Overtourism in Kroatien am schlimmsten

claus-juergen

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#2
Hallo Mick,

Das ist wieder mal so ein neumodischer Begriff, der überhaupt nichts aussagt. Auch in Kroatien gibt es nun mal Hotspots, aber auch schöne Gegenden am Meer oder im Hinterland, wo der Tourismus noch kaum eine Rolle spielt. Es wird wohl jeder seine Nische finden.

Die Zahlenspielerei im oben verlinkten Artikel ist schlicht und einfach ein Schmarrn. ;)

Grüße

Jürgen
 

Marius

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#3
Hahaha, wie geil ist das denn?

„An der Spitze des Rankings steht mit Abstand ein Land: Kroatien. Fast 58 Millionen Touristen reisen pro Jahr dorthin. Bei einer Bevölkerung von rund vier Millionen Einwohnern liegt die Dichte an Touristen bei sage und schreibe 1.380 Prozent.“

Ja klar, die Dichte an Touristen, hihi, denn die 58 Millionen sind ja alle gleichzeitig in Kroatien. :-D

Total dicht oder auch nicht ganz dicht ist höchstens der Verfasser des Artikels. Manchen „Journalisten“ sollte man ihre Texte ruhig mal links und rechts um die Ohren hauen. ;-)
 

Mick

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#4
Naja, wenn ich mir allein so die Region Porec im Juli und August anschaue, da bin ich schon der Meinung, dass, was die Masse an Touristen angeht, die Grenze des noch machbaren und erträglich definitiv erreicht ist. Hier hat es in den letzten 5 - 6 Jahren einen gewaltigen Anstieg gegeben. Das ist einfach nur noch brutal, was da los ist. Man kann ja abends teilweise nicht mal mehr durch die Gassen schlendern, weil diese gestopft voll sind. Getoppt wird das in Porec dann noch durch die Restaurants der Albanermafia, wo du grundsätzlich immer angeschwatzt wirst, dass du bei Ihnen doch was essen sollst, weil es nur in ihrem Etablissement das beste Essen in ganz Istrien gibt. Ist klar.... :zustimm: Ganz zu schweigen von den ausbeuterischen Arbeitsbedingungen für deren Angestellte, die sie in Bussen aus Albanien ankarren zum arbeiten. Aber das ist ein anderes Thema....

Ähnliches hört man auch aus anderen Gegenden in Istrien. Wobei ich letztes Jahr - das soll auch gesagt sein - im August in Novigrad (Istrien) überrascht war, wie entspannt man dort abends durch die Stadt schlendern konnte. Trotz Hochsaison und vielen Gästen.

Klar je weiter man Richtung Süden fährt, um so weniger wird es dann auch wieder.
 

Mick

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#5
Hallo Mick,

Das ist wieder mal so ein neumodischer Begriff, der überhaupt nichts aussagt. Auch in Kroatien gibt es nun mal Hotspots, aber auch schöne Gegenden am Meer oder im Hinterland, wo der Tourismus noch kaum eine Rolle spielt. Es wird wohl jeder seine Nische finden.

Die Zahlenspielerei im oben verlinkten Artikel ist schlicht und einfach ein Schmarrn. ;)

Grüße

Jürgen
Als Overtourism wird eine Entwicklung im Tourismus bezeichnet, die das Entstehen von offen zutage tretenden Konflikten zwischen Einheimischen und Besuchern an stark besuchten Zielen zum Gegenstand hat. Aus Sicht der Einheimischen wird der Tourist zu einem Störfaktor, der das tägliche Leben vor Ort zunehmend belastet; auch die Besucher selbst können die hohe Zahl der sie umgebenden Touristen als störend empfinden. Verwandt ist der Begriff des Overcrowdings, der Überfüllung von stark besuchten Touristenzielen.

......

Das Beratungsunternehmen McKinsey hat im Dezember 2017 im Auftrag des World Travel & Tourism Council zum Thema Overcrowding eine Studie erarbeitet.[7] Sie enthält unter anderem eine Bewertungsmatrix, welche eine Einschätzung darüber erlauben soll, wo und in welchem Ausmaß die Touristenmassen zu einem Problem geworden sind. Eines der Kriterien ist die Zahl der Besucherdichte: Ab 930.000 Menschen pro Quadratkilometer und Jahr bestehe nach der Studie größter Handlungsbedarf, das Gedränge für Anwohner und Besucher werde dann unzumutbar, und auch Infrastruktur, Sehenswürdigkeiten und Natur würden über die Maßen strapaziert

.....

