Robinson-Urlaub auf Korcula / Vela Luka - Bericht (Teil 1)

bluetraine

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Deutschland, Göttingen (Niedersachsen)
#1
Allgemeine Info
Datum der Reise: Juli 2011 / 5er-Familie (2 Erwachsene, 3 Kinder: 9,12,14 Jahre zum Zeitpunkt der Fahrt)


Nach eineinhalb Jahren lege ich endlich den Urlaubsbericht über unseren Robinson-Urlaub in Vela Luka vor. Ich habe dies nicht sofort tun können, da ich nach dem Urlaub sehr viel mit einer beruflichen Veränderung zu tun hatte. Es tut mir leid für Anderl64, dass ich ihm damals keine Tipps für seinen Urlaub habe geben können. Aber ich denke, dass unsere Erfahrungen zukünftige Urlauber auf Korcula, die einen Robinson-Urlaub planen, hilfreich sein können.

Unser Fazit vorweg: Es war ein wunderschöner Urlaub. Und ich selbst habe in Korcula einen Lieblingsort in Südeuropa gefunden - ich habe bislang kaum eine schönere Gegend in Südeuropa kennen gelernt. Dies liegt an vielem, u.a. an der wundervollen Landschaft, den Ausblicken in alle Himmelsrichtungen auf den Wanderungen, den traumhaften, vielen einsamen Buchten, dem klaren blau-türkisfarbenen Wasser und nicht zuletzt den vielen freundlichen Menschen. Ein schönes Fleckchen Erde, von dem ich glaube, dass die Götter es bei der Erschaffung der Welt bestimmt als Altenteil für sich selber gedacht haben.

Wir haben einige der Tipps, die wir hier im Adriaforum erhalten haben, genutzt und sind nicht enttäuscht worden. Ihr könnt mich gerne per PN Anschreiben, wenn ihre genauere Hinweise auf Adressen oder Wegbeschreibungen benötigt, die ich jetzt nicht im Einzelnen aufführen möchte. Da ein Bild mehr sagt als 1000 Worte, möchte ich hier vor allem einen Reisebericht per Bild abliefern und werde diese nur mit kurzen Unterschriften versehen. Und ich denke tatsächlich, die Bilder sprechen für sich.

Besonders danken möchte ich ELMA und Michael [mkr] für deren sehr hilfreichen Hinweise und kann nur positiv bestätigen, was sie über Korcula und Vela Luka wissen und zu berichten haben.

Beginnen möchte ich mit dem Hinweis, dass wir unsere Anreise in kleineren Etappen durchgeführt hatten. Erstens ist dies für unsere Kinder immer angenehmer als lange Etappen, zweitens besuche wir gerne Freunde, die nahe unserer Strecken wohen und drittens halten wir es auf längeren Reisen immer so, dass wir unterwegs an schönen Orten, wo es etwas anzuschauen gibt, gerne auch mal übernachten. Der Weg ist das Ziel -;) Insgesamt sind es für die Hin- und Rückfahrt von Göttingen nach Vela Luka je ca. 1750km, was wir auch schon von Reisen nach Süditalien her gewohnt waren.

Übersicht der Hin- und Rückreise:
Hinreise:
1. Etappe Göttingen-Innsbruck (Freunde besuchen)
2. Etappe Innsbruck-Plitvicer Seen
3. Etappe Plitvicer Seen - Knin - Drvenik
4. Etappe Drvenik-Ston-Vela Luka

Aufenthalt: Zwei Wochen Robinsonhaus in der Maslinova-Bucht

Rückreise:
1. Etappe Vela Luka - Krka
2. Etappe Krka - Karlovac
3. Etappe Karlovac - Ammersee (Freunde besuchen)
4. Etappe Ammersee - Göttingen



Auf geht's

1. Etappe Göttingen-Innsbruck
Innsbruck ist immer unser 1. Anlauf, wenn wir in den Süden fahren, da wir dort bei Freunden übernachten.

