Berichte aus Hvar

Halbheimchen

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Die Havarie beim Leuchtturm Stončica

Wir sehen von unserer Terrasse der Ferienwohnung in Hvar den Leuchtturm Stončica an der Nordostseite der Insel Vis. Mit dem Fernrohr ist das gut zu sehen. Vor über 78 Jahren hat dort ein Drama begonnen, das in Hvar sein Ende gefunden hat.






Der Leuchtturm Stončica an der Nordostseite der Insel Vis mit dem Tele aufgenommen. Die Entfernung beträgt über 40 Kilometer.



Im Januar ist das Schleppschiff „Ursus“ im Hafen von Zadar ausgelaufen. Die Ursus war ein Schiff der italienischen Kriegsflotte. Sie sollte einen bewaffneten Ponton nach Albanien schleppen. Das ist ein waffenstarrendes Floß aus Stahl, das vor einem Hafen festgemacht werden konnte und diesen vor gegnerischen Angriffen aus der Luft und dem Wasser abwehren sollte. Auf dem Ponton gab es eine Besatzung von 49 Mann.

Am 31.01.1941 befand sich die Ursus im Schlepptau mit dem Ponton vor dem Leuchtturm Stončica. Dort ist der Verband auf das britische U-Boot Rorqual getroffen. Das britische U-Boot hat sofort mit Artillerie das Feuer eröffnet und die Ursus in Brand geschossen. Ein abgefeuerter Torpedo verfehlte das Ziel. Das U-Boot wurde durch ein zu Hilfe kommendes, jugoslawisches Wasserflugzeug zum Tauchen gezwungen. Während der Schlepper zu sinken begann löste die Mannschaft die Schleppverbindung. Von der Ponton-Besatzung wurden die Überlebenden der Ursus geborgen. Der nun führerlose Artillerieponton trieb in einem aufkommenden Unwetter zur Insel Hvar. Als er in der Nacht zu kentern drohte, verließen 15 Mann der Besatzung in zwei Rettungsbooten den Ponton. Den verbleibenden Männern gelang es am frühen Morgen in einer Bucht zu ankern. Er wurde später von einem Dampfer in den Hafen Hvar eingeschleppt. Von den Besatzungsmitgliedern, die den Ponton in der Nacht verlassen hatten, hat keiner den Sturm überlebt. Die aufgefundenen 10 Leichen wurden in Hvar beigesetzt.

Das Wrack der Ursus liegt nur etwa 400 Meter von der Küste von Vis, in der Nähe des Leuchtturmes von Stončica in einer Tiefe von 45 Metern.

Wenn ich das nächste Mal in Hvar bin, werde ich auf dem Friedhof nach den Spuren der damals ertrunkenen Seeleute suchen.







Der Friedhof von Hvar liegt über der Stadt in dem kleinen Hain
 

Halbheimchen

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Der Feiertag des Sveti Stjepan in Hvar

Der Heilige Stephan ist der Namensgeber der Kathedrale von Hvar. Gleichzeitig ist er der Schutzpatron der Stadt. Ihm zu Ehren gibt es am 2. Oktober besondere religiöse und kommunale Veranstaltungen in der Stadt. An diesem Tag ist Feiertag. Als Tourist merkt man das in der Regel nicht. Die Cafés, die Lokale und die Geschäfte haben alle geöffnet. So ist das in der Saison immer. Alles hat an 7 Tagen in der Woche offen, weil in der Saison das Geld für das ganze Jahr gemacht werden muss. Ich bewundere diesen unermüdlichen Einsatz der Menschen, während wir Urlaub machen.

Wir haben das mit dem Feiertag nur mitbekommen, weil der kleine Enkel der Vermieter an diesem Tag nicht in den Kindergarten gehen konnte. Und wir haben dann noch eine Feststellung gemacht: die Fassade der Stephanskathedrale war mit dem Bildnis des Sveti Stjepan geschmückt. Das passiert nur einmal im Jahr am 2.Oktober. Ich habe das vom Mandrač, dem kleinen, geschützten Hafen von Hvar, bei den letzten Sonnenstrahlen aufgenommen.

