Istrien: Wanderung vom Rasa Kanal nach Rakalj

claus-juergen

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Im letzten Jahr habe ich euch rätselhafte Ruinen im Rasa Kanal an Istriens Ostküste vorgestellt.

http://www.adriaforum.com/kroatien/threads/rätselhafte-ruinen-in-rasa-kanal-ein-bildbericht.74961/

Auch wenn ich bisher nicht herausfinden konnte, welche Bedeutung diese Gebäude früher einmal hatten, mußte ich mir diese alten Steine noch einmal ansehen. Ich vermutete seinerzeit, daß der Pfad, der durchs Gestrüpp verläuft, direkt nach Rakalj oben auf dem Berg führen mußte. Was lag also näher, als erneut über Hrboki und Rebici zu diesem Strand im Rasa Kanal zu fahren, einen Rucksack mit etwas Proviant und Getränken umzuhängen und den im unteren Bereich ziemlich überwucherten Weg entlangzugehen um herauszufinden, wohin der Weg führt.
Um es gleich vorweg zu nehmen. Auf dem Weg gelangt man tatsächlich nach Rakalj. Wir stellten also den Pkw am Strand, von Einheimischen nur Blaz genannt, ab und marschierten durch das frühsommerliche Grün zu den Ruinen.

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Schön, was da im Mai so alles am Wegesrand blüht.

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Bereits nach 10 Minuten haben wir die eingewachsenen Ruinen erreicht.

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Die im Herbst als vermeintliche Höhle identifizierte Öffnung im Fels entpuppte sich nun als munter sprudelnde Quelle, aus welcher ein veritabler Bach ins nahegelegene Meer mündet. An ein Erkunden des Stollens war nun nicht mehr zu denken.

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Auch die anderen Rinnsale oder Gräben waren nun mit Süßwasser gefüllt, welches in die nahe Bucht rauschte.

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Hatten wir uns erst einmal auf einem Pfad durch das Schilf gekämpft, sahen wir die Ruinen erstmals von der anderen Seite.

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Dann folgten wir einem richtigen, wenn auch steilen geschotterten Weg nach oben.

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Beim Blick zurück erkennen wir Trget, links davon der Freihafen, den ich euch auch schon mal in einem Bericht vorgestellt habe, und der ehemalige Steinbruch direkt hinter dem Hafen. In der Mitte des Bildes lugt das Ucka-Massiv hinter dem Hügel hervor.

http://www.adriaforum.com/kroatien/threads/trget-freihafen-im-rasa-kanal-an-istriens-ostküste.72091/#post-711327

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In einem anderen Teil des Rasa-Kanals erkennen wir Fischkäfige für Aquakultur.

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Die Botaniker unter euch können mir sicher sagen, welchen Strauch ich da abgelichtet habe. Ich kenne die Pflanze nur vom Sehen.

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Der Fahrweg gabelt sich auf einer Kuppe. Hier muß man dem Hauptweg nach rechts folgen, da der Weg geradeaus im Nichts endet. Nach etwa einer Stunde Gehzeit sieht man östlich die Ortschaft Rakalj, welche man scheinbar nicht auf direktem und eigentlich kürzerem Weg erreichen kann, weil ein ursprüngliches naturbelassenes Tal dazwischen liegt. Unterhalb der Kirche erkennen wir eine große Steinfläche. Näheres hierzu später.

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Wo gibt es so schöne weiße Lilien noch wild wachsend am Wegesrand?

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Beim ersten bewohnten Haus außerhalb der Ortschaft wenden wir uns nach links und kommen an einzelnen neuen Häusern vorbei direkt auf die Teerstraße, die nach Rakalj führt. Links davon am Eingang zur Ortschaft sehen wir die etwa fußballfeldgroße Steinfläche.

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Eine Inschrift erklärt deren Bedeutung. Auch wenn man der Sprache nicht mächtig ist, kommt man zu der Erkenntnis, daß diese öffentliche Wasserauffangfläche mit riesiger Zisterne erst im Jahr 1954 gebaut wurde. Zuvor hat es anscheinend immer wieder Trockenperioden mit Wassermangel gegeben.

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Obwohl es mir bisher niemand erklärt hat, glaube ich, daß dieser für geländegängige Fahrzeuge und Traktoren befahrbare Weg, der von Rakalj bis runter zu den Ruinen führt, vor 1954 möglicherweise dazu gedient hat, Süßwasser zu schöpfen und ins Dorf zu bringen.
Vor einigen Jahren dürfte eine Fernwasserleitung gebaut oder irgendwo in der Nähe eine ergiebige Quelle gefunden worden sein, so daß sich das Wasserproblem für die gar nicht mal allzu kleine Ortschaft gelöst hat und die öffentliche Zisterne schon nach wenigen Jahren „überflüssig“ im wahrsten Sinne des Wortes wurde.
Erwähnen möchte ich hierbei noch, daß sich von Rakalj aus zugänglich am Südwesthang des Rasa Kanals ein Schotterwerk befindet. Hier wird Kalkstein abgebaut, zermahlen und auf Schiffe für den Export verladen. Auch für diese Anlage ist sicherlich eine große Menge Süßwasser erforderlich. Die Zugangsstraße zu diesem Steinbruch wurde in den vergangenen Jahren asphaltiert und so ausgebaut, daß sie von schweren LKW befahren werden kann.

