Montenegro: Sommer 2008 > Anreise und Ada

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ELMA

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#1
Montenegro : Sommer 2008 > Anreise und Ada

Zu Pfingsten 2003 haben wir Montenegro zum ersten Mal für uns entdeckt - touristisch wenig erschlossen, vom Krieg weitgehend verschont und noch mit dem seltsamen Charme der bis 1990 "sozialistischen" Urlaubskultur .
Nach 1990 war der Touristenstrom aus dem westlichen Ausland weitgehend zum Erliegen gekommen.

Uns faszinierte neben den alten Städten Herzeg Novi, Perast, Kotor, Budva ,Stari Bar, usw vor allem auch die wunderschöne Landschaft.
Jahr für Jahr veränderte sich das Land ein wenig.

Und so besuchten wir im Sommer 2008 Montenegro zum 7. Mal – gespannt, was uns als Campinggäste in diesem Jahr erwarten würde.
In keinem Jahr zuvor waren die Veränderungen stärker zu sehen und zu spüren als 2008, dem ersten Jahr nach der Selbstständigkeit.
Quo vadis Montenegro?

Das erste, was uns erwartete, war die Ökosteuer.



10 Euro für PKW
30 Euro für Wohnmobile
Bezahlen müssen nur die Ausländer…. Einheimische PKWs sind davon befreit…..

Wohin entwickelt sich das Land, das war eine Frage, die sich uns plötzlich aufdrängte.

Erschreckend, was sich im Norden des Landes entlang des Küste in einem Jahr getan hat.
Ausverkauf des Landes???

Die Bilder von Bilder von Budva, Becici und Milocer sprechen für sich.

Budva



Becici





Hotel Splendid – ganz von einer Mauer umgeben.
Es ist nahezu unmöglich, an den Strand zu gelangen, wenn man nicht Hotelgast ist.





Bei Becici



Am Straßenrand dicht an dicht Werbung von Immobilienmaklern- meist in russischer Sprache



Bei Milocer – alles verbaut



Ein schöner privater Strand



Das idyllische Sveti Stefan wird zur Zeit umgebaut und dann?





Die protzige Bautätigkeit wurde weniger , je weiter wir nach Süden kamen.

Unser Ziel war die Insel Ada, südlich von Ulcinj.

Aber auch bei Ulcinj: rege Bautätigkeit.
Bauruinen, halb fertige große Häuser, aber auch teure Villen in amerikanischem Stil:







Das Problem scheint zunehmend die Infrastruktur zu werden: Strom, Wasser, Abwasser, Müllentsorgung.

An manchen Tagen fiel stundenlang der Strom aus , die Wasserversorung war auch nicht rund um die Uhr gesichert. Der Umgang mit Müll ist weiterhin problematisch- hier muss sich offensichtlich auch noch im Bewusstsein der Bevölkerung einiges ändern. Plastik, Papier, Glas werden häufig noch einfach in der Landschaft entsorgt ( obwohl wir hier schon eine leichte Verbesserung beobachten konnten, man sieht immer wieder, dass Müll entlang der Straßenränder eingesammelt wird).

Unser Ziel war die Insel Ada.

Auf der gesamten Strecke ab Herzeg Novi konnten wir keinen einzigen neuen Campingplatz entdecken.

Solche, wie z.B. Jaz nördlich von Budva werden zwar noch besucht, aber nicht mehr gepflegt.
In Zonen aufgeteilte Hotelstrände machen sich an den Traumstränden breit.



Camping ist für das neue Tourismuskonzept der Regierung Montenegros kein Thema mehr .
Man setzt auf „Qualitätstourismus“ und da scheint Camping nicht dazu zu gehören.

Siehe Beitrag hier

Und so erwartete uns der Campingplatz Ada fast unverändert, so wie wir ihn seit 5 Jahren kennen.
Einzige Veränderung : Neue Warmwasserboiler in den Duschen, neue Duschköpfe und ein um 20 Prozent höherer Preis.

10 Gründe, weshalb wir trotzdem dorthin fahren

Grund 1:

Ein Campingplatz, auf dem man zum Nachbarn problemlos einen Abstand von 20-30m haben kann.

Da wir mit unserem Wohnmobil autark waren, konnte ich auch die völlig unzureichenden sanitären Einrichtungen auf dem Campingplatz gut ertragen.



