Eine Geschichte aus Dalmatien (Reisebericht Hvar & Mini-Kreuzfahrt)

Julia 35

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Ja genau,aber wenn es geht, nicht mehr soooooo lange,meine Bügelwäsche wartet:(
Bügeln? Heiko's Berichte haben bei mir Vorrang!
 
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Geli-Pe

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Vielen Dank Heiko fürs mitnehmen auf eure schöne Tour.
Ich habe jedes einzelne Kapitel verschlungen, da ich diese Gegend noch nicht kenne.
 
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regina64

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Ja genau,aber wenn es geht, nicht mehr soooooo lange,meine Bügelwäsche wartet:(
Bügeln? Heiko's Berichte haben bei mir Vorrang!
Lass die Wäsche einfach liegen! Er soll noch viel berichten! Der Winter ist doch so lang!
Freue mich auf weitere Berichte von Heiko!
Und denkt daran..... wir haben so viel Winter..... Zeit das alles zu lesen!
Ich freue mich auf noch mehr!
Heiko mach weiter!
Bring uns über die dunklen Monate :):):)
 

Heiko705

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Kapitel 14

08. Tag – Unterwegs auf abenteuerlichen Straßen (On the road again)
Samstag, der 09.09.2017:

Heute Morgen bin ich sehr früh aufgestanden, da ich bereits wach war. Mich stach einfach der Hafer. Außerdem wollte ich sehen, ob es meinem Auto gut ging. Also zog ich mich an, schnappte mir bereits unsere Rucksäcke und schlich mich aus unserer Kajüte, damit Christine weiterschlief. Es war ungefähr 05.00 Uhr. Ich lief quer durch die Altstadt. Keine Menschenseele war unterwegs. Ich kam sogar an der Konoba Kristian vorbei. An der kleinen Brücke zum Festland begegnete ich zwei kroatischen Frauen, die auf dem Weg zur Arbeit waren. Sonst war zu dieser frühen Stunde niemand unterwegs. Auf diese Weise bekam ich - wenn man so will - einen kleinen Einblick in den grauen Alltag der Einheimischen, nur dass ich glücklicherweise nicht dazu gehörte. Ich war ja im Urlaub. Ich kam nach Seget Donji, und nach insgesamt 20 Minuten war ich am Parkplatz. Zuerst war ich jedoch einer falschen Straße hinab gelaufen, die ähnlich aussah wie die Einfahrt zum Riva Tours - Parkplatz. Und da stand mein Auto, ganz in der Ecke; keine Kratzer, nur etwas nass in der frischen Morgenluft. Hoffentlich war er nicht krank geworden. Ich legte die Rucksäcke in den Kofferraum und traf erste Vorbereitungen. Das alte Smartphone kam wieder an die Scheibe, so dass es mir bald wieder den Weg geleiten mochte. Ich drehte den Schlüssel, und er war zuverlässig. Alles perfekt. Nun machte ich mich wieder auf den Rückweg. Als ich unser Schiff wieder betrat, war noch immer alles dunkel, doch in manchen Kabinen hörte man unsere Mitreisenden schon räumen.

Bald weckte ich Christine und packte die restlichen Sachen noch ein. Es war bereits halb sieben, und ich wartete darauf, unsere Sachen vor dem Schiff bereitstellen zu können, damit sie dann zum Auto transportiert werden konnten. Aber das ist eben so eine Sache mit der Pünktlichkeit in unserem geliebten Land. Um kurz vor sieben sah ich die Dame von Riva Tours an ihrem Stand auf der Promenade und ließ mir von ihr zeigen, wohin ich unsere Koffer stellen sollte. Dann kam jemand auf die Idee, dass wir noch ein Foto von der gesamten Truppe nebst Crew vor dem Schiff machen konnten. Gute Idee. Das funktionierte auch recht gut.

Zum Frühstück aßen wir dann noch ein letztes Mal miteinander. Im Anschluss rechnete ich eigentlich mit einer feierlichen, großen Verabschiedung, doch wir lösten uns einfach locker auf. Manche gingen bereits, und so schüttelte auch ich so Manchem noch die Hand. Dann war’s das.

Wir gingen den gleichen Weg, den ich bereits am frühen Morgen gegangen war. Ich sah Luisa und Fabian ein ganzes Stück vor uns. Am Auto angekommen, waren unsere Koffer natürlich noch nicht da, obwohl bereits etliche Gepäckstücke des Schiffs MS Orion auf dem Parkplatz standen. Die eigenen Koffer sind aber irgendwie meistens die letzten, die gebracht werden. Christian und Beate mit ihren Kindern waren dann die letzten unserer Gruppe, die wir von unserem Parkplatz abfahren sahen.

Der alte Mann verließ sein Schiff, das ihm für eine Woche ein Zuhause war. Er war nun frei zu tun, was immer ihm in den Sinn kam. Auf seinem Gesicht erschien ein breites Lächeln.

Dann fuhren wir. Noch war das Wetter nicht allzu gut. Mit offenem Verdeck konnte ich am heutigen Tag aber sowieso noch nicht fahren, da unter der Heckscheibe auch noch Einiges deponiert war, was das vollständige Herunterklappen des Daches verhinderte. Das war also erst ab dem nächsten Tag möglich. Endlich im eigenen Auto – was für ein Gefühl nach einer Woche Bootsreise. Wir verließen Trogir um ca. 08.00 Uhr, früher als gedacht. Das war gut. Vielleicht konnten wir so eine frühere Fähre in Drvenik, von wo aus wir nach Hvar übersetzen würden, erreichen. Ich hatte geplant, die 12.00 Uhr – Fähre zu nehmen. Um 10.30 Uhr sollte die Fähre davor fahren – mal sehen; vielleicht. Über die E65 fuhren wir nach Süden bis nach Makarska, um von dort die Magistrale zu fahren. Es regnete leicht. Wir fuhren durch Tučepi, Podgora und Igrane, und von Weitem sah ich bereits eine Fähre hinten auf das Festland zusteuern. Das würde dann die unsere sein, sollten wir sie bekommen. Drvenik selbst ist ein sehr kleiner Ort ohne nennenswerte Sehenswürdigkeiten. Ich parkte vor dem Tickethäuschen und zahlte die Tickets. Die Dame sagte mir bereits, dass es sein konnte, dass wir auf die Fähre nicht mehr draufpassen würden. Das sei aber kein Problem, denn um 11.00 Uhr sollte direkt danach eine Zusatzfähre eingesetzt werden. Man fährt dann am Anleger eine kleine Schleife und kommt in entgegengesetzter Richtung in der Reihe zum Stehen. Jetzt würde es gleich losgehen. Ich war in hoher Erwartung. Mann stellt das Auto ab und wartet daneben gut gelaunt am Wasser. Die Fähre legte an, und nachdem die Ankommenden hinausgefahren waren, setzte sich unsere Reihe in Bewegung. Ich hatte etwas Hoffnung, doch dann war ca. 7-8 Autos vor uns Schluss. Egal, die andere Fähre kam hinten bereits.

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Die Fähre kommt

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Vor Sućuraj

Ich hatte mir etwas Sorgen gemacht, ob mein etwas tieferer MX-5 Probleme beim Auffahren auf die Fähre bekommen würde, doch wir setzten nicht auf. Dafür setzten wir über – und zwar bei leichtem Regen und Wind nach Hvar. Der zweite Teil unseres Urlaubs sollte beginnen. Nach 35 Minuten kommt man in Sućuraj an, und auch bei der Ausfahrt ging es mit dem Auto ohne Probleme.

Wir waren auf Hvar. Unglaublich. Wir verließen Sućuraj und kamen auf die schmale, an den Seiten ungesicherte Inselhauptstraße nach Westen. Ich kann kaum beschreiben, was das für ein Gefühl war. Eine Woche lang waren wir auf dem Schiff und abhängig davon, wohin der Kapitän fuhr, wann wir wieder weiterfahren wollten und bis auf die Angelegenheit mit dem Motorroller ohne Fahrzeug. Und nun konnte ich auf dieser kurvigen, abenteuerlichen Inselstraße auf Hvar umherdüsen – wohin wir wollten. Es war ein Gefühl von Freiheit – auch mit Verdeck. Ich gab Gas. Hin und wieder hielt ich einfach rechts an, dort, auf einer Geraden, wo wir von eventuell entgegen kommenden Fahrzeugen leicht gesehen werden konnten, um Fotos zu machen. Mir doch egal, was Andere denken. Wenige Kilometer hinter Sućuraj liegt die tolle Mlaska-Bucht unten an der Küste. Das musste ich fotografieren. Dann kamen wir in ein Gebiet, in dem man nur verkohlte Bäume, Sträucher und Hänge sah. Hier hatte es im Sommer gebrannt. Auch das musste ich erst einmal fotografieren.

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Mlaska-Bucht

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Im verbrannten Gebiet 1

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Im verbrannten Gebiet 2

Dass es Urlaubern, die mit Gespann unterwegs sind, auf der Inselhauptstraße hier im Osten manchmal mulmig wird, kann ich verstehen. Die Straße ist nicht sehr breit, kurvig und an der Seite fehlt die Leitplanke, obwohl es neben der Straße öfters senkrecht nach unten geht. Mir machte es Spaß. Zuerst wollte ich mir das kleine Pokrivenik anschauen und in der gleichnamigen Bucht baden. Also fuhren wir hinter Gdinj rechts ab und einer sehr engen Straße hinab. Hinter uns tauchte ein anderer Wagen auf.

