YU-1981: Mein erstes Mal > POREC

Hartmut

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#1
Wir drehen mal an der Zeitmaschine und versetzen uns in das Jahr 1980/1981 zurück.

In den vergangenen Jahren verbrachte ich als Betreuer Jugendfreizeiten in Südtirol, Vorarlberg und dem Schwarzwald. Es war mal an der Zeit für etwas Neues.

Mit im Boot waren meine damalige Freundin und eine ihrer Arbeitskolleginnen. Zu dieser Zeit bot unser damaliger Arbeitgeber Urlaubsreisen an. Also warum im ein Reisebüro gehen oder auf eigene Faust losfahren, wenn man den Katalog schnell zur Hand nehmen konnte.

Zwei Damen (A.G. und A.R.) und meine Wenigkeit (HMV) schauten sich die Angebote an. Wir hielten Ausschau nach Ferienwohnungen für 3-4 Personen. Wo gibt es etwas für 3 Jungverdiener am Meer im Juni 1981?

Spanien – Preislich ganz okay, aber wollen wir wirklich 2.000 km Anreise auf uns nehmen?

Frankreich – Das sind schon mal wesentlich weniger Kilometer, aber die Fewokosten für eine Woche plus Verlängerungswochen ließen die Vision schnell ad acta legen. Wir konnten schon das Loch auf unseren Konten spüren.

Italien – Adriaküste nicht schlecht im Preis-/Leistungsverhältnis, noch etwas weniger Kilometer – ein noch attraktiveres Angebot, jedoch die Strandaufnahmen der zweibeinigen Heringe am Meer schreckten uns ab

Jugoslawien – ein Ostblockland war nicht gerade meine erste Wahl, jedoch die beiden Mädels fielen mir gleich ins Wort:
Wir waren zuvor zusammen in Cavtat! Toller Ort in Dalmatien, wunderbare Küste und nicht langweilig. Der Blick in die Straßenkarte ließ mich schaudern! Ab Spittal in Österreich gab es keine Autobahn mehr! Oh weia, das ist viel zu weit und sollte man das einem Auto zumuten?
Zum Glück bot der Reisekatalog das Ziel nicht an, aber die Anlage Pical bei Porec fiel uns angenehm auf.
Preislich okay und auch an der Adria. Wie mag es da wohl sein? Auch die Distanz war gut machbar.

Unsere Wahl fiel auf Porec und wir buchten einen dreiwöchigen Juniurlaub vom 06.-27.Juni 1981, den ich dann mit drei Damen antrat. Eine weitere Kollegin (K.K.) heuerte noch an.

Ende Mai planten wir dann unsere Fahrt
Aufbruch am Freitag gegen 22 Uhr in Gütersloh (NRW)
Für 730 km bis Salzburg sollten 8 Stunden reichen
Weitere 4 Stunden durch Österreich plus Rast in der Tauernalm, danach weiter über den Wurzen- oder Loiblpass.
Danach über Ljubljana, Postojna, Koper, Portoroz nach Porec
gute 1.400 km und gegen 14 Uhr könnte man am Ziel sein.



Es kam der 05. Juni und meine Mitfahrerinnen waren superpünktlich! Schon um 21:30 Uhr ging es los und alles verlief wie am Schnürchen bis der Verkehrsfunk uns in Atem hielt.
Zwischen Würzburg und Nürnberg hörten wir von einem Stau auf der A8 in Richtung Salzburg mit mindestens 1 Stunde Zeitbedarf. Des weiteren meldete man bei der Ausreise nach Österreich 1 ½ Stunden Wartezeit. Oh Schreck, was ist los in Bayern und an der Grenze. Wir ahnten nichts Gutes.
Nicht einmal 6 Stunden nach unserem Start hatten wir München hinter uns gelassen und fuhren weiter in Richtung Stau. Der war allerdings nicht mehr vorhanden. Welch ein Glück! Auch die Ausreise nach Österreich ging ohne große Wartezeit flott voran.
Es lief toll und wir erreichten auch problemlos unser Pausenziel Tauernalm. Während wir guter Dinge schon an das Ziel dachten, schockte uns schon wieder einmal der im Rasthaus zu hörende Verkehrsfunk. Man berichtete von stundenlangen Wartezeiten am Loibl- und am Wurzenpass. Oh .....! Warum, weshalb, wieso?
Nach unserer Stärkung ging es weiter bis wir in Spittal das Autobahnende erreichten. Die neuesten Verkehrsfunknachrichten stimmten uns nicht fröhlich.
Loiblpass 4 Stunden Wartezeit
Wurzenpass 3 ½ Stunden Wartezeit