Grund 2:

Ein wunderschöner, 12 km langer Sandstrand ( im FKK Teil auch täglich gereinigt und überwacht)

Frühmorgens am FKK Strand





Direkt am Meer: Die Bungalowanlage Bojana Lux – unweit des Campingplatzes



Gründe 3 bis 5:


Sauberes Meer mit einem flach abfallenden Strand

Ein nicht überlaufener Strand, an dem man leicht ein Plätzchen für sich finden kann

Viele Möglichkeiten für stundenlange Spaziergänge entlang des Meeres -
Erholung pur

Sobald man sich aus dem Bereich des überwachten FKK Platzes hinaus begibt, kann man kilometerweit am Strand entlang gehen und trifft dabei immer wieder auf (friedliche) Rinder, die auch die Abkühlung in Meeresnähe genießen.

Der dunkle Sand soll schwach radioaktiv sein und heilende Wirkung besitzen.

Leider wird dieser große Strandanschnitt nicht gereinigt und der gesamte, meist vom Meer angeschwemmte Zivilisationsmüll sammelt sich in den Dünen.















Die südliche Bojanamündung, Grenze zu Albanien – einsame Strände



Am nördlichen Arm der Bojana

Manche Einheimische besitzen schöne Wochenendhäuser an der Bojana.



An der Bojanamündung

Hier herrschte rege Badetätigkeit.
Vor allem an den Wochenende kommen viele Einheimische mit ihren Booten hierher, um einen Urlaubstag zu genießen.

Sand ohne Ende…










Grund 7:


An der Bojana gibt es noch Fischrestaurants mit guter Küche und (noch) moderaten Preisen.







Vorne an der Brücke über die Bojana ( außerhalb des von Security Guards bewachten Bereichs) hat die neue Zeit schon begonnen: Restaurants teilweise in russischer Hand, sehr hohe Preise, Abend für Abend überfüllt….









Grund 8

Problemloses Einkaufen auf dem nahe gelegenen Markt Donji Stoj mit vielen einheimischen Produkten.





Die beiden wollten nach meinem Einkauf unbedingt, dass ich sie fotografiere…



Grund 9

Abwechslung in der quirligen Stadt Ulcinj mit dem fast orientalischen Flair
An der Milenabrücke gibt immer noch die typischen Netze, die Kalimere , die sich in regelmäßigen Abständen in Wasser senken .

Viele der Anlagen werden jedoch inzwischen nicht mehr benützt, beginnen morsch zu werden und fallen zusammen. Schade.





Markt und Restaurants in der Nähe der Brücke







Unübersehbar ist der Einfluss der großen albanischen Bevölkerungsgruppe



Grund 10

Ausflugsmöglichkeiten

An einem Tag machten wir einen Motorradausflug zum Skutarisee.



36 Grad – die Sicht war sommerlich diesig und selbst der Fahrtwind auf dem Motorrad brachte keine Abkühlung.



Da wir im vorangegangen Jahr schon am Skutarisee entlang bis nach Virpazar gefahren waren, machten wir einen Abstecher nach Shasi , einer Ruinenstadt in der Nähe des gleichnamigen kleinen Sees an der albanischen Grenze.













Eines der besten Restaurants der Gegend, in dem wir eingekehrt sind, befindet sich am Shasi See, der von einem dichten Schilfgürtel umgeben ist.





Rückkehr nach Ada – ein Bad im Meer am späten Abend bei wunderschönem Sonnenuntergang.







Nach zwei Wochen, in denen es recht heiß gewesen war ( täglich ca 35 bis 38 Grad) machten wir uns auf den Weg in Landesinnere.

Entlang der Moraca fuhren wir bis zur Tara und von dort ins Durmitorgebirge.

Davon folgende Teile

Raftingtour auf der Tara
Wandern und Camping im Durmitor
Vom Durmitor nach Dubrovnik
Moraca- Fluss und Kloster




ELMA
 

wallbergler

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#2
Was soll ich sagen , Elke,

wunderbar, dass du uns diese zwar für Einige nicht unbekannte, aber so wundervoll ins Licht gerückte Landschaft hier so opulent ausbreitest.
Vielen Dank für die große Mühe. Die gewohnt brillanten Bilder muss ich nicht extra hervorheben.
Es erschreckt aber auch, wenn man Strandbilder sieht, wie sie in Bibione oder Lignano sein könnten, wegen der zwischenzeitlichen Unart, im Abstand von 1 m Plätze zu verteilen.
Die Ursprünglichkeit, die diesem Land da unten eigen war, geht so rasend schnell verloren.
Es ist ebenso erschreckend, wie Profit sich durch die Landschaften frisst.
Ich hoffe, dass Teil 2 zeigen kann, dass es noch Platz für Naturschauspiele gibt.
Ganz herzlichen Dank dir Elke
Helmut
 