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Das süße Pokrivenik 1

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Das süße Pokrivenik 2

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Das süße Pokrivenik 3

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Das süße Pokrivenik 4

Wir parkten unten in dem kleinen Dorf am Wasser. Auch der andere Wagen wurde hier geparkt. Ich staunte nicht schlecht, als ich auf das Kennzeichen sah. Dort stand „KS“, genau wie an unserem Gefährt. „Ganz schöner Zufall, oder?“, sprach ich das andere Pärchen an. „Das haben wir uns eben auch gedacht“, sagten sie. Pokrivenik besteht lediglich aus ca. 10 Häusern, die an der kleinen, sehr hübschen Bucht liegen. Das pittoreske Dorf ist durchaus sehenswert, und vor allem die Bucht ist sehr idyllisch. Die anderen Kasseler setzten sich auf die Felsen und packten ihr mitgebrachtes Essen aus. Die Uvala Pokrivenik ist nicht weit entfernt, doch ist ein direkter Zugang vom Dorf unmöglich. Man muss einen Umweg von 13 Kilometern in Kauf nehmen, um dorthin zu gelangen. Wir fuhren also zurück auf die Hauptstraße und bei der nächsten Gelegenheit wieder rechts ab. Allerdings ist man schon fast in Zastražišće, bis diese nächste Abbiegung kommt. Man fährt dann in eine tiefe Bucht hinab, die Felsen ragen immer höher neben dem Weg in die Höhe. Hier unten ist sogar ein kleiner Campingplatz. Zwei kleine Esel schauten uns von einer umzäunten Wiese aus an. Man konnte sie von weitem riechen.

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Esel in der Uvala Pokrivenik

Als ich die Bucht sah, war ich komplett sprachlos. Ich habe selten so was Idyllisches gesehen. Die Bucht lädt einen nicht zum Verweilen ein, sie zwingt einen. 3-4 Häuser stehen am Wasser an der Buchtseite. Wir hatten diese herrliche Bucht fast für uns allein. Der Himmel war bewölkt, und so waren lediglich zwei andere Besucher hier. Riesige Felsen ragen zu beiden Seiten der leicht gebogenen Bucht auf. Wir blieben hier viel länger als geplant. Es ging nicht anders. Und dann verzogen sich alle Wolken, und es wurde richtig warm. Es war unglaublich entspannend, hier zu liegen, die Augen zu schließen und dem Rauschen des Wassers zu lauschen. Am Ende waren um die 10 Personen hier, angelockt durch das schöne Wetter. Wir sonnten uns und badeten. Zum ersten Mal ging sogar Christine mit ins Wasser. Diese Bucht gehört zweifellos zu den schönsten Buchten, die ich in Kroatien kenne.

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Die herrliche Bucht Pokrivenik 1

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Die herrliche Bucht Pokrivenik 2

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Die herrliche Bucht Pokrivenik 3

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Bucht Pokrivenik - Großansicht 1

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Bucht Pokrivenik - Großansicht 2

Irgendwann rissen wir uns los und fuhren den Berg wieder hinauf. Ungefähr auf Höhe der Ortschaft Poljica beginnt der besser ausgebaute Teil der Hauptstraße; von hier bis nach Hvar ist sie eine moderne, breite Straße.

Nun begann der zweite Teil unserer Erkundung Stari Grads. Wir parkten am Hafen. Da ich bemerkt hatte, dass unsere Barschaft nicht ausreichen würde, hob ich am Geldautomat noch 2.000 Kuna ab und wählte die spätere Umrechnung durch meine eigene Bank. Später staunte ich, als ich auf dem Kontoauszug den Umrechnungskurs 7,43 las. Und nun habe ich entschieden, in künftigen Urlauben immer auf diese Art und Weise vorzugehen. Schluss mit der Suche nach einer Wechselstube, die einen fairen Kurs bietet. Das ist Verschwendung von Zeit, Geld und Nerven. Am Trg Tvrdalj spielte eine Rockband. Wir besuchten die Crkva Sv. Stjepan mit ihrem freistehenden Glockenturm. Ein paar Gassen dahinter steht die im romanisch-gotischen Stil erbaute, schöne Kirche Sv. Ivan. Teile der Kirche bestehen aus der ehemaligen griechischen Stadtmauer. Am sehenswerten Trg Škor stehen herrliche alte Gebäude. Die Steine am Boden sind in Kreisen angeordnet. Im Anschluss besuchten wir den Music Room Paiz. Hier finden sich Kuriositäten aus Vinyl, wie aus Langspielplatten angefertigte Uhren. Die Frisuren mancher Popstars an den Wänden werden durch Langspielplatten dargestellt. Die Kissen auf dem Sofa sind in LP-Form. Die Lampen bestehen ebenfalls aus Plattenteilen. Und der Besitzer verkauft hier wirklich Musik. Ich hatte schon gedacht, das Ganze diene lediglich als eine Art Museum.

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Das zauberhafte Stari Grad 1

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Das zauberhafte Stari Grad 2

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Trg Škor 1

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Crkva Sv. Stjepan

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Freistehender Glockenturm

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Kirche Sv. Ivan

Nun entschieden wir uns, ein kleines Päuschen einzulegen, und ich aß Ćevapčići mit Pommes. Normalerweise stehe ich nicht unbedingt auf Schwarzbier, da es mir im Allgemeinen zu bitter schmeckt, doch nun wollte ich mal ein Tomislav probieren. Doch ich stellte fest, dass es unter den Schwarzbieren keine Ausnahme darstellt. Beim Entlangschlendern am Hafen kamen wir auch an der Neptun-Bar vorbei, und ich sah Brigita, doch sie hatte mich nicht bemerkt. Unsere Erkundung von Stari Grad war komplett.

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Ćevapčići

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Das zauberhafte Stari Grad 3

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Trg Škor 2

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Das zauberhafte Stari Grad 4

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Das zauberhafte Stari Grad 5

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Typisches Wäschebild

Die Inselhauptstraße von Stari Grad nach Hvar beschreibt kurz hinter Stari Grad eine langgezogene Linkskurve. Hier fährt man durch einen neuen, großen Tunnel. Ist man hindurch, ist man an der Südküste angelangt. Hier biegt ein Schotterweg ab, welcher hier unten die einzige Möglichkeit ist, nach Sv. Nedjelja hinüberzukommen. Für den nächsten Tag hatte ich geplant, hier entlangzufahren, obwohl ich mir natürlich wegen meines Mazdas Sorgen machte. Hoffentlich würden wir nicht zu oft aufsetzen. Ich hatte auf Youtube Videos von hier entlangfahrenden Urlaubern gesehen und war der Meinung, dass der Weg relativ eben ist und ich ihn langsam fahren können müsste. Vor allem wollte ich das unbedingt, da wir nach Sv. Nedjelja wollten, ich den Umweg über Stari Grad und Pitve nicht fahren wollte und ich es mir auch fantastisch vorstellte, diesen alten Weg direkt über dem Meer entlangzufahren. Der Weg sollte aber gesperrt sein, da an ihm gearbeitet würde, und nun wollte ich feststellen, ob ich dennoch hineinfahren konnte. Auch wollte ich an einem Sonntag hindurch fahren, so dass ich keine Bauarbeiter stören würde. Das würde funktionieren, wie ich sah. An dem Verbotsschild würde ich locker vorbeipassen. Die Fahrt nach Hvar an der Küste entlang gestaltete sich als angenehm; hier kann man auch einmal etwas schneller fahren.

Ich war auf unseren Vermieter Petar in Hvar gespannt. Am Telefon wirkte er sympathisch, und um 19.30 Uhr wollten wir ankommen. Unser Ziel war die Straße Ivana Buzolića. Da ich mir die Umgebung des Hauses bereits auf Google Street View angeschaut hatte, wusste ich, dass es nicht leicht zu finden war und wir das Haus über die Straße Duška Roića anfahren mussten. Dennoch fand ich es nicht. Ich wusste, wo das Haus lag, fand aber nicht die richtige Straße, um mit dem Auto hinzukommen. Um 19.30 Uhr stellte ich das Auto ab und lief zu Fuß zum Haus, damit wir pünktlich ankommen würden. Petar war nicht zu Hause, lediglich die Frau und die Tochter. Also verschoben wir sämtliche organisatorischen Dinge auf den nächsten Tag, und ich bekam einfach den Schlüssel zu unserem Apartment A-6. Aus ihren Erklärungen, wie ich mit dem Auto an das Haus ranfahren konnte, wurde ich nicht schlau, doch im Anschluss schafften wir es. Angeblich sollte es falsch sein, über die Straße Duška Roića zu fahren, doch so funktionierte es.