Dubrovnik
Dubrovnik hat rund 42.000 Einwohner. Im Sommer halten sich oft 20-mal mehr Personen in der Stadt auf. 2016 gab es in der Altstadt von Dubrovnik noch vier Lebensmittelläden, aber 107 Souvenirgeschäfte und 143 Restaurants. Die Bewohner üben politischen Druck aus mit dem Motto: „Wir müssen die Stadt ihren Einwohnern zurückgeben.“

...
https://de.wikipedia.org/wiki/Overtourism

:D;)
 

Marius

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#6
Das aendert nichts an der sinnbefreiten Aussage, dass eine „Touristendichte“ von 2.000 Prozent herrschen wuerde. Der Journalist hat ja nicht mal begriffen, was das Wort bedeutet.
Danke Mick fuer den aufschlussreichen Wikipedia-Artikel.

Das mit der „Albanermafia“ gefaellt mir nicht so gut, bitte um etwas Contenance!
 

Mick

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#7
Das mit der „Albanermafia“ gefaellt mir nicht so gut, bitte um etwas Contenance!
Ob dir das gefällt oder nicht ist irreleavant. Hierbei handelt es sich um einen Fakt. Die Mitglieder der Familie Bilal sind keine Porecani und in der der Stadt bekannt und berüchtigt. Einfach mal googeln. Da findet man auch einige Artikel. Dementsprechend sollte man deren Geschäfte meiden.
 

Marius

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#8
Das ist keineswegs irrelevant, wenn hier verallgemeinert von der "Albanermafia in Istrien" gesprochen wird, dann entspricht das auch nicht dem Forumskodex.
Ich kenne viele Albaner, die redlich und fleißig ihrer Arbeit nachgehen und lasse es sich nicht zu, dass du hier so abfällig über sie sprichst.
Ich kenne übrigens deutlich mehr kroatische, österreichische und deutsche Gauner, glaub mir.
 

Mick

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#9
Gut. Dann die "Albanermafia Bilal aus Porec". Besser? :D

Wobei ich nicht von der Albanermafia in Istrien geschrieben habe. Habe mich explizit auf Porec bezogen. Und wenn man dort mit den Einheimischen spricht, erfährt man viel über diese Familie. Da brauchst nicht mal Zeitungsartikel. Morddrohungen, Mordanschläge (auch auf Bürgermeister), Schutzgelderpressung, Überfallkommandos, usw. Na, wenn das mal keine Mafiamethoden sind. Wie nennt man das denn sonst so?
 

claus-juergen

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#10
hallo,

tatsächlich ist es z. B. in Medulin so, daß die "albanischen Gastwirte", tatsächlich stammen die aus dem Kosovo, einfach geschäftstüchtiger sind als die anderen Wirte. In Medulin gibt es meines Wissens derzeit drei solcher Gaststätten. Alle haben ganzjährig geöffnet. Das Personal wird, wie Mick schon sagt, unter den Angehörigen der eigenen Volksgruppe rekrutiert. Allerdings glaube ich, daß da viele Verwandte oder Arbeitskräfte darunter sind, die aus dem selben Dorf oder zumindest der selben Gegend im Kosovo stammen. Teilweise sind diese jedoch auch bereits in zweiter Generation in Kroatien bzw. im kroatischen Teil des ehemaligen Jugoslawien wohnhaft.

Die Gaststätten der "Albaner" in Medulin sind mittlerweile tatsächlich auch preislich im oberen Bereich anzusiedeln. Qualitativ und quantitativ unterscheidet sie nichts von der Konkurrenz wobei es in Medulin natürlich bei einer Kneipendichte von derzeit knapp 100 (!) schon Unterschiede gibt. Ich persönlich gehe eigentlich gerade noch in höchstens fünf verschiedene zum Essen. Die meisten sind meiner Einschätzung nach klassische Touri-Nepp-Lokale.

