Wanderung zum Zeleni Vir bei Skrad im Gorski Kotar

claus-juergen

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#1
Vor wenigen Wochen war ich in einer Gegend wandern, die kaum von Touristen besucht wird. Im Gorski Kotar, also ein paar Dutzend Kilometer landeinwärts von Rijeka befindet sich der Ort Skrad. Vom dortigen Bahnhof aus gibt es einen Wanderweg hinunter in eine Schlucht wo sich eine ergiebige Quelle namens Zeleni Vir befindet. Diese Quelle ist direkt am Ursprung bereits angezapft um weiter unten im Tal ein Wasserkraftwerk zu betreiben. Laßt euch mitnehmen in diese außergewöhnliche Landschaft.



Am Bahnhof von Skrad kann man parken und von dort aus gehts auch schon los mit der Wanderung.



Am Bahnhof befindet sich dieser Wegweiser. Demnach müssen wir nur den Schienen ein Stück folgen. Achtung! Ab und zu kommt doch noch ein Zug vorbei. Deshalb gilt es die Schienen als Weg zu meiden und vor der Überquerung der Gleise genau darauf zu achten, ob sich nicht ein Zug nähert. Hier hält übrigens nach wie vor ein Personenzug. Aber auch für den Güterverkehr dient diese Eisenbahnstrecke.



Es war ein wunderbar warmer sonniger Spätsommertag Anfang September, also ideal zum Wandern.



Es gilt dann, diesem Wegweiser etwa dreihundert Meter vom Bahnhof entfernt auf der anderen Seite der Schienen bergab zu folgen.



Bis zur Quelle muß man ausschließlich bergab laufen.



Später verläuft der Weg an einem Hang entlang.



Manche hölzernen Stege und Geländer sind in schlechtem Zustand. Wer trittsicher ist, hat hier jedoch keine Probleme.



Informationstafeln erklären die Geologie der Gegend.



Der Weg ändert sich und wird eben und befestigt. Noch erscheinen mir diese betonierten Poller seltsam.



Schon seit einiger Zeit höre ich ein Plätschern. Nun ist es mir auch klar. Das kommt von einem Wasserfall der Anfang September nicht sonderlich beeindruckend ist.












Hingegen befindet sich hier eine Höhle, wo eine ergiebige Quelle ist und das Wasser durch eine betonierte Staumauer am weiteren Abfluß durch das enge Tal gehindert wird.



Rechts am Bildrand erkennt man die Messung des Pegels und einen Schieber, mit welchem man wohl einen betonierten Kanal verschließen kann.






Das ist das alte Schott welches hier nachdem es ausgedient hat, achtlos zur Seite gelegt wurde.



Anscheinend differiert der Wasserspiegel im Becken je nachdem wie stark die Wasserschüttung der Quelle gerade ist.



Der Algenbewuchs ist nicht sonderlich hoch, weil wohl überschüssiges Wasser über die Betonmauer ins das alte Flußbett fließen kann.



Zum Zeitpunkt meines Besuchs ist wohl kaum Wasser übrig. Alles fließt in den betonierten Kanal. Nun ist mir auch klar, daß ich die letzten paar hundert Meter genau auf diesem Kanal gewandert bin. Der wird durch die oben gezeigten Betonpoller markiert. Vermutlich kommt es hier im abschüssigen Gelände immer wieder mal zu Erdrutschen. So erkennt man recht schnell den genauen Verlauf des Kanals.



Beim Zurückgehen sieht man nach einiger Zeit ganz deutlich den betonierten Kanal.



Dieser endet wohl an einem Zwischenspeicher oberhalb des Kraftwerks.



Von dort aus fließt das Wasser in einem Stahlrohr direkt ins Kraftwerksgebäude. Da will ich nun auch noch hinwandern.



Der Pfad hinunter ist recht steil, dafür aber durchaus landschaftlich attraktiv.






Auf einer Brücke überquere ich den Bach.



Das überschüssige Wasser fließt in ein natürliches Becken.



Hier erkennt man deutlich das Rohr welches das gesammelte Wasser zum Kraftwerk leitet und das alte Flußbett für das überschüssige Wasser.



Das Gebäude des Wassserkraftwerks ist wie die gesamte Anlage etwa 100 Jahre alt. Das wenige Wasser im Flußbett zeigt mir an, daß auch nach diesem Kraftwerk die Hauptmenge vom Wasser in einem Kanal weitergeleitet wird.



Hier, wo das Tal nicht mehr so eng wie oberhalb des Wasserkraftwerks ist, befindet sich auch eine Ausflugsgaststätte. Die hat jedoch bei meinem Eintreffen geschlossen.



Hier beginnt zudem ein weiterer Pfad in eine Klamm, den ich nicht mehr gegangen bin. Auf dem selben Weg wie ich hergewandert bin ging es anschließend zurück zum Bahnhof von Skrad. Für den einfachen Weg muß man mit etwa einer Stunde Gehzeit rechnen. Ein untrainierter Wanderer braucht für den Rückweg zum Bahnhof wohl etwas länger.