Das Apartment war fantastisch. Es war sauber und modern eingerichtet. Der kleine Küchenteil war durch eine halbhohe Mauer abgetrennt. Das Bad war ansprechend und die Vorhänge an den Fenstern, ebenso wie das Bett, lila. Das Doppelbett war groß und ordentlich. Perfekt. Vom Balkon würden wir beim Frühstück einen schönen Meerblick haben. Christine blieb erst einmal hier, und ich machte mich auf, um einzukaufen. Die Koffer konnte ich später noch aus dem Auto holen. Ich ging zu Fuß, was sich später als großer Fehler herauskristallisieren sollte. Mein Ziel war der Konzum-Markt im Stadtteil Lučica. Er liegt hinter einem Sportplatz. Das Ganze war ja nicht weit entfernt; das sollte ich doch mal eben zu Fuß erledigen können. Ich fand ziemlich gut durch verschiedene Straßen an das Wasser hinab und kam am Franziskanerkloster vorbei, das ich mir in den folgenden Tagen noch anschauen wollte. Nach 15 Minuten war ich dort und kaufte Getränke und Zutaten für’s Frühstück. Eine Flasche Babić – Rotwein für zuhause und ein einfacher Roter für die Abende mussten auch noch mit. Nun hatte ich 4 große, schwere Einkaufstüten, und der Rückmarsch bis nach Hause die Berge hinauf war eine Tortur. Mehrmals musste ich die Tüten abstellen. Ich war nassgeschwitzt.

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Die Ferienwohnung 1

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Die Ferienwohnung 2

Nachdem ich irgendwann doch unser Domizil erreicht hatte, machten wir uns auf. Das Letzte auf dem heutigen Programm sollte das Abendessen in der Konoba Lungo Mare sein. Da die Konoba ebenfalls in der Nähe des Sportplatzes war, auf dem einheimische Kinder im Dunkeln kickten, gingen wir wieder zu Fuß. Die Konoba liegt etwas abseits der Touristenpfade, deutlich vom Wasser entfernt. Auf Trip Advisor hat sie einen der vorderen Plätze in Hvar. Mir gefielen die unter der Decke gespannten Fischernetze, in denen sich Muscheln befanden. Als Vorspeise wählten wir mit Käse überbackenen Camembert. Dieser war nichts Besonderes und kann eigentlich in der gleichen Form auch im Supermarkt gekauft werden. Ich bekam ein Glas roten Hauswein. Christine wählte natürlich Spaghetti und ich das speziell nach Art des Hauses gewürzte Lamm mit Kroketten und gegrilltem Gemüse. Die Mahlzeit kam spät und war eher klein. Sage und schreibe 2 Kroketten lagen neben den Fleischstücken, unter denen ein ganzer Berg unnützer Auberginenscheiben zu finden war. Die spezielle Würzung nach Art des Hauses bedeutete leider, dass der tolle Lammgeschmack, den ich so liebe, überhaupt nicht mehr vorhanden war. Drücken wir es mal so aus: Noch einmal müsste ich nicht unbedingt diese Lokalität aufsuchen.

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Das relativ geschmacklose Lamm

Wieder zu Hause räumte ich fast noch den gesamten Inhalt unserer Koffer aus, und setzte mich am Ende mit Notebook und Wein auf unseren Balkon. Dies war also der erste Tag unseres Aufenthaltes auf Hvar.
 
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knurzelchen

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hob ich am Geldautomat noch 2.000 Kuna ab und wählte die spätere Umrechnung durch meine eigene Bank. Später staunte ich, als ich auf dem Kontoauszug den Umrechnungskurs 7,43 las. Und nun habe ich entschieden, in künftigen Urlauben immer auf diese Art und Weise vorzugehen. Schluss mit der Suche nach einer Wechselstube, die einen fairen Kurs bietet. Das ist Verschwendung von Zeit, Geld und Nerven.


Gute Entscheidung...... :)

Hallo Heiko,

vielen, vielen Dank für Deinen wunderbaren Urlaubsbericht. Er gehört zu meiner täglichen Pflichtlektüre.

Viele Grüße
Andrea
 

Pinizule

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Das Apartment war fantastisch.....Nun hatte ich 4 große, schwere Einkaufstüten......Die Mahlzeit kam spät und war eher klein
Du schreibst das so herrlich, man kann sich dich so richtig vorstellen. Das Apartment schaut sehr schön aus und dann noch mit Meerblick, Glückwunsch. Wenn der Konobar auch nur geahnt hätte wie du dich kurz zuvor abgerackert hast dann wäre die Portion bestimmt größer ausgefallen! Hättest du halt was zu ihm gesagt, Nachschub hätte es bestimmt gegeben.....zumind. sagte mir das eine Wirtin mal in Pula.
Der Strand ist wirklich traumhaft schön. Ich hätte mir allerdings seitlich einen Felsen zum reinspringen gesucht. Bin gespannt was ihr noch alles erlebt habt.
 

pedro55

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Das mit der Fähre in drvenik haben wir heuer genau so erlebt! Fünf Autos vor uns war Schluss! Mussten dann aber fast eine Stunde warten. Bei einem guten Espresso und Sonnenschein war das voll ein gelungener Ferienauftakt auf Hvar das mit der abenteuerlichen Straße am Anfang kann ich nur bestätigen. Wie sagte meine Partnerin? Wenn du da daneben fährst findet dich kein Mensch mehr!!!
 

Heiko705

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Kapitel 15

09. Tag – Rauer Wind & Roter Wein
Sonntag, der 10.09.2017:

Der neue Tag begann mit unserem Frühstück auf dem Balkon, und ich genoss die tolle Aussicht auf das Meer. Die Sonne kam raus, und es wurde sehr warm. Das Verdeck am Auto wurde geöffnet, und Petar, unser Vermieter kam hinaus. Er hatte eine ähnliche Haarpracht wie ich, also kahlgeschoren. Er erwies sich wirklich als sehr sympathisch und konnte sehr gut Deutsch. Er kannte sogar Kassel, da er bereits bei einem Freund in Göttingen war. Ich übergab ihm unsere Ausweise, die wir kurze Zeit später zurückbekamen. Dann gab er mir noch Tipps und empfahl die Konoba Menego, in der ich sowieso essen wollte. Auch Petar war der Meinung, dass ich den Schotterweg an der Südküste bei langsamer Fahrt bewältigen können sollte. Dann wollte er mich noch rauslotsen, da die Ausfahrt vom Hof nur durch mehrfaches Vor- und Zurücksetzen möglich war; ich sagte aber: „Ich schaffe das!“

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Ausblick beim Frühstücken

So fuhren wir die Inselhauptstraße, bis sie sich nach Norden neigt und man bald in den großen Tunnel fahren würde. Hier befindet sich auch die Bucht Dubovica, die eindeutig schönste Bucht der Insel. Hier würden wir sowieso noch hinkommen. An den Seiten der Straße stehen für gewöhnlich viele PKW’s der Inselbesucher, die dann weit hinab zur Bucht runterkraxeln müssen. Also fuhr ich auf den Schotterweg an dem Verbotsschild vorbei, und wir befuhren den abenteuerlichen Weg oberhalb des Meeres. Im westlichen Bereich ist der Weg verbreitert, und man sieht, dass daran gearbeitet wird, doch bald kommt man in den ursprünglichen Bereich. An einigen Stellen musste ich anhalten, um Fotos zu machen. Es ist herrlich hier auf diesem alten Weg. Er ist recht eben, doch einige große Steine erschweren das Befahren doch. Mehr als 10 km/h konnte ich nicht fahren, und dennoch setzten wir ca. 4 bis 5 mal auf dem Untergrund auf, so sehr ich auch aufpasste. Man hat natürlich immer Angst, dass was abreißt oder die Ölwanne demoliert wird, doch scheint nichts Schlimmes dabei passiert zu sein. Nach ca. 4 Kilometern kommt man an die süße Bucht Lučišća, auf die ich mich sehr gefreut hatte. Wir wollten von Sv. Nedjelja bis hoch zum Berg Sv. Nikola (628 m) wandern und wieder zurück. Nach dieser anstrengenden Wanderung hatte ich geplant, hier in dieser kleinen Bucht zu entspannen. Nach weiteren 2 Kilometern und einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir dann wirklich das Dorf Sv. Nedjelja. Ich freute mich riesig auf die asphaltierte Straße.

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Auf dem Weg nach Sv. Nedjelja 1

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Auf dem Weg nach Sv. Nedjelja 2

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Auf dem Weg nach Sv. Nedjelja 3

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Bucht Lučišća

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Auf dem Weg nach Sv. Nedjelja 4

Unten am Wasser befindet sich das Weingut des bekannten Winzers Zlatan Plenkovič. Man kann hier Wein verkosten und essen, doch leider öffnete die Lokalität erst um 11.00 Uhr und nicht, wie ich gelesen hatte, um 09.00 Uhr. Das bedeutete, dass wir zuerst einen Blick auf das Dorf werfen würden, unsere Wanderung machen würden und im Anschluss noch einmal zurückkehren mussten. Direkt am Wasser befindet sich ein kleiner, idyllischer Ort. Auf einem Felsen wurde ein ummauerter Platz zum Ausruhen mit zwei Sitzbänken unter einem schönen Baum geschaffen.

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Sitzbank am Meer

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Weingut Plenkovič

Der eigentliche Ort befindet sich etwas weiter den Hang hinauf. Wir parkten an der stattlichen Kirche. Ich staunte, da ich etliche, wirklich sehenswerte alte Steinhäuser vorfand. Man muss nur viele Hügel laufen in diesem Dorf. Ich wunderte mich, hier in diesem abgeschiedenen Ort einen Mini-Markt vorzufinden. Schöne Pflanzen wetteifern mit alten, roten Dächern.