Welchen Weg sollten wir nun nehmen? Meine Begleiterinnen wussten auch keinen Rat. Also nahmen wir unser Kartenmaterial zur Hand und stellten fest, dass man auch über Italien gut die istrische Westküste erreichen konnte.
Folglich ging es von Villach in Richtung italienischer Grenze. Allerdings gerieten wir auch hier in einen Stau.
Während wir uns schrittweise vorkämpften, musste man auch mal austreten gehen. Meine Damen erblickten Mobiltoiletten und waren glücklich darüber die Blase entleeren zu können. Ich sehe noch heute ihre Gesichter beim Anblick des Öffnens der Türen. Die Toiletten waren in erbärmlichen Zustand und es stank bestialisch. Da hatte ich es leichter! Ich konnte mich hinter einen Baum zurückziehen.

Die Ausreise nach Italien dauerte nur etwa 2 Stunden und laut den Verkehrsnachrichten hatte sich die Lage an den Pässen nicht entspannt. Während dieser Stauzeit kamen wir jedoch ins Gespräch mit anderen Reisenden, die vornehmlich bayrische Autokennzeichen hatten. Zu unserem Erstaunen mussten wir feststellen, dass man gerade die zweiwöchigen Pfingstferien zum Urlauben nutzte. In NRW gab es zu Pfingsten nur zwei Tage frei. Welch eine Ungerechtigkeit!

Wir kamen gut durch die Gerölllandschaft des Canaltales und erreichten bei Carnia die italienische Autobahn. War das herrlich hier zu fahren. Warum wollten wir über Landstraßen in Jugoslawien gondeln?
Mit 150 Sachen ging es vorbei an Udine, Palmanova in Richtung Triest. Zum Glück war ich so schnell, dass ich den ersten Abzweig Trieste ignorieren musste! Wir lasen im Vorbeiflug das Schild Trieste Sistiana aber wenden ging nicht mehr. Wäre auch die falsche Strecke entlang der Küste und durch die Stadt gewesen!

Es ging auf der Autostradale weiter vorwärts. Nicht weit nach Ihren Ende steuerten wir auf eine Straßenkreuzung zu. Dort ging es in zwei Richtungen nach Jugoslawien. Keine weiteren Ortsangaben waren vorhanden. Was tun? Egal, sie führten doch beide in unsere Richtung, oder?

Später wussten wir, dass wir uns für die falschen 50% entschieden hatten, denn wir kamen über den Grenzübergang Krvavi potok und somit nach Kozina. Geplant war die Strecke über Skofije.



Hauptsache war schon mal das Erreichen unseres Urlaublandes bei blauen Himmel und Sonnenschein. Hier allerdings ging es wieder schleppend voran. Die bajuwarische Passkarawane hatte uns verschlungen. Kurz nach Crni kal machten wir zu später Mittagsstunde Rast in einer Konoba und aßen unser erstes Cevapcici.
Nach dieser Stärkung erreichten wir Koper und waren über die große Ausschilderung Pula, Porec erstaunt. Das Kartenmaterial verhieß eine angenehmere Fahrt entlang der Küste. Aber wenn hier so große Schilder den Weg weisen, sollten wir diese Route nehmen. Kurzerhand nahmen wir den Weg und waren der Strecke ausgeliefert. Österreicher und Bayern und mittendrin die preußischen Südschweden. Die Straße schlängelte sich durch das Gelände. Eine Kurve ging in die nächste über. So langsam kommt man eigentlich nur im Stau voran. Irgendwann erreichten wir dann Vizinada und den Abzweig nach Porec. Nun ging es problemlos bis zur Appartementanlage Pical.



Letztendlich erschöpft aber zufrieden hatten wir unser Ziel erreicht und bezogen unser Appartement mit Aussicht auf die Adria.



Die 3 Wochen Urlaub konnten beginnen.
 
