Berichte aus Hvar

Dieses Thema im Forum "Insel Hvar" wurde erstellt von Halbheimchen, 4. Dez. 2018 um 23:37 Uhr.

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  1. Halbheimchen
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    Halbheimchen neues Mitglied

    Berichte aus Hvar 2005, Teil 1:

    Dieser Bericht beschäftigt sich hauptsächlich mit mathematischen Überlegungen zum Strategiespiel "vier gewinnt". Diesen Teil lasse ich weg; wer Interesse daran hat, möge sich bei mir per PN melden. Ich bringe hier nur das Vorwort:

    Im Herbst 2003 haben wir, das sind meine Frau Barbara und ich, auf der Insel Hvar einen Herrn kennen gelernt, der, wie sich später herausstellen sollte, Bruno genannt wird. Besser gesagt: zunächst entstand der erste Kontakt in der Bucht Stipanska auf einer der Stadt Hvar vorgelagerten Insel. Wenn Bruno nicht sonstigen Beschäftigungen nachgegangen ist, denen man üblicherweise auf Stipanska nachgeht, war er mit einer Dame beschäftigt, die später die Verlobte des Schweberates werden sollte. Es war keine Tätigkeit, die man mit der beabsichtigten Verlobung in Verbindung bringen könnte. Vielmehr wurde ein uns bislang unbekanntes Spiel betrieben. Das Spielbrett stand von einer Vorrichtung gehalten aufrecht und hatte viele Löcher, durch die man hindurchschauen konnte. Die Spieler warfen abwechselnd schwarze und weiße Spielsteine oben in das Spielbrett. Die Steine landeten dann mit einem leisen Klicken im unteren Bereich des Spielbretts und waren durch die Löcher zu sehen. Nach und nach waren schwarzweiße Muster zu sehen. Dann kam immer das Ende für die spätere Verlobte des Schweberats und das Spiel ging von neuem los. Das alles geschah unter einer unaufdringlichen und kaum wahrnehmbaren Aufsicht des Schweberats. Dieser saß in dem sich auf Stipanska befindlichen Strandlokal und ging seinen Neigungen nach. Er befasste sich gleichzeitig mit einem Rätselblock und mit unterschiedlichen alkoholischen Getränken. Gelegentlich ließ er von diesen Tätigkeiten ab und sein Blick schweifte versonnen und wohlgefällig hin zu den Spielenden. Dass die Spieler unbekleidet waren, schien dabei nicht zu stören.
    Nun mag sich der ein oder andere Leser Gedanken machen, ob denn dieses Spiel nur unbekleidet gespielt werden kann oder ob das sogar von den Spielregeln gefordert wird wie ja auch andere Sportarten ihre eigenen Kleidungsregeln haben. So tragen zum Beispiel Fußballspieler Fußballschuhe und ein Trikot mit Rückennummer, Formationsfallschirmspringer einen Fallschirm usw. Dem ist nicht so! Das Spiel "vier gewinnt" kann, was die Kleidung der Spieler betrifft, in jedem Outfit betrieben werden. Dass im vorliegenden Fall unbekleidet gespielt wurde, hängt nur mit den Gepflogenheiten auf Stipanska zusammen und hat nichts mit dem Regelwerk des Spiels zu tun.
    Eines Tages kamen wir mit dem Schweberat ins Gespräch. Wir kannten ihn von einem unserer früheren Aufenthalte auf der Insel Hvar. Seinen Namen wussten wir nicht mehr, nur noch, dass er der Vorsitzende des Betriebsrats der Wuppertaler Schwebebahn war. Da sich diese Bezeichnung für den sprachlichen Gebrauch auf Dauer unpraktisch erwiesen hat, bürgerte es sich ein - falls wir die Rede auf ihn brachten - immer nur die Abkürzung "Schweberat" zu benutzen. Als wir dann in diesem Jahr Angesicht zu Angesicht mit ihm in dem Strandlokal auf Stipanska saßen, fiel uns zumindest wieder sein Vorname ein. Wir hatten uns allerdings so an die Bezeichnung "Schweberat" gewöhnt, dass es jetzt auch so bleiben soll. Jedenfalls erfuhren wir von dem Schweberat näheres über das Spiel "vier gewinnt". Die Erläuterungen des Schweberats schlossen mit der Feststellung, dass Bruno in diesem Spiel der ungeschlagene und nicht zu schlagende Stipanska-Meister sei. Noch nie habe Bruno in all den Jahren auf Stipanska eine Niederlage hinnehmen müssen. Er, der Schweberat, könne das sicher beurteilen, da er zu den Pionieren des touristischen Badebetriebs auf Stipanska gehöre. Vor mehr als 30 Jahren habe er aus Holzbrettern Tische und Bänke für die Badenden gebaut und er habe maßgeblich an der Errichtung der Latrine mitgewirkt.
    An einem der folgenden Tage wurde ich dann von Bruno zu einem Bummerl aufgefordert. Mein Gesichtsausdruck war wohl einigermaßen überrascht. Tatsächlich lag das daran, dass ich mit dem Begriff "Bummerl" nichts anfangen konnte. Bruno muss meine Verwirrung erahnt haben. Jedenfalls klärte er mich auf, was ein Bummerl ist: Ein Bummerl ist eine bestimmte Anzahl von Spielen, die erforderlich ist, um den Sieger zu ermitteln. Dieser Begriff ist kein spezifischer Fachausdruck für das Spiel "vier gewinnt". So kann man auch mit einem Kartenspiel ein Bummerl austragen. Vielleicht auch mit anderen Dingen. Als Nicht-Wiener kann ich dazu keine verbindlichen Auskünfte geben. Nachdem diese Sache geklärt war, nahm ich dann am Spieltisch Platz. Es handelte sich dabei um einen Naturspieltisch, genauer um eine natürlich entstandene Felsformation wenige Schritte vom Meer entfernt. Zunächst erklärte ich Bruno, dass mir von dem Spiel lediglich die Spielregeln bekannt seien, gespielt hätte ich "vier gewinnt" noch nie. Eingedenk der Feststellungen des Schweberats konnte ich mir nicht die geringsten Aussichten auf einen Sieg machen und ging deshalb unbelastet aber interessiert und nicht unaufmerksam das Bummerl an. Erwartungsgemäß ging die erste Partie völlig unbedrängt an Bruno. Der Sieg in der zweiten Partie schien ihm schwerer zu fallen. Ich hatte da etwas wie "gemeiner Kerl" gehört. Zu diesem Zeitpunkt war mir allerdings nicht bewusst, dass ich ihm mit meinen Zügen seine Mühlen zerstört hatte. Es war mir noch nicht bekannt, was eine Mühle ist und wie man sie aufbaut. Mein Ziel war, selbst eine strategisch günstige Ausgangsposition zu schaffen und gleichzeitig Brunos Dreier oder gar Vierer zu verhindern. Wahrscheinlich hatte ich intuitiv das Richtige gemacht. Zu Beginn der dritten Partie sah sich Bruno zu der Äußerung veranlasst, ab sofort wachsamer spielen zu wollen. Die Dritte Partie ging an mich. Es war nicht so, dass ich die Partie zwingend herausgespielt hätte. Bruno hatte mehrere Mühlen aufgebaut und einfach nur meine einzige Mühle übersehen. Dennoch wurde daraufhin auf Brunos Veranlassung hin das Bummerl abgebrochen. Bruno wollte noch einmal vor Einbruch der Dunkelheit ein Bad im Meer nehmen. Gleichzeitig kam der bedeutungsschwere Satz: "Du musst mal mit Richard spielen"! Trotz meiner Nachfragen war von Bruno nicht zu erfahren, was es sich denn mit Richard auf sich habe. "Spielst halt mal mit ihm, dann wirst schon sehen".
     