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Eindrücke aus Sv. Nedjelja 1

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Eindrücke aus Sv. Nedjelja 2

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Eindrücke aus Sv. Nedjelja 3

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Eindrücke aus Sv. Nedjelja 4

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Eindrücke aus Sv. Nedjelja 5

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Hübsche Dorfkirche

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Eindrücke aus Sv. Nedjelja 6

Hier begannen wir mit unserer Wanderung. Im Dorf befinden sich bereits Wegweiser mit der Aufschrift Sv. Nikola. Im Zickzack wanderten wir die Weinfelder des Herrn Plenkovič hinauf. Ich konnte nicht widerstehen und musste einige der kleinen Beeren (wahrscheinlich heißen sie auch deshalb Plavac mali) probieren. Sie schmecken ausgesprochen süß. Viele Arbeiter waren mit der Lese beschäftigt und sammelten die Trauben in roten Kunststoffwannen. Langsam schrumpfte Sv. Nedjelja unter uns.

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Aufstieg 1

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Blick auf Sv. Nedjelja 1

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Weinlese

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Das Ergebnis der Arbeit

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Aufstieg 2

Anscheinend habe ich hier nicht genau auf den Weg geachtet, weil ich ihn vielleicht unterschätzt hab', denn die Höhle Gospe od Zdravlja, die erste Zwischenstation, ist ja bereits von Weitem zu sehen. Oder habe ich die Karte nicht richtig gelesen? Auf jeden Fall waren wir irgendwann bereits so hoch am Hügel links, dass mir auffiel, dass wir nicht mehr zur Höhle kommen würden. Das durfte natürlich nicht sein. Die Höhle musste eine ganz Besondere sein, darauf konnte man nicht verzichten. Also quer durch. Das Problem war aber, das quer durch bald nur noch großes Geröll lag - Steine an weiteren Steinen, von denen manche wegrutschten und dadurch gleich andere mitrissen. Man konnte hier durchaus erschlagen oder verschüttet werden. Christine hatte Angst und wollte umkehren. Ich hatte Angst, dass ihr was passiert. Aber wir mussten da jetzt durch. Was sagte ich eigentlich? Vielleicht "Sei vorsichtig! Mach ganz langsam und schau, auf was für einen Stein Du trittst. Halt Dich fest!" Einfach war das nicht. Manchmal geschah es einfach, dass das Geröll etwas zusammenrutschte, wenn man hindurchgehen wollte und ein kleiner Steinschlag ausgelöst wurde. Dann war es nicht mehr weit, und ich konnte bereits andere Wanderer auf dem Pfad vor der Höhle sehen. Dann waren wir oben. Die Höhle ist in der Tat ein "Must See". In ihr wurde eine kleine Kapelle erbaut. Hier herrscht eine ganz besondere Atmosphäre durch das alte Gestein, den festgetretenen Sand, eine Glocke und aufgestellte Kreuze. Man spürt, dass das eine oder andere Tier hier auch hinkommt, so fanden wir z.B. gerupfte Federn. Vielleicht nachts?

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Da ist sie!

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Höhle Gospe od Zdravlja mit Kapelle 1

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Höhle Gospe od Zdravlja mit Kapelle 2

Ich war nun so was von kaputt und geschwitzt, dass ich mein T-Shirt ausziehen musste. Außerdem würden wir zwischendurch heute nicht mehr zur Ferienwohnung kommen, und es musste auch für andere Anlässe noch halbwegs ordentlich aussehen, war aber komplett nass. Ich hatte auch noch eine Fleece-Jacke mit dabei, die ich umgebunden hatte. Hier steckte ich das T-Shirt durch, in der Hoffnung, dass es trocknen würde. Warm genug war es ja mittlerweile geworden.

Unterhalb der Höhle treffen zwei Wanderwege zusammen. Unser Weg war der nach Westen. Hier entlang wäre es etwas kürzer zum Gipfel, aber auch deutlich steiler. Auf dem Weg nach Osten ließ sich der Berg von seinem Rücken aus besteigen. Das würde ein sanfterer Anstieg, aber auch ein längerer sein. Wir arbeiteten uns nach Westen vor. Als Markierung hatte unser Weg den vielfach verwendeten roten Punkt. Auf diesen Geröllwanderungen in Karstgebiet sieht man aber auch vielfach an der Farbe der Steine, wo die meisten Menschen hergegangen waren. Direkt unterhalb der Felsen wanderten wir entlang. Vor uns war eine etwas rutschige Stelle zu überqueren, die rötliche Färbung des richtigen Weges führte geradeaus. Dann wurde der Weg zunehmend schwerer und schwerer; immer mehr musste man richtig klettern und sich zwischen Bäumen hindurch quetschen. Ich schaute auf mein Handy. Hm. Wir waren deutlich oberhalb des Weges. Zurück. Ein Pärchen kam uns entgegen und wollte ebenfalls diesen Weg gehen. Sie waren offenbar Polen, was ich meinte, an der Aussprache festzustellen. Ich konnte sie nicht davon überzeugen, dass man da vorn nicht mehr weiterkam und dieser Weg falsch war. Ts, sollten sie es doch versuchen. Ich fand heraus, dass es an der rutschigen Geröllstelle nicht geradeaus ging, sondern links hinunter. War man unten, war auch wieder eine rote Markierung dort. Von oben konnte man dies natürlich nicht sehen, weswegen wir uns hier verlaufen hatten.

Nun waren wir also wieder auf dem richtigen Weg. Wann wohl die Polen uns folgen würden? Die Dame hatte gut Deutsch verstanden, der Herr nicht. Sv. Nedjelja war richtig klein unter uns geworden. Es war sehr warm, und ohne die manchmal aufkommenden rauen Windstöße wäre mir diese Wanderung gar nicht möglich gewesen, denn diese waren erholsam, obwohl man sich in diesen Momenten hier oben auf dem Berg fast festhalten musste. Nun begannen wieder einige Serpentinen, und der Weg machte Spaß. 2-3 Wanderer überholten uns. Auch das (wahrscheinlich) polnische Ehepaar sah ich uns folgen, aber nicht einholen. Zum Glück hatten wir genug Mineralwasser dabei. Nach ca. 2 Stunden waren wir oben auf dem Plateau angelangt. Man glaubt gar nicht, wie herrlich die Landschaft hier oben wirkt - viele tolle, krumme Kiefern und mehr Trockensteinmauern, als man zählen kann.

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Aufstieg 3

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Aufstieg 4

Der alte Mann hatte seine morschen Knochen den kompletten Berg hinauf geschleppt. Bei dem Anblick dachte er: "So eine Aussicht auf das Meer hatte ich noch nie."

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Auf dem Plateau

Von hier muss man noch ein ganz schönes Stück bis auf den Gipfel des Sv. Nikola, dessen Kreuz man aber bereits sieht. Immer wieder stellte ich mich in den erholsamen Wind. Der Wanderweg führt an einer Konoba vorbei, die hier oben erschöpften Urlaubern Speis und Trank anbietet. Von hinten sah ich noch immer das Ehepaar. Ich war erschöpft und schlug Christine vor, zuerst zum Gipfelkreuz zu marschieren und im Anschluss, wenn wir wieder hier vorbeikommen würden, in der Konoba einzukehren, damit ich ein großes Bier trinken konnte.

Hinter der Konoba führt noch der letzte Anstieg zum Kreuz in Kurven einen geteerten Weg hinauf. Nach 3 Stunden waren wir am Gipfelkreuz. Die Aussicht entschädigt für alles. Zwei Jahre zuvor hatten wir den Vidova Gora (778 m) auf Brač erklommen, doch die Aussicht vom Sv. Nikola ist besser. Man fühlt sich wie ein Bergsteiger, da man wirklich auf einem schmalen Gipfelgrat steht, zu dessen beiden Seiten es steil und tief bergab geht. Man kann sehr weit über die Landschaft und Täler der Insel und bis Brač auf der einen Seite und ebenso weit über das Meer bis Korčula, Sušac oder Vis auf der anderen Seite schauen - unglaublich. Auch das Ehepaar, das uns mittlerweile fast vertraut vorkam, erreichte die Spitze. "Hatte ich also recht, dass es dort unten nicht weitergeht?", musste ich einfach loswerden. Sie grinste. Hinter dem Gipfelkreuz befindet sich eine weitere, kleine Felsspitze, auf welcher sich eine kleine Hütte befindet. Da musste ich auch hin. Dann sah ich, dass unser Ehepaar zusammen mit einem anderen Wanderer, der mit seinen Walking-Stöcken hier oben war, Fotos machte. Auch ich bat dann darum, dass sie uns doch fotografieren mochten, und sie erfüllten meinen Wunsch. Dann fragten sie uns, welchen Abstieg wir nehmen würden. Sie wollten den anderen Weg nach Osten zum Abstieg nutzen.

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Blick auf Sv. Nedjelja 2

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Blick zum Inselinneren mit Brač im Hintergrund

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Der schmale Gipfelgrat

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Blick zum Meer

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Das Gipfelkreuz 1

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Geschafft!