Mir hat es in dieser abgelegenen Gegend Kroatiens recht gut gefallen. Es ist durchaus denkbar, daß ich schon bald wieder mal hier bin. Es gibt ja noch einige mögliche Wanderungen abseits vom Tourismus.

jürgen
 

Mifle0371

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#2
Ich bin regelrecht erstaunt, welche Ecken du immer wieder besuchst. Ich mag auch die Gegenden, wo kaum Touristen sind. Man muss eben nur drauf kommen. Danke fürs zeigen Jürgen.
Michael
 

claus-juergen

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#3
Ich bin regelrecht erstaunt, welche Ecken du immer wieder besuchst. Ich mag auch die Gegenden, wo kaum Touristen sind. Man muss eben nur drauf kommen. Danke fürs zeigen Jürgen.
Michael
hallo Michael,

Zeleni Vir war bei mir ein Zufallsfund. Eigentlich wollte ich ganz woanders hin in der Gegend. Meine Recherche vorab brachte jedoch vor Ort zutage, dass ich wesentlich mehr Zeit als veranschlagt für diese Tour benötigen würde. Somit wäre ich erst recht spät zurück auf die Insel Krk gekommen, wo ich mir für ein paar Tage ein Quartier gebucht habe.

Also fuhr ich erst mal nach Delnice um zu tanken und bei einer Marende zu überlegen, welche Tour ich alternativ gehen möchte. Im Lokal erhielt ich den Hinweis auf die hier gezeigte Wanderung. Dann erkundigte mich hier nach der Entfernung und der Dauer der Wanderung und los ging’s.

Die andere Tour ist jedoch nach wie vor in meiner Planung. Beim nächsten Mal bin ich allerdings besser vorbereitet was die Anreise und die Dauer der gesamten Wanderung anbelangt. Auch da werde ich dann mehr oder weniger alleine unterwegs sein weil auch dieses Ziel sicherlich nicht allzu bekannt ist. Bei uns Ausländern schon gleich gar nicht.

Auf jeden Fall war ich mit diesem Ersatz vollkommen zufrieden. Wenn alles so klappt wie geplant, bin ich eh im kommenden Jahr mit dem Motorrad noch mal in der Gegend. Auch zum Biken sind die kurvigen, bergigen und kaum frequentierten Straßen des Risnjak und Gorski Kotar hervorragend geeignet. Das alles natürlich nur, wenn Corona zumindest einigermaßen im Griff und unbeschwertes Reisen wieder möglich ist.

grüsse

jürgen
 

Sporting 505

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#4
Hallo Jürgen :)wundere mich auch über deinen Zufallsfund. Uns passiert das nur wenn wir uns mal verfahren. Kommt aber wg.dem Navi seltener vor. Bewusst suchen wir diese Orte nicht. Naja ist auch was anderes ob man nur 2-3 Wochen im Land ist oder des öfteren ,wie du. ;)
Da würde ich auch in jedes Loch schauen ,und jeden Stein umdrehen sowie an verschiedenen Stellen der Adria die Wassertemperatur messen.:D
Du hast Recht ,genieße es. Wir freuen uns dann an deinen wunderbaren Bildern und Berichten hier.
Großes Danke an dich!
 

Julia 35

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#5
Hallo Jürgen, wir entscheiden auch meistens beim Frühstücken, oder bei einer Marenda, wo wir wieder herum stiefeln wollen. Aber meistens ist es um die Zeit, wie wir in HR zugegen sind, zu heiss. Wir werden dann faul und landen doch in der Strandbar:p

Auf den letzten Schildern kann ich einen Wanderweg zu einem Wasserfall ( Vodapad, Slap) erkennen. Das ist bestimmt auch ein schöner, abenteuerlicher Pfad.

Vielleicht kommen wir in diesem Leben auch einmal nach Istrien, aber dann eher zum Wandern, wie zum Baden.

Danke für deinen interessanten Bericht.
 

claus-juergen

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#6
Hier findet ihr einen etwas ältern Bericht von Zeleni Vir und der Schlucht namens Vraji Prolaz was meines Wissens so etwas wie "Teufelsschlucht" bedeuten soll. Am Ende dieser Schlucht, deren Zugang hier vom 1922 gebauten Kraftwerk Munjara aus erfolgt befindet sich eine ca. 130 Meter tiefe Höhle namens Muzera Hisica.

https://www.adriaforum.com/kroatien...kuläres-natur-reservat-im-gorski-kotar.68218/

