In und um Pula - Teil 05 Die Festung am Hauptfriedhof

Huberlinger36

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#1
In unmittelbarer Nachbarschaft des Hauptfriedhofes in Pula steht eine verfallene Festung aus K.und K. Zeiten. Ich habe auf der Suche nach Einzelheiten schon etliche Stadtführer und Stadtpläne durchforstet. Leider erfolglos. Nicht einmal ihren Namen habe ich erfahren können.

Der mächtige Steinklotz liegt ca. 5 Gehminuten in östlicher Richtung vom Hauptfriedhof entfernt





Je näher man herankommt, desto imponierender wirken die Ausmaße









Ein paar hübsche Pflänzchen findet man auch.





Ein dunkler Durchgang führt in den Innenhof. Dort gibt es Zugänge zu vielen Räumen.










Gemütlich ist es nicht. Dennoch scheinen sich hier gelegentlich Menschen aufzuhalten









Über massive Wendeltreppen geht es nach oben.





Blick aus der oberen Etage in den Innenhof



Weiter geht es bis auf das ''Dach''. Hier kommt man heraus.



Imponierend der Blick in den Innenhof der Festung.













Die Sicht auf Pula ist auch nicht zu verachten.



Leider ist die Festung seit dem Frühjahr nicht mehr ohne weiteres zugänglich. Ein Gittertor versperrt den Zutritt.



Ein gut begehbarer Weg führt aussen um die Festung herum. Ein netter Spaziergang, der auch hübsche Ausblicke auf Pula bietet. Für den nun nur noch sehr eingeschränkt möglichen Blick in das Innere sollen meine Bilder entschädigen.

Es muss aber irgendwo einen Durchschlupf geben. Beim letzten Besuch habe ich an einer Schießscharte kurz Gesichter auftauchen sehen.

Die Lage / Erreichbarkeit der Festung soll der Ausschnitt aus GoogleEarth verdeutlichen.



Am oberen Bildrand befinden sich Getro und Pevec. Man kann an der dortigen Kreuzung den Berg hinauffahren und an der ersten Einmündung nach rechts in den Wald einbiegen. Dann kommt man direkt zum Parkplatz am Hauptfriedhof.

Gute Nacht allerseits!
Huberlinger36
 

Raimunde

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#2
diese Festung gehört, oder gehört zu einem Befestigungsring , es gab 12 Stück davon, welche Pula als es österr. Kriegshafen war, bewachte. Gut erhalten ist die Festung in Sikici, aber auch in Veruda. Teile davon gibt es auf Kamenjak, in Premantura (hinter der Mülldeponie), die Festung in Pula wo das Museum ist(auffahrt gegenüber von der Arena - auf die Schnelle fällt mir keine mehr ein!

Liebe Grüße von Raimunde

Die Bilder sind toll!!

(die festung in Sikici gehört Privaten Jugendlichen- irgend eine Org., die sie benützen und renovieren - in Pula war sie immer der Terffpunkt von Rockern und Ravern)
 

Hartmut

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#3
Danke für einen weiteren Teil über Pula. Deine Fotos lassen schöne Einblicke zu.

Wie immer mit viel Liebe zum Detail und zur Natur dargeboten.

Was kommt als Folge 6?
 

Filip

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#4
Hallo Huberlinger36,

danke für den Bericht. Ich muss zugeben, ich kannte die Festung bis vor Deinem Bericht gar nicht. Daher bin ich umso glücklicher, dass ich dank deines berichtes und deiner bilder mehr darüber erfahren konnten.

danke,
filip
 

Huberlinger36

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#5
Zitat von Hartmut:
Danke für einen weiteren Teil über Pula. Deine Fotos lassen schöne Einblicke zu.

Wie immer mit viel Liebe zum Detail und zur Natur dargeboten.

Was kommt als Folge 6?

Ich habe noch paar Braten in der Röhre. Mal sehen, was ich noch zusammenfummeln kann. Dauert alles seine Zeit....

Gute Nacht,
Huberlinger36
 

claus-juergen

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#6
hallo huberlinger36,

tolle bilder - toller bericht. trotz x-maliger urlaube in der gegend habe ich das ding auch noch nie wahrgenommen. muss ich mir unbedingt mal ansehen.

raimunde, ich nehme an, deine kenntnisse hat auch heinz. den werde ich mal nach details fragen.

grüsse

jürgen - noch 3 tage bis zum urlaub :D
 
F

Franto

Guest
#7
Hallo Huberlinger,

es handelt sich bei diesem Objekt um das Werk (Turmfort) San Giorgio einem der Bauten der ersten Bauphase zwischen 1850 und 1857 des (späteren, ab 1868) kuk Hauptkriegshafens Pola. Im Jahre 1869 war das Werk dann mit 17 (Vorderlader)Geschützen bestückt. Es wurde zur Jahrhundertwende aber desarmiert und diente bis in den 1. Weltkrieg hinein Magazinzwecken und für Mannschaftunterkünften.