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  2. Halbheimchen
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    Halbheimchen neues Mitglied

    Bericht aus Hvar 2005 Teil 2

    Direkt im Anschluss daran suchte ich dann wieder das Strandlokal auf. Dort war der Schweberat gerade über seine beabsichtigte Verlobung am Berichten. Das ging von den Anfängen der Bekanntschaft mit seiner Verlobten über sein anfängliches auf-zwei-Gleisen-am-Fahren-sein bis zu den geplanten Feierlichkeiten in der Eierbucht. Zu den Gästen der Verlobungsfeier sollte unter anderen auch Richard gehören. Richard sei Mathematik-Professor und der klügste Mensch überhaupt, den er, der Schweberat, kenne.
    An einem der folgenden Tage berichtete Bruno, er habe ein Treffen mit Richard arrangiert. Im Cafe "Santa Barbara" sollte ein Bummerl zwischen Richard und mir ausgetragen werden. Am Abend nach unserem Einschiffen in Stipanska und der Ankunft im Hafen von Hvar kam es dann zu dem angekündigten Aufeinandertreffen. Richard war uns schon von der Verlobungsfeier des Schweberats in der Eierbucht bekannt. In dieses Bummerl bin ich nicht so unbekümmert gegangen, wie noch vor einigen Tagen auf Stipanska. Denn es war jedem klar, dass ich gegen Richard keine Chancen haben würde. Mich hätte eine Niederlage nicht weiter gestört. Es ist keine Schande, als Anfänger gegen den klügsten Menschen, den der Schweberat kennt, ein Bummerl in "vier gewinnt" zu verlieren. Aber Bruno schien das Bummerl mit Spannung zu erwarten. Wie würde jemand, der dem Stipanska-Meister einen Sieg in einer Partie abgerungen hatte, gegen den großen Meister bestehen? Da mich diese Frage auch interessierte, war ich entsprechend aufmerksam, um das Ergebnis nicht durch meine Unkonzentriertheit zu verfälschen. Es wurde vereinbart, dass ich abweichend von den Regeln immer anziehen sollte. Die Partien dauerten von mal zu mal länger. Die vierte Partie ging unentschieden aus. Dieses Ergebnis schien das Signal zu sein, mich in den Kreis der "vier gewinnt"- Eingeweihten auf Hvar aufzunehmen. Richard berichtete mir von seinen theoretischen Überlegungen und Schlussfolgerungen. Auslöser für seine akademischen Ausforschungen waren die Bummerl mit Bruno an den so genannten Milna-Tagen.
    Hier ist eine Erläuterung für den Leser erforderlich: Der Tagesablauf auf Hvar folgt strengen Regeln. Auf den ersten Blick scheint einem Neuling das Treiben als chaotisch und ungeordnet. Ständig laufen Leute kreuz und quer über den Platz und die Riva, manche steigen in Boote ein oder aus. Das alles scheint nur vordergründig von Zufälligkeiten abhängig zu sein. Wenn man sich aber an der Uferpromenade in ein Straßencafe setzt und das Treiben aufmerksam über einen längeren Zeitraum beobachtet, stellt man irgendwann gewisse Regelmäßigkeiten fest. Die meisten haben eine bestimmte Uhrzeit, zu der sie zum Hafen kommen, sie haben ein bestimmtes Boot, das bestiegen wird. Dann setzt man auf eine bestimmte Insel über, sucht immer den selben Badeplatz auf, kommt immer zur gleichen Zeit zurück, danach sucht man ein bestimmtes Lokal auf, trinkt immer das gleiche Getränk. Auch Bruno verhält sich nach einer bestimmten Regelmäßigkeit, die meiner Beobachtung nach von der vorherrschenden Windrichtung abhängt. Bei Levant, Maestral, Bura und Tramontana setzt er auf Stipanska über, verbringt dort seinen Tag und besucht nach seiner Rückkehr das Cafehaus Santa Barbara, um dort einen Capuccino einzunehmen. Bei Jugo wandert er südostwärts dem Wind entgegen nach Milna. Bei der Rückkehr macht er bei Richard für ein Bummerl eine Zwischenstation bevor es dann zu Santa Barbara geht.
    Nach diesem ereignisreichen Treffen wurde ich von Richard bestimmt, eine von ihm verfasste Ausarbeitung zu dem Spiel "vier gewinnt" in Reinschrift zu bringen. Am Vorabend unserer Abreise übergab mir Richard ein handschriftlich geführtes Heft.
     
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  3. Marius
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    Marius Forums-Philantrop

    Hoppla, was ist denn das, bitte?
    Ich sagte doch, der Mann erscheint mir vielversprechend, aber dass sowas kommt hätte ich nicht zu träumen gewagt!

    Herrlich!
    Weitermachen, weitermachen!
    Ich bleibe hier jetzt so lange sitzen mit meinem Aktualisieren-Button bis der nächste Teil kommt!
     
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  4. Heiko705
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    Heiko705 Forum-Guide Mitarbeiter

    Sitzt Du immer noch, Mario? So langsam solltest Du mal an die Arbeit, oder?

    Vielen Dank an Halbheimchen. Die Texte sind sehr unterhaltsam geschrieben. Weiter so!!

    P. S.: Ich wusste gar nicht, dass das Treiben auf der Riva so strengen Regeln unterliegt! ;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Dez. 2018 um 08:57 Uhr
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  5. Barraquito
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    Barraquito erfahrenes Mitglied

    Sowas Schönes heb ich mir auf für heute abend, vielleicht ist dann noch ein weiterer Teil hinzugekommen ?
     
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  6. Heiko705
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    Heiko705 Forum-Guide Mitarbeiter

    "Vier gewinnt" haben wir aber schon als Kinder gespielt. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, habe ich auch meist gewonnen. :dance:
     
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  7. Halbheimchen
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    Halbheimchen neues Mitglied

    Bericht aus Hvar 2006

    Auf den mehrfach geäußerten Wunsch von Anne, der Verlobten des Schweberates, erstatte ich Bericht von unserem Aufenthalt in Kroatien im Frühjahr 2006.


    Wir sind in diesem Jahr mit meiner Cousine Conny und ihrem Gemahl Dieter nach Hvar gekommen. Bei einem abendlichen Treffen mit den beiden in unserem Hause im Winter des Jahres 2005 hatte uns Conny erzählt, dass sie als 11jähriges Mädchen im Jahre 1963 einen Sommer auf Palmižana verbracht habe und unbedingt noch einmal dahin zurückkehren wolle. Meine Frau Barbara hatte spontan den Vorschlag unterbreitet, den nächsten Aufenthalt in Hvar gemeinsam zu verbringen. Bei einigen Flaschen pfälzischen Weines der Rebsorte Riesling wurde diese Idee dann diskutiert. Da Dieter als Polizeibeamten während der Fußballweltmeisterschaft keinen Urlaub würde nehmen können, wurden als Urlaubszeit die beiden letzten Wochen im Mai festgelegt. Am Samstag, den 20.05.2006 sind wir dann morgens um 5 Uhr mit Dieters Automobil abgereist und kamen an diesem Tag bis zu den Plitvicer Seen. Wir nahmen Quartier in einer kleinen Pension etwas abseits von der Hauptverkehrsstraße in Richtung Bihać, Bosnien. Nach dem Genuss von je zwei fangfrischen Bachforellen aus dem Flüsschen Korana pro Essensteilnehmer und reichlichen 5 Litern bijelo vino (insgesamt von allen konsumiert) war die Nachtruhe entsprechend angenehm. Am nächsten Tag nahmen wir die Mittagsfähre von Split nach Stari Grad und erreichten unsere vertraute Unterkunft am frühen Nachmittag, das gelbe Haus von Frane und Marija Plenković oberhalb des Hafens von Hvar.