In einer Ecke der Zisterne wächst heute ein wilder Kirschbaum, der an diesem Tag nicht nur Einheimische sondern auch uns mit seinen Früchten erfreute.

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Der Blick auf den Kanal ist von hier oben natürlich etwas anders als von unten. Insbesondere der Ucka fällt nun durch seine Höhe auf.

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Laut Auskunft von Einheimischen führt zwar direkt unterhalb der Zisterne ein Pfad auf den Weg zu den Ruinen. Dieser war jedoch so stark zugewachsen, daß wir den selben Weg wie zuvor auch schon am Herweg zurück gewählt haben.

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Irgendwo durch dieses Tal muß der zugewachsene Pfad führen.

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Eine Blindschleiche kreuzte meinen Weg. Mit der wollte ich natürlich sofort Bekanntschaft schließen. Sie war offensichtlich nicht so erpicht darauf, da sie nicht in die Hose, sondern auf meine Hand gesch…. hat. Dabei brauchte das Tier doch keine Angst vor mir zu haben. Ich wollte es mir nur einer genauen Betrachtung unterziehen und habe sie dann vorsichtig wieder auf den Boden gesetzt.

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Eigentlich hätt es sich jetzt angeboten, direkt ein erfrischendes Bad am einsamen Strand Blaz zu nehmen. Allerdings hatten wir verschwitzten Wanderer so gar keine Lust darauf, als wir sahen, wie trübe hier das Wasser war. Entweder liegt das am mangelnden Wasseraustausch aufgrund der Abgeschiedenheit vom offenen Meer oder daran, daß das naheliegende Schotterwerk Staub und Dreck ins Wasser emittiert oder vielleicht auch an der Verschmutzung durch die naheliegenden Muschelzuchten und Fischkäfige. Wir haben uns erst nach der Rückkehr nach Liznjan im Meer von dieser Wanderung nach Rakalj erfrischt.

Ich hoffe euch mit diesem Bericht neues aus Istrien nahegebracht zu haben. Vielleicht ist er euch eine Anregung, auch mal diese kleine Wanderung von ca. 2,5 Stunden Gehzeit hin und zurück zu unternehmen.

Jürgen
 

Hamlet

Oller Meckerpriem!
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Hallo Jürgen
ein toller Bericht aus einer interessanten Gegend von istrien, die sicher nicht Jeder kennt, aber jetzt einige neugierig gemacht wurden.
Danke
 
H

Harry1958

Guest
Danke für den Bericht Jürgen.
Interessante Gegend, die wir beide ja auch schon zusammen erkundet haben.

Gruß Harry
 

Neptun

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Interessanter Bericht!
Wir sind erst letztes Jahr in den "Fjord" Trget
reingefahren, vom Meer aus, und das, obwohl wir schon eine Ewigkeit mit Sv. Marina und Rabac verbunden sind :)
Danke nochmal!
 

Klenkes

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Wieder ein spannender Bericht der Lust auf Entdeckungen macht. Schön,dass du deine beiden Berichte verlinkt hast und uns nochmal darauf aufmerksam gemacht hast!
 

sesom

Mämber!
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Hallo,

ich habe den alten Bericht mal wieder ausgegraben, weil ich mir die Gegend kommende Woche nach gut 20 Jahren wieder einmal anschauen will. Die Ruinen selbst kenne ich noch nicht, aber in der Gegend war ich in den 90er Jahren schon mal.

Erwähnen möchte ich hierbei noch, daß sich von Rakalj aus zugänglich am Südwesthang des Rasa Kanals ein Schotterwerk befindet. Hier wird Kalkstein abgebaut, zermahlen und auf Schiffe für den Export verladen. Auch für diese Anlage ist sicherlich eine große Menge Süßwasser erforderlich. Die Zugangsstraße zu diesem Steinbruch wurde in den vergangenen Jahren asphaltiert und so ausgebaut, daß sie von schweren LKW befahren werden kann.

Dort unten am Steinbruch gibt es ebenfalls alte Ruinen, der Ort heisst wohl Stari Rakalj. Nichts besonderes, aber wenn man schon mal dort ist kann man sich das anschauen. Auf Google Maps gibt es auch einige Fotos: https://goo.gl/6UOvkp ...


Klaus
 

claus-juergen

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Eine etwas andere Tour ebenfalls am Rasa Kanal habe ich in diesem Frühsommer unternommen. Den Bericht dazu findet ihr hier:


grüsse

jürgen
 
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