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Von Oprtalj nach Salez (in 3 Teilen)
-3. Teil: Der Schandpfahl von Salez Wir ließen Oprtalj hinter uns und fuhren Richtung Osten weiter. Dabei passierten wir diesen aufgegeben Steinbruch. Schon die alten Römer schätzten den Naturstein aus der Region um Grosnjan – Oprtalj. So sollen Steine aus dem Ort Kave auch beim Bau des Weißen Hauses in Washington, des ungarischen Parlaments in Budapest und der Staatsoper in Wien verwandt worden sein. Wir erreichten den Ort Zrenj (ital. Stidone). Der Ort liegt in 420 Meter Höhe und wurde im Jahre 1304 erstmalig erwähnt. Zrenj kann sich zweier Attraktionen rühmen. So soll das kleine Städtchen der Geburtsort des Hl. Hieronymus (345 – 420 n. Chr.) sein, einem Übersetzer der Bibel aus dem Hebräischen ins Lateinische. Er gilt als einer der bedeutensten Kirchenlehrer des Christentums. ![]() Um der Bedeutung dieses wichtigen Kirchenvaters gerecht zu werden, gibt es hier weitere Informationen für den interessierten Leser aus dem: Ökumenisches Heiligenlexikon http://www.heiligenlexikon.de/Biogra...Hieronymus.htm „Sophronius Eusebius Hieronymus wurde als Sohn christlicher Eltern, die ihn allerdings nicht taufen ließen, in Stridon an der Grenze der römischen Provinzen Dalmatien und Pannonien, geboren. Er studierte in Mailand und Rom, stürzte sich seinem Temperament entsprechend ins Leben der Weltstadt, fühlte sich mehr zu Cicero und Platon hingezogen als zur Bibel, bis ihm nach der Legende im Traum ein Engel die Bücher aus der Hand nahm und ihn vor den ohimmlischen Richter brachte. 366 wurde er getauft. Hieronymus setzte seine Studien in Trier fort, wo er das Klosterleben kennen lernte, dann in Aquileia, wo er sich 373 dem asketischen Bund "Chor der Seligen" anschloss. Eine Wallfahrt ins Heilige Land führte ihn für fünf Jahre zu Einsiedlern in die Wüste Chalkis bei Aleppo, dem heutigen Halab in Syrien. Die Löwenlegende erzählt, wie ein hinkender Löwe die Mönche in die Flucht jagte, Hieronymus aber ihm einen Dorn aus der Tatze zog und die Wunde pflegte, worauf der geheilte Löwe als Haustier blieb und täglich den das Holz für die Mönche herbeitragenden Esel auf die Weide zu begleitete. Dabei schlief er einmal ein, worauf eine vorüberziehende Karawane den Esel raubte. Beschuldigt, den Esel gefressen zu haben, musste nun der Löwe das Holz herbeitragen, bis er eines Tages die zurückkehrende Karawane mit dem Esel als Leittier erblickte. Mit donnerndem Schweifschlagen und Brüllen brachte er den Esel zu Hieronymus zurück, der nahm aber die Karawanenleute freundlich auf und erhielt reichen Lohn für das Kloster. Hieronymus verließ die Mönchsgemeinschaft aufgrund interner Streitigkeiten und kam 375 nach Antiochien - dem heutigen Antakya - wo er die Heimreise krankheitshalber abbrechen musste, Griechisch und Hebräisch erlernte und Schüler bei Apollinaris von Laodicea wurde; 379 wurde er zum Priester geweiht. Zusammen mit dem griechischen Kirchenlehrer Gregor von Nazianz dem Jüngeren verbrachte er drei Jahre in Konstantinopel, lernte auch Origines schätzen. 382 kehrte er nach Rom zurück und wurde Sekretär des römischen Bischofs Damasus I. Seine Weihe zum Bischof wird in den Legenden des 15. Jahrhunderts als Kardinalswürde berichtet. Damasus beauftragte Hieronymus, der sieben Sprachen beherrschte, mit der Übersetzung der Bibel ins Lateinische; Hieronymus übersetzte aus den Urtexten in Hebräisch und Griechisch und schuf die nun und bis heute für die katholische Kirche verbindliche "Vulgata". Hieronymus wurde in Rom auch als guter Seelsorger geschätzt, viele Menschen begaben sich unter seine geistige Führung, unter ihnen Marcella sowie die adlige römische Witwe Paula und deren Tochter Julia, die ihm später ins Heilige Land folgten. Nach dem Tod seines Gönners wollten einige Anhänger ihn auf den Stuhl Petri wählen; andere, denen seine Kritik am Klerus missfiel und die ihn ob seiner Wirkung auf Frauen verleumdeten, verhinderten dies. Enttäuscht verließ er 385 Rom und ging mit einer Gruppe von Frauen über Ägypten nach Bethlehem, wo er zusammen mit Paula vier Klöster gründete: drei Nonnenklöster und eines für Mönche, dessen Leitung er übernahm. 