    Noch am selben Abend sind wir runter in das Städtchen gegangen. Wir haben gehofft, einige Bekannte zu sehen. Zu unserer Freude haben wir dort Bruno getroffen. Er war gerade dabei, im Santa Barbara seine allabendliche Sprechstunde abzuhalten. Bruno sah unverändert gut aus und war augenscheinlich in blendender Laune. Als erstes haben wir nach Christine und Richard gefragt. Natürlich haben wir insgeheim gehofft, dass wir die beiden in Hvar treffen würden, auch wenn dies nach der letzten Aussage in Richards Brief nicht unbedingt zu erwarten war. Bruno berichtete uns, dass Christine wohl mit ihrer Tochter da gewesen sein müsste und dass sich Richard derzeit in Poreć auf der Halbinsel Istrien aufhalten solle. Weiterhin beklagte sich Bruno, dass er während seines derzeitigen Aufenthalts aus der Insel seit dem 27.04.2006 noch keine Gelegenheit hatte, ein Bummerl in „vier gewinnt“ auszutragen. Ich habe im spontan angeboten, sofort oder später ein Bummerl zu machen. Er hat dies abgelehnt mit der Begründung, ich würde das Spiel „vier gewinnt“ zu wissenschaftlich zu betreiben. Er spiele nur mit Leuten, die ein Bummerl in „vier gewinnt“ nur aus Freude am Spielen betreiben würden. Meinen Einwand, dass es einen Unterschied macht, ob man einerseits ein Spiel analysiert oder ob man es andererseits selbst spielt, wollte Bruno nicht gelten lassen. Wer ein Spiel wie „vier gewinnt“ wissenschaftlich untersuche, sei nicht in der Lage, unbefangen an ein Bummerl heranzutreten. Ich habe auch Brunos Versuch bemerkt, Connys Ehegemahl für ein gemeinsames Bummerl zu gewinnen, allerdings hat sich Dieter aus mir nicht bekannten Gründen diesem Werben entzogen. Ich weiß auch nicht, ob Bruno in diesem Aufenthalt die Gelegenheit hatte, seinen Status als Stipanska-Meister unter Beweis zu stellen.


    Conny und Dieter haben uns unabhängig voneinander versichert, dass der Aufenthalt in Hvar ihre Erwartungen übertroffen hätte und sie bestimmt noch einmal wiederkommen würden. Die eine, weil sie in Palmižana die Spuren gefunden hat, die ihre Eindrücke in ihren Kindheitstagen in ihrer Erinnerung hinterlassen haben und teilweise so verschüttet waren, dass sie erst jetzt wieder in ihr Bewusstsein traten. Der andere, weil Hvar im Vergleich zu seinem sonstigen Sommerurlauben in Novi Vinodolski an der Kvarner Bucht gelegen eben mehr geboten hat, als dösend an den Klippen zu liegen und Mießmaße zu trinken. Dieter spricht das als Mießmaß aus, weil der die Feinheiten der diakritischen Zeichen der kroatischen Sprache entweder nicht kennt oder bewusst nicht beachten will. Die korrekte Schreibweise für dieses Mischgetränk aus je einem Teil Rotwein und Orangenlimonade ist Mišmaš und wird daher wahrscheinlich eher wie „Mischmasch“ ausgesprochen. Losgelöst von seiner Schreibweise kann ein unkontrollierter Mießmaßgenuss an einem sommerlichen Mittag erheblich in die weitere Planung des Tages eingreifen und zu den bekannten, voraussehbaren Reaktionen seitens der Weiblichkeit führen.


    Wir haben während unseres Aufenthaltes auf Hvar einiges unternommen. Bereits am ersten Tag nach der Ankunft bin ich mit Dieter auf der alten Straße über Brusje bis auf den höchsten Punkt in das Lokal Levanda marschiert und nach einer kurzen Stärkung über die beiden Grabljes nach Milna. Dort hatten wir uns mit unseren Damen im Lokal der zwei Brüder zum gemeinsamen Abendessen verabredet. Ich habe leider die Kraft der Sonne im Mai unterschätzt, sodass ich mich in Folge eines Sonnenstichs, den ich mir während der Wanderung zugezogen habe, nicht mehr an diesen Abend erinnern kann. Angeblich soll ich mir den größten Fisch aus den Beständen ausgewählt und diesen nach seiner Zubereitung aus allen Perspektiven fotografiert haben.


    Obwohl wir schon mehrfach Hvar besucht hatten, war für uns ein Ausflugsziel auch neu gewesen. Wir sind mit Wanjas Taxiboot nach Palmižana übergesetzt und auf einem Eselspfad nach Vlaka gelaufen, um dort in einer Konoba namens „Dionys“ einzukehren: Ein schöner Weg von ungefähr einer halben Stunde, ein schönes Lokal mit Blick auf die Insel Vis, ein schöner Mittag. Wahrscheinlich ist das in der Saison anders, aber Mitte Mai war der Service freundlich, das Essen hervorragend und die Schnäpse, die wir auf das Wohl des Hausherrn zu trinken hatten, überreichlich.


    An einem der Tage herrschte Yugo und über der Insel Vis waren reichliche Wolken. Wer Bruno kennt, weiß, dass diese Anzeichen für ihn das Signal sind, um nach Milna zu pilgern. Bruno hatte Dieter angeboten, ihn auf diesem Gang von den Folgen übermäßigen Alkoholgenusses zu therapieren. Da Dieter ein begeisterter Wanderer ist und während des Aufenthaltes auf Hvar varHHauch fortlaufend einen entsprechenden Therapiebedarf hatte, nahm er diese Einladung mit Freuden an. Dieter wurde dann in Milna von Bruno in das Lokal Moli Onte eingeführt, um dort ein Gericht mit gekochten Artischocken zu verzehren. Jedenfalls war Dieter ziemlich angetan, sodass wir zu viert noch zweimal dieses Lokal aufgesucht haben; allerdings zum subtil geäußertem Ärger und einer kaum unverhohlenen gezeigten Enttäuschung der zwei Brüder.