Eigentlich ist der Festtag des Heiligen Stephans der 26. Dezember. Ich habe noch nicht ergründen können, warum das in Hvar anders ist. Es gibt noch viel zu entdecken.








Kathedrale Sveti Stjepan in Hvar am 2.10 2019 mit dem Bildnis des Heiligen Stephans im letzten möglichen Licht












Zum Vergleich: So sieht die Kathedrale immer aus, wenn nicht der 2. Oktober ist. Da gibt es kein Bild des Sveti Stjepan
 
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Marius

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Ich habe jetzt einige Minuten gegoogelt und auch auf kroatischen Seiten nicht erfahren können, was es mit dem 2.10. auf sich hat.
Wahrscheinlich will man dem Schutzpateon von Hvar einfach einen eigenen, besonderen Feiertag widmen, den Stefanitag begehen ja alle anderen auch.

Ich habe aber jetzt gelernt. dass es den Stefanitag am 26.12. (seit dem 5. Jh.) schon einige hundert Jahre länger gibt als Weihnachten selbst (seit dem 8. Jh.)

Fand ich interessant.
 

Marius

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Ich habe vorhin nochmals geschaut, bekomme aber nicht mehr heraus, als dass am 2.10. der „Dan grada Hvara“ gefeiert wird, also das Stadtfest von Hvar, zusammen mit dem Feiertag des Hvarer Schutzpatronen. Ich fürchte, hier komme ich mit Google nicht weiter.
Aber ich könnte morgen meinen Mann in der Kroatischen Kirche darauf ansetzen, das heraus zu finden oder mir einen Kontakt zu besorgen.
 

Halbheimchen

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Im Jahr 1957 sind wir von Rijeka mit der Küstenfähren nach Dubrovnik gereist. Es gibt einige Bilder von Rijeka aus dieser Zeit. Hier die Marienkirche. Im Vordergrund sind die von Menschen gezogenen Handkarren zu sehen. Autos und LKW´s waren damals noch die Ausnahme.






Jugoslawien 1957, Rijeka Marienkirche
 
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Halbheimchen

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Maraština

Ende September waren wir wieder einmal in Vlaka auf Sveti Klement. Selbstverständlich waren wir mittags bei Tonči in seinem Fischlokal. Jetzt hat das die nächste Generation, also seine Tochter Perina, übernommen und das Lokal heißt jetzt Fisherman´s House. Die Fische, die es jeden Tag fangfrisch auf den Tisch kommen, werden aber immer noch von Tonči gefangen. Die Familie baut auch direkt vor dem Lokal Wein an, der auch an die Gäste ausgeschenkt wird. Es gibt einen roten Plavac Mali und einen weißen Bogdanunša. Das sind die beiden bekannten Rebsorten auf Hvar.







Weinkarte im Fisherman´s House in Vlaka








Wir haben am späten Nachmittag das Lokal verlassen und sind zum Anleger in die Vlaka-Bucht gegangen, um in dem von uns bestellten Taxiboot nach Hvar zu kommen.







Weg vom Lokal zum Anleger in der Vlaka-Bucht



Da wir uns mit der Zeit vertan haben und noch eine Stunde Wartezeit bis zur Ankunft des Taxis hatten, sind wir in das neu eröffnete Strandlokal gegangen. Das firmiert unter der Bezeichnung „Colnago Winery and Snack bar“. Als Pfälzer sind wir immer für Wein zu haben. Und die Zeiten sind vorbei, in denen wir die sogenannten „Hausweine“ im Plastikkanister gekauft und auch noch literweise in uns hineingeschüttet haben.

Der junge Wirt und Weinmacher hat in Zagreb Oenologie studiert und macht jetzt auf der Insel seine eigenen Weine. Nicht die nachlässig produzierten Hausweine, sondern sorgfältig unter wissenschaftlichen Erkenntnisse hergestellte Weine. Unter anderem hat er uns einen Maraština zum Probieren gegeben. Das war wirklich eine Offenbarung. Jetzt kommen wir schon so lange auf die Insel, aber so einen guten Weißwein von der Insel haben wir noch nicht bekommen. Und von der Rebsorte Maraština haben wir auch zum ersten Mal gehört. Die weiße Maraština ist eine autochthone Rebsorte in Kroatien. Sie wächst vor allem auf den Inseln Lastovo, Korcula und vereinzelt auf Hvar und an den Küstenstreifen des Festlands. Richtig ausgebaut ergibt das einen trockenen Weißwein mit nach Kräutern duftenden Aromen. So muss der Süden schmecken. Wieder eine neue Erfahrung für mich.
 