2. Etappe Innsbruck-Plitvicer Seen
Unsere 2. Station waren die Plitvicer Seen. Wir haben den Hinweis ernst genommen, gleich morgens früh dort zu sein, da die meisten Touristenbusse erst gegen Mittag ankommen, weil sie von den Küstenorten aus starten. Dieser Tipp ist Gold wert und unbedingt zu beachten. Wir hatten dafür am Abend zuvor eine kleine Ferienwohnung in dem nahe gelegenen Dorf Smoljanac bezogen.

Auf dem Bild: Smoljanac, unsere 1. Station nahe den Plitvicer Seen. Die Gedenksteine erzählen vom Krieg im ehemaligen Jugoslawien. Die Vermieter unserer Ferienwohnung erzählten uns von den Kriegshandlungen im Dorf, und dass auch Familienmitglieder von ihnen dabei getötet worden seien.



Hier ein paar Bilder unserer kleinen Wanderung durch den Park, die wir tatsächlich ohne größere Touristenströme absolvieren konnten.







3. Etappe Plitvicer Seen - Knin - Drvenik
Auch wenn mit dem Besuch der Seen der Nachteil verbunden ist, dass man nicht die Autobahnstrecke Richtung Split gewählt, sondern über Land fährt, kann ich jedem nur raten, wenn man die Zeit hat, diesen Weg zu wählen. Wir haben aus dieser ‚Not‘ eine Tugend gemacht, und sind nachmittags nach Knin gefahren, um dort die riesengroße Burganlage der ehemaligen Hauptstadt Kroatiens zu besuchen. Dies fand zwar in großer Mittagshitze statt, aber es gibt genügend schattige Plätze, um sich von der Hitze zu erholen. Außerdem gibt es ein nettes Burgrestaurant, in dem man von einer schattigen Terrasse aus einen wunderbaren Blick in die Landschaft genießen kann:









Erschrocken waren wir, besonders unsere Kinder (nachdem wir es ihnen erläutert hatten), bei der Durchfahrt des Ortes Knin darüber, wieviele Einschusslöcher aus dem Jogoslawien-Krieg in den Häuserwänden noch zu sehen waren.

Unsere Weiterfahrt am Abend führte uns nach Drvenik, von wo aus wir am nächsten Morgen die Fähre nach Peljesac nehmen wollten. Abends hatten wir noch viel Spaß beim Flanieren auf der Strandpromenade in dem sehr lebendigen Hafenstädtchen.
Unser Plan am nächsten Morgen ging aber nicht auf, da bereits sehr früh, zu früh für uns, eine riesengroße Schlange am Fährhafen wartete. So entschieden wir uns kurzerhand für Plan B, den wir schon im Kopf hatten, den Landweg über Ston / Peljesac zu nehmen.

4. Etappe Drvenik-Ston-Vela Luka
Das war eine gute Idee, denn so lernten wir die schöne Durchfahrt durch Peljesac kennen, eine Insel mit viel Weinanbaugebieten, hübschen Ortschaften, immer wieder schönen Ausblicken beiderseits zum Meer und benachbarten Inseln oder dem Festland. Die kurze Überfahrt von Orebic nach Korcula-Stadt gab uns dann endlich das Gefühl, auf der Insel zu sein.



Korcula mussten, nein: durften wir auch komplett durchqueren, was genauso viel Spaß machte wie die Durchfahrt durch Peljesac.
In Vela Luka angekommen, hatten wir uns im Büro von Burin, der kleinen, örtlichen Agentur, über die wir unser Robinson-Haus und auch ein Dieselboot gebucht hatten, verabredet, wo uns die freundliche Dame empfing. Die Formalitäten waren schnell erledigt, der Besitzer des Robinson-Hauses war auch schnell da und fuhr die 3 km mit uns gemeinsam in unsere Bucht.
Wie auf den Bildern zu erahnen, war die Fahrt auf den letzten 200 m zum Haus hinunter ziemlich abenteuerlich.