So muß ich wohl oder übel doch noch mal in diese Gegend fahren um auch die Schlucht mit Höhle genauer unter die Lupe zu nehmen. ;)

grüsse

jürgen
 

Julia 35

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#7
Teufelsschlucht? Ich glaube, das heisst was anderes! Da steht nichts von " davolja klisura".
Zeleni vir heisst " grüne Quelle" und "vraji prolaz" bedeutet nach meiner Meinung, irgendeine angebliche Passage, Durchgang oder so was ähnliches. Der Teufel würde da vielleicht nicht durch gehen:D
Wenn du vrazji prolaz meintest, dann hiesse das " Höllenschlucht":)
 

claus-juergen

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#8

Mifle0371

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#9

claus-juergen

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#10
Die Zeit ist sicher ein wesentlicher Faktor Ute. Wenn man davon etwas mehr hat, umso besser. Zum Glück ist Jürgen aber sowieso einer, der gern abseits der Touristenströme unterwegs ist und davon profitieren wir
MIchael
hallo Ute und Michael,

Zeitmanagement nennt man das neudeutsch. Es gibt Menschen, die haben nie Zeit und sind immer in Eile. Dabei hat man doch noch so viel vor oder man schiebt Dinge, die man machen möchte vor sich her. Seien es Arbeiten oder auch Unternehmungen welcher Art auch immer. ;)

Schon vor vielen Jahren habe ich mir ein System entwickelt, wie ich die Zeit so einteilen kann, daß trotz weiter Arbeitswege, ich war jahrzehntelang täglich mindestens 11 Stunden berufsbedingt außer Haus und somit verblieb wenig Freizeit, das zu tun was ich will. So sammelte ich Überstunden, war in der Regel zwischen Weihnachten und Dreikönig in der Arbeit um im Sommer unter Einrechnung von Feiertagen und Wochenenden lange auf Reisen zu sein. So wurden aus 30 Urlaubstagen dann insgesamt drei Monate Urlaub. Wenn die Kids flügge sind, kollidiert man auch nicht mit den Kollegen, die auf die Ferien angewiesen sind. Die Arbeiten rund ums Haus daheim müssen halt dann zu anderen Zeiten erledigt werden.

Was Kroatien anbelangt, habe ich hier zwar auch Arbeiten rund ums Haus, aber den Begriff "sutra" habe ich mir schon zu eigen gemacht. Wenn man dazu nun im gesetzten Alter die Zeit hat, länger am Meer zu bleiben, dann nutze ich die Zeit natürlich auch dazu, Land und Leute kennenzulernen. Und natürlich nehme ich mir auch mal die Zeit, mehr als eine Woche nur faul am Strand zu liegen. Dies vor allem dann, wenn es mir zu heiß für Unternehmungen ist.

Noch was Wichtiges kommt natürlich dazu. Das ist die Gesundheit. Die ist teilweise Glück. Aber mit zunehmendem Alter bekommt man oft die Quittung darüber, wenn man es vorher damit nicht so genau genommen hat. Wie sagte mal ein alter Arzt zu mir: Am Saufen und Rauchen sterben die Menschen. Die anderen sterben zwar auch. Aber später und es ist oft kein Siechtum bis zum Ende. ;)

grüsse

jürgen
 

wallbergler

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#11
Na , da issa ja wieder mein Jürgen,
Klasse, der Bericht.
Nicht nur , dass es mir wie den leider wenigen, die dir geschrieben haben, geht, wie sollte ich bei meinen relativ beschränkten Besuchen auf solche ausgezeichneten Destinationen gekommen sein?
Was mir auffällt, ist , dass es nicht nur , wie du es ausdrückst, „durchaus landschaftlich attraktiv“ , ist, ich sage vielmehr, es ist eine Sensation. Denn , wie du als Waldgänger auch am besten weißt, bedeuten diese Unmenge von Flechten doch einen äußerst gesunden Wald. Und da ist sie auch , die Unterscheidung, zu einer Vielzahl von unseren Wäldern. Zum einen wohl, weil es generell noch viel ursprüngliche, beindruckende , intakte Landschaften gibt, zum anderen weil diese Orte sicher unvergleichbar vom Massentourismus verschont geblieben sind.
Unabhängig davon , haben wir bei uns natürlich auch eine Vielzahl von verzauberten Naturerscheinungen mit kleinen Bächlein, die sich lieblich an den Waldrand schmiegen.
Wobei sich auch die technischen Vorrichtungen in der stillen Landschaft manchmal krass im Widerspruch zur wilden Natur verhalten.
So was sieht man halt nur, wenn man die "Trüffelnase" hat. Grins.

Alles Gute dir, lieber Jürgen,
bleib gsund und gfrasig
lieben Gruß
Helmut
 
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#13
Zeleni Vir wurde 1962 zum Naturschutzgebiet erklärt. Ins Deutsche übersetzt bedeutet Zeleni vir eigentlich grüner Wirbel. Dieser Name ist auf die grünliche Farbe des Wassers in der Höhle zurückzuführen.

Manche sagen sogar, dass Vražji prolaz Dantes Göttliche Komödie bzw. die 9 Höllenkreise inspiriert hat. Das ist aber, aus zeitlichen Gründen, nicht so wahrscheinlich.
 
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