    Da wir nahezu jeden Abend im Kaffeehaus zur heiligen Barbara eingekehrt sind, blieb es nicht aus, dass unsere beiden Mitreisenden Conny und Dieter ihre Bekanntschaft mit dem Schweberat und seiner Verlobten Anne machten, welcher zwischenzeitlich angereist und wie üblich im Hotel Palace abgestiegen war. Unter anderem wurde auch die Vorliebe des Schweberates für die Eierbucht thematisiert. Conny begab sich sodann an einem Tag zum Sonnenbaden in der Eierbucht in das Gefolge des Schweberates


    Bruno, der mittlerweile Dieters Passion für das Wandern feststellen konnte, wollte ihn für gelegentliche Inselumrundungen auf Marinkovac gewinnen. Das gehört zu Brunos alltäglichem Pflichtenprogramm auf Stipanska. Allerdings hat sich Dieter strikt geweigert, daran teilzunehmen. Als „Flucht vor dem Nudismus“ hat Bruno diese für ihn unverständliche Verhaltensweise charakterisiert. Jedenfalls hat das Dieter bei Bruno den Spitznamen „Moritz“ eingebracht. Wir saßen abends nach stattgehabter Tagesfreizeitbelustigung im Santa Barbara, d.h. Conny, meine Frau Barbara, Bruno und ich. Plötzlich sagte Bruno, dass Dieter jetzt nur noch „Moritz“ heiße. Bruno hat dabei Tränen gelacht. Uns außenstehenden war natürlich nicht klar, was daran so lustig war, zu Dieter nur noch „Moritz“ zu sagen, bis uns Bruno aufklärte, warum er von Stund an nur noch „Moritz“ zu Dieter sagen werde: Es gäbe auf der Welt kein Tier, was störrischer und sturer sei als ein Esel. Unter allen Eseln dieser Welt seien die störrischsten und stursten die dalmatinischen Esel. Ausnahmslos würden alle dalmatinischen männlichen Esel den Namen „Moritz“ tragen. Aus diesem Grunde werde er künftig zu Dieter nur noch „Moritz“ sagen. Das konnte „Moritz“ allerdings nicht veranlassen, Bruno auf seinen Sonnenmärschen zu begleiten. Sehr wahrscheinlich hat zur Begründung des Beinamens „Moritz“ auch die moritzsche Abwehr gegen ein Bummerl mit Bruno beigetragen. Für Conny hatte Bruno die Beinamen „Illyria“ oder gelegentlich sogar „Illyruschka“ benutzt. Nach seiner Ansicht habe sie illyrische Gesichtszüge. Die näheren Hintergründe sind mir für diese Namensgebung aber nicht bekannt. Bruno erzählte etwas von einer illyrischen Fehlsichtigkeit, einer Eigenschaft, die auch auf meine Cousine Conny zutreffen soll.


    Nach 10 Tagen auf Hvar Wochen haben sich unsere Wege getrennt. Conny und Dieter reisten in Richtung Kvarner Bucht ab und verbrachten noch wenige Tage in ihrem angestammten Urlaubsquartier in Bribir, das im Hinterland von Novi Vinodolski liegt. Wir ließen uns mit dem Katamaran nach Lastovo übersetzen. Diese Insel haben wir schon seit langer Zeit aus der Ferne gesehen. Es scheint in der Natur des Menschen zu liegen, dass eine Insel, die man zwar sehen, die man aber nicht ohne weiteres erreichen kann, besondere Anziehungskraft ausübt. Jedenfalls haben wir uns oder vielleicht habe auch nur ich mir schon lange vorgenommen, irgendwann einmal Lastovo zu besuchen. Die Insel, oder besser gesagt, das Archipel – Lastovo besteht aus insgesamt 40 Inselchen – hat es uns nicht leicht gemacht. Wir sind bei strahlendem Sonnenschein in Hvar abgelegt, kurz vor der Ankunft begann ein Gewitter mit Sturm, Blitz, Donner und Regen, das so nur auf dem Meer zu erleben ist. Die Wolken haben sich über Lastovo verfangen und das Unwetter hat kein Ende genommen, sodass wir nach zwei Tagen weitergezogen sind. Mir schien es so, als würden sich sämtliche Wolken der Adria nur über Lastovo versammeln, um dort mit viel Blitz und Donner zu vergehen.


    Wir sind also mit dem Schiff über das Meer gekommen (wie auch sonst; die Insel ist anders nicht zu erreichen). Die meisten Passagiere sind in Vela Luka auf der Insel Korćula ausgestiegen. Uns wurde das exklusive Vergnügen zuteil, mit vielleicht drei weiteren Fahrgästen in diesem großen Boot weiterbefördert zu werden. Wir sollten erst später erfahren, dass dieser Umstand nicht unbedingt ein Vorteil sein muss. Die Insel ist noch nicht einmal in der Hauptsaison auf Tourismus eingestellt, Ende Mai schon gleich gar nicht. Gegen Abend sind wir bei strömenden Regen im Fährhafen Ubli angekommen. Ubli besteht eigentlich nur aus dem Fähranleger, einer Trinkhalle mit Fahrkartenverkauf für die Fähre und etwa 20 Häusern, wovon die Hälfte nur noch moderne Ruinen sind. Vom hier aus besteht eine Buslinie zum Hauptort der Insel nach Lastovo-Stadt. Bei unserer Ankunft haben wir diesen Bus genommen. Die Inseln selbst sind landschaftlich sehr reizvoll, nahezu unbewohnt und wild romantisch. Sie sind ziemlich bergig und begrünt, teilweise mit spektakulären Klippenabbrüchen zum Meer, aber auch mit stillen und windgeschützten Buchten. Lastovo war bis Ende der 80er Jahre ein militärisches Sperrgebiet. Man erkennt überall noch verlassene militärische Anlagen. Das sind Geschützstellungen und auf der Wasserlinie in den Berg getriebene Höhlen, die wohl als Unterstände für Kriegsschiffe gedient haben.


    In Lastovo-Stadt angekommen haben wir das Zentrum des insularen Lebens entdeckt: Es gab an der Bushaltestelle eine kleine Bar mit Sitzgelegenheit. Dort saß ein halbes Duzend älterer Männer, die ihren Abendtrunk zu sich nahmen. Weiterhin gab es in einem einheitlichen Komplex ein Restaurant, einen kleinen Supermarkt, ein kleines Hotel, eine Bank und eine Touristinformation. Die gesamte Anlage hat noch den klassischen sozialistischen Charme aus früheren Tagen. Allerdings sind diese Einrichtungen nur zur Saison geöffnet. Die Saison in Lastovo währt von Anfang Juli bis Mitte August. Dann soll angeblich einiges los sein. Außerhalb der Saison leben die knapp 2000 Bewohner ein beschauliches Leben, das nicht von Touristen aus dem Gleichmaß gebracht wird. Da wir außerhalb der Saison lagen, war natürlich alles geschlossen.


    Meine Frau war einigermaßen betroffen ob der Tatsache, nicht zu wissen, wo wir die kommende Nacht verbringen würden. In ihrer Not hat sie sich an eine Insulanerin gewandt, die mit ihrem Mann ihr Arbeitsleben in Deutschland verbracht hat und dementsprechend gut Deutsch sprach. Sie hat uns mitgeteilt, dass es momentan in Lastovo-Stadt nichts gäbe, was geöffnet hätte, kein Hotel, keine Privatunterkünfte, kein Geschäft, kein Restaurant, nichts; eventuell könne man im zweiten größeren Ort der Insel, in Pasadur etwas finden.


    Wir sind dann mit dem gleichen Bus wieder zurück gefahren. Der Busfahrer muss unser Problem mitbekommen haben. Er erwies sich als wahres Multitalent: mit einer Hand den Bus über die enge Straße an der Steilküste lenkend, mit der anderen Hand das Mobiltelefon ans Ohr haltend, im Mundwinkel eine Zigarette rauchend, ständig telefonierend und gleichzeitig sich mit den Fahrgästen unterhaltend. Dabei hat er es noch fertig gebracht, uns telefonisch eine Ferienwohnung zu vermitteln, zu der er uns mit seinem Bus abweichend vom Fahrplan bis vor die Haustür gebracht hat. Er hat uns noch berichtet, dass er neben seiner Funktion als Busfahrer und Zimmervermittler auf der Insel noch die Funktionen des Müllkutschers, des Taxifahrers und des Krankentransporteurs ausübte.