G

Gismohamm

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#3
Guter Bericht,da fällt einem erstmal wieder auf ,wie toll die Straßen und Verbingungen heute sind.
 
E

ELMA

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#4
Kaum vorstellbar, wie umständlich und welche Geduldsprobe damals die Anfahrt war!
Und es gab noch keine Klimaanlage im Auto und sonstige Annehmlichkeiten.

Ich habe ja für mich HR erst 1993 "entdeckt" - da sah es schon etwas anders aus.
Deshalb: Danke Hartmut für diesen authentischen Bericht eines Insiders!

Und ich hoffe auch auf Fortsetzung! :D

Gruß,
ELMA
 

Hartmut

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#5
Zitat von ELMA:
Kaum vorstellbar, wie umständlich und welche Geduldsprobe damals die Anfahrt war!
Zitat von Gismohamm:
Guter Bericht,da fällt einem erstmal wieder auf, wie toll die Straßen und Verbingungen heute sind.
Bis heute ist für mich der Weg über Italien immer noch der Favorit! Hier fühle ich mich auf der Straße wohler. Man darf schneller fahren und fährt fast nur Autobahn. Aber Slowenien holt hier ja auf, kassiert dafür jetzt aber kräftig ab.
In den folgenden Jahren habe ich auch die beiden Pässe Loibl und Wurzen kennen gelernt. Der Loibl hat nur 14,5% aber davor noch den Pass Unterloibl. Diese ewige Gurkerei war/ist ätzend. Da nahm/ziehe ich dann doch lieber den Wurzenpass /vor. Die knackigen 18 % Steigung schaffte man sogar als Flachlandbewohner ohne größere Probleme.
Heutzutage nehme ich nur noch den Wurzenpass, wenn sich die Urlauber brav im Stau vor dem Karawankentunnel anstellen und ich durch den kleinen steilen Umweg Zeit gewinne. Allerdings kommt diese Route nur bei Zielen zwischen Rijeka und der Bucht von Kotor in Frage.

Zitat von ELMA:
Und es gab noch keine Klimaanlage im Auto und sonstige Annehmlichkeiten.
Deshalb: Danke Hartmut für diesen authentischen Bericht eines Insiders!
Da mein 5er keine Klimaanlage noch ein Ausstelldach hatte, wählten wir als Anreise eine Nachtfahrt. Das wir trotzdem der Hitze nicht komplett entfliehen konnten lag wirklich an der sich schlängelnden Karawane in Jugoslawien. Dieses Erlebnis war für uns die Grundlage bei folgenden Urlauben möglichst immer zeitlich versetzt zum Massenansturm die Reise in Angriff zu nehmen. Das klappt aber auch nur bedingt und nicht immer!
Auf der Tauernautobahn standen wir auch schon mal 6 Stunden im Stau. Aber wenn LKWs verunglücken bist Du auf jeder Autobahn in jedem Land ein Gefangener mit mobilem Untersatz.

Zitat von ELMA:
Ich habe ja für mich HR erst 1993 "entdeckt" - da sah es schon etwas anders aus.
Und von der Hilfstour hast Du uns schon berichtet. Ja das waren andere Zeiten.

1991 reiste ich wieder mit 3 Damen in die Appartementanlage Pical nach Porec. Das war am Wochenende bevor Slowenien seine Unabhängigkeit erklärte. Annette und ich hörten in den frühen Morgenstunden der Nacht dann die Bomber hin und zurück fliegen. War kein angenehmes Gefühl. Wir hielten es dann mit unseren beiden Töchtern trotz allem noch zwei Wochen aus. Ein abrupte Abreise kam für uns unter diesen Umständen mit zwei kleinen Kindern nicht in Frage. Das wäre vielleicht auch mal einen Bericht wert! Die Fotos sind allerdings noch nicht gescannt.

Zitat von burki:
Interessiert Dich das wirklich?

Zitat von ELMA:
Meint Ihr, dass meine grauen Zellen da noch etwas hervorbringen?

Wollen wir mal sehen, ob es noch jemand anders interessiert?
 