Am Ende stand unser Auto dann aber sogar im Schatten:



Meine Skepsis, ob unser Auto diese Abenteuer überleben würde, war dann aber unbegründet. Gelegentlich schippte ich in den folgenden 2 Wochen mit einer Schaufel Löcher (die die antreibenden Reifen immer wieder produzierten) zu, um den steilen Weg mit dem Auto zu den Einkaufsfahrten hinauf zu schaffen. Dies alles gab und das Gefühl, wirklich abgeschieden zu leben ...
Am Haus erklärte uns der Besitzer die Technik des Hauses, sprich: die 12 V Photovoltaikanlage, die Zuständigkeit der beiden Wassertonnen auf dem Dach, den Brunnen und den Weg hinab zum Meer.
Eine 700-Liter-Tonne bediente die Innentoilette und das Waschbecken im Haus, eine 200-Liter-Tonne war für die Außendusche zuständig (die einzige Dusche). Wir hatten noch eine Außentoilette (s. Bilder), die zwar an einen Abluss angeschlossen war, für die man aber immer Wasser per Eimer zum Spülen verwenden musste, da es dort keinen Wasseranschluss gab. Ich benutzte diese dennoch am liebsten, da de Ausblick genial war (s. Bilder).

Zwei Wochen sollten wir nun hier bleiben. Und zwar in dieser traumhaften Bucht, der Maslinova-Bucht:



Hier die Lage:



Und hier nun die Bilder zum Haus, gelegentlich mit kurzem Kommentar. Das Haus steht übrigens in einem Olivenhain mit knapp 20 großen Olivenbäumen:







Die Zisterne:



Die Außendusche:



Die Außentoilette und der Blick daraus -):





Blick von der Terrasse:



Unsere Tochter saß gerne auf dem Hausdach bei den Wassertonnen - die boten Schatten und waren eine gemütliche Leseecke:



Esstisch mit Kochstelle (im Haus konnte man nur schlafen):



Spültisch mit Gang in den Olivenhain:




Gang hinunter durch den Olivenhain zum Wasser (steil, ca. 50 Höhenmeter) - bei Sommerhitze ist der Rückweg schweißtreibend:








Hier parkten wir dann direkt unsere mitgebrachten Boote:





Auf geht's zur Erkundung der Bucht:






Vor allem aber konnten wir vom Schnorcheln nicht genug bekommen: Fische, Seeigel und Seesterne waren zu bewundern (der schöne Seestern auf dem Bild landete natürlich wieder im Wasser):






Wir liehen uns für eine Woche außerdem noch ein Dieselboot, mit dem wir wunderbare Touren um die Westspitze Korculas unternommen haben (von Martina Bock im Norden der Westspitze bis hinunter zu Tri Luke auf der Südseite der Westspitze). Das Boot namens "Mario" wurde uns auch von der Agentur Burin vermittelt. Der Boots-Besitzer, Tonjic, fuhr mit mir im Boot von Vela Luka in die Maslinova-Bucht, um mir das Boot dabei zu erläutern und damit ich den Weg lernen konnte (tatsächlich nicht so leicht von der Seeseite aus zu erkennen). Außerdem musste ich noch in die zuverlässige Verankerung eingewiesen werden, wozu wir ein paar Minuten nach dem Betonstein im Meeresboden für die 'Boje' suchen mussten. Tonjic erklärte, dass es immer wieder starke Winde gebe, die das Boot schnell gegen die Felsen drücken könnten. Ich hatte davor eine Menge Respekt, aber mein Vertrauen in meine Vertäungskünste wuchs mit jedem überstandenen Tag -;)
"Mario" ist übrigens nach dem viel zu früh verstorbenen Sohn von Tonjic benannt. Von Tonjic erfuhren wir noch eine ganze Menge zur Wirtschaft und Geschichte Vela Lukas - überhaupt haben wir in ihm einen sehr netten Bekannten gefundenen und schreiben uns noch mit ihm.

Mario vor Anker:



Mario als 'Sprungturm' für unsere Kinder:



Blick auf die Maslinova vom Meer aus, bei einer Ausfahrt mit Mario:




Besonders liebten wir die Aussichten von der Terrasse unseres Robinsonhauses, z.B.