Marius kennt sich jedoch in Medulins Gastronomie sicherlich besser aus als ich und kann diese Infos ergänzen bzw. berichtigen. ;)

Da diese "albanischen Großfamilien" auch sehr viele Familienmitglieder umfassen, hat mittlerweile fast jeder ein Lokal. Die Sippe aus Medulin ist auch in Rovinj vertreten und sogar im Allgäu, genauer gesagt in Marktoberdorf und Kempten. Die Tatsache, daß Angehörige saisonweise auch in Deutschland arbeiten, führt dazu, daß die Sprachkenntnisse stark verbessert werden. So ist es leicht, auf deutsch, noch dazu im Dialekt, neue Gäste ins Lokal zu locken. Dazu ein paar Schnaps mehr als die Konkurrenz und der Rubel rollt.

Marktwirtschaft halt...

grüsse

jürgen
 

Marius

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#11
Ok, Mick, lass es gut sein. Ich habe genug gelesen und ich habe dich verstanden.

Ich kenne Typen wie dich zur Genüge.
 
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Crofun

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#12
Hallo an Alle,

also ganz ehrlich wir sind seit Jahren Ende Juli bis Mitte August in Istrien ( Vrsar ) es war immer entspannt ... Platz im Lokal... keine überfüllten Geschäfte ... Campingplatz wirklich übersichtlich gefüllt... man kann auch das Haar in der Suppe suchen.. ich glaube es gibt in der Mittelmeerregion kaum ein Land wo es so entspannt ist ...
Noch 5 Wochen freu :):):):):);)

LG Crofun
 

Luppo

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#14
Mick hat vollkommen recht. Wer es in der Hauptsaison in Istrien und speziell in Porec nicht überfüllt findet, lebt in Deutschland offensichtlich am Frankfurter Kreuz.
Ich habe 2014 die Konsequenzen gezogen und fahre weiter südlich oder auf die Inseln und vorallem in der Nebensaison.
Die Zahlenspielerei lässt sich natürlich mit einem weiteren Fakt weiterspinnen. Die durchschnittliche Verweildauer beträgt 9 Tage. Auf die Reisemonate Juni-September gerechnet (120 Tage) sind das 13 Urlaubsaufenthalte. Bei 58 Mio. Gästen sind das also laufend 4,5 Mio Touristen, ebenso viele wie Einwohner.
Die Infrastruktur und die Versorgung muss dementsprechend in der Zeit auf das Doppelte ausgelegt sein.
Korrektur: Die 58 Mio. Gäste kamen mir doch ein wenig viel vor. Siehe da, verschiedene Quellen sprechen von über 100 Mio. Übernachtungen bei 16 Mio. Gäste in 2017, bei den näherungsweise 120 Tagen sind das 800.000 Übernachtungen pro Tag gemittelt, in der Hauptsaison mehr als 2 Mio. wie ich mal gelesen hatte. Trotzdem eine große Herausforderung für das Land.
 
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Mick

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#15
Drei Gründe für den Übertourismus

Immer mehr Reiseziele laufen über. Entscheidend dafür ist nicht die höhere Anzahl der Alleinreisenden, sondern ein verändertes Reiseverhalten von uns allen. Die bisherigen Marktführer haben das unterschätzt.

In diesem Sommer bekommt der klassische Spruch „Reisen bildet“ an immer mehr Orten eine neue Bedeutung. Etwa in Venedig oder Lissabon lernen Urlauber sich in großen Menschenmengen zu bewegen. Und in Mallorca oder Barcelona erfährt der Besucher anhand von Wandparolen wie „Tourist = Terrorist“, dass er auf einmal als böse, ja als Feind, gesehen werden kann, selbst wenn er gute Absichten hat und viel Geld in Shops oder Restaurants am Ort lässt.

Die Branche nennt die Überforderung von Zielgebieten durch die schiere Masse und die zunehmende Aggression der Einwohner „Overtourism“. Der Übertourismus hat vor allem für die Chefs von Veranstaltern wie TUI zwei Gründe: das unerwartet starke Wachstum und die unbeholfene Reaktion der Ferienziele auf den Ansturm. „Wir können die Zahl der Reisenden ja nur bedingt begrenzen“, spricht etwa Hans Müller, oberster Mallorca-Repräsentant von Europas Ferienkonzern Thomas Cook, allen Veranstaltern aus der Seele. Dazu sehen die Konzerne die Schuld für die gefährliche Entwicklung nicht bei sich, sondern bei den Vermittlungsplattformen. „In Barcelona beispielsweise stellt Airbnb bereits drei Viertel der Unterkünfte“, schimpft Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands.