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Das Gipfelkreuz 2

Nach reiflicher Überlegung verzichtete ich auf mein Bier und überredete Christine auch, den hinteren Weg hinab zu nehmen. Erstens war dieser mit 5 Minuten weniger Wanderzeit angegeben, und andererseits war die Wanderung dadurch für uns wesentlich vielseitiger. Wir begannen mit dem Abstieg. Dieser Weg führte wirklich Richtung Inselinnerem hinter dem Berg ins Tal hinab. Er unterschied sich komplett von unserem Hinweg. Nur langsam ging es bergab, und dann sah ich das Ehepaar oben ebenfalls den Abstieg beginnen. Das war das letzte Mal, dass ich die Beiden sah; danach gerieten sie nicht mehr in unser Blickfeld. Die Gegend hier wirkte verlassen, um nicht zu sagen "tot". Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sich irgendein Tier hierhin verirren würde. Ein großer, knorriger Baum ragte vor uns auf und ließ mich an Steppen und Wüsten denken. Dann stahlen sich aber auch zunehmend Gräser unter unsere Füße, worüber sie sehr dankbar waren nach 3,5 Stunden Gestein und Geröll. Langsam bog der nun schmale Wanderpfad um den Berg herum und wieder nach vorn zum Wasser. Bald liefen wir in der brütenden Sonne oberhalb des Meeres durch die riesigen Felsen. Irgendwie schien Christine mittlerweile diejenige sein, der es weniger ausmachte, und ich sehnte mich nach Sv. Nedjelja und dem Ende der Wanderung. Meine Füße taten so weh. Wie weit war es denn um Gottes Willen noch? Riesige Freude erfüllte mich, als unser Ausgangsort wieder unten am Meer erschien. Nur kamen wir von der anderen Seite als bei unserem Aufstieg. Ich sah die Weinfelder, musste dann aber resigniert feststellen, dass es noch nicht dieselben waren, an denen wir auf dem Hinweg vorbeikamen. Hinter dem nächsten Hügel würden diese erst sein. Und dann ging es auf Schotterwegen langsam hinab zum Dorf und nach 4 Stunden und 45 Minuten letztendlich zur Kirche. Die Länge der Wanderung kann nicht viel mehr als 6 Kilometer betragen, doch der Aufstieg über das Geröll ist nicht zu unterschätzen, gerade bei einer entsprechenden Temperatur; dann hatten wir uns zweimal verlaufen und lange Pausen eingelegt.

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Der knorrige Baum

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Rückkehr nach Sv. Nedjelja

Als wir am Auto standen, war ich stehend k.o.. Es war so warm geworden, dass ich fast das Verdeck hätte zulassen müssen, damit ich die Klimaanlage hätte anstellen können. Aber welcher Cabriofahrer tut das schon? Mein T-Shirt war schon lange trocken, und ich stülpte es über. Ich tröstete mich mit dem Gedanken an das Weingut Zlatan Plenkovićs und an die Erholung, die ich dort sitzend und bei einem Bier finden würde.
 
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Silvie75

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Hmmm, irgendwas stimmt nicht bei mir :oops:. Ich kann zwar deinen Bericht sehen, aber leider nicht die Bilder :arghh:. Jetzt muss ich mir alles nur vorstellen. Hat noch irgend jemand das gleiche Problem?

Silvie
 

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Huhu Silvie,
das Problem habe ich nur, wenn ich auf der Arbeit bin. Da kann ich die Bilder auch nicht sehen, scheinen da wohl gesperrt zu sein, wobei ich die Fotos von anderen Berichten durchaus auch auf der Arbeit sehe. Zu Hause kann ich mir dann aber in aller Ruhe auch die Fotos anschauen. :)
Gruß
Andrea
 
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Silvie75

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Ich sitze aber daheim am gleichen PC, wo bis jetzt alles funktioniert hat..... verstehe ich nicht
 

Heiko705

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Das Problem ist sicher nur vorübergehend. Bei mir funktioniert's!
 
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vadda

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Ein toller Bericht, lieber Heiko. Wenn die Straße auf der Südseite bald richtig ausgebaut ist, wird es dort mit der Idylle wohl vorbei sein.

Der Anstieg zum SV. Nicola - Respekt! Wir sind vor einigen Jahren von Pitve im Nordosten aufgestiegen. Deine Begeisterung über den Ausblick kann ich gut nachvollziehen. Aber auf ein Bier an der Konoba hätte ich nicht verzichtet! ;)


Hmmm, irgendwas stimmt nicht bei mir :oops:. Ich kann zwar deinen Bericht sehen, aber leider nicht die Bilder :arghh:. Jetzt muss ich mir alles nur vorstellen. Hat noch irgend jemand das gleiche Problem?

Ich sitze aber daheim am gleichen PC, wo bis jetzt alles funktioniert hat..... verstehe ich nicht

Es wird am Speicherort des Bildes liegen. Es ist dort als HTTP (Hypertext-Übertragungsprotokoll) abgelegt. Viele Firmen und auch Foren erlauben nur noch das HTTPS (sicheres Hypertext-Übertragungsprotokoll).

Ich hoffe, dass ich das als ausgewiesener Laie einigermaßen erklärt habe.

Gruß,
Klaus
 
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Heiko705

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Ja, natürlich liegt es am Speicherort, doch funktioniert das mit diesem Forum sehr gut. Das Problem trat zunächst auch bei mir auf, so dass ich auch in Wuppis Blog keine Bilder mehr gesehen habe, aber jetzt ist bei mir alles wieder in Ordnung.

Wer außer Silvie und Wuppi hat denn jetzt noch immer dieses Problem?

Aktuelle Wendung: Okay, da jetzt Wuppi auch wieder alles sieht, gehe ich davon aus, dass wieder alles in bester Ordnung ist!!
 
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nihil-est

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Ich kann alle Bilder sehen.

Das " Problem " kann aber evtl. auch ein anderes sein.

Ist man nicht eingeloggt, so erscheinen Bilder tatsächlich öfters nicht bzw. ganz klein. Dies ist meine Erfahrung.
Sobald man eingeloggt ist funktioniert es wieder ohne Probleme.

Gruss

Gerd
 

Heiko705

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Kapitel 16

Als wir wieder unten ankamen, klatschten gewaltige Wellen an das Ufer. Um mich etwas abzukühlen, wollte ich lieber im Inneren sitzen. Unglaublich, wie schnell so ein großes Bier leer sein kann. Christine wollte gern einen gemischten Salat, und auch ich hatte mich entschieden. Vor allem wollte ich ja eine gute Flasche Wein mitnehmen. Um zu probieren, nahm ich jeweils ein Glas vom besten Rotwein des ansässigen Winzers. Einmal Zlatan Plavac Barrique; einmal Zlatan Plavac Grand Cru. Und zum Wein was Klassisches, also eine Platte mit Schinken, Tomaten und Oliven und etwas Brot dazu. Der Grand Cru gilt als der Edlere und ist auch im Preis höher angesiedelt, wobei ich sagen muss, nirgendwo bekommt man ihn so günstig wie hier. Nimmt man eine Flasche mit, kostet er 150 Kuna, trinkt man die Flasche hier, kostet sie 50 Kuna mehr. Versucht man, sie irgendwo im Internet zu bestellen oder in einem durchschnittlichen Weingeschäft in Kroatien zu kaufen, bekommt man sie kaum unter 25 €. Der Grand Cru war sehr gut, in der Tat ein edler Rotwein, schwer und erinnert an sehr dunkle Früchte. Der günstigere Zlatan Plavac Barrique schmeckte mir jedoch noch besser, etwas leichter und fruchtiger. Nimmt man eine Flasche mit, so kostet er 115 Kuna. Für einen solchen Wein ist mir das nicht zu viel; für mich ein Spitzenprodukt – im Weinladen meist auch fast 20 €. So eine wollte ich mitnehmen. Natürlich gibt es Manche, die kroatischem Wein die Qualität absprechen wollen (vor allem aus Franken), dies kann ich jedoch nicht verstehen.

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Beim Testen des Weins

Gestärkt und eine gute Flasche Wein reicher, ging’s wieder in’s Auto. Schweren Herzens verzichtete ich auf das Baden in der Bucht Lučišća, da ich meinem Auto die Fahrt über die Schotterpiste nicht noch einmal zumuten wollte. Wir fuhren weiter nach Osten in das Dorf Zavala. Inmitten der Ortschaft parkten wir am Wasser. Die Brandung war auch hier beachtlich stark. Hier in der Uvala Zavala befindet sich eine kleine Mole, an der das Wasser meterhoch in die Luft spritzte. Unterhalb von Zavala kann man die komplette Küste auf einem schmalen Promenadenweg ablaufen. Wir orientierten uns Richtung Westen und stellten fest, dass es uns am nächsten Strandabschnitt westlich der Mole am besten gefiel. Die Wellen waren gigantisch; der Strand war gut belegt. Es war besonders, in den sich immer wieder hoch auftürmenden Wellen zu schwimmen. Grundlos machte Christine sich um mich Sorgen, als sie die großen Brecher über mir zusammen stürzen sah. Sie meinte es gut, wohlwissend, dass ich nicht tauchen kann und mich unter Wasser nicht wohl fühle. Doch hohe Wellen machen mir wenig aus. Christine warnte mich vor den ankommenden Massen und verlor in der Hektik einen Badeschuh und ihre Sonnenbrille. Super. Den anderen Schuh brauchten wir nun auch nicht mehr, und er landete im Abfalleimer. Während wir uns dann sonnten, fielen erste Regentropfen, und viele verließen den Strand. Wir gehörten fast zu den Letzten, die gingen, aber der Regen wurde zu schlimm. Als wir im Anschluss die Küste weiter erkundeten, hörte er wieder auf.