    Die Ferienwohnung war eigentlich ganz in Ordnung bis auf die Tatsache, dass die Vermieterin Ende Mai noch nicht mit Gästen gerechnet und dementsprechend keine Grundreinigung vorgenommen hat. Wie schon gesagt war es kalt und regnerisch. Barbara hat in der Nacht die Decken aus sämtlichen Zimmern zusammengetragen, damit wir uns einigermaßen vor der klammen Kälte schützen konnten.


    Es gab in Pasadur kein Geschäft, kein Lokal und neben wenigen Privatunterkünften nur das Hotel Solitudo. Wer des Lateinischen mächtig ist, weiß, was dieser Begriff bedeutet: Einsamkeit, Ödnis oder Wüstenei. So stand dieser hässliche Klotz aus Beton und Glas inmitten von den vielleicht 15 Häusern des kleinen Ortes. Danach verlor sich die Straße im Meer. So könnte man sich das Ende der Welt vorstellen, wenn wir nicht wüssten, dass die Erde eine Kugel ist und zumindest geografisch kein Ende hat. Selbstverständlich war das Hotel, das augenscheinlich noch zu Zeiten des Sozialismus in typischer Manier errichtet wurde, außerhalb der Saison geschlossen. Aus irgendeinem Grund hatte allerdings die dem Hotel zugehörige Konoba geöffnet. Zu unserer großen Überraschung wurde die absolute Monopolstellung des einzigen, geöffneten Lokals auf der Insel nicht ausgenutzt. Wir sind dort sehr gut von einem bayerisch sprechenden Insulaner bedient worden; es gab hervorragende Fischgerichte und Meeresfrüchte zu sehr moderaten Preisen.


    Nach zwei Tagen sind wir mit fast soviel Geld in der Tasche wieder abgereist, d.h. um 3 Uhr in der Frühe aufstehen, dann nach einem halbstündigen Fußmarsch mit großem Gepäck im strömenden Regen dem Hafen erreichen, um den Katamaran um 4 Uhr 30 zu bekommen. Unser Busfahrer wollte uns eigentlich mit dem Taxi zur Fähre bringen, konnte dies aber aus terminlichen Gründen nicht realisieren. Dennoch hatte er es sich nicht nehmen lassen, sich persönlich von unserer Abreise zu überzeugen. Er kam auf die Fähre und verabschiedete sich von uns mit den besten Wünschen. Vielleicht wird auf Lastovo jeder Gast von ihm mit Handschlag verabschiedet. Wenn nicht gerade Saison ist, ließe sich das ohne weiteres bewerkstelligen. In Vela Luka auf der Insel Korćula sind wir dann in den Linienbus nach Dubrovnik eingestiegen. Der Bus fährt nach Korćula-Stadt, setzt mit der Fähre über nach Orebić und erreicht sein Ziel über die Küstenstraße um 10 Uhr. Wir sind dann mit einem anderen Bus nach Cavtat an der montenegrinischen Grenze weitergefahren und haben uns dort ein Zimmer gesucht.


    Cavtat könnte ein schönes altes Hafenstädtchen sein, wenn es nicht von riesigen Hotelanlagen eingekesselt und von Pauschaltouristen überschwemmt wäre. Dennoch sind wir vier Tage bis zu unserem Abflug nach Deutschland dort geblieben. Auch in dieser verbleibenden Zeit war das Wetter für die Jahreszeit zu kühl und regnerisch.


    Zweimal haben wir Dubrovnik besucht. Zuerst sind wir mit dem Bus in die Stadt gefahren. Der weltberühmte Blick auf die Altstadt, wenn man sich auf der Küstenstraße aus Richtung Süden nähert, die in diesem Teil hoch oben in den Bergen entlag führt, ist wirklich sehenswert. Später haben wir festgestellt, dass dies zumindest für uns der Höhepunkt des Besuchs dieser Stadt war. Da es am ersten Tag regnete, besuchten wir einige Kirchen und Museen, um uns vor der Witterung zu schützen. Im Rektorenpalast befindet sich eine Gemäldesammlung alter dalmatinischer und venezianischer Meister aus der Renaissance und dem Barock. Die Eintrittspreise haben das Niveau wie im Louvre, sind aber mit nichts zu rechtfertigen. Die Präsentation der Exponate spottet jeder Beschreibung. Es scheint so, als ob die Bilder unabhängig von stilistischen Erwägungen völlig unstrukturiert dort an die Wand gehängt wurden, wo sich gerade ein freier Platz oder ein in die Wand geschlagener Nagel befand. Aus Raumknappheit befinden sich die Bilder in drei Reihen übereinander, die oberen in 4 bis 5 Metern Höhe. Die Hinweisschilder zu den Gemälden sind entweder nicht mehr vorhanden oder unleserlich. Die Ausleuchtung erfolgt dadurch, dass gelegentlich ein Stromkabel von der Decke hängt, an dessen Ende sich eine Fassung befindet. In den Fassungen sind schwache Glühbirnen, von denen jedoch nur die Hälfte funktionsfähig ist. Man kann so einen Schweinestall ausleuchten, nicht aber eine Gemäldesammlung, die den Anspruch an sich stellt, die bedeutendste im adriatischen Raum zu sein.


    Die Kirchen sind nur von außen eindrucksvoll. Innen herrscht ein greller Stilmix, den man so nicht erwartet hätte. Tröstlich ist nur, dass die Kirchen noch rege von den Gläubigen besucht werden. In der Kirche des Hl. Blasius (sv. Vlaho) haben wir ein Beispiel der neuen dalmatinischen Geschäftstüchtigkeit miterlebt. Im Seitenbereich befand sich eine Etagere für die Opferkerzen. Da sämtliche Halterungen mit den von den Touristen gespendeten Kerzen belegt waren, trat ein Mönch an die Etagere, entnahm die Kerzen, blies sie aus und warf sie in einen bereitstehenden Blecheimer. Wir sind davon ausgegangen, dass er Platz für neue Kerzen und damit für neue Spendeneinnahmen sorgen wollte und waren einigermaßen überrascht darüber, dass sich vermeintlich auch die Geistlichkeit an diesem unheiligen Treiben der Ausbeutung der Touristen, das allenthalben in der Stadt anzutreffen ist, beteiligte. Umso erstaunter waren wir, als wir bemerkten, wie der brave Mönch in einem entlegenen Winkel der Kirche die Kerzen aus dem Eimer nahm, wieder aufstellte und erneut anzündete, um die Opferkerzen ihre rituelle Zweckbestimmung erfüllen zu lassen.


    Sehenswert und einzigartig ist die Apotheke aus dem Mittelalter. Hier war schon sehr viel politische Prominenz aus aller Welt. Sehenswert war auch eine Ausstellung im Keller des Rektorenpalasts über die Insel Palagruza. Sie ist die vom kroatischen Festland entferntest liegende Insel. Palagruza liegt näher an der italienischen Küste als an der kroatischen. Für den Schiffsverkehr auf der Adria ist der Leuchtturm auf Palagruza trotz der modernen satellitengesteuerten Navigationshilfe immer noch von enormer Wichtigkeit. Ein Teil der Ausstellung widmete sich den archäologischen Ausgrabungen, welche ergeben haben, dass die Insel schon in der Jungsteinzeit besiedelt war. Es konnte auch bewiesen werden, dass Palagruza die Insel des Diomedes ist. Jener Diomedes, der ein homerischer Held auf der Seite der Griechen im trojanischen Krieg war, nach seiner Rückkehr von seiner Frau beinahe vergiftet worden wäre und deshalb seine Heimat Argos auf dem Peloponnes verließ. Auf seinem Exodus soll er auch Station auf Palagruza gemacht haben. Später soll er sich in Apulien niedergelassen und die Stadt Brindisi gegründet haben. Der naturwissenschaftliche Teil der Ausstellung befasste sich mit der geologischen Entstehung der Insel und der einzigartigen Flora und Fauna der Insel. Auf Palagruza gibt es endemische Eidechsen- und Pflanzenarten; das sind Arten, die ausschließlich dort vorkommen.


