Mit dem Rad von Aichach nach Porec/Funtana

Keramiker

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mit dem Tourenrad von Aichach nach Porec

Seit ich vor Jahren mit dem Wohnmobil über Kitzbühel nach Istrien gefahren bin , habe ich die Idee im Kopf, das mal mit dem Rad zu machen.

2014 ist es dann drann.
a man must do, what a man wants to do.
Zwei eventuelle Mitfahrer fallen kurz vorher aus. Einen zieht es für einen Monat nach Malle, der Andere hat als Frührentner zuviele andere Termine. Also fahre ich allein meinen persönlichen 'Jakobsweg'.

Wie komme ich da alleine zurecht,
wie geh ich mit der Einsamkeit und dem Alleinsein um?
Wie motiviere ich mich selbst?
Finde ich immer ein Zimmer und den richtigen Weg?
Komme ich unfallfrei und ohne Pannen an?

Ausrüstung:
Patria Touros Tourenrad massgefertigt mit 18 Gang Pinion Getriebeschaltung, SON Nabendynamo mit USB-Ladebuchse und bergoptimierte 24 Zähne ( als Original 30), gekauft beim Dynamo Fahrradladen in Augsburg. (vielen Dank an Herbert für die kompetente Beratung)

Bikelogger mit Bluetooth zum Tacho (www.bikelogger.de)
Garmin Gpsmap 62
Samsung S3 Smartphone. (befestigt mit Sternadapter und der Otterbox von www.upmove.eu)
geplant war, dass das Smartphone folgende Aufgaben übernimmt:
- Tacho mit Tageskilometer, Fahrtzeit und Durchschnittsgeschwindigkeit,
-Navigation mit der App Osmand,
-Aufzeichnung der gefahrenen Strecke mit Fotos und Beschreibung durch die App Mobilitytrip

Leider war das zuviel verlangt. Die Ladeleistung setzt erst ab 15 km/h ein und das Navigieren verbraucht so viel Energie, dass das Handy nach drei bis vier Stunden leer war.

mobilitytrip (nur auf englisch) hatte ich erst kurz vorher entdeckt und noch nicht ausprobiert. Beim Hinzufügen von Fotos erscheint nach dem Photographieren unter den Bild -verwerfen und speichern. Die ersten drei Tage hatte ich zwar immer auf speichern gedrückt. Trotzdem hatte ich nie die Bilder in die Route eingefügt. Bis ich endlich oben rechts noch ein Icon für Speichern entdeckte. (dieses war durch die Silikonstreifen, mit denen das Phone auf der Grundplatte der wasserdichten Otterbox Handyhalterung befestigt war, verdeckt. Nun fehlen halt etliche Photos. Auch die Entfernungsangaben stimmen nicht mit denen des Bikeloggers überein. Ich bin nach meinem Tacho und den gpx-Daten 717 km unterwegs gewesen.

Die Bekleidung bestand so weit als möglich von der Firma Icebreaker aus neuseeländischer Merinowolle. Ein Traum von Tragegefühl. Selbst klatschnass durchgeschwitzt immer noch angenehm zu tragen und auch nach Tagen nie nach Schweiß riechend.

Ich hatte mir zwar zu Hause meine Strecke schon ausgedacht und als gpx-Tracks gespeichert. Durch den Kontakt unterwegs mit Anderen jedoch auch oft geändert oder Hochwasserschäden auf der Strecke zwangen zu spontanen Änderungen.

Tag 1-Aichach bis Rosenheim
03.09.14; 122 km; 6:50 reine Fahrtzeit

Abfahrt in Aichach bei leichtem Nieselregen und 12 Grad. Dorthin hatte ich mich von meiner Schwiegertochter fahren lassen. Leider wehte der Wind das wasserdichte Kartenfach mit allen Papierkarten von der Lenkertasche. -Muss nun ohne Papierkarten gehen-.
Vorbeifahrende Lkw's überziehen mich mit einer feinen Wasserschicht.Ab
11.00 h durchfahre ich München quer durch die Innenstadt.