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Die Gischt in der Uvala Zavala

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Baden in der Uvala Zavala 1

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Baden in der Uvala Zavala 2

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Küstenidylle 1

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Baden in der Uvala Zavala 3

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Baden in der Uvala Zavala 4

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Küstenidylle 2

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Küstenidylle 3

Nun wollte ich mir aber den alten Teil des Dorfes anschauen, der sich oben an den Hängen befindet. Zum Laufen war das zu weit, also setzten wir uns ins Auto. Nachdem ich in dem kleinen Supermarkt im Oberdorf ein Ožujsko Limun (irgendwie hatte ich da gerade große Lust drauf; hatte ich noch nie getrunken) gekauft hatte, bestaunten wir die alten Häuser. Manche waren bereits am Zerfallen, und auch an deren Gärten sah man, dass hier schon lange niemand mehr wohnte. Einige waren aber noch bewohnt. Plötzlich waren wir auf einem weiteren, verlassenen Grundstück angelangt. Die Einrichtung in den beiden Häusern war größtenteils noch vorhanden. Ich sah Schränke, Flaschen, Comics usw.. Was veranlasste die ehemaligen Bewohner, einfach zu gehen und alles zurückzulassen? Der Meerblick aus den Häusern war fantastisch. Ich dachte mir, viele würden für ein Haus mit solchem Meerblick auf einer kroatischen Insel doch einiges geben, viele wären sicher neidisch. Und diese Häuser mussten eigentlich leicht zu haben sein. Nur müsste man wahrscheinlich ein kleines Vermögen investieren, um sie wieder auf Vordermann zu bringen.

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Alte Häuser in Zavala 1

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Parken verboten

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Alte Häuser in Zavala 2

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Alte Häuser in Zavala 3

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Granatäpfel

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Alter Dorfweg

Für den Abend hatten wir eine Lammpeka für zwei Personen in der Konoba Stori Komin im verlassenen Dorf Malo Grablje vorbestellt. Hierauf freute ich mich riesig. Der Besitzer Berti Tudor hatte die Idee, in dem alten Ort wieder eine Konoba zu eröffnen, da seine Eltern hier ein Haus hatten. Seitdem können Besucher des verfallenen Dorfs hier essen. Man hofft, dass manche dem Beispiel folgen, und so dem Ort wieder Leben eingehaucht wird. Einst wohnten hier noch knapp 200 Menschen, die in erster Linie vom Weinanbau lebten. Doch als die Reblaus die meisten der Reben zerstörte, konnten die Einwohner nicht mehr vom Weinanbau leben und zogen davon. 1965 zog die letzte Familie fort. Die alte Straße, die von der Inselhauptstraße östlich von Hvar abbiegt, ist heute verbessert, so dass sogar ich sie fahren kann. Berti Tudor lebt heute im nahen Milna, und wenn der letzte Gast seine Konoba verlassen hat, kehrt auch er nach Hause zurück. Ich sehnte mich danach, den alten Ort zu besichtigen und meine geliebte Lammpeka in diesem rustikalen Ambiente zu essen. Für 19.30 Uhr hatte ich einen Tisch vorbestellt. Doch ich leistete mir einen Fehler. Ich dachte nicht nach.

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Alte Häuser in Zavala 4

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Alte Häuser in Zavala 5

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Blick durch das Oberdorf

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Alte Häuser in Zavala 6

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Alte Häuser in Zavala 7

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Zwischen den Bauten hindurch

Wir verließen Zavala und fuhren Richtung Norden. Zwischen Zavala und Pitve befindet sich der Berg Sv. Ante. Hier muss man diesen alten; idyllischen Tunnel durchqueren, durch den nur ein Auto passt und der nicht beleuchtet ist. Fahrräder dürfen hier nicht hindurch. Aber was will man als Fahrradfahrer machen, wenn man nicht mit seinem Rad über den Berg kraxeln will? Ich würde es auch tun. Viele tun es. Früher musste man hier mit dem PKW wirklich wieder zurückfahren, wenn ein Fahrzeug entgegenkam. Irgendwann hat man sich dann entschlossen, die Durchfahrt mit einer Ampel zu regeln. Der Tunnel kam ganz plötzlich. Man sieht lediglich ein Stop-Schild und dass die Straße dahinter nach rechts weitergeht. Dass dies bereits der Tunnel ist, sieht man nicht. Und so stand ich plötzlich vor der roten Ampel. Was ich nicht erwartet hatte ist, dass sogar eine Anzeige an der Ampel angebracht ist, auf der man sieht, wie lange man noch warten muss. Sowas hatte ich noch nie gesehen. Von hinten kam ein Einheimischer und wollte sich hinter mich stellen, doch ich scherte aus und fuhr rückwärts. Er winkte und wollte mir klarmachen, dass ich bald fahren könne. Er dachte wohl, ich hatte Bedenken oder wusste nicht, was ich machen sollte. Ich jedoch wollte den Tunnel fotografieren. Danach stellte ich mich vor die Ampel. Der Tunnel ist nicht besonders lang. Wenn man hineingefahren ist, sieht man bereits ein kleines Licht ganz hinten, wo es hinausgeht.

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Der alte Tunnel

Ich wollte den kürzesten Weg wählen. Neben Stari Grad beginnt die alte Straße nach Velo Grablje und Malo Grablje, also fuhren wir hier ab. Will man eine dieser beiden Ortschaften erreichen, muss man von Stari Grad weit in den gebirgigen Teil hinauffahren. Dann bog die Straße links nach Velo Grablje ab. Das Dorf ist ebenfalls sehenswert, wie es sich länglich an den Hang schmiegt, aber offenbar noch nicht gänzlich verlassen. Dann stellte ich aber fest, dass die Straße hinunter ins Dorf derart uneben war - das waren ja schon fast Stufen - dass ich da unmöglich runterfahren konnte. Solche Löcher hatte ich hier nicht erwartet. Und dann fiel es mir ein. Ich hatte doch extra mit Berti Tudor E-Mails geschrieben, und er hatte mir mitgeteilt, dass man die Straße von Hvar aus nun gut fahren könne. Ja, das betraf die andere Seite. Ich Idiot. Jetzt mussten wir zurück und von der anderen Seite heranfahren, wobei wir viel Zeit verlieren würden.

Von der Inselhauptstraße im Süden abgebogen, offenbart sich einem eine durch eine kleine Schlucht führende, schmale Teerstraße, die sich aber gut befahren lässt. Um 19.15 Uhr parkten wir unterhalb des Ortes und sahen die idyllische, beleuchtete Konoba bereits über uns liegen. Als wir ausstiegen, begrüßte uns ein bellender, aber nicht allzu großer Hund. Später stellte sich heraus, dass dies bereits der Hund der Tudors war, der durchs Dorf streifte. Es war zu dunkel, um sich noch großartig umzuschauen, und so begnügte ich mich mit einigen Schritten in jede Richtung, um wenigstens die Atmosphäre der alten Gemäuer etwas in mich aufzunehmen. Wir mussten wiederkommen, beschloss ich. Dann marschierten wir die kleinen Gassen hinauf zur Konoba. In einem hübschen, alten Gebäude brannte Licht. Im Innern schienen ebenfalls einige Menschen zu sitzen. Und dann sitzt man hier auch außerhalb, teils überdacht, teils unter freiem Himmel, damit man das herrliche Ambiente des Orts laufend im Blick hat. Wir bekamen einen unüberdachten Tisch, der bereits für uns hergerichtet war. Gut, gut. Berti Tudor und seine Familie stellen ihr eigenes Brot und ihre eigene Zitronenlimonade her. So etwas wie Cola wird man hier vermissen. Das Angebot ist kein großes, aber gutes. Ich entschied mich für eine Vorspeise aus Pršut, Käse und Oliven. Bier gibt es aus der Flasche. Das mit der Peka würde noch ein wenig dauern, sagte man uns. Kein Problem. Dann begann es zu regnen. Wir mussten unter den überdachten Teil umziehen. Ich trank ein Glas weißen Hauswein. Neben uns aß ein weiteres Pärchen. Der Regen wurde stärker, und an manchen Stellen der Tische wurde es nass. Wir blieben aber. Dann lief jedoch das Wasser auf unsere Terrasse, so dass es schnell im Fußbereich überschwemmt war. Wir mussten weg. Doch jetzt regnete es so stark, dass ich nicht schon wieder umziehen konnte, sonst hätte ich nachher keinen reinen Wein mehr im Glas gehabt. Nach einer Weile kam eine Angestellte und geleitete mich und mein Weinglas mit einem Regenschirm ins Innere.

