Berichte aus Hvar

Halbheimchen

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Bär gesehen


Es gibt hier im Forum einen Strang "Bär gesehen". Früher war es auf em Balkan eine Selbstverständlichkeit, Bären zu sehen. Das waren aber keine Begebnungen mit frei lebenden Tieren, sondern mit sogenannten "Tanzbären". Die hat man relativ oft getroffen. Für ein paar Dinar haben die Bären kleine, andressierte Kunststückchen gemacht. Damals als Kind fand ich das ganz toll. Heute habe dazu eine ganz anderen Meinung.

Jetzt muss ich nur noch ein Bild aus den 50ern finden, die Aufschluss darüber geben können, wieviele Dinar eine Kugel Eis gekostet hat. Dann könnten wir das umrechnen und mit den aktuellen Eispreisen in Rovinj vergleichen. Ich mache mich auf die Suche.










Jugoslawien 1957, Travnik, Zigeuner mit Tanzbär










Jugoslawien 1957, Travnik, Zigeuner mit Tanzbär
 

Marius

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Der Mann ist so cool. Bilder von Tanzbären!
Ich habe sie noch in meiner Erinnerung, aber niemals hätte ich geglaubt, dass ich jemanden treffe, der Bilder davon hat.

Ich liebe Halbheimchen-Lutz und ich liebe seinen Papa.
 

Heiko705

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Die Küstenstraße vor Novi Vinodolski als Schotterpiste! Unglaublich! Sowas sehe ich zum ersten Mal.

So jemand wie ich meint ja, die wäre schon immer betoniert gewesen. Nein, das natürlich nicht, aber man macht sich einfach keine Gedanken darüber.

Danke, Lutz.
 

Barraquito

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Lutz,

die Bilder sind wunderbar.
Und sie sind aus einer ganz anderen Zeit, aus einer Zeit, in der man Bären noch an Ketten führen durfte, aus einer Zeit, in der man das Wort Zigeuner aussprach, ohne sich Gedanken zu machen.

Danke für diese Zeitreise.
 

Mifle0371

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Mir war schon klar, das die Küstenstraße früher in einem anderen Zustand war als heute. Das es aber so eine Schotterpiste war, hätte ich nicht gedacht. Eine Belastung für jedes Auto und die Insassen, unglaublich.
Gab es damals wenigstens ausreichend Restaurants an der Küstenstraße?

Danke für diese einmaligen Eindrücke und das Zeigen privater Fotos!
Michael
 

tosca

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Eine tolle Zeitreise @Halbheimchen , diese Fotos sind ein wahrer Schatz.

(Die gute Qualität der Bilder erstaunt mich, meine Farbfotos aus den 70ern z.B. sind wesentlich schlechter erhalten, die sind braun gelb.)

Die Geschichten dazu und Ergänzungen von @HeimchenimWald runden das Ganze ab - Danke Euch für dieses Zeitdokument.
 

Halbheimchen

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Der Zigarettentanz

Wenn wir damals nach Jugoslawien gefahren sind, hat meine Mutter immer eine ganz große Tüte mit Bonbons mitgenommen. Wir kinder haben davon nur in Ausnahmefällen eins bekommen. Höchstens wenn man hingefallen ist und sich blutige Knie geholt hat. Ansonsten hieß es, die Bonbons sind für die jugoslawischen Kinder. Die standen am Straßenrand und bettelten um ein Bonbon. Oder wenn wir in einer Ortschaft angehalten haben, wurden wir von den Kindern umringt. Meine Mutter gab dann jedem ein Bonbon und sie ist auch zu den schüchternen hingegangen, die sich nicht hergetraut haben. Jedes sollte eines kriegen. Die Kinder sind überglücklich mit ihrer Beute abgezogen.

Die Erwachsenen konnte man damit nicht sonderlich erfreuen. Die wollten viel lieber eine Zigarette. Damals gab es bei Salzburg die deutsche Grenze und nach 100 Metern kam die österreichische Grenze. Dazwischen war das Niemandsland. Wir Kinder haben gefragt, dass das Land doch irgend jemand gehören müsse. Aber die Eltern sagten, das Niemamandsland sei für die Leute da, die zollfrei Schnaps, Kaffee und Zigaretten verkaufen wollen. Mein Vater kaufte bei der Anreise immer mehrere Stangen Zigaretten, obwohl er damals schon gar nicht mehr rauchte. Diese Zigaretten brachte mein Vater für seine jugoslawischen Freunde als Gastgeschenk mit. Einige der Zigaretten wurden in ähnlicher Weise wie die Bonbons an die Erwachsenen verteilt, die danach gefragt haben.