Auf 15 km Schotterweg, aufgelockert mit Schlammpfützen und aufgeweichten Pferdeäpfeln geht es bis Aying zur Pause im Brauereigasthof.
Auf meine Frage beim Ortsshild in Rosenheim nach der Adresse meiner Bekannten, werde ich an ein Haus verwiesen., das auch die Hausnummer 23 trägt. Am Briefkasten außen steht kein Name. An der Haustür. vernehm ich einen lauten Staubsauger. Mein Klingeln hört keiner. Auch klopfen hilft nichts. Anruf auf Festnetz nur Anrufbeantworter. Ich klopfte heftiger und es öffnet eine mir fremde Frau.
Sie behauptet in Rosenheim, Fürstätt 23, zu wohnen. Ich bin nun ganz irritiert und überprüfe anhand der mail meiner Bekannten die mitgeteilte Adresse. Auf dem Handy erreiche ich Sie. Sie bestätigt mir "Fürstätt 23" zu wohnen. Das behauptet die Frau vor mir auch. Ich bin nun ganz verwirrt und fürchte schon um meinen Schlafplatz und lasse die Frauen miteinander telefonieren. Führt auch zu keinem Ergebnis. Mach dann einen Treffpunkt bei der nahen Gaststätte aus und stell dann fest, dass die beiden Wohnungen gerade mal 500 m auseinander liegen und mir meine Bekannte die richtige Anschrift mitgeteilt hatte. Abendessen, Dusche und Nachtlager sind gesichert.
Nach dem Austausch über alte und aktuelle Zeiten bin ich froh ins Bett zu kommen, zumal auch die beiden Gastgeber früh wieder in die Arbeit müssen.


Tag 2 Rosenheim bis Mittersill

04.09.14; 123 km; 7:25 reine Fahrtzeit

Fast immer oben am Inndamm geradeaus Richtung Kufstein. Ständig Gegenwind und bei dem Nebel ein einheitlich unaufregendes Landschaftsbild. Eine innere Stimme meldet sich: ' warum tust du dir das an".

Eine einzelne Frau und später noch ein Frauenpaar kommen mit schwerbepackten Rädern entgegen. Bis auf einen weiteren am Alpe Adria und einem Paar in Slowenien sehe ich sonst keine weiteren Fernradler.
Kurz vor Kiefersfelden dann endlich ein Cafè. Gestärkt mit drei Rühreiern kann es weitergehen.
Durch das langsame Vorwärtskommen werden die Sinne geschärft. Aus einem Sägewerk riecht es angenehm nach frischem Holz, aus dem feuchten Wald manchmal muffig und faulig und aber auch nach blumigen Heu auf den sonnigen Wiesen.
Eigentlich wollte ich über St. Johann nach Kitzbühel. Ein einheimischer Biker empfiehlt mir das schöne Brixental.
Muss mich da mehrmals durchfragen. Ein Paar will mich gar nach Südtirol schicken. (Brixental hat aber mit Brixen nix zu tun)
Als ich endlich den versteckten Einstieg gefunden habe, bin ich froh, abseits der Autostrasse vorwärts zu kommen. Mittlerweile brennt auch die Sonne vom Himmel.
Mittagspause an einem Forellenteich. Die Strecke bietet nur einen heftigen Anstieg und dann läuft es zusammen mit vielen Tagesradlern nach Kitz. Ich falle da mit meinen Packtaschen auf und werde oft gefragt, wo es denn hingeht.
Ein Kirchdorfer begleitet mich extra die 10 km um Kitzbühel herum, damit ich nicht durch die Stadt fahren muss und den Einstieg in das Lenkental finde. Danke! Abseits der Bundesstraße geht es bis Jochberg, dann aber auf dieser mit einigen Wassernachfüllstopps zum Pass Thurn hinauf. Hinab kann im Fahrtwind die nass geschwitzte Kleidung wieder trocken.
In Mittersill frag ich im Fahradladen nach der Postbushaltestelle nach Lienz. Er schickt mich in die Stadtmitte. Dort steht allerdings, dass dieser Bus nur vom Bahnhof abfährt. Als ich dort eintreffe, ist der Bus gerade vor drei Minuten abgefahren. Es ist bereits kurz vor 18:00 Uhr und ich such mir ein Zimmer. Hotel Heinzmann ist das erste am Weg und hat auch noch ein Zimmer frei. Organisiert für mich auch das Radtaxi für den nächsten Tag durch den Felbertauern.