Mifle0371

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#4
Hallo Elke,
ganz große Sache!!!
Sehr interresante Bilder. So etwas wie Stellplätze für Womos gibt es wohl garnicht?
Freue mich schon auf den nächsten Bericht.
LG
Michael
 
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ELMA

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#6
@Wallbergler Dieter Michael Reinhard

Danke für Eure Rückmeldung zu meinem Bericht!
Er ist ja dieses Mal teilweise etwas kritisch ausgefallen - aber ich denke, auch Veränderungen müssen beschrieben werden.
Und ich habe sie vor allem im ersten Teil so beschrieben wie sie auf mich gewirkt haben.

Zitat von Mifle0371:
So etwas wie Stellplätze für Womos gibt es wohl garnicht?
Nein, offiziell nicht. ( Camping in Monte wird ja nicht sehr gefördert..)
An der nördlichen Küste würde ich mit dem Womo auch nicht frei stehen bleiben.
Schon eher auf den ehemaligen Campingplätzen weiter im Süden.( Man hat manchmal ja gar keine andere Wahl)
Anders im Landesinneren. Dort gibt es ( außer in Zabljak im Durmitor) gar keine CP, dort würde ich ohne weiteres ohne Bedenken irgendwo frei übernachten - ich hätte keine Angst. Die Leute im Landesinneren sind anders - sie sind so freundlich!

Gruß,
ELMA
 

burki

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#7
Lese den Bericht jetzt erst, danke für die Bilder un deine Erläuterungen.

Einen eigenen Eindruck werde ich sicher zu Montenegro auch noch vermitteln können. Für einen Tag haben wir reichlich Eindrücke sammeln können.

Über Kotor werde ich noch berichten.

Ein nette Österreicherin trafen wir auf unserem Weg Richtung Kotor. Wir bekamen noch einige super Tipps für interessante Besichtigungen (Bericht folgt).

Sie machte eine Woche Urlaub in Budvar - wir wollten auch dorthin - und erzählte uns, dass sich ausser der Besuch der Altstadt ein Besuch dort nicht mehr lohne. Riesige Hotelanlagen, finanziert durch die Russen zerstören dort das Flair. Am Strand laufen die Strandverkäufer, laute Musikbeschallung und eine Verkaufsbude an der anderen. Das wollten wir uns dann einfach nicht antun.

Den Eindruck, dass es dort schmutzig ist können wir nur bestätigen. Hier wird alles entsorgt am Straßenrand was nur geht. Gut wäre dort sicher auch ein Flaschenpfandsystem! >weniger Müll!
 

wallbergler

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#8
"Danke für Eure Rückmeldung zu meinem Bericht!
Er ist ja dieses Mal teilweise etwas kritisch ausgefallen - aber ich denke, auch Veränderungen müssen beschrieben werden. ""

Genau das war das Interessante, Elke!!!! Ein ganzheitliches Bild!
Und wenn man dieses kleine " hier" in blau nicht übersehen hat, dann wurde man eben entführt in ein Naturschauspiel erster Güte.
Unberührte Natur so weit das Auge reicht.
Natürlich haben wir , sogar nicht unweit von uns, ebenso unzerstörbare Idylle.
Gott sei Dank wurde diese Urkraft da unten nicht von den unsäglichen Zeiten überrollt.
Helmut
 

Hartmut

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#9
In dem umfangreichen Beitrag stellt Du die Schönheiten und Schattenseiten sehr gut dar.

Die Zukunft wird sich weisen, ob der jetzige Weg Montenegros für das Land gut sein wird.
 

carmencita

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#10
Toller Bericht, wir haben auch im letzten Jahr eine Rundreise durch Monenegro gemacht.

http://www.istrien.info/forum/thema15956.html

Es ist wirklich ein sehr sehr interessantes Land, leider von uns aus extrem weit zu fahren ( 1800 KM ) und dass mit ab November 2 Kindern , das ist schon etwas anstengend.

Ich hoffe das wir es aber irgendwann einmal schaffen, dieses Land nochmals zu besuchen.


Krass mit der ÖKOSTEUER für Ausländer, das dürfe sich aber ändern, wenn das Land in die EU strebt !
 
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