Einmal war es den Männern nicht genug, nur eine Zigarette erhalten zu haben. Sie wollten die ganze Schachtel. Sie haben uns erklärt, dass sie ihre Frauen für uns tanzen lassen würden. Und die Frauen tanzten auf der Stelle mitten auf der Straße nur für uns. Die Männer hatten noch nicht einmal die Zeit, ihre Zigaretten anzuzünden. Dieses Bild stammt aus 1957 und ist etwas vergilbt. Aber wie ich es nach Jahrzehnten wieder gesehen habe, ist mir die Geschichte wieder eingefallen.





 
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Halbheimchen

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Nachtrag zu #324


Die Bilder sind nicht immer korrekt geordnet. Das habe ich noch zu Bled 1958 gefunden. Bled war damals ein ganz mondäner Kurort für die jugoslawische Prominenz. Tito hatte hier seine Sommerresidenz. Er war damals neben den beiden Führern der beiden Weltmächte USA und UdSSR der dritte mächtige Führer der blockfreien Staaten. Tito hatte damals die Mächtigen der Welt in Bled empfangen. Auf dem Bild sind die Staatskarossen vor dem Grand Hotel zu sehen.

Übrigens hat der in Bled geborene Peter Florjancic im Jahr 1957 den Airbag erfunden. Es ist nicht überliefert, ob er seine Erfindung in die abgebildeten Fahrzeuge eingebaut hat.





 

Halbheimchen

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Nachtrag zu #324

Diese Aufnahme ist auch 1958 entstanden, und zwar nahe Kranj und zeigt eine Hochzeitsgesellschaft, die mit einer Kutsche zu einer Hochzeit nach Lubljana wollte. Die Straße war damals die Hauptverkehrsader zwischen Kärnten und Jugoslawien. Aber damals war es üblich, dass die Straße auch von Pferdefuhrwerken benutzt wurde. Im Übrigen auch bei Nacht und ohne jegliche Beleuchtung. Die Pferde würden den Weg nach Hause kennen - so hieß es früher. Da konnte der Kutscher auch einige Wässerchen zuviel intus haben. Manches ändert sich nicht. Heute sind die osteuropäischen Lastwagenfahrer auf deutschen Autobahnen in ähnlichem Zustand unterwegs. Nur dass sie nicht nur ein Pferd haben, sondern über 500 unter der Motorhaube.






Kranj, Hochzeitsgesellschaft nach Lubljana, 1958
 

Halbheimchen

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Uschi und Dieter auf Hvar und die Straßenbahn in Dubrovnik

Die beiden kannten wir seit unserem ersten Nachkriegsaufenthalt auf Hvar im Jahr 1999. Sie kamen seit den 1960er Jahren regelmäßig in die Stadt und waren mittlerweile schon gut integriert. Dieter besaß einen Ausweis für die Hvarer Leihbücherei, die sich in einer der Gassen hinter dem Arsenal befinden. Dort gibt es auch eine Abteilung für deutschsprachige Literatur. Übrigens hat Bruno, der ja schon seit über 50. Jahre nach Hvar kommt und insgesamt mehrere Monate pro Jahr dort verbringt, in diesem Jahr zum allerersten Mal von der Existenz dieser Bücherei erfahren. Das Leben hält also für jeden noch Geheimnissen bereit.

Uschi und Dieter fuhren täglich – außer sonntags – mit dem Taxiboot nach Ždrilca und sind von dort in die Stipanska-Bucht gelaufen. Beides befindet sich auf der Hvar vorgelagerten Insel Marinkovac.

Ungefähr vor etwa 10 Jahren wurden Uschi und Dieter vom Bürgermeister der Stadt Hvar für ihren 40. Aufenthalt in der Stadt geehrt. Der Festakt fand für eine Hand voll von langjährigen Gästen in der Loggia des Hotels Palace statt. Es wurde den Teilnehmern eine Urkunde und ein Wappen der Stadt Hvar überreicht.

Wir hatten mit den beiden keinen engeren Kontakt. Man kannte sich vom Sehen, wir sind öfters mit dem letzten Taxiboot von den Inselchen in die Stadt zurückgefahren und haben danach an der Riva im Santa Barbara noch etwas getrunken, bevor wir in unsere Ferienwohnungen gegangen sind. Es muss im Sommer 2004 gewesen sein, als Dieter mit meiner Kamera abends am Anleger von Ždrilca auf der Insel Marinkovac in Ivos Taxiboot ein Bild von uns beiden gemacht hat.