Doch auch wenn der frühere Chef der Rewe Touristik da nicht schief liegt: Am Ende sind auch die Reisekonzerne ein Teil des Problems, weil sie ein paar wichtige Trends zumindest falsch eingeschätzt haben.

Da ist zum einen das Wachstum. Das Geschäft mit dem Fernweh hat selbst nach Schocks wie den Terroranschlägen des 11. September 2001 oder in der Welt-Finanzkrise ab 2008 immer zugelegt. Doch das Tempo ist größer als noch vor 20 Jahren. Entsprach das jährliche Wachstum früher ungefähr dem der Wirtschaft insgesamt, so legt das Reisegeschäft nun je nach Land bis zu einem Viertel stärker zu als das jeweilige Bruttoinlandsprodukt.

Nicht zuletzt wegen der weltweit wachsenden Mittelschicht stieg die Zahl der Auslandsreisenden weltweit von gut einer Milliarde pro Jahr vor einem Jahrzehnt auf gut 1,4 Milliarden heute. Und bis 2030 soll die Zwei-Milliarden-Marke fallen. Denn laut einer Prognose vom World Travel and Tourism Council (WTTC), ein Dachverband von 150 Reiseriesen von der Tui über die Hilton Hotels bis zum Taxischreck Uber, kommen nochmal gut 500 Millionen dazu. „Und fast alle wollen zu den schönsten und wichtigsten Orten in Europa, die bereits überlastet sind“, erwartet Karl Born, Ex-TUI-Vorstand und heute Honorarprofessor an der Hochschule Harz in Wernigerode.

Der größte Treiber der Entwicklung ist China. Mindestens die Hälfte der gut eine halbe Milliarde Neu-Reisenden kommt aus der Volkrepublik, ergibt eine Studie des China Outbound Tourism Research Institute (COTRI) aus Hamburg. Dafür sorgt vor allem, dass die schnell wachsende Mittelschicht relativ mehr Geld in den Urlaub steckt als andere Länder mit dem gleichen Entwicklungsstand. Von den derzeit rund 150 Millionen Auslandsreisenden aus China zieht es gut zehn Prozent nach Europa. Und stimmen die Prognosen, dann werden sich in 2030 bis zu 50 Millionen Chinesen die alte Welt ansehen wollen. Zum Vergleich: Aus Deutschland reisen derzeit gut 60 Millionen Menschen pro Jahr ans Mittelmeer oder zu anderen Zielen in der alten Welt.

Und dabei hat gerade Europa noch Glück. Denn rein von der wirtschaftlichen Entwicklung müssten jedes Jahr auch rund 100 Millionen Bewohner Indiens die Koffer packen und zu einem großen Teil in Richtung Europa reisen. Tatsächlich ist dem aber nicht so. „Wenn wir die Reisen zu Verwandten in Großbritannien und den USA abziehen, ist die Zahl indischer Touristen sehr gering“ sagt COTRI-Chef Wolfgang Georg Arlt. Die Reisefreunde dämpfen nicht zuletzt religiöse Vorschriften, die das Essen in der Fremde oft etwas schwierig gestalten.

Besonders das Wachstum aus China haben Europas Veranstalter zwar kommen sehen, aber kaum reagiert. Einige sind wie Tui bereits kurz nach der Jahrtausendwende in der Volksrepublik China aktiv. Doch angesichts der guten Geschäfte daheim agierten sie in Fernost eher halbherzig. Sie präsentierten mehr oder weniger Varianten der europäischen Pauschalreise statt eigens für den Markt ersonnene Angebote zu präsentieren wie lokale Veranstalter wie CTRIP. „Und als uns das klar wurde, haben wir uns zu wenig bemüht, den Chinesen statt des Gesamtpakets zumindest den europäischen Teil der Reise in Form von Übernachtungen oder Transfers zu verkaufen“, so ein Tui-Manager.

Damit hätten die Reiseriesen nicht nur Geld verdient, sondern auch einen Betrag gegen den Übertourismus geleistet. Denn auch wenn das Gros der Chinesen auf ihren ersten Reisen die Top-Sehenswürdigkeiten wir Paris oder Rom abhaken will: Ihr Interesse ist deutlich breiter. „Diese Gäste haben meist weniger vorgefasste Meinungen über die „richtige“ Saison und akzeptieren alternative Ziele – einfach, weil sie die Üblichen nicht so recht kennt“, so Arlt. Hier können die Veranstalter punkten.