Tamara98

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#6
Hallo Hartmut,

ein toller Bericht, machte richtig Spaß ihn zu lesen. Auch ich hoffe auf eine Fortsetzung :D

LG Marion
 
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Marius

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#8
Hartmut, führtest du damals ein Tagebuch? Oder erinnerst du dich tatsächlich an die Abfahrtsuhrzeiten? Ich weiß nicht einmal das Datum meines letzten Urlaubes während du hier von 1981, Abfahrt 21.30 Uhr erzählst, Respekt! :)

Ich hoffe, die Story geht jetzt weiter oder soll das schon alles gewesen sein??? Der Stau zwischen Würzburg und Nürnberg ist ja nun wirklich keine Erwähnung wert, den gibt's heute jeden Tag. Von einem Reisebericht erwarte ich mir eindeutig mehr. Sorry, dass ich nicht in das allgemeine Lob mit einstimme, aber da steht ja gar nichts über Porec?!?

Worauf bezieht sich überhaupt "1980" in der Überschrift? 1980! Das Jahr vor 1981, als ich nach Kroatien fuhr? Mal abgesehen von den vielen Fehlern.
Nicht genügend, setzen! :)

So, nachdem du jetzt schon extrem sauer bist auf mich, hier meine ehrliche Meinung:

Spitzenbericht, BITTE WEITERERZÄHLEN! 1981 war auch eines meiner ersten Jahare in Istrien, ich weiß davon aber leider nur zu wenig...
 

Hartmut

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#9
Viele Fragen, die es heißt zu beantworten:
Zitat von Marius:
Hartmut, führtest du damals ein Tagebuch? Oder erinnerst du dich tatsächlich an die Abfahrtsuhrzeiten? Ich weiß nicht einmal das Datum meines letzten Urlaubes während du hier von 1981, Abfahrt 21.30 Uhr erzählst, Respekt! :)
Die Uhrzeit ist beim ersten Mal und einer damit verbundenen Nachtfahrt kein Problem. Den Tag herauszufinden ist mit Google kein Problem! Gib mal Pfingstferien Bayern 1981 ein. Tagebuch habe ich noch nie geführt. Entweder war es bedeutend genun, dann habe ich noch Erinnerungen daran.


Zitat von Marius:
Ich hoffe, die Story geht jetzt weiter oder soll das schon alles gewesen sein??? Der Stau zwischen Würzburg und Nürnberg ist ja nun wirklich keine Erwähnung wert, den gibt's heute jeden Tag. Von einem Reisebericht erwarte ich mir eindeutig mehr. Sorry, dass ich nicht in das allgemeine Lob mit einstimme, aber da steht ja gar nichts über Porec?!?
Hast Du es überflogen oder gelesen? Porec kommt schon vor und bei Stau redete ich von der A8, was uns in den kommenden Jahren durch den Ausbau wieder vermehrt aufhalten wird.


Zitat von Marius:
Worauf bezieht sich überhaupt "1980" in der Überschrift? 1980! Das Jahr vor 1981, als ich nach Kroatien fuhr?
Die Planung begann um den Jahreswechsel Ende 1980. Deshalb die Erwähnung im ersten Satz.

Zitat von Marius:
Mal abgesehen von den vielen Fehlern.
Nicht genügend, setzen! :)
Ich versuche die neue deutsche Rechtschreibung umzusetzen. ich habe sie ja nie gelernt! Kommas sollen jetzt weniger gesetzt werden, aber wo. manches schreibt man auseinander, aber was? Dafür klappt es mit den SS und den dreifachbuchstaben ganz toll :wink: .

Zitat von Marius:
So, nachdem du jetzt schon extrem sauer bist auf mich, hier meine ehrliche Meinung:...
Du weißt ja was Du schreibst, also nicht wundern, wenn ich unerwartet reagiere :shock: !

Zitat von Marius:
Ich hoffe, die Story geht jetzt weiter oder soll das schon alles gewesen sein???
Spitzenbericht, BITTE WEITERERZÄHLEN! 1981 war auch eines meiner ersten Jahare in Istrien, ich weiß davon aber leider nur zu wenig...
Lass Dich überraschen!
 

Hartmut

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#10
1. Fortsetzung

Das Tagwerk der Anreise war noch nicht vollbracht, da quälten uns finanzielle Dinge.