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Pekas im alten Ofen

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Vorspeise

Am größten Tisch des Raums saß eine ziemlich junge, amerikanische Gesellschaft. Es waren 6-7 Personen, die dem Wein ordentlich zusprachen und auch ansonsten einen üppig gedeckten Tisch vor sich hatten. Sie wirkten, als wollten sie hier übernachten, obwohl dies ja nicht möglich war. Eine junge Dame hatte die Schuhe ausgezogen. An einem kleineren Tisch vorn neben der Tür saßen 3 oder 4 Männer, die ihr Lamm verspeisten. Und dann gab es noch einen kleinen Tisch für 4 Personen (wenn man zusammenrückte) im linken Bereich des Raums. Wir sollten ihn mit einem Pärchen teilen, welches bereits an ihm saß. Diese waren jedoch mit dem Essen schon fertig und entschieden, sich an die Bar zu stellen. Hinten im Raum wurde gekocht. Da die Räumlichkeiten nicht allzu viel hergaben, hatte man hier alles in Einem. Hatte auch was. So konnte man ihnen beim Kochen zuschauen. Ein weiterer Gast bat um Einlass. Sie gehörte zu der Gruppe junger Leute, hatte sich durch die Nässe draußen gekämpft und wurde frenetisch von ihnen begrüßt. Dann kam sie an unseren Tisch und bat um einen Stuhl, um sich zu ihren Freunden zu setzen. Der Fußboden war nun auch etwas überschwemmt, und die Töchter von Berti Tudor wischten mit Tüchern das Wasser auf und ließen sie unten vor der Tür liegen, damit man hier vor dem Wasser in Sicherheit sei. Berti kam an unseren Tisch und erklärte in gutem Deutsch, er könne keine Peka mehr machen und auch nichts vom Grill. Wir könnten höchstens etwas aus der Pfanne bekommen, und er wüsste nicht, wie hungrig wir seien. Das wirkte alles irgendwie familiär. Ich mochte ihn. Wenn wir dies nicht wollten, müssten wir noch einmal an einem anderen Tag wiederkommen. Das war schade, wie gesagt, ich liebe Peka, doch wollte ich nicht weg. Um das Warten zu verkürzen, brachte er mir einen Kruškovac aufs Haus und ich bestellte noch ein Glas Wein.

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Kostenlose Hauptspeise

Nach einer Weile bekamen wir einen großen Teller mit Schweine-, Rind- und Lammfleisch und Kartoffelscheiben. Das war zwar nicht, was wir wollten, aber gut. Ich sprach mit Berti über die Situation hier in Malo Grablje und bekam noch einen Kruškovac. Ich fühlte mich wohl hier. Als wir gehen wollten, berechnete Berti uns lediglich die Vorspeisenplatte und die Getränke, wollte 180 Kuna. Er sagte, wir hatten ja nicht das zum Essen, das wir eigentlich wollten. Unglaublich. Ich schlug einen Deal vor: ich würde einen weiteren Kruškovac nehmen und ihm 250 Kuna geben. Er ging darauf ein. Wir sollten doch noch mal wiederkommen, falls wir Malo Grablje noch mal besuchen wollen würden. Daraufhin erklärte ich, dass wir wahrscheinlich wirklich noch einmal in den Ort kommen würden und dann vielleicht auch noch mal reinschauen würden. Am Ende war es trotzdem irgendwie noch ein besonderer Abend geworden.
 

Heiko705

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Kapitel 17

10. Tag – Von der Liebe zu Abenteuern
Montag, der 11.09.2017:

Nachdem wir das Frühstück mit Meerblick genossen hatten, sollte es heute zum ebenfalls verlassenen Ort Humac gehen. Wir würden eine Führung durch den Ort und zur bekanntesten Tropfsteinhöhle der Insel Grapčeva Špilja machen. Wir hatten zum Frühstück Toast, Butter, Kulen-Salami, Pistazienmortadella, Pršut, Käse, Bockwürstchen, Eier, Kaffee, Milch und meinen geliebten Heidelbeersaft der Firma Vindija. Während Christine duschte, bereitete ich gewöhnlich alles vor.

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Frühstück

Um 09.00 Uhr trifft man sich jeden Morgen vor der Konoba Humac zur Führung, zu der man sich nicht anmelden braucht. Wir waren um 08.45 Uhr dort, und es hatten sich bereits einige andere Interessierte eingefunden. Einige trafen auch noch nach uns ein, so dass wir bald knapp 20 waren. Humac besitzt sehr viele alte Steinhäuser und hat einen ganz besonderen Charme. Der Ort ist niemals ständig bewohnt gewesen und diente lediglich den hier arbeitenden Menschen als Ort, in dem sie im Sommer und Herbst übernachteten, solange sie arbeiteten. Auch dieser Ort fiel der Reblaus zum Opfer, da hier Wein hergestellt wurde. Auch Öle aus Lavendel und anderen Kräutern wurden hier gefertigt, dies allein hielt Humac jedoch nicht am Leben. Um 09.00 Uhr kam ein recht hochgewachsener, um die 30 Jahre alter Mann mit dunklen Haaren. Wir ahnten sofort, dass das unser Führer war, was sich dann bestätigte, als er die Konoba Humac aufschloss. Er erklärte, was die Führung beinhaltete und dass sie 30 Kuna pro Person kostet. Christine und ich waren die Ersten, die bezahlten und Karten bekamen.

Nachdem diese Prozedur mit allen durchgezogen war, starteten wir. Es war leicht bewölkt und angenehm. Zuerst betraten wir einen Raum, der damals der Weinherstellung diente und heute ein kleines Museum ist. Allerhand altes Werkzeug war zu sehen, Gefäße, Sägen, Hämmer usw.. Unser Führer war durchaus kundig und erklärte in gutem Englisch, wie die Reben verarbeitet wurden. Eine alte, große Weinpresse wird hier aufbewahrt. Bilder zeigen, dass das Ganze ziemlich harte Arbeit war. Wir bekamen einige Bauten im Ort gezeigt und kamen anschließend zu einer Art Hauptplatz. Hier sammelten sich damals alle Weinbauer mit ihrer Ernte und warteten, bis sie an der Reihe waren. Die Presse stand hier am Platz und musste von Jedem benutzt werden. Eine andere gab es nicht.

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Impressionen aus Humac 1

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Impressionen aus Humac 2

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Impressionen aus Humac 3

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Impressionen aus Humac 4

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Impressionen aus Humac 5

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Impressionen aus Humac 6

Humac ist sehr sehenswert, und man spürt fast noch die Anwesenheit der damaligen Weinbauer. Wir mussten etwas weiter laufen und kamen zur Kirche, wo uns unser Führer ins Innere geleitete. Das Dorf hatte alles, was ein Dorf eben so benötigt, auch wenn es nicht ständig bewohnt war.

Nun entfernten wir uns vom Ort und kamen zu einer Anlage, die auch heute noch genutzt wird. Große, verwelkte Haufen lagen auf dem Hof. Man roch deutlich, was es war. Lavendel hat einen sehr starken Geruch. Wir betraten eine Art Destille. Unser Führer erklärte, wie die Apparaturen in einem komplizierten Vorgang den Lavendel verarbeiteten und am Ende Lavendelöl in eine Flasche füllten. Auch andere Pflanzen wurden genutzt, um Öle, Cremes oder Duftwasser herzustellen, wie z. B. Salbei oder eine gelbe Pflanze, die überall auf der Insel wachsen würde und die unser Führer aufgrund ihrer angeblichen Kräfte "Imortell" nannte.

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Bei der Lavendelöldestille

Jetzt startete unsere kleine Wanderung zur Grapčeva Špilja. Christine und ich gingen meist als Erste hinter unserem Führer. Er hatte sich einen Wanderstock im Gebüsch versteckt und holte ihn hervor. Man merkte, dass er den Weg fast jeden Tag ging, er war routiniert. In der Hochsaison konnte seine Gruppe auch aus täglich 30 - 40 Leuten bestehen, wie er mir erzählte. Er machte uns auf verschiedene Kräuter und Blumen aufmerksam (darunter auch Salbei und diese "Imortell"), ließ uns an ihnen schnuppern und erläuterte deren Aufgabe in der Ölgewinnung. Der breite Weg ging in einen richtigen Wanderpfad über und machte Spaß. Unser Führer war der Einzige mit einem Schlüssel für die Höhle. Ohne ihn kommt man nicht hinein. Vom Wald kamen wir langsam in felsigeres Gebiet. Wir näherten uns der Südküste Hvars. Zwischen Geröll und Gebüsch kamen uns dann zwei junge Wanderer entgegen. Sie erklärten, dass sie bereits an der Höhle waren und auf uns gewartet hätten. Nun gingen sie mit uns zusammen wieder zur Höhle zurück. Es begann der letzte Abstieg. Dieser sollte etwas schwieriger sein, wie wir am Anfang erzählt bekommen hatten. Seile waren über den Felsen und an ihnen herab gespannt. An ihnen sollte man sich beim Abstieg festhalten. Hier merkte man nun den starken Küstenwind. Tiefer und tiefer kletterten wir hinunter. Sowas gefällt mir. Dann standen wir vor einem ungewöhnlichen Eingang. Man muss sich ducken und sich schmal machen, um durch den Eingang in die Höhle zu kommen. Unser Führer erklärte, dass der Eingang früher größer gewesen sei, ein Erdbeben aber diese Änderung herbeigeführt hatte.