Einen besseren Job machten Europas Reiseriesen bei der zweiten wichtigen Wachstums-Gruppe: Pensionäre aus den Industrieländern. „Reich, gelangweilt und immer auf dem Sprung“, so beschreibt David Roeska, Analyst des Brokerhauses Bernstein aus New York, die Generation. Laut einer Studie seines Hauses beruht deren Reiselust – neben der im Vergleich zu früheren Generationen besseren Gesundheit – darauf, dass für die Gruppe der heute mehr als 65-Jährigen Reisen einen höheren Stellenwert hat. Die Senioren haben im Schnitt nicht nur ein höheres Einkommen als frühere Pensionärsgenerationen. Sie stecken auch einen in etwa doppelt so großen Anteil in Reisen. Dazu erleichtert die Branche von den Kreuzfahrtlinien bis sogar zum Billigflieger Ryanair allen die Urlaubsreise durch spezielle Seniorenangebote, inklusive besonderer Hilfen für „Mobilitätseingeschränkte.“

Schwer tut sich die Branche hingegen beim dritten Treiber: einem neuen – nicht zuletzt von Social Media geförderten – Reiseverhalten. Noch vor 20 Jahren dominierten bei Auslandstouren Gruppen- oder Pauschalangebote per Bus oder Flugzeug. Nun verreist gut ein Drittel der Urlauber mehr oder weniger individuell. Dafür sorgt nicht zuletzt die wachsende Zahl von Singles oder Pensionären mit Reiseerfahrung, die sich wie jüngere Leuten ihre Ferien nun selbst im Internet zusammenstellen bei Billigfliegern, Hotels oder Wohnungsvermittlern wie Airbnb oder Booking.com – nicht zuletzt, weil letztere dank geringerer Auflagen meist günstiger als Hotels sind.

Dazu kommt ein neuer Faktor: Instagram, Facebook & Co. Denn das Gros der neue Individualtouristen sucht in den schönsten Wochen des Jahres weniger Ruhe und Erholung in klassischen Touristenvierteln. Sie zieht es in die Städte zu Erlebnissen und die großen Sehenswürdigkeiten, die sie von Freuden und Influencern kennen. Die wollen sie selbst besuchen, ihrerseits posten und dabei möglichst noch die Erlebnisse der Vorgänger toppen. Dabei bleiben die meisten nur kurze Zeit in einer Stadt, um angesichts ihrer knappen Zeit und ihrer engen Budgets möglichst andere viele Orte abhaken zu können.

„Das ist es ein anderer Tourismus. Es geht den meisten der neuen Städtetouristen anders als ihre Vorgänger weniger um Kultur, sondern um Spaß und Feiern“, beschreibt Josep-Francesc Valls, Professor für Marketing und Tourismus an der Hochschule ESADE in Barcelona, den Wandel seiner Heimatstadt. Weil sich jeder als Insider fühlen will und nur die anderen für Touristen hält, bucht diese Gruppe statt Bettenburgen im Ferienghettos wie S’Arenal oder Magaluf auf Mallorca nun Hotels oder besser noch Wohnungen mitten in den Vierteln der Einheimischen. Dabei verändern die Urlauber das Leben der Bewohner.

In immer mehr Regionen gibt es fast nur noch Hochsaison. Die Urlauber kommen das ganze Jahr – anders als in Ferienhaus-Regionen wie Sardinien. Hier ertragen die Einwohner den Ansturm der Fremden, weil die nur schlimmstenfalls ein Vierteljahr im Sommer den Alltag prägen. Doch in Orten wie Barcelona oder Lissabon dauert die Reisezeit inzwischen fast das ganze Jahr.