Wie lange konnte man am Samstag Geld vom Postsparbuch bei der kroatischen Post in Porec abheben? Und wo lag diese überhaupt?

Während der Reiseplanungen hatten mich meine Mitfahrerinnen darüber aufgeklärt, dass man mit einem Postsparbuch die Urlaubskasse gut im Griff hat und man nicht endlos Bargeld mit sich herum schleppen bzw. aufbewahren muss. Somit hatte auch ich ein aufgefülltes Postsparbuch dabei.

Für die Anreise hatten wir noch ein paar Dinar in Deutschland bei der Bank erworben, aber der Abend und das Frühstück für den nächsten Tag mussten bezahlt werden.

Also wurde erst einmal nur das Gepäck im Appartement abgestellt und anschließend saßen wir vier wieder im Auto in Richtung Stadtzentrum.



Wenn Ihr euch den Lageplan (entnommen aus unserem Fotoalbum) anseht, hätte man auch gut zu Fuß unterwegs sein können, aber die Zeit drängte.

Es ging von der Appartementanlage südwärts. Bei der ersten Gelegenheit wurde rechts abgebogen und am Meer entlang. Wiederum nur wenige Meter weiter erreichten wir einen großen Platz an der linkerhand doch eine Post lag. Dort findet man sie heute auch noch.

Meine aufmerksamen Begleiterinnen hatten zuvor rechts einen kleinen Parkplatz am Wasser in Richtung Stadtmauerrest entdeckt. Ich rollte dahin zurück und wir stürmten die Post. Jeder für sich hob einen Betrag von seinem Sparbuch ab der uns in Dinar ausgezahlt wurde. Es wurden keine Gebühren berechnet und die Deutsche Post zahlte auch Zinsen bis zum Tag des Abhebens. Nicht schlecht. Es stellte sich auch heraus, dass dieses der günstigste Kurs für Urlauber war.

Jetzt wo wir schon mal in der Stadt waren, wollten wir sie uns auch mal im Zeitraffer anschauen. Es ging nicht zu Fuß über das römische Pflaster – nein wir stiegen wieder ins Auto ein und fuhren los.

Wieder auf dem Platz Trg slobode ließ uns der Blick nach rechts nichts gutes heißen, folglich nahmen wir Abstand davon, diesen Weg einzuschlagen. Wir fuhren weiter um ein paar Ecken und gelangten auf eine gut asphaltierte Hafenstraße.



Wir fuhren auf der Halbinsel an den zahlreich geparkten Zastava 500 und dem Hotel Riviera vorbei und stoppten an der Spitze der Halbinsel. Hier genossen wir den Ausblick auf das große weite Adriatische Meer, die kleine Insel Barbaran und blickten hinüber zu unserer Appartementanlage. Ein toller Anblick in den Abendstunden.

Alle Mann (ich unterliege wohl einem Irrtum, aber kennt jemand die Aussage „alle Frauen“) wieder ins Auto zurück und des Weges weiter vorwärts einem kleinen Zastava 500 hinterher. Man sollte es nicht glauben, die asphaltierte Straße endete bei der Franziskanerkirche und das Pflaster der Steinzeit lag vor uns.

Wenn der Zastava hier weiter fuhr, sollte es mir im BMW (518) auch möglich sein. Aber wehe dem, der meint alles wäre so einfach. Zwei, drei Ecken weiter kam ich auf eine Kreuzung aus römischer Urzeit. Karrenwagen haben dort wohl noch um die Ecke gepasst – ein Zastava auch, aber geht das auch mit diesem Gefährt?

Wir stiegen aus und begutachteten das Nadelöhr. Der Weg rückwärts wurde ausgeschlossen. Also dann mal schauen ob wir ohne anzuecken in die Straße kommen.
Wäre in diesem Moment lieber ein Zuschauer als Chauffeur gewesen.
Trotz großer Bedenken klappte es. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Über den Decumanus konnten wir die Altstadt verlassen.



Von nun an blieb das Auto immer auf dem kleinen Parkplatz in Nähe des Trg slobode am Meer. Heutzutage gibt es einen großen Parkplatz wenige Meter vor der Altstadt.

1981 war die Altstadt noch nicht für den Autoverkehr gesperrt.

Die nächsten 21 Tage waren Urlaub angesagt!
 