Tag 3-Mittersill nach Feistritz
05.09.14; 145 km; 7:18 reine Fahrtzeit

Die Nacht verbringe ich im 4 Sterne Hotel sehr unruhig. Der Lärm der Lkw's lässt mich nicht richtig zur Ruhe kommen. Zudem habe ich auch einen nervösen Magen.
Der Chefin drück ich noch mein Lob aus, dass ich das Zimmer vier Euro günstiger als über HRS bekommen habe. Da meinte sie, dass sie identische Preise wie im Internet hätten. Jedoch habe ihre Angestellte mir das Einzelzimmer zum Doppelzimmerpreis irrtümlich gegeben. Das werde Sie ihr allerdings vom Lohn abziehen, damit ihr so ein Fehler nicht mehr passiert. Ich wandte noch ein, dass ich dies nicht gut heißen kann, da das Mädchen sehr freundlich gewesen sei und bei mir bei 64 Euro eh die Schmerzgrenze erreicht ist, sonst hätt sie gar kein Zimmer vermietet.
Das Fahrradtaxi bringt mich hinter den Felbertauerntunnel. Es nieselt bei 11 Grad und die Straße ist nass. Also nichts mit flotter Abfahrt, sondern lieber bremsen. Ich bin froh um meine lange Hose und warme Softshelljacke. Nach Matrei folge ich der Isel und muss dan mal für eine Stunde auch die Regenjacke anziehen.
Unten in Lienz überquere ich die Drau und folge ihr, dem Radwegweiser 'Kärnten' folgend. Es bleibt feucht bis Oberdrauburg.
Unmittelbar vor dem Gailbergsattel halte ich an einer Imbissbude. Nachdem mich dort zwei Männer gefragt hatten, wo ich denn herkomme, empfehlen sie mir ein Laufhaus in der Nähe. Ich lehnte dankend ab mit dem Hinweis, dass ich meine Kraft jetzt für den Gailberg brauche. Dann kommt das Essen -auf Wegwerfplastiktellern und Plastikbesteck. Grausam! !!!
Oben am Sattel scheint dann die Sonne und so kann ich mir in Kötschach auf der Terasse noch einen Espresso gönnen, bevor ich den gemütlichen Radweg entlang der Gail unter die Räder nehme. Kurz vor Hermagor ist der Radweg durch Hinweisschilder aufgrund Hochwasserschäden gesperrt. Ich müsste jetzt wieder zwei km zurück auf die Hauptstraße. Da hab ich keinen Bock zu und fahr langsam über die weggespülte Asphaltdecke über Steinbrocken. Glück gehabt.
In Hermagor wird mir dann erzählt, dass ab hier der Radweg nach Feistritz auch wegen Hochwasser gesperrt sei und ich besser auf der Bundesstraße bleiben sollte. Auf meine Frage, wie weit es denn noch bis Feistritz sei, bekam ich in einem Laden folgende Antworten von den Anwesenden:
-sehr weit, so mindestens 15 km
-mit dem Auto brauch ich 20 Minuten
-keine Ahnung.
Auch konnte mir dort keiner sagen, ob neben der Bundesstraße ein Radstreifen verläuft. Als rauf auf die mäßig befahrende Bundesstraße Richtung Villach. Nach 10 km treffe ich auf ein Polizeifahrzeug. Dort erhalte ich die Auskunft, dass der Radweg sehr wohl gesperrt sei, die Umleitung sei aber nicht sehr lang.
Ich also viele Höhenmeter wieder runter. Der Radweg ist mit Absperrgittern unüberwindbar abgeschottet. Eine Walkerin meint, die Umleitung sei doch sehr lang und beschreibt mir was kürzeres. Dazu muss ich das Rad allerdings über die Bahngleise tragen, wieder steil nach oben treten, um dann nach einer ebenso steilen Abfahrt die Sperre umfahren zu haben.
Nun ist es 17:00 Uhr und noch 10 km bis Feistritz. Leider ist dort dieses Wochenende das Harleytreffen und Pferdemarkt. Im einzigen Gasthof und Privatpension ist kein Zimmer frei. Eine nette Zimmerwirtin telefoniert eine viertel Stunde, bis Sie zwei Ortschaften weiter ein freies Bett findet. Dort gibt jedoch kein Restaurant. Also schnell noch in den Gasthof zum Essen. Such mir einen freien Tisch zwischen den vielen Lederjackentragenden Harleyfahrern und trau mich mal die Bemerkung in die Runde zu werfen, dass ich wegen deren Treffen kein Bett bekommen habe. Da wiegt ein Zwei-Meter-Hühne seinen Kopf zwischen den Schultern und meint, daß er alleine ein Doppelzimmer habe und er sich das noch überlegen könne, es zu teilen. Da ich ja schon woanders eingebucht bin, lehne ich dankend ab, esse mein Steak in der letzten Abendsonne und fahr dann noch die fünf km zu dem Bauernhof. Eine etwas schüchterne Frau mit aufgeweckten Enkelkindern führt mich dann in eine einfache Appartementwohnung.
Auf die Frage nach WLan kommt die erstaunte Gegenfrage:' Ja haben Sie denn einen Computer dabei?'
Die Nacht über regnet es wieder.