    Am nächsten Tag sind wir bei etwas besserem Wetter von Cavtat mit dem Schiff in die Altstadt von Dubrovnik gefahren. Zunächst hatten wir einen Rundgang über die Stadtmauer gemacht. Es wurden unglaubliche Menschenmengen über die begehbare Mauerkrone geschleust. Nur selten blieb ein kurzer Augenblick, an dem man anhalten und die wirklich herrliche Aussicht über das Meer oder über die Dächer der Altstadt genießen zu können. Meistens wurden wir vom Strom der Touristen weitergeschoben. Ich kenne Dubrovnik noch aus Kindheitstagen Mitte der 60er Jahre. Damals hat mich am meisten der strahlend weiße Marmor des Straßenbelags beeindruckt und insbesondere der Hauptverkehrsweg, die Stradun. In diesem Jahr war vor lauter Menschen von dem Boden fast nichts zu sehen. Stattdessen wurden wir ständig von Schleppern angesprochen, die uns in obskure Lokale oder Geschäfte locken oder gar zerren wollten. Überhaupt wird in der Altstadt jedes Haus, jede Tür und jedes Fenster genutzt, um daraus Eiscreme, Getränke, Fastfood oder Souvenirs dem nicht enden wollenden Strom von Touristen total überteuert anzupreisen. Unsere Vermieterin aus Hvar hatte uns schon vor den hohen Preisen in Dubrovnik gewarnt. Dass es aber so schlimm kommen sollte, hatten wir nicht geahnt. Wir sind in einem Lokal zwar innerhalb der Stadtmauer aber doch weit ab von dem Zentrum und damit den zahlreichen Besuchern eingekehrt, um eine Kleinigkeit zu uns zu nehmen. Für zwei Glas schlechten Weines, sechs dünnst aufgeschnittene Schreiben Schinken, vier fast ebenso dünn aufgeschnittene Stücke Käse unbekannter Provenienz – angeblich Käse aus Pag – sowie zwei Oliven haben wir 50 Euro gezahlt. Das ärgert mich übrigens heute noch. Die Altstadt scheint nur noch als Kulisse für die Touristen aufrechterhalten zu werden. Das Weltkulturerbe „Perle der Adria“ als Disneyland Dalmatiens. Wir hätten uns mit dem bekannten Blick aus der Ferne auf die Altstadt begnügen sollen. Dann wäre uns eine weitere desillusionierende Erfahrung erspart geblieben. Dubrovnik ist eigentlich eine herrliche Stadt mit viel Flair, einer grandiosen Architektur und einer Geschichte, die man an förmlich spüren kann. Die Stadtmauern von Dubrovnik sind das besterhaltene Fortifikationssystem in Europa. Man sollte daher nur weit außerhalb der Saison kommen, wenn man etwas davon erleben möchte.


    Bei unserer Abreise im Flughafengebäude von Dubrovnik haben wir zwei Begebenheiten beobachtet, die dem Kenner einiges sagen können. Zunächst haben sich die Zoll- und Polizeibeamten vor dem großen Ansturm der Fluggäste am Duty-Free-Shop, der eigentlich den Auslandsreisenden vorbehalten ist, noch stangenweise mit zollfreien Zigaretten versorgt. Zwar mag der finanzielle Schaden für den kroatischen Staat dadurch in Grenzen halten, dennoch ist das symptomatisch für die Mentalität. Sodann hat sich eine alleinreisende ältere Dame aus Deutschland in ihrem Urlaub in einen herrenlosen dalmatinischen Hund verliebt und wollte diesem im zivilisierten Mitteleuropa ein paradiesisches Hundeleben ermöglichen. Zu diesem Zweck wurde das Tier in eine Transportbox gesperrt und mit einem offenen Pritschenwagen bis vor den Laderaum des Flugzeugs gebracht und auf der Rollbahn abgestellt. Während die Passagiere an Bord gingen, befreite sich das verängstigte Tier aus der unzulänglichen maghrebinischen Konstruktion und hetzte ziellos über das Rollfeld. Danach musste der Flugbetrieb für 40 Minuten eingestellt werden, da sämtliche Piloten und das Bodenpersonal mit dem Einfangen des Hundes beschäftigt waren. Die derart geschundene Kreatur musste dann nach ihrer Habhaftwerdung nicht mehr in den Frachtraum, sondern durfte wider die luftverkehrsrechtlichen Bestimmungen bei ihrer neuen Herrin in der Kabine einer besseren Zukunft entgegen fliegen.


    Positive Erkenntnis unseres Ausflugs nach Süddalmatien war, dass Hvar nicht das schlechteste Urlaubsziel ist. Unsere Einstellung zu Hvar wurde dadurch wieder relativiert. Es gibt zwar rasante Veränderungen. So sollen jetzt die Hotels Amphora und Bodul abgerissen werden. Während unseres Aufenthalts wurden die Hotels Slavia und Amphora komplettsaniert. Die Arbeiten werden von Fremdarbeitern aus Weißrussland durchgeführt. Auch an Kroatien geht die Globalisierung nicht vorbei. Nicht zu unrecht befürchten die Inselbewohner, dass die Erträge aus dem Geschäft mit dem Tourismus an ihnen vorbeigehen könnten.


    Das Hotel Slavia wurde umbenannt in Riva und ist zu einem Luxushotel für das zahlungskräftige internationale junge Publikum, das klaglos nebenan im Carpe Diem 20 Euro für einen Longdrink hinblättert, umgebaut worden. Es ist in Kroatien das einzige Hotel, dass Mitglied in der Vereinigung kleiner Luxushotels der Welt ist. Auch die restlichen Hotels werden saniert und modernisiert. Ein Hotelmanagerteam aus Deutschland und der Schweiz wollen die Zahl der Hotelbetten drastisch senken zugunsten eines solventen kleinen Publikumskreises. Man möchte im östlichen Mittelmeer einen Kontrapunkt zu Marbella in Spanien, zu Cape Antibes in Frankreich, Monaco und der Costa Smeralda auf Sardinien setzen. Jedenfalls möchte man künftig weder die alten nudophilen Stammgäste noch den ausufernden Massentourismus haben, wobei die letzte Absicht durchaus lobenswert ist. Hvar soll zu einem noblen Urlaubsort für den Jetset umgewandelt werden. Vielleicht will man wie auf Capri von jedem Besucher, der die Stadt betreten möchte, ein saftiges Eintrittsgeld verlagen, um die weniger betuchten fernzuhalten? Mir ist nicht klar, wie diese Entwicklung zum exklusiven Urlaubsort vonstatten gehen soll. Hvar ist eine jahrtausende alte Stadt, in der seit ungezählten Generationen Menschen leben. Soll es zu einer pittoresken Kulisse wie die Altstadt von Dubrovnik werden? Soll das Leben in der Stadt nur noch für die Edeltouristen inszeniert werden? Ich nehme an, dass die Verantwortlichen aus Mitteleuropa nicht in voller Tragweite die maghrebinische Mentalität der Inselbewohner ins Kalkül gezogen haben. Insoweit dürfte es schwierig wenn nicht unmöglich sein, diese hochtrabenden Pläne umzusetzen.