E

ELMA

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#11
Porec Altstadt mit dem BMW erkunden.... was für eine abenteuerliche Vorstellung!! :roll: :roll:
Aber Ihr habt damals ganz schnell aus der Erfahrung gelernt.

Bin gespannt, wie der Urlaub weiterging!

Danke, Hartmut, für die Arbeit, die Du Dir mit dem Einscannen der Bilder machst. Das sind Zeitdokumente , die einen interessanten Vergleich zu heute erlauben.

Gruß,
ELMA
 

BärnieBärchen

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#12
Hallo Hartmut,

ich bin erst heute dazu gekommen, Deine Berichte zu lesen.
Sehr, sehr gut! :gut: :gut:

Ich sehe viele Parallen zu meinem ersten Urlaub 1981 in Porec.
Ach ja, der gleiche Porec-Aufkleber ziert noch immer meinen
Motorradkoffer.

Gruß Bernd :hallo:
 

Hartmut

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#13
Zitat von BärnieBärchen:
Ich sehe viele Parallen zu meinem ersten Urlaub 1981 in Porec.
Ganau diesen Eindruck hatte ich beim Studium Deines Reiseberichtes, der dann für mich der Antrieb war mal alte Dias oder Fotos auszugraben.


Zitat von BärnieBärchen:
Ach ja, der gleiche Porec-Aufkleber ziert noch immer meinen Motorradkoffer.
Bei mir ist er im A4 Fotoalbum geblieben.
 

Hartmut

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#15
2. Fortsetzung

An die erste Nacht in dem Appartement habe ich keine Erinnerung mehr. Nach der anstrengenden Anfahrt war der Tiefschlaf erquickend.

Nun etwas zu unserem Quartier und dem Strand



Die Appartementanlage liegt in Porec-Borik zwischen den Hotels Zagreb und Pical. Die Verwaltung der Appartementanlage wird vom Hotel Zagreb aus gemanagt. Seitlich am Hotel befindet sich auch ein Market mit den im Urlaub notwendigen Artikeln und Lebensmitteln.

Nach der ersten Nacht ging es morgens zum ersten Einkauf in diesen Market. Natürlich nicht allein, denn wir mussten uns ja alle über das Angebot orientieren. In den nächsten Tagen wurde dieser Gang dann entsprechend auf uns Vier verteilt.

Die größeren Appartements haben eine Küchenzeile mit einem Herd, der vier Kochplatten hatte. In den kleineren Appartement war mehr Camping- oder Studentenerfahrung gefragt. Hier gab es nur eine zweiflammige Kochplatte.

Nach dem ausgedehnten Frühstück auf der Balkonterrasse mit wunderschönem Ausblick



machten wir uns auf den Strand zu erkunden. Schließlich wollten wir in den drei Wochen größtenteils ausspannen (heutzutage sagt die Jugend chillen) und nur ein paar Ausflugsziele ansteuern, die man bei einem Jugoslawienurlaub zwingend gesehen haben sollte. Ich verrate sie noch nicht.

Die U-förmige Appartementanlage ist auf einer kleinen Anhöhe rund um den Urlauberparkplatz errichtet worden. Unser Appartement lag am rechten U-Knick und von dort aus ging es auch relativ gerade durch einen Pinienwald hinunter zum Adriatischen Meer.



Der erste Anblick war nicht unbedingt aufbauend. Das Ufer war betoniert und über eine Treppe am Betonsteg führte ein Treppe ins Wasser.
Soll das etwa die Adria sein?
Meine beiden schon erfahrenen Jugoslawienreisenden waren von Dalmatien etwas ganz anderes gewohnt und das hatten wir auch hier erwartet! Nach der ersten Enttäuschung gingen wir durch die grüne Strandlandschaft am Strand weiter entlang in Richtung Rat Pical.

Der Strand wurde natürlicher.
Allerdings waren es bewohnte Felsen, denn die schwarzen stachligen Meeresbewohner „Seeigel“ fühlten sich dort anscheinend sehr wohl.


Wir erreichten das Rat und hielten Ausschau.



Was sahen wir im Vergleich zum vorherigen Anblick?