Heiko705

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Hallo Lutz, das hört sich gut an. Den Namen habe ich schon mal gehört, doch bislang kam ich noch nicht in den Genuss dieser Rebsorte!
 

Halbheimchen

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Warum nach Hvar zu kommen

Es gibt viele Gründe für einen Besuch der Insel. Jeder hat andere Erwartungen. Viele wollen Party feiern und Promis gucken. Viele wollen einfach nur dort sein, weil Lonely Planet die Stadt Hvar als the place to be beschreibt. Da muss man einfach gewesen sein.

Einer der Gründe für mich ist, dass man von Hvar den unverstellten Blick auf das Meer bis zum Horizont hat. Und dass man fast jeden Abend einen solchen Sonnenuntergang sehen kann.








Sonnenuntergang auf Hvar am Kap Pelegrin
 

Halbheimchen

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Fischversorgung in Povile 1956

Wir haben 1956 im Garten der Familie Katalinić in Povile gezeltet. Damals gab es noch keine Geschäfte, wo man hätte Lebensmittel einkaufen können. Die Dorfbewohner haben uns das überlassen, was sie entbehren konnten. Sie haben dafür kein Geld gefordert. Aber sie waren natürlich sehr froh gewesen, wenn sie etwas Geld als Gegenleistung bekamen. Jeden Tag kam der Fischer von Povile bei unserem Zelt vorbei und hat uns etwas von seinem Fang des Tages angeboten. Die hatten damals schon die heute viel beschworene Nahversorgung.







YU 1956, Fischerboot in Povile. Im Hintergrund die Insel Krk
 
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Mifle0371

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Immer wieder Zeugnisse eines sehr bescheidenen Wohlstandes, oder besser Armut, die mir auffällt. Informationen hatten wir damals überhaupt keine in der DDR über das Leben in Jugoslawien.Ich hatte es mir aber anders vorgestellt, denn man sprach bei uns von einem dritten Weg, den dieses Land geht, bzw, über einen falschen Weg. Naja, ich war ja noch ein Kind, bzw Jugendlicher.Umso interessanter Die Geschichten und Fotos aus dieser mir unbekannten Zeit in einem damals unerreichbaren Land. DANKE!!
Michael
 

Halbheimchen

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Schauermann Zdravko in Povile 1956

Damals haben wir in Povile Zdravko getroffen. Der Name kommt von dem südslawischen Wort zdrav. Das heißt auf deutsch "gesund, widerstandsfähig, stark".

Er hatte um eine Zigarette gebeten, die er selbstverständlich auch bekommen hatte. Ich habe das mit den Zigaretten schon in meinem Beitrag #347 erläutert.

Zdravko hat uns erklärt, dass er früher im Hafen von Rijeka als Schauermann gearbeitet hatte. Schauerleute waren ehemalige oder arbeitslose Seeleute, die Kenntnisse im sachgerechten Laden und Löschen von Stückgut in den Schiffen hatten. Sie mussten die Schiffe möglichst schnell be- und entladen, damit die Schiffe nur kurz im Hafen anlegen mussten. Schon damals war Zeit Geld gewesen. Das war alles eine sehr schwere Arbeit gewesen. Schauerleute waren in der Regel Tagelöhner, die kurzfristig angestellt wurden, wenn Arbeit anfiel. Das Wort Schauermann leitet sich vom niederländisch sjouwen („schleppen, hart arbeiten“) ab.

Das war das Leben von Zdravko. Hier zu sehen mit der noch nicht brennenden Zigarette. Er erklärt meiner Mutter seine Tätigkeit als Schauermann, indem er eine imaginäre Kiste schleppt.






Zdravko in Povile 1056
 
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