    In einem Artikel des Spiegels habe ich gelesen, dass im Jahr 2005 erstmals mehr Touristen an die kroatische Küste gekommen sind, als vor dem Bürgerkrieg. Insgesamt kamen 8,5 Millionen Gäste, die durchschnittlich 6 Tage verbrachten. Nach meinen Beobachtungen vom letzten September 2005 hatte sich Hvar einen großen Anteil an diesem Kuchen gesichert.


    Eines Abends saßen wir im Santa Barbara und beobachteten, wie die Besatzung einer an der Riva liegenden Yacht einen riesigen Flachbildschirm installierte und einen Pornofilm laufen ließen. Es war noch weit vor Mitternacht und dementsprechend konnte erwartet werden, dass noch Kinder unterwegs sind. Wenn ich schon überrascht war von der Tatsache, dass 6 besoffene Österreicher eine kostenlose Aufklärungskampagne betrieben, so war ich doch sehr befremdet, dass die Ordnungshüter der Stadt Hvar nicht eingeschritten sind. Ansonsten ist ein Bediensteter des Hafenamts schon zur Stelle, bevor eine einlaufende Yacht überhaupt den Anker geworfen hat, um die fälligen Liegegebühren einzunehmen. Mir scheint, die Leute in Hvar nehmen alles hin, solange es nur Geld einbringt, wie etwa bis in den Morgengrauen lärmende Touristen, die ihre leeren Flaschen auf dem Boden zertrümmern und gegen die Hauswände urinieren, die ungestört Drogen konsumieren, wie die Heuschrecken über die Stadt herfallen. Die Liste ließe sich ziemlich weit fortsetzen, jeder von euch könnte etliche Beispiele nennen. Kaiser Vespasian erhob im alten Rom auf öffentlichen Toiletten eine spezielle Latrinensteuer. Von Kritikern darauf angesprochen, soll er an einer Münze gerochen und "{pecunia} non olet" ("{Geld} stinkt nicht") erwidert haben. Übrigens heißen die öffentlichen Toiletten in Paris noch heute "Vespasienne". Man kann durchaus sein Geld mit Scheiße verdienen, man sollte aber nicht so weit gehen, dass man auch noch darin baden muss, um es zu verdienen. Irgendwann einmal wird der Touristenstrom versiegen und sich andere Zeile suchen. Zurückbleiben wird dann eine verbaute und betonierte Küste, ein verdrecktes Meer, Drogenkonsum, Beschaffungskriminalität und der eine oder andere entwurzelte Mensch.


    In unserem Reiseführer über die dalmatinischen Inseln steht geschrieben, dass die Bevölkerung bis ins hohe Mittelalter sehr einträglich von der Piraterie gelebt hätte. Unter dem Schutz der Venezianer habe man sich dann friedlicheren Dingen wie Weinbau und Fischfang zugewendet und die grausame Seeräuberei endgültig aufgegeben. Mir scheint, die Autorin hat zuviel in Geschichtsbüchern gestöbert und zu wenig Recherchen vor Ort angestellt. Ansonsten hätte sie unschwer feststellen können, dass die mittelalterlichen Untugenden wieder hoch im Kurs stehen. Nur ein Beispiel: Die Strecke von Hvar nach Lastovo misst 75 Kilometer. Der Fahrpreis für die einfache Passage mit dem Katamaran beträgt für alle, also für die Einheimischen als auch die Gäste, 22 Kuna. Für immerhin 2 Kuna weniger, nämlich für 20 Kuna wird der Tourist von der Riva auf seine etwa 50 Meter im Hafenbecken ankernde Segelyacht übergesetzt. Für 30 Kuna gelangt er nach Jerolim, wobei da sogar noch das Rückticket inbegriffen ist. Hier erreicht das dalmatinische Handelsgeschick seinen einsamen Höhepunkt. Jetzt soll einer behaupten, die Zeiten der Piraterie sei Vergangenheit. Teilweise hat sie sich auch nur an Land verlagert.


    Trotz alledem besuchen wir die Stadt immer wieder. Als dreijähriges Kind war ich im Jahr 1962 mit meinen Eltern auf Palmižana. Ich habe zwar keine konkrete Erinnerung mehr an diesen Sommer. Geblieben ist eine Sehnsucht nach dieser Gegend. Meine Eltern erzählten oft von Hvar, von Palmižana und den Menschen, die dort leben. Manchmal bezeichneten sie die Insel als die wahre Hölle, manchmal als das Paradies auf Erden. Ich habe das als Kind nie begriffen, wie ein Ort mit den beiden Begriffen Himmel und Hölle, die den stärksten Gegensatz darstellen, beschrieben werden kann, ohne dass sich das widersprechen würde. Aus Erzählungen meiner Eltern wusste ich nur, dass die Insel Palmižana in der Nähe von Hvar liegen musste. Als wir 1998 während unserer theoretischen Hochzeitsreise mit der Marco Polo von Rijeka nach Korćula gefahren sind, kamen wir auch an Hvar vorbei. Ich schaute auf der Karte nach, ob eine der der Stadt vorgelagerten Inselchen die Insel Palmižana ist. Auch nach intensiver Suche konnte ich nichts finden. Selbst im gesamten dalmatinischen Raum gab es keine gleichnamige Insel. Ich wusste damals noch nicht, dass mit Palmižana nur eine Bucht auf Sv. Klement bezeichnet wird, die aber in meiner Karte nicht vermerkt ist.


    Die kurze Fahrt mit der großen Autofähre durch den Hvarer Kanal hat uns so bezaubert, dass wir beschlossen, einmal hier her zu kommen. Wir kamen dann ein Jahr später im Juni 1999 mit der Morgenfähre in Stari Grad an. Damals war die neue Straße noch nicht für den Verkehr frei gegeben und wir mussten über die alte Straße über Brusje nehmen. Es war ein typischer klarer Tag mit stahlblauem Himmel und einer Fernsicht, wie man sie nur bei Tramuntana erlebt. Am höchsten Punkt der Straße am Restaurant Levanda hielten wir an. Die ganze Inselwelt Mitteldalmatiens lag zum Greifen nah vor uns. An diesem Tag war selbst die Insel Palagruza weit ab vom Festland zu erkennen. Durch blühende Lavendelfelder sind wir schließlich in der Stadt Hvar gekommen. Direkt am Hafen haben wir ein Zimmer bezogen. Am nächsten Morgen sind wir am Hafen entlanggeschlendert. Auf der Höhe des Arsenals lagen gut ein Duzend Boote vor Anker. Vor jeden Boot stand ein Mann mit der Bootsleine in der Hand und rief den vorbei gehenden Leuten etwas zu: „Idemo Jerolim, Stipanska“. Plötzlich das Wort: Palmižana. Dann noch mal. Da stand ein Mann auf einem etwas größeren Boot und rief jedem vorbeikommenden Touristen zu „Palmižana, Palmižana“. Mit seinen Lockrufen wollte er die Vorbeigehenden auf sein Boot lotsen. Ich hatte Palmižana nach Jahrzehnten gefunden. Wir sind selbstverständlich zu ihm eingestiegen. Den Tag verbrachten wir auf der Insel. Es gab dort ein Totos Restaurant. Diesen Namen kannte ich aus vielen Erzählungen meiner Eltern. Toto war damals der Besitzer des Anwesens und dessen guter Geist. Er zeigte den wenigen Touristen, die damals auf seine Insel kamen, die Kunst des Unterwasserfischfangs, die Zubereitungsart von Langusten und vieles mehr, was man können musste, um damals auf dieser Insel bestehen zu können.