Dort war viel mehr Betriebsamkeit und Kinder sprangen munter im Wasser. Man sollte es nicht glauben! Zwischen dem Rat Pical und der Uferpromenade war das Meer flach mit Sand zwischen den Felsen aufgefüllt. Dieser Anblick erhellte unsere Gesichter. Unter den Bäumen würden wir auf unseren Luftmatratzen Erholung finden und der Meereszugang war nicht über bewohnte Felsen oder Beton machbar. Dalmatinischer Strand war das zwar nicht gerade, aber die beiden Frauen fanden es dann doch auch akzeptabel.

Dort errichteten wir in den kommenden drei Wochen unser Lager.

Für das leibliche Wohl waren es nur ein paar Schritte bis zum Strandlokal am Sport Pical.



Jetzt war erst einmal alles in Butter und die nächsten 20 Tage konnten in Ruhe angegangen werden.
 
E

ELMA

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#16
Nachdem nach dem Serverwechsel ja jetzt die Bilder wieder schnell aufgebaut werden, habe ich mir diesen Teil Deines Berichtes nochmals angeschaut und dabei den Eindruck gewonnen: schlecht habt Ihr 1981 nicht gewohnt ( und sicher auch gelebt :wink: ) - Meeresnähe, Aussicht beim Frühstück...Sandstrand, Strandbar...
Da konntet Ihr es gut weitere 20 Tage aushalten!

Leider habe ich keinen Vergleich zu heute.
Interessant wäre es zu sehen, was sich alles am Strand und am Strandlokal verändert hat!

Gruß,
ELMA
 

Hartmut

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#17
Danke für die Resonanz.

Zitat von ELMA:
Nachdem nach dem Serverwechsel ja jetzt die Bilder wieder schnell aufgebaut werden, habe ich mir diesen Teil Deines Berichtes nochmals angeschaut und dabei den Eindruck gewonnen: schlecht habt Ihr 1981 nicht gewohnt ( und sicher auch gelebt :wink: ) - Meeresnähe, Aussicht beim Frühstück...Sandstrand, Strandbar...
Da konntet Ihr es gut weitere 20 Tage aushalten!
Die Anlage war in den 80iger Jahren mehrfach unser Anlaufziel. Später buchten wir die Anlage immer über einen Reiseveranstalter und sendeten der Rezeption im Hotel eine Nachricht mit Wohnraumwunsch. Das wurde in der Regel immer berücksichtigt und erfüllt.

Wie gut wir dann noch gelebt haben, könnt Ihr im nächsten Teil lesen.


Zitat von ELMA:
Leider habe ich keinen Vergleich zu heute.
Interessant wäre es zu sehen, was sich alles am Strand und am Strandlokal verändert hat!
Für so einen Vergleich müsste ich erst die Jahre von 1986-1991 und ab 1996 einscannen. Während der kriegbedingten Reisepause hat man den Reiz der Bademöglichkeiten am Rat Pical aus unserer Sicht eher verschlechtert. Die Ecke war ideal mit unseren Töchtern in den ersten Jahren. Jetzt ist der Bereich nicht mehr so Kleinkindertauglich.

Da Du nach nach weiterem Leben dort gefragt hast, werde ich nachher die nächste Fortsetzung online stellen.
 

Hartmut

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#18
3. Fortsetzung

Während der drei Wochen hatten wir ideales Badewetter.

Jeden (fast) Morgen zogen wir los um es uns dort auf Luftmatratzen bequem zu machen. Jeder von uns hatte auch genügend Lesestoff im Reisegepäck. Drei Wochen können für Luftmatratzen eine Ewigkeit sein. Denn schon nach einigen Tagen verabschiedete sich die Erste, dann die Zweite. Deshalb lagen hier auch schon zwei Mitreisende auf einer Decke.



Den Urlaub überstanden hatte nur die vorn im Foto erkennbare Luftmatratze.

Während man den Tag am Strand verbrachte, bekam man von anderen Urlaubern zahlreiche Infos. Zuerst einmal waren die Infos für das leibliche Wohl von Interesse.