Der Um- bzw. Ausbau zu einer starken Festung bzw. eines ganzen Land-Festungsgürtels um Pola, der von nördlich Barbariga ("Paravia-Gruppe") bis an die Ostküste Istriens bei Altura sich erstreckte, erfolgte vor allem in einer zweiten Bauphase in den Jahren nach 1880 mit einer Vielzahl von Umbauten bestandener aber auch dem Bau neuer Werke.

Für Interessenten: Erwin A. Grestenberger »Festung Pola«, Die Verteidigungsanlagen des k.(u.)k. Hauptkriegshafens 1823 - 1918, Neuer Wissenschaftlicher Verlag, Graz, 2003, ISBN 3-7083-0123-4. Die Verlagsanschrift ist Geidorfgürtel 20 A 8010 Graz. E-Mail office@nwv.at.

Der mir bekannte Autor war maßgeblich an der Revitalisierung der historischen Festung Verudella zu einem Museum (dort ist auch das Aquarium) beteiligt und ist ein exzellenter Kenner der alten k.(u.)k. Festungsbauten von Polen bis Südtirol.

Zur Erläuterung: Die Formulierung k.(u.)k. klingt vielleicht skurril, beschreibt aber die Habsburger-Monarchie: Von 1815 an bis 1867 wurden alle Reichsbehörden der zu Habsburg gehörigen "Königreiche und Länder" als kaierlich-königlich bezeichnet und mit k.k. abgekürzt.

Nach dem im Gefolge des verlorenen Kriegs gegen Preußen 1866 notwendig gewordenen "Ausgleichs" - de facte eine Staatstrennung - mit Ungarn bzw. dem ungarischen Reichstag wurden für die als "gemeinsame Angelegenheiten" beider "Reichhälften" verbliebenen Regierungsorgane: Außenministerium und kaiserlich und köngiglicher Hof, Reichsfinanzministerium und die "Bewaffnete Macht" (Armee) die Bezeichnung "kaiserlich und königlich" (k.u.k) eingeführt. Damit sollte das "königlich" Ungarische vom "kaiserlich" österrerichischen bewusst abgesetzt werden. In der ungarischen Reichshälfte hießen die Behörden königlich ungarisch", kgl.ung., Ungarisch kir.magy.

In der "österreichischen" Reichshälfte wurde im Reichsrat keine Einigung auf einen Staatsnamen erzielt und diese hieß bis 1918 "Die im Reichrathe vertretenen Königreiche und Länder". Die dafür zuständigen Regierungsstellen und Behörden und so weiter wurden mit "kaiserlich-königlich" (k.k.) bezeichnet, wobei sich dieses Königliche auf das Königreich Böhmen und Mähren, nicht aber auf Ungarn bezog. Erst 1915 wurde in der "östererichischen" Reichhälfte offiziell "Österreich" (wieder)als Staatsname eingeführt.

Kompliziert? Na es geht noch komplizierter: Neben der gemeinsamen k.u.k Armee stellten nach 1881 die beiden Staatsteile jeweils eigene Territorialstreitkräfte, "Landwehr" bzw. Honved genannt, auf. Diese firmierten dann als k.k. Landwehr bzw. kgl.ung. Honved in den Stabs- und Truppenbezeichnungen. Nur der Kaiser bzw. in Personalunin als König von Ungarn war beider Oberster Befehlshaber mit dem Reichskriegsministerium, während beide Staatsteile eigene Ministerien für Landesverteidigung bzw. das Honved-Ministerium unterhielten.
Der Begriff "Reichskriegsministerium" musste dann auf ungarisches Verlangen sogar 1913 abgeschafft werden und es blieb nur mehr das k.u.k Kriegsministerium.
Auch das Reichsfinanzministerium war nur insofern ein "Finanzministerium", als es die ihm von den Parlamenten der beiden Reichshälften für das Außenministerium und den kuk Hof sowie die gemeinsame kuk Armee bewilligten Mittel verwaltete aber keine eigene Steuererhebungskompetenz hatte.
 

tosca

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#8
Tolle Fotos Huberlinger, solche alten Gemäuer sind ganz nach meinem Geschmack! Und dann noch so super fotografiert - ein Genuss!
Äußerst schade, daß man da nicht mehr reindarf :cry:

Auch Raimundes und Frantos Ausführungen hierzu sind sehr interessant!


Vielen Dank an Euch :p
 

Huberlinger36

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#9
Danke Franto!
Super, dass sich immer jemand findet, der sich wirklich auskennt...
Huberlinger36
 

Hartmut

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#10
Super!

Der Reisebericht mausert sich zu einem Nachschlagebeitrag.


Diese kombinierten Informationen müssten jetzt nur noch im Reiseführer einfließen.
 
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