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Wanderweg zur Tropfsteinhöhle

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Unser Führer schreitet voraus

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Hinab zur Südküste

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Abstieg zur Höhle

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Der Eingang der Grapčeva Špilja

In der großen, etwas modrig riechenden Halle begeistern zunächst Stalaktiten und Stalagmiten, die wir mittels Handylicht oder Taschenlampen suchten. Dahinter ist ein unzugänglicher kleinerer Raum und einige Gänge. Die steinzeitlichen Funde wie z. B. Messer, Muscheln, Menschengebeine oder Keramik wurden in ein Museum geschafft. Die Höhle ist ein wichtiger, urgeschichtlicher Fund aus dem jungen Steinzeitalter und einer der ältesten Fundorte an der Adria. Man ist hier immer noch 239 m über dem Meeresspiegel. Im Anschluss verkündete unser Führer, dass wir uns selbstständig auf den Rückweg machen konnten, was wir daraufhin auch taten. So bewältigten wir den Rückweg nach Humac weitestgehend allein. Einmal musste ich auf meinem Handy schauen, damit wir uns nicht verliefen.

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Grapčeva Špilja 1

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Grapčeva Špilja 2

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Grapčeva Špilja 3

In Stari Grad gibt es auch eine Anlegestelle für Fähren. Fährt man mit dem Auto hier vorbei, sieht man zahlreiche Markierungen auf der Fahrbahn, die die richtigen Wege weisen. Hier ist ein großer Tommy Market. Hier ging ich einkaufen. Manche Frühstückszutaten oder Getränke waren fast zur Neige gegangen.

Normalerweise wollte ich nun in der herrlichen Badebucht Dubovica im Süden der Insel baden. Da der Himmel jedoch noch bedeckt war und ich auf Besserung hoffte, fuhren wir zunächst noch einmal nach Malo Grablje, was wir am Vortag bereits besuchten, es aber bereits zu spät war, um es ausgiebig zu besichtigen. Wir fuhren zurück nach Westen und parkten an der gleichen Stelle wie den Abend zuvor. Nun war kein Hund dort, der uns sofort begrüßte. Ich hatte gehört, dass an manchen Tagen heutzutage ein Gottesdienst in der Kirche stattfinden würde und viele der ehemaligen Einwohner zu diesem Anlass zurückkommen würden. Der Kirchplatz im hinteren Teil des Dorfs war intakt, wogegen an manch anderen Stellen des Dorfs die Natur sich zurückholt, was ihr gehört. Unweit der Kirche fand ich einen Brunnen.

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Die verlassenen Häuser von Malo Grablje 1

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Die verlassenen Häuser von Malo Grablje 2

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Die verlassenen Häuser von Malo Grablje 3

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Die verlassenen Häuser von Malo Grablje 4

Nun hatten wir die Zeit, uns jedes Gebäude genau anzuschauen. In einem kleinen Haus fanden wir eine intakte Ölpresse, der auch heute noch funktionieren würde. In einem anderen hätte man die Holztreppe in die obere Etage nehmen können, wenn man halsbrecherisch genug war. Ich dachte mir, es musste eine herrliche Ruhe gewesen sein, hier in aller Abgeschiedenheit in diesem kleinen Tal zu leben. Nachdem wir auch noch mal die Konoba im Tageslicht bestaunt hatten, der Kamin wurde bereits für die nächste Peka angeheizt, waren wir soweit.

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Deutscher Urlauber mit Kamera

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Die verlassenen Häuser von Malo Grablje 5

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Die verlassenen Häuser von Malo Grablje 6

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Die verlassenen Häuser von Malo Grablje 7

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Die alte Ölpresse

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Die Konoba Stori Komin 1

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Die Konoba Stori Komin 2

Das Wetter war noch immer nicht besser. Da konnte man nichts machen. Auf der Fahrt fing es leicht an zu regnen. Oberhalb der Bucht Dubovica, wo sonst so viele Fahrzeuge parken, stand lediglich ein einziger PKW. Ich fotografierte zwei kleine Häuser oberhalb der Straße. Dann begannen wir den Abstieg. Jetzt wurde der Regen stärker. Was war das bloß? Musste das denn gerade jetzt sein? Ich musste in diese Bucht. Ich hatte extra wegen dem Wetter gewartet. Verschieben war nicht möglich. Ich hatte sowieso eine Kappe auf und Christine zog ihre Kapuze über. Wir nahmen alles mit, was man an einem so tollen Strand gebrauchen konnte: Luftmatratze, Pumpe, Schnorchelset, alles. Das Wetter konnte sich ja ändern. In dem Falle würden wir lange bleiben, und wer weiß, was man im Laufe des Nachmittags nicht noch alles brauchen würde? Der Regen nahm weiter zu, es schüttete fast. Ich konnte es nicht ändern. Kein Dubovica-Strand? Undenkbar!

Über Stock und Stein stiegen wir hinab, bis ich den Strand zum ersten Mal sehen konnte - herrlich! Oh Mann! Auch hier stehen 3-4 Häuser an der Seite und viele Palmen und große Agaven dazwischen. Die Gebäude stehen von der Bucht aus gesehen rechts, und wir mussten zuerst hinter ihnen entlang, um zum Strand zu kommen. Der Weg verlief nun hinter einer Mauer. Ich bekam mehr und mehr vom Strand zu sehen und war fasziniert. Ich wusste ganz genau, wo wir nochmal hinmussten, sollten wir in den nächsten Jahren noch mal auf Hvar sein. Wir legten kurz die Sachen ab, und ich machte Fotos. Grober Kies lag am Strand, aber wie traumhaft musste er erst sein, wenn die Sonne scheint. Weil er normalerweise viele Menschen anlockte, waren auch zwei Strandbars hier.

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Ein erster Blick in die Bucht

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Die herrliche Bucht Dubovica 1

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Idyllischer Strandhintergrund

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Die herrliche Bucht Dubovica 2

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Die herrliche Bucht Dubovica 3

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Die Häuser an der Buchtseite

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Die herrliche Bucht Dubovica 4

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Bucht Dubovica - Großansicht

Die erste lag etwas im Hintergrund und wirkte merkwürdig auf mich. Auf einem Schild waren viele verschiedene Getränke aufgelistet, Cocktails, Schnaps, Longdrinks und mehr. Ich ging zur halb geöffneten Tür. Ein älterer Mann mit Vollbart hatte im Innern über einer Feuerstelle für sich und seine Frau etwas gekocht, was sie nun aßen. Sie sahen nicht so aus, als würden sie Kundschaft erwarten und schauten mich mit großen Augen an. Sie schienen hier zu wohnen. Also auf zur zweiten Bar. Diese machte einen gewöhnlicheren Eindruck. Ich sah eine Theke, offenbar ebenfalls zwei Inhaber und sogar zwei Gäste, die wohl schon seit längerem hier unten waren. Auch hier hing eine Getränkeliste aus. Ja, ich würde am Strand unter den Bäumen, wo wir ein klein wenig geschützt waren, mit Christine etwas trinken. Baden konnten wir nicht, also musste ich versuchen, auf andere Art und Weise diesen Strand zu genießen. Wir legten unsere Sachen unter den Bäumen an einer Mauer ab. Mein Gott, wie schön war dieser Strand? Es goss in Strömen. Wo war meine Handy-Hülle? Hatte ich sie auf dem Weg hinab verloren? Mein Handy würde ja ansonsten vollkommen ungeschützt sein, und Kratzer würden sich kaum vermeiden lassen. Dabei sah es noch aus wie neu. Ich sagte Christine, ich würde kurz den Weg zurücklaufen. Das machte ich. Ich lief schnell, rannte fast. Wo war die blöde Stoffhülle? Ich schaute vor mich auf den Weg, ich schaute auf den Stein, wo wir vorher unsere Sachen abgelegt hatten. Da war nichts. Kurz lief ich noch weiter den Weg hinauf. Es hatte keinen Sinn. Dann war sie eben weg! Zurück zu Christine. Nun bestellte ich an der Bar ein Mineralwasser und einen Mojito. Ja, das wär's. Da hatte ich jetzt Lust drauf. Die vier Leute grinsten. Sie sprachen Englisch. Der Inhaber war zwar überrascht, machte sich aber daran, mir einen Mojito herzustellen. Limetten, Rohrzucker, Blätter, im Mörser zerrieben, so wie sich das gehört. Die Inhaberin fragte: "Do you love adventures?" Alle waren sie erstaunt, dass wir im strömenden Regen hier unten ankamen, wo sonst niemand hier war, und ich nun in aller Ruhe einen Mojito trinken wollte. Ich sagte, dass das Wetter sich ändern könne. Der Inhaber sagte so viel wie: „Ja, zum Schlechteren.“ Die beiden Gäste - junge Frau, junger Mann - waren Franzosen. Die Dame war begeistert. Davon, dass wir so verrückt waren, hier unten zu sein und davon, dass wir den weiten Weg mit dem Auto gefahren waren (was für mich ganz normal ist). Sie selbst waren geflogen und wohnten in Stari Grad. Der Mojito war fertig, ich schnappte das Wasser und machte mich auf zu Christine unter den Bäumen am Strand. Wir lehnten uns an die Mauer, rauchten eine Zigarette, und ich sog am Strohhalm. Der Mojito war fantastisch. Und da - hinter der Mauer lag meine Handyhülle. Sie war da einfach nur runtergefallen. Mann, mann. Ich genoss das Getränk. Dann verabschiedete ich mich von den Vieren an der Bar. "It's so nice here. Now I can say: I was here", erklärte ich ihnen, worauf sie wieder lachen mussten. Wir marschierten den endlosen Berg wieder hinauf. Wir kommen wieder!
 
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