Tag 4-Feistritz an der Gail nach Palmanova
06.09.14; 132 km; 6:30 reine Fahrtzeit

Nach einem reichhaltigen Frühstück in Draschitz bekomme ich noch Äpfel, Birnen und Pfirsiche vom eigenen Garten als Proviant mit. Erfahre auch, dass die Kinder in Italien in den Kindergarten gehen und dort dreisprachig (Deutsch, Italienisch und Friaulisch) aufwachsen. So geht Europa.

Ein paar km bis zur italienischen Grenze. wo alles sehr verlassen wirkt. Viele geschlossene Gasthöfe und viele -zu verkaufen- Schilder an den Häusern.
Nach kurzem Aufstieg verläuft der Alpe Adria über der Landstraße durch bunten Herbstwald. Herbstzeitlose blühen auch schon reichlich. Ab und an ist ein Tunnel wegen Erdrutsch gesperrt, das heißt dann wieder runter auf die Straße und später wieder steil hoch. Die Luft ist noch feucht und nebelig, da bin ich dankbar, ein Zimmer gehabt zu haben, als ich einen anderen Tourenradler auf der nassen Wiese seine Sachen zusammen packen sehe.

Auf der alten Eisenbahnstrecke fahre ich ohne irgendwelche Lärmkulisse und bin ganz eins mit der Natur und mit mir. Es läuft einfach rund bis mich die Nähe zur Straße und der Lärm wieder aus dem inneren Gleichgewicht bringt.
Ab dem Skiliftparkplatz begleiten mich zwei E-Biker. Bergauf ziehen sie an mir vorbei, bergab und auf der Ebene bin ich vor Ihnen.
Nach einer schnellen Abfahrt, nach einer Kurve taucht plötzlich ein unbeleuchteter langer Tunnel auf. Ich hab ja meinen Lichtschalter, aber es bleibt stockdunkel. Unbeschadet komm doch drüben an und muss feststellen, dass ich meinen Rucksack über die Lenkertasche gehängt hatte und dieser nun den Scheinwerfer verdeckte.
Irgendwann ist die Idylle zu Ende und es geht auf der Landstraße, manchmal unter der Autobahn gen Udine.

