diese heute kaum mehr besiedelte Grenzlandschaft.



Soweit die Opfer bekannt sind hat man deren Namen hier aufgelistet.



Selbst der Laie erkennt beim flüchtigen Blick, daß die Leben ganzer Familien ausgelöscht wurden. Die Zahl hinter den Namen steht wohl für das Alter der einzelnen Opfer.



Die Steinblöcke symbolisieren anscheinend Särge.



Traurig finde ich insbesondere, daß dieser Massenmord, ich glaube der Begriff Genozid ist nicht von der Hand zu weisen, außerhalb Albanien völlig unbekannt ist. Wie geht eigentlich das Volk der Täter mit dieser Geschichte um? Griechenland stellt sich seit Jahrzehnten als Opfer der deutschen Besatzung im 2. Weltkrieg dar und fordert gar Entschädigung. Sicherlich kann man diese Ungerechtigkeiten oder Verbrechen nicht gegeneinander aufrechnen. Mich brachte diese Gedenkstätte wo wir übrigens ganz alleine waren zum Nachdenken.

Nun für alle die mehr wissen wollen der englische Wikipedia Artikel welchen ist neben anderen möglicherweise eingefärben Quellen als seriös ansehe.


Einige Kilometer weiter südlich befindet sich der See von Mursi. An dieser Stelle ist eine Gaststätte. Wie so oft im Oktober leider geschlossen. Schade, ein Imbiß und ein Bier hier wären sicherlich mit dem Blick auf den See nicht schlecht gewesen.



Bereits von hier oben erkennt man, daß dieser See wohl bedingt durch die Jahreszeit gewaltig geschrumpft ist.



Und doch will ich runter ans aktuelle Ufer. Das ist nicht so einfach wie gedacht weil der trockengefallene Seegrund vor allem in der Nähe der aktuellen Wasserlinie etwas feucht ist.



Im Hintergrund befindet sich übrigens die Ortschaft Mursi.



Ein alter Autoreifen im See ist in Albanien nichts besonderes.



Die Maroni neben der Kneipe sind noch nicht reif.



Auch die Zitrusfrüchte Citrus x aurantium (sinensis), eine Orangenart hängen noch am Baum.



Wieder ein paar Kilometer weiter wollen wir die Kirchenruine Ciflik in Augenschein nehmen. Das ist gar nicht so einfach, weil die ein Landwirt als Gehege für Ziegen eingezäunt hat.



Dann halt nur ein Blick von draußen.



Der ärmliche Bauernhof daneben macht einen unordentlichen Eindruck. Immerhin hat man ein Auto.



Nun weis ich auch wie damals das Geschnatter der Gänse Rom vor dem Überfall der Barbaren gewarnt hat. Ganz schön laut kann es werden wenn die Vögel gemeinsam musizieren.



Das war anscheinend mal ein Wasserbecken zur Bewässerung. Da drin grast nun der bescheidene Viehbestand des Bauern.



Ob wild wachsender Schilf ideal als Nahrung für ein Maultier ist weis ich nicht. Oder ist das ein Muli?



Blick in das weite Tal. Die Gegend ist dünn besiedelt und anscheinend landwirtschaftlich extensiv genutzt. Wasser ist meiner Einschätzung nach ausreichend vorhanden. Es mangelt wohl an Kapital hier mehr Produkte zu kultivieren.



Gerne wären wir in Ciflik noch hoch zu den Ruinen der Burg gegangen. Die Straßen durch den Ort sind jedoch extrem schmal und enden irgendwo. Nur mit viel Rangieren und Einweisung durch Klaus gelang es mir den Fiat zu wenden.

"Die Burg von Ajtoit Cuka liegt auf einem Hügel in der Nähe des Dorfes Çiflik, etwa 330 m über dem Meeresspiegel. Die von den Mauern umgebene Fläche beträgt etwa 7,5 ha. Die Burg liegt etwa 16 km südlich von Butrint und etwa 5 km von der ionischen Küste entfernt.

Archäologische Daten wie Mauerbautechniken und mobiles Material belegen die kontinuierliche Nutzung der Burg seit der Antike, IV.-III. Jahrhundert v. Chr. Kr. bis zum Jahrhundert IV m. Chr., was mit der Befestigung der Spätantike zusammenfällt. Die Wandvorhänge werden durch Wände verstärkt, die Zickzack- und sieben Sägezahnlinien bilden, die ohne besondere Reihenfolge verteilt sind.

Die Funktion der Burg bestand darin, Butrint und seine Bewohner vor Angriffen zu schützen. Die strategische Position, an der die Festung errichtet wurde, kontrollierte das Gebiet von Vrina und Konispol. Es handelt sich um ein Bauwerk aus der Antike mit geeigneten Bedingungen für die Entwicklung wirtschaftlicher Aktivitäten wie Landwirtschaft, Obstanbau und Viehzucht."

Quelle: https://pine.al/activity/kala/kalaja-e-cukes-se-ajtoit?lang=de

Schade, so bleibt mir nichts anderes übrig, als den Weitblick von dort oben bei google maps zu genießen. Auf einem Bild ist der See von Mursi auch zu erkennen.




Nun gehts aber zurück auf der SH 98 nach Saranda weil ich noch im Meer schwimmen will.



Dort unten befindet sich der Plazhi Gjiri Sarande. Also ab ins Meer!



Im Lokal nebenan findet eine Hochzeit statt und das standesgemäße Auto wird einstweilen am Strand geparkt.



Wie üblich muß ich die Wassertemperatur prüfen. Passt, also nichts wie rein ins Meer.



Dann noch ein passender Sonnenuntergang. In weiser Voraussicht haben wir vorher noch zwei kalte Bier in einem Laden besorgt.



Am Stadtrand gehts dann in ein Lokal zum Abendessen.



Der offene Hauswein ist erstaunlicherweise sehr gut.


Gebackene Tintenfische mit Pommes Frites schmecken immer. Der griechische Salat ist schon verzehrt. So findet ein abwechslungsreicher Ausflug sein schönes Ende.

jürgen
 
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