Der heißeste Tipp war den Donnerstagabend auf der Hotelterrasse des Hotel Luna zu verbringen. An diesem Wochentag spielte eine Band und die ersten örtlichen Hotelanimationen wurden dargeboten. Es gab spielerische Einlagen. Den Restaurantbesuchern wurden auch Lose zum Kauf angeboten. Gegen 23:30 Uhr wurden dann die glücklichen Gewinner gezogen. Überreicht wurden diverse heimische Getränke, Essen und als Haupttreffer konnte man über die Tombola oder einem Spiel eine Schiffsreise mit der MS Osijek nach Venedig gewinnen.
Leider hatten wir in diesem Urlaub nur Nieten an Land gezogen. Leider Pech gehabt.

Dafür bekam ich dort eines der besten und schärfsten Pfeffersteaks zu essen. Äußerlich hatte ich Pfefferkörner in einer Sauce vermisst. Statt dessen bekam ich ein Stück Fleisch nebst Beilagen ohne Soße und war verwundert? Haben die den Pfeffer vergessen? Irrtum! Das Stück Fleisch ummandelte eine Schicht geschroteter schwarzer Pfeffer. Lecker war es und den Genuss hatte ich noch häufiger. Auch in späteren Jahren gönnte ich mir diesen Leckerbissen!.



Ein weiterer guter Tipp war das Restaurant Villa Arlen. Das Restaurant liegt etwa nach 500 m nach der Ampelkreuzung linkerhand an der Straße nach Baderna/Pazin.
Dort bediente uns meistens ein junger Mann aus der Region Osijek. Wie so häufig in Mittelmeerländern üblich lohnte es sich auch damals schon sein zu Hause während der Saison gegen einen Job in den Touristikregionen zu tauschen.


In unseren ersten Urlauben war es ganz normal, dass man Weißbrot zum Essen ohne Aufpreis gereicht bekam.

Nun haben wir genügend über das Essen geredet und schreiben jetzt die Erinnerungen an die Altstadt nieder.


Nach dem Nervenkitzel mit dem BMW in der engen Altstadt gingen wir inzwischen zu Fuß dorthin oder parkten ihn nahe des Trg Slobode am Meer.


Acht geben musste man beim Laufen über das Pflaster aus römischer Zeit.

So gleichmäßig wie das Pflaster war auch das Warenangebot beim Bummeln in den Gassen. Es wechselten sich Schmuckgeschäfte „Filigran“ oder Souvenirgeschäfte „Jugoslawische Holzwaren“ ab. Alternativen gab es kaum.

Selbst das Angebot des Einkaufszentrum in Nähe des Busbahnhof bzw. Hotel Porec verursachte bei uns keinen Kaufrausch. Das Warenangebot und die Preissituation waren für uns eher ernüchternd.

Die Attraktion der Altstadt war das Eisessen in der Hauptgasse Decumanus. Die Eiskünstler zauberten wahre Eiskreationen, verblüfften den Käufer mit Serviertricks und übten das perfekte Basketballspiel auf kleinem Raum. Die Eiskugeln flogen über die Decumanus hinweg zum Kollegen auf den Platz gegenüber der die Eiskugel wieder auffing.

Mehr Fotos zur Altstadt besitze ich nicht außer dem Ausblick vom Glockenturm der Euphrasius-Basilika hinüber nach Porec-Borik mit der Appartementanlage auf dem kleinen Hügel.



Ob ich kein Auge für Türme, Häuser oder die Schönheiten der noch nicht zum UNESCO-Welterbe gehörenden Basilika hatte? Ich weiß es nicht mehr!

Nach dem ich nun das Wichtigste über Porec berichtet habe, möchte ich diesen Teil für heute beenden!
 

Tamara98

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#19
Hallo Hartmut,

Deine Fortsetzungen machten richtig Spaß zum lesen und auch die Fotos sind ganz interessant. Bin gespannt was noch weiter kommt :wink:

LG Marion :D
 

Hartmut

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#20
Zitat von Tamara98:
Hallo Hartmut,

Deine Fortsetzungen machten richtig Spaß zum lesen und auch die Fotos sind ganz interessant. Bin gespannt was noch weiter kommt :wink:

LG Marion :D
Ja es kommt noch etwas. Ich habe vorhin wie üblich in Word den ersten Ausflugsbericht verfasst und auch das entsprechende Bildmaterial unbearbeitet im Photoforum hochgeladen. Also kann ich ihn gleich einstellen.
 
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