    Nachdem wir den Tag auf Palmižana verbracht hatten, kamen wir fünf Minuten vor der verabredeten Zeit an den Bootsanleger. Wir sahen das Taxiboot für uns unerreichbar am Ende der Bucht in Richtung Hvar auslaufen. Barbara hat unser Problem ganz aufgeregt einem Mitarbeiter der Marina vorgetragen. Dieser hat sie nur verständnislos angeschaut, dann die Schultern angehoben, die Arme ausgebreitet und sich geäußert: „Große Katastrophe“, um sich dann wortlos umzudrehen und in das damals einzig bestehende Lokal an der Marina einzukehren. In Ermangelung einer sinnvollen Alternative sind wir ihm gefolgt und bestellten erst mal zwei Biere. Nach einer quälend langen halben Stunde stand vom Nachbartisch, an welchem die Bediensteten der Marina sowie weitere Einheimische saßen, ein Bär von einem Mann auf und trat an unseren Tisch. Er erkundigte sich nach unserem Missgeschick und bot an, dass er uns auf seinem Fischerboot mit nach Hvar nehmen könne. Die Überfahrt war wegen des bei der Tramuntana herrschenden Seegangs wenig harmonisch. Das konnte uns allerdings nicht beunruhigen. Ivo, so heißt unser Retter aus der Not, hat mittlerweile eine Bar in der Marina von Palmižana. Bei jedem Aufenthalt auf Hvar machen wir seit dem bei ihm unsere Aufwartung und müssen unweigerlich seine hausgemachten Schnäpse mit ihm trinken.


    Im Herbst waren wir für zwei Wochen in Apulien. Das ist da, wo Italien seinen Stiefelabsatz hat. Wir haben sehr viel besichtigt, am ionischen Meer die in der Antike von den Griechen gegründete Stadt Gallipoli, Capo di Santa Maria de Leuca genau zwischen dem adriatischem und dem ionischem Meer mit dem berühmten Heiligtum de finibus terrae, weil die Römer hier das Ende der Welt sahen, die Barockstadt Lecce im Zentrum des Salento, die Stadt Otranto an der adriatischen Küste mit dem berühmten Mosaikfußboden in der Kathedrale aus dem frühen Mittelalter, das Castel del Monte, die geheimnisvolle Burg, die auf eine Gründung von Friedrich dem Zweiten zurückgeht und vieles mehr. Barbara sagt, dass sei zwar alles wunderschön, aber das sei nicht Hvar. Wir werden also im nächsten Frühjahr wieder nach Hvar kommen.
     
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  8. Andy155
    Offline

    Andy155 erfahrenes Mitglied

    Wahnsinn. Sehr spannend, fesselnd und interessant. Ich glaube jedes Wort. Hvar hat mich auch fest in seinem Bann.
     
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  9. Zimme und Julia
    Offline

    Zimme und Julia erfahrenes Mitglied

    Und sooooo lang:)Super! Ich hätte mir noch Bilder dazu gewünscht;)

    SG, Julia
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Dez. 2018 um 21:30 Uhr
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  10. Aero
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    Aero erfahrenes Mitglied

    Wahnsinn, super fesselnder Bericht :zustimm:,
    vielen vielen Dank.
     
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  11. Marius
    Offline

    Marius Forums-Philantrop

    Och, ich finde das auch so gut, viele Dinge sind so beschrieben, dass ich mir meine eigenen Bilder dazu machen kann, da stören Bilder aus der Realität nur. :)
     
  12. Heiko705
    Offline

    Heiko705 Forum-Guide Mitarbeiter

    Vorab: Ich mag Deinen Bericht! Man musste zwar erst einmal durchkommen, aber er ist sehr interessant.

    Irgendwas muss Hvar ja dann doch haben, wenn Ihr immer wieder kommt. Die Nachteile empfinde ich nicht als so schlimm wie Du. Hvar ist eine wunderbare Stadt.

    Ich kann Euch gut verstehen. Z. B. waren wir 2016 auf Santorini und Kreta. Der Urlaub war fantastisch. Dennoch liebe ich Griechenland nicht auf die gleiche Weise wie Kroatien.
     
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  13. Halbheimchen
    Offline

    Halbheimchen neues Mitglied

    Es wird Bilder geben. Allerdings erst ab 2008, weil ich da erst auf Digitalfotografie umgestiegen bin. In wenigen Dingen bin ich halt rückständig. Und ja, die Texte sind unkonventionell. Das liegt aber daran, dass sie ursprünglich nur an den Lokomotivführer Bruno und an den Mathematikprofessor Richard gerichtet waren. Und Richard, der nach Jahrzehnten seit 2005 die Insel Hvar boykottiert, möchte über alle Veränderungen in der Stadt minutiös informiert werden. Daher mein kritischer Unterton. Das hat nichts damit zu tun, dass ich Hvar nicht liebe. Wir kommen seit 1999 jedes Jahr hier her und haben schon für 2019 geplant. Wenn ich für eine Veröffentlichumng im Forum geschrieben hätte, wären die Texte anders geworden.
    Liebe Grüße
    Heimchen
     
  14. Marius
    Offline

    Marius Forums-Philantrop

    Ich bin sehr erfreut, dass dem nicht so ist. Es ist toll solche "gesammelten Briefe" nachzulesen.
    Ich überlege grad, ob ich jemanden kenne, der so seine privaten Briefe schreibt, das wirkt für mich wie aus der Zeit gefallen, aus einer Zeit, die Jahrzehnte oder Jahrhunderte zurückliegt, als es noch keine andere Kommunikation als den Brief gab.
    Sehr schön.

    Bitte weiterhin so schreiben, wie man einem lieben Freund schreiben würde und nicht einer Forumsgesellschaft! Ich finde das sehr erfrischend und großartig.
     
  15. Halbheimchen
    Offline

    Halbheimchen neues Mitglied

    HVAR 2007




    Lieber Richard,

    Allerliebster Bruno,


    also berichte ich wenn auch spät erneut von unserer Reise nach in Hvar im Jahr 2007.


    Den ersten Bericht hatte Richard zu verantworten. Während unseres Aufenthalts in Hvar im September 2003 brachte uns Bruno das Spiel „vier gewinnt“ nahe und vermittelte auch ein Bummerl zwischen Richard und mir. Richard lernten wir schon vorher zusammen mit seiner Frau Christine anlässlich der Verlobungsfeier des Schweberats in der Einerbucht kennen.


    Bei einem Plausch im Kaffeehaus der heiligen Barbara berichtete uns Richard, dass es sich schon seit einiger Zeit mit den theoretischen Grundlagen des Spiels befasse und hierzu einige schriftliche Aufzeichnungen gefertigt habe. Bei diesen Unterlagen handele sich bislang um ein Konvolut von losen Blättern, die er, falls ihm dies irgend wann einmal zeitlich möglich sei, in eine Reinform bringen wolle, um die Ergebnisse seiner Hvarer Arbeiten einem ernsthaft an „vier gewinnt“ interessierten Kreis zugänglich machen zu können. Voreilig und ohne vorherige Überlegung bot ich damals an, seine Betrachtungen an meinem Rechner in die entsprechende Form zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht bewusst, auf was ich mich da eingelassen hatte. Wir vereinbarten, dass Richard mir seine Aufzeichnungen bei unserer Abreise übergeben sollte.


    Am Vorabend unseres geplanten Abreisetages erschient Richard im