Da überholt mich "MICHI" mit ihrem Hightech-Rennrad. Zumindest stand der Name so hinten auf Ihrer Radlhose.
Im Zentrum von Udine, wo nur noch spärlich Hinweisschilder stehen ist "MICHI" wieder vor mir. Ich frag sie:.'"Grado?'"und sie antwortet mit "Ja!"
Wie sich dann in der Unterhaltung herausstellt, meinte sie mit ja, dass sie auch nach Grado will, aber dass auch den Weg momentan nicht weiß. Sie sei am Morgen in Klagenfurth gestartet und werde vom Papa in Grado abgeholt.
Mein Garmin meint 'links', und so fahr ich auch, "MICHI" fährt rechts. Am nächsten großen Kreisverkehr treffen wir wieder kurz zusammwn und dann verschwindet "MICHI", während ich in einem Café Pause mache. Ciao MICHI.

Trotz der gpx-Track-Daten von der offiziellen Alpe Adria Seite verläuft die Beschilderung nicht immer so, wie auf meinem Garmin angezeigt wird.
Oft bin auch von der Landschaft so gefesselt, dass ich Navi und Beschilderung einfach vergesse und mich dann neu orientieren muss.

Die Benutzung des Alpe Adria Weges auf der anderen Fella-Flussseite würde sich wegen des grobkiesseligen Weges nicht lohnen, wird mir berichtet. Es hat mittlerweile 27 Grad und es zieht sich Richtung Grado durch die Vorstädte von Udine. Danach geht es wieder durch landwirtschaftlich genutze Felder bis vor das Stadttor von Palmanova. Beeindruckend!
Hinter dem Tor laufen viele historisch gekleidete Menschen umher und die Straßen sind mit Bierzeltgarnituren zugestellt. Eine einheimische Radlerin bringt mich an eine Pizzeria mit Zimmervermietung. Mein Rad wird 100 m weiter zwischen Tomatendosen und Mehlsäcken eingesperrt. Das Zimmer für 35 Euro ist o.k. und bei den Temperaturen kann ich endlich mal die Radlersachen rauswaschen. Während die Icebreaker-Kleidungstücke nach vier Tagen noch nicht muffeln, bleibt mir bei den Synthetikteilen doch die Luft weg.

Auf dem Zimmer steht eine Schale mit eingeschweißtem Zwieback, Portionsmarmelade und O-Saft Tetrapack. Auf dem Flur eine Kaffeekapselmaschine. Das wär das Frühstück zum Selbermachen gewesen. Nur ist die Maschine kaputt, das Wasser sammelt sich am Boden und so tausch ich gerne dieses "leckere" Frühstück gegen ein gratis Feierabendbier.

Ich schau mir dann die mittelalterlichen Spiele und ausgestellten Werkzeuge an, als plötzlich neben mir jemand einen Schuss aus einem Vorder- oder Hinterladergewehr in der Altstadtgasse abgiebt. Ich habe das Gefühl, mir zerreißt es das Trommelfell und seh Sterne innerlich explodieren. Das Trommelfell ist Gott sei Dank nicht geplatzt, aber noch ein paar Täge später hab ich ein leicht taubes Gefühl.

Was hier jedoch wie die Faust aufs Auge passt ist, dass mittelalterlich gekleidete Leute das Essen und Trinken aus Plastikwegwerfgeschirr servieren. Da dreht sich mir der Magen um und ich bin froh, bei meiner Zimmer-Pizzeria bestens gespeist zu haben.