1.) Blick Richtung Kamenjak:



2.) Blick Richtung Proizd/Privala (inklusive Fährenspähen - irgendwann konnte ich die Fährzeiten auswändig ... es gehörte zu meinen Lieblingshobbys in den zwei Wochen, mit dem Fernglas auf der Terrasse im Olivenbaumschatten zu sitzen und die Bucht zu 'kontrollieren' -;) Meine Kinder nannten mich dann irgendwann "Herr der Bucht" ... )



oder

3.) ein paar Meter weiter Richtung Nachbarbuchten:



(Hier geht es zum zweiten Teil des Berichts: http://www.adriaforum.com/kroatien/robinson-urlaub-auf-korcula-vela-luka-bericht-teil-2-a-t73047/)
 
M

Michael

Guest
#2
Hallo bluetraine,
danke für diesen ganz tollen Bericht. Da hat sich das lange warten für uns alle gelohnt!
Freu mich schon auf Teil 2.
Liebe Grüße
Michael
 
E

ELMA

Guest
#3
Danke, bluetrain, dass Du Dein Versprechen gehalten hast und uns von Eurem außergewöhnlichen Urlaub berichtest!
Ich habe den Teil 1 regelrecht "verschlungen" .... und fühle mich sofort sehr vertraut mit allem.. dem Olivenhain, den einsamen Buchten, dem steilen Weg hinunter zum Wasser , auch den Zisternen, mit denen das Haus "versorgt " wird ( und die sicher auch bei Eurem Robisonhaus immer wieder vom Feuerwehrtankwagen aufgefüllt werden müssen) u.v.m.

Das ist die Westspitze von Korcula, wie ich sie seit vielen, vielen Jahren liebe!
Auch ich sitze gerne mit dem Fernglas auf dem Dach des Hauses neben den Wassertonnen und schaue über die Buchten!

Danke auch für das Übersichtskärtchen ( man beachte die eingezeichneten Wander- und Fahrradrouten!)



Dort wo die Zahl 36 ist, ist unser ( temporäres ) "Daheim". Keine 10km (Luftlinie) von Eurer Maslinovabucht entfernt!
Dort wollen wir nächste Woche sein ( Die Mandelbäume blühen! Jetzt ist die Zeit für Wanderungen in den Olivenhainen)

Ich beneide Euch um das Dieselboot, das Euch Tonjic ausgeliehen hat.(Es ist nicht einfach, solch ein Boot zu bekommen.
Ich habe das Boot Mario sicher schon im Hafen von Vela Luka liegen sehen)
Das sind die typischen Boote der Einheimischen- langsam, zuverlässig, sparsam, bequem...

Ich freue mich auf Teil 2 ! ( Vielleicht kann ich ihn aber erst nach unserer Rückkehr sehen)

Danke für die Arbeit, die Du Dir mit dem Bericht machst!

Liebe Grüße,
Elke
 

vadda

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#4
Herzlichen Dank für deinen hervorragenden Bericht über euren Robinsonurlaub, bluetraine! Gerade nach den dunklen Wintertagen (die hoffentlich jetzt ein Ende nehmen) kommen deine Bilder als zusätzlicher Sonnenschein bei uns an und steigern unsere Vorfreude auf den kommenden Dalmatienurlaub.

Noch einmal ein großes Dankeschön,
Irmgard und Klaus
 

baskafan

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#5
Hallo bluetraine!

Ja, auch ich habe diesen Superbericht verschlungen. Ein Urlaub von dem jeder träumt - ohne Hektik - schon die Anreise ein Erlebnis ohne km-Fresserei. Dieser schöne Bericht hebt gleich meine Stimmung für den heutigen Tag - Danke dafür.
Picasso-Fahrer sind halt Genießer.
 

rabac

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Langenbach/ Vogtland
#6
Vielen Dank für diesen wunderbaren Bericht. Kann kaum den nächsten Teil erwarten. So vergeht die Zeit bis zum nächsten Urlaub doch gleich viel schneller.

Gruß
Falk
 
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