35 Jahre lang wirkte Hieronymus zurückgezogen, aber mit intensiver schriftstellerischer Tätigkeit, wurde zu einem der bedeutendsten Theologen aller Zeiten, oft in seiner Gelehrsamkeit mit Augustinus verglichen; 19 seiner Briefe an diesen sind erhalten. Er verfasste Bibelkommentare und vollendete die Übersetzung der "Vulgata", er schrieb die erste christliche Literaturgeschichte "De viris illustribus" über die "ausgezeichneten Männer" der Kirchen- geschichte. Auf Hieronymus zurück geht die Unterscheidung der Mönche in Anachoreten - das sind die urchristlichen Asketen, die sich aus allen menschlichen Bindungen lösen, um in Askese und Gebet zu leben - und Eremiten - das sind jene,die gemeinsam in einer Mönchssiedlung leben und gewisse Regeln befolgen. Hieronymus beteiligte sich an den Kontroversen mit dem Mönch und Theologen Tyrannius Rufinus, mit Augustinus und mit Jovinian und Vigilantius sowie mit den Anhängern des Pelagianismus; deshalb musste er sich zwei Jahre lang versteckt halten. Kurz nach seiner Rückkehr nach Bethlehem starb er.“ ![]() Marinus van Reymerswaele: Hieronymus als Bibelübersetzer, 1541, Museo del Prado in Madrid Weiterhin ist die romanische Kirche des Hl. Georg (erst 1910 erbaut) berühmt. Man sagt, dass man von der Spitze des nebenstehenden Kirchturms die meisten Glockentürme Istriens sehen kann. Unser Ziel war der Schandpfahl von Salez, bei einem kleinen Weiler nördlich von Buzet, schon in Sichtweite der slowenischen Berge. Mein Tipp für solche Exkursionen ist: Vorher auftanken, gute Landkarten dabei haben und eine Beifahrerin, die diese auch lesen kann! Alle drei Voraussetzungen waren bestens erfüllt und so ging es mal wieder nur über Feldwege rechtsrum-linksrum-bergauf-bergab dem gesuchten Ort entgegen. Bis endlich ein erster Wegweiser auftauchte und uns somit die Richtigkeit der eingeschlagenen Fahrstrecke bestätigte. Die Wegstrecke wurde noch ein bisschen enger und nach einer kleinen Weile tauchte vor uns das erste Gehöft auf. Und dann ging es nicht weiter. So ein Erlebnis hatten wir doch schon mal!? Wie damals im Urlaub 2005 („Auf der Suche nach Kotli“ - http://www.istrien.info/forum/thema7964.html ) tauchte auch jetzt ein älterer Mann aus einer Stallung auf und gab auf unsere Frage gesten- und wortreich zu verstehen: Hier seid ihr falsch, es geht hinterm Haus zu Fuß weiter (so habe ich die kroatischen Worte jedenfalls interpretiert). Also wurde der Wagen am Wegesrand abgestellt und nun ging es zu Fuß weiter. Ein Foto in unserem Reiseführer zeigte eine Steinskulptur vor einem alten Kotten: Den größten erhaltenen Pranger Istriens. Wie soll man solch eine Skulptur ohne weitere Information in dieser abgelegenen Gegend finden? Wir ließen die Kotten von Salez hinter uns und unter den neugierigen Blicken der kleinen Dorfkinder wanderten wir Richtung Wald und Wiesen. Nach ca. 500 Metern Wanderung tauchte auf einer Bergkuppe ein verlassenes Gebäude auf. Könnte es hier sein oder wo soll man sonst in dieser verlassenen Gegend diesen Steinpfahl suchen? So gingen wir erwartungsvoll an dem alten Gemäuer vorbei, das nur noch von allerlei Getier bewohnt wurde. Warum war es wohl verlassen worden, wer hatte dort gewohnt? Geradeaus begaben wir uns weiter durch die Durchfahrt im Hintergrund und ... ... und dort, was steht denn dort? Könnte das das gesuchte Objekt sein? Volltreffer! Der Schandpfahl von Salez war gefunden und drehte uns den Rücken zu. Die Betrachtung von vorn entsprach dann genau der Abbildung in unserem Reiseführer. Er soll der einzige erhaltene Schandpfahl Istriens sein. Die Figur hat eine Größe von etwa 2 Metern und soll wahrscheinlich im Jahr 1769 von der damals herrschenden Familie Gravisi zur Abschreckung von Schandtaten aufgestellt worden sein. Ein Pranger diente damals den Dörfern und Städten auch als äußeres Zeichen der Gerichtsbarkeit. Der Schandpfahl in Originalgröße in unserem Reiseführer: ![]() Auf dem Oberkörper ist eine leider verwitterte Inschrift angebracht. Sie lautet: Gerechtigkeit dieser jämmerlichen Gegend. In Höhe der linken Hand konnte ein verurteilter Delinquent mit einer Kette befestigt und so am Pranger der Öffentlichkeit als Mahnung präsentiert werden. Die Strafe bestand vor allem in der öffentlichen Schande, welche der Verurteilte zu erdulden hatte. Auch war der Bestrafte den Beschimpfungen der Bevölkerung ausgesetzt, die für ihn nicht ungefährlich waren, denn das Bewerfen der betroffenen Person mit Gegenständen und das Prügeln waren dabei üblich. LG Klaus
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