Tag 5 Palmanova bis Brtonigla
07.09.14; 131 km; 7:29 reine Fahrtzeit

07:30 Uhr war mit der Zimmervermieterin ausgemacht, dass Sie mir die Fahrradgarage aufsperrt. Da hatte sie schon tief Luft geholt und 09:00 Uhr aushandeln wollen. Aber für mich wollte Sie den Wecker stellen.
Ich warte um 07:30 h und will schon anrufen, aber mein Handy meldet mal wieder mal:" keine Sim". Bis ich die Sim wieder neu einlege, rollt ein Lieferwagen an und ein Mann steigt bei der Pizzeria aus. Meine Frage, ob er dazu gehöre, bejaht er und schlürft mit mir die 100 m bis zu meinem Fahrradraum. Endlich kann es losgehen.
Auf dem Alpe Adria Radweg verlasse ich Palmanova durch eins der vielen Stadttore und richte mich später in Cervignano nach der Wegweisung Triest.
Die Entfernungsangabe schrumpft zunächst von 40 auf 33 km, um zwei km weiter wieder auf 40 anzusteigen. Zudem bläst der Ostwind genau von vorn.
Je näher an Triest, desto mehr Radler sind unterwegs.
Ich schwimme im Verkehrsstrom der Autos immer am Meer entlang mit. Passiere den Hafen mit der "Aida" und folge den Wegweisern 'Slowenien'. Dann taucht auch ein Schild 'Parenzana' auf. Es geht wieder mal bergauf. Das nächste Schild weist nun steil hinab über mehrere Treppenstufen. Ich frage da lieber oben in der Bar nach und man schickt mich links entgegen der Einbahnstraße. Am Ende der Einbahnstraße schickt man mich wieder zurück und nur aus dieser Richtung sieht man dann auch den Parenzana Wegweiser. Dieser führt genau unter den Treppenstufen vorbei.
Ich lebe heute untertags vom Obst aus Feistritz und das ist bei der Hitze genau das richtige, zumal abends ja die Konoba Pjero in Momjan wartet.
Aus 'Parenzana' wird in Slowenien dann der 'D-8'. Er ist am Sonntag bei schönem Wetter gut frequentiert, nicht nur von. Radfahrern, sondern auch von Mopedfahrern, die in den Tunneln für entsprechenden Sound sorgen.
Ab Koper kann ich fünf km diekt am Meer fahren. Der schmale Weg fordert bei jeder Menge Rad-Gegenverkehr und Skatern die ganze Aufmerksamkeit. Ab Izola fbegleitet mich ein Slowene bis Portoroz und durch den Camingplatz an den Salinen vorbei erreiche ich die kroatische Grenze. Da sich niemand für mich zu interessieren scheint, radle ich einfach weiter.
Die Weiterführung des "Parenzana" direkt an der Grenze lasse ich mal rechts liegen und heb mir den für einen anderen Urlaub auf.
Es geht noch zwei km gut bergauf. Ich könnte es mir ja da oben leicht machen und rechts hinunter zur Küste fahren. Ich gönne mir noch den Aufstieg nach Kastel, die tolle Sicht von Oben und die Nebenstraße nach Momjan.
Perlendes kaltes Wasser löscht den Durst und eine Portion Nocchi mit Wildgulasch stillt den ersten Huger in der Konoba Pjetro. Malvasia und Fuzi mit frischen Trüffeln sind der Gaumenschmeichler.
Dann noch schnell zur San Servolo Brauerei und ein kühles naturtrübes Helles in die Lenkertasche und rasant über Buje und Brtonigla zur Marmorgrotte abbiegen. Noch 30 Minuten bis Sonnenuntergang, den ich auf den Steinstufen sitzend mit dem köstlichen Bier bestaunen kann.
Fließend Wasse ist reichlich da und auf einer Holzbank mit Isomatte und Schlafsack liegt es sich wunderbar für eine ruhige Nacht im Vollmond.