Auf Ivos Taxiboot in Ždrilca 2004



Im Jahr nach dem 40. Urlaubsjubiläum haben wir die beiden wieder in Hvar getroffen. Beide sahen sehr verändert aus. Er war sehr bedrückt, sie sehr ausgemergelt und abgemagert. Uschi erzählte uns, sie habe Krebs und nur noch wenige Zeit zu leben. Es sei ihr größter Wunsch, noch einmal nach Hvar zu kommen. Die Ärzte in Deutschland haben ihr gesagt, dass das ganz unmöglich sei. Sie hat aber auf diese letzte Reise bestanden. Die Ärzte in Deutschland haben also mit dem Krankenhaus in Hvar kooperiert und einen Behandlungsplan aufgestellt und die Medikamente nach Hvar geschickt. Uschi war tagsüber auf Marinkovac, nach der Rückkehr abends in Hvar hat sie noch einen Pelinkovac getrunken und ist dann in das Hvarer Krankenheus gegangen. Nur wenige Zeit nach der Rückkehr aus Hvar nach Deutschland ist Uschi gestorben.

Dieter kam im folgenden Jahr noch ein letztes Mal auf Hvar, um dort den Hausstand in der Ferienwohnung aufzulösen. Er hat mir erzählt, dass es sich an die gemeinsam mit Uschi verbrachte Zeit in Hvar nicht mehr erinnern wolle oder könne. Er wolle sich nur noch an die Zeit in Jugoslawien erinnern, in der er noch ohne seine Uschi da gewesen sei. Er habe als junger Mann Dubrovnik besucht und den größten Eindruck habe er immer noch von der offenen Straßenbahn in der Stadt. Die sei aber schon lange außer Betrieb gestellt worden, was in seinen Augen der größte Fehler gewesen sei, den die Verantwortlichen der Stadt Dubrovnik begangen haben. Nach diesem Gespräch habe ich Dieter nie mehr gesehen.

Zur Straßenbahn in Dubrovnik habe ich in #181 schon etwas geschrieben. Auf dem Bild ist links die offene Straßenbahn von Dubrovnik zu sehen.








Jugoslawien 1957, Ragusa
 
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Muezzin Mustafa Kosovac aus Travnik 1959

Im Jahr 1959 haben wir die Bunte Moschee in Travnik besucht. In Bosnien sagt man Šarena džamija oder volkstümlich Sulejmanija dazu und wurde um 1750 gebaut. Wir haben damit gerechnet, die Moschee nur von außen besichtigen zu können. Damals war es nicht möglich, als Nichtmuslim eine Moschee betreten zu dürfen. Im Koran steht zwar geschrieben, dass Götzendiener die Moschee in Mekka und Medina nicht betreten dürfen, aber das Verbot wurde früher auf die meisten Moscheen ausgedehnt. Heute ist das in den multireligiösen Gesellschaften kein Problem mehr. Wenn ich die üblichen Regeln wie zum Beispiel die Schuhe auszuziehen einhalte, kann ich in Deutschland als katholisch sozialisierter Mensch jede Moschee besuchen.

Damals konnten wir nicht damit rechnen, Einlass in die Moschee zu erhalten. Wir hatten aber das Glück, dass der Muezzin der Moschee von Travnik gerade von einem Haddsch glücklich zurückgekehrt war, einer Pilgerreise nach Mekka. Für einen Muslim ist das der Höhepunkt seines Lebens. Die unversehrte Heimkehr wird mit sehr vielen Gästen 14 Tage lang gefeiert. So kamen wir in den Genuss, als Ehrengäste an einem orientalischen Festmahl teilzunehmen und am nächsten Morgen eine exklusive Führung durch die Moschee zu erleben. Leider durften keine Innenaufnahmen gemacht werden.








Muezzin Mustafa Kosovac, Travnik Jugoslawien 1959
 
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Overtourism in Dubrovnik

Jetzt lese ich gerade einen älteren Artikel in THE NEW YORK TIMES über das Thema "Overtourism in Dubrovnik". Da steht geschrieben, dass man sich auf der Hauptverkehrsstraße in der Altstadt von Dubrovnik, also der Großen Straße oder dem Stradun, kaum noch fortbewegen könne wegen der Masse an Touristen. Die Stadt sei schon immer ein Anziehungspunkt für Touristen gewesen und der Andrang sei schon immer so hoch gewesen.

Die Leute von der Times sind wahrscheinlich alles ganz kluge Köpfe, aber sie kennen die alten Dias aus dem Jahr 1957 von meinem Vater nicht. Damals gab es sogar noch Autoverkehr auf dem Stradun.









Jugoslawien 1957, Ragusa Apotheke am Stradun









Jugoslawien 1957, Ragusa Rektorenpalast










Jugoslawien 1957, Ragusa Stradun
 
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