Das zerstört immer öfter den Alltag der Einheimischen. Sie gehen nicht nur rein zahlenmäßig in der Reisewelle unter, weil oft wie in Venedig oder dem griechischen Santorin auf jeden Bewohner bis zu drei Touristen kommen. Sie leiden unter den Nachteilen: neben klassischen Nebenwirkungen wie Wasserknappheit und Lärm explodieren die Lebenshaltungskosten. In Palma, wo die Stadtverwaltung gerade die Zahl der Betten in Hotels und Ferienwohnungen um ein Viertel kürzen will, sind die Mieten seit 2013 im Schnitt um 40 Prozent geklettert. Grund ist die Umwandlung von Appartements in Feriendomizile. Denn Touristen bringen Investoren mehr Rendite als einheimische Mieter. Dazu verschwinden die Einkaufsmöglichkeiten für Alltagsdinge, weil Metzgereien, Lebensmittelläden und Korbflechtereien zunehmend Edelboutiquen oder Ramschläden weichen, die höhere Mieten zahlen können. Selbst das Traditionslokal Bar Cristal an der Plaça d’Espanya am Bahnhof von Palma ist zuletzt unter die Räder gekommen, weil sich die Besitzer den Anstieg der Monatspacht auf 25.000 Euro nicht mehr leisten konnte.

Das Problem Overtourism ist nicht leicht zu lösen. Denn die natürliche Bremse – dass es den Touristen zu voll ist –- greift nicht so recht. „Da haben viele das Gefühl, lass uns das nochmal ansehen, so lange das noch einigermaßen geht“, so Experte Born. Zumal manche Besuchergruppen wie Chinesen selbst die vollen Altstadtstraßen in Dubrovnik im Vergleich zum Gedränge daheim nicht als unangenehm empfinden.

Also helfen, so das Ergebnis einer Studie der Beratung McKinsey, am Ende wohl nur weitere Einschränkungen – und Preiserhöhungen. Und auch die werden das Problem wohl bestenfalls mindern, glaubt Frans van der Avert, oberster Vermarkter des vom Übertourismus besonders gebeutelten Amsterdam. „Ob wir wollen oder nicht: Es werden immer mehr Touristen kommen.“

https://www.wiwo.de/unternehmen/die.../22809048-2.html?inOverwrites={textonly=true}
 

claus-juergen

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#16
hallo Mick,

ich habe zwar "gefällt mir" gedrückt, weil der Artikel sicherlich viel richtiges enthält. Aber trotzdem gefällt mir diese Entwicklung nicht. Leider müssen wir alle damit leben, sind aber auch selbst Teil des Problems.

grüsse

jürgen
 

Marius

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#17
Jürgen, zu deiner Beruhigung:

"Gefällt mir" bedeutet "Danke für den Artikel / den Link / die Info / deine Meinung", und nicht "Ich stimme allem vollinhaltlich zu und alles was da steht gefällt mir total und hoffentlich bleibt es so!"

Eigentlich gehört das Feld umbenannt von "Gefällt mir" auf "Danke", das wäre für alle klarer.

;-)
 

Luppo

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#18
Wir werden die Entwicklung nicht aufhalten. Mal sehen, wie sich das Klima entwickelt, das könnte noch ein entscheidender Faktor werden.
Ich muss jedenfalls Danke sagen für 30 Jahre Kroatien mit durchaus günstigen Preisen, überschaubarem Tourismus und vielen tollen Erlebnissen.

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Crofun

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#19
Hallo an Alle,

nein ich finde es immer noch herrlich in Kroatien und mit ein bisschen geschickter Auswahl ( Bsp. Vrsar .). kann man herrlich ruhigen Badeurlaub verbringen... die Medien spielen vieles hoch... wir kommen immer wieder nach Kroatien... freundliche Menschen , sauberes Wasser... entspannte Stimmung in 20 Jahren nie !! anders erlebt in diesem Land... ok wir sind auf FKK Camps unterwegs da ist sowieso ein etwas anderes Publikum trotzdem sind wir viel mit den Mountain Bikes im Landesinneren unterwegs und was wir erleben ist alles andere als " Overtourism "....
Hoffentlich schaden diese Berichte nicht dem Land das das Geld dringend braucht...
Wir kommen in 9 Tagen ...:happy::happy::happy::happy::happy:
LG Crofun
 

Luppo

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#20
Die Frage ist weniger, ob solche Berichte dem Land schaden, sondern wieviel Tourismus das Land und vorallem die Leute vertragen.
Ich hätte nichts gegen eine Stagnation bzw. einem behutsamen Rückgang der Touristenzahlen. Und zwar IM SINNE des Landes.
 
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