Tag 6-Brtonigla bis Funtana
08.09.14; 31 km; 1:46 reine Fahrtzeit

Genau vor meinem Schlafplatz sehe ich den Vollmond als große Scheibe untergehen. Exakt an gleicher Stelle wie zehn Stunden zuvor die Sonne.
Erholt und berührt packe ich Isomatte und Schlafsack zusammen und freu mich schon auf Croissants und Espresso bei Rossa am Markt in Porec.

Und wer wartet schon in Novigrad? Natürlich wieder mein Gegenwind.
Vorher will noch die Steigung nach Tar genommen werden.
Ich entscheide mich nach Ulica abzubiegen und von dort Porec anzufahren um dem Morgenverkehr zu entfliehen. Nach dem Frühstück geht es am Meer entlang die letzten acht km nach Funtana zum Campingplatz Istra.
Ich erklärte der Dame an der Rezeption, dass ich mit dem Fahrrad da bin und nur einen Platz für mich mein Zelt brauche.
Da fragt sie mich, ob ich Strom brauche und ob ich einen Hund dabei habe. Ja geht's noch.
Jetzt aber nix wie zum Strand, das Rad an einen Baum und ab in's Meer.
Nach einer Nacht im Zelt (ähnlich groß einer Hundehütte) nehme ich am nächsten Tag aufgrund der Wettervorhesage doch ein Zimmer bei Konoba Bare, was wegen dem Starkregen genau die richtige Entscheidung war. Zumal das Camp für eine Nacht 93 Kuna wollte und das Zimmer mit Frühstück bei Bare nur 20 € kostete.

Abschließend kann ich feststellen, dass ich auf lauter nette hilfsbereite Menschen traf. Einsam fühlte ich mich selten und wenn ich nicht mit Anderen im Gespräch war, es genügend innere Stimmen gab. Wenn die eine meinte, es sei Zeit zum Pause machen, erinnerte mich eine andere an das zu erreichende Ziel und drängte zum Weiterfahren. An mir war es dann nachzuforschen und zu entscheiden, was nun mein wirkliches Bedürfnis war und mir wurde immer bewusster, wie wertvoll die Stille ist und wie fremd und unästetisch die Liftanlagen in den Bergen und das ganze Plastik-Disneyland Zeugs in Porec ist. Wie harmonisch und zufrieden ein stiller Weg an Wald, Feld und Fluss machen kann. Da konnte ich wahrsten Sinne des Wortes "Glück erfahren'" Und wenn ich mich auf die Wetterprognosen bei der Abfahrt verlassen hätte, wäre ich gar nicht erst losgefahren.

Die Rückreise sollte.bequem erfolgen.
Tofalan Reisedienst fährt trotz Werbung im Internet um diese Zeit nicht mehr.
Eurolines nimmt keine Fahrräder mit. Auch unser ortsansässiger Busunternehmer hätte mich nur ohne Rad mtgenommen.
Nach stundenlangem Suchen im Internet finde ich Müller-Reisen aus BW , der fährt direkt aus Funtana weg und nimmt uns beide für 95 € bis Augsburg mit.
Für das nächste Mal kann die Rückfahrt besser geplant werden, wenn nämlich die Reisebusse Ihre erste Touri-Fracht ans Meer abliefern, fahren Sie leer zurück und haben jede Menge Platz für die Räder.

Bilder zur Reise und den Mobility-Bericht mit Photos auf http://de.mobilytrip.com/journals/dL3NNh9q5RisVmZfqDm6w5pNV
Track auf pgsies: http://www.gpsies.com/mapOnly.do?fileId=ouzzifkkqpmnpmyp&isFullScreenLeave=true
 
Zuletzt bearbeitet:
M

Michael

Guest
#3
Hallo,
ich bewundere dich und deine Leistung und danke dir, dass du uns an deiner Reise und diesem Abenteuer (obwohl das in deiner Schilderung eigentlich gar nicht so dargestellt ist) hast teilhaben lassen!
LG
Michael
 

berno

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#4
Ich zolle dir sehr grossen Respekt und sage nur grandiose Leistung für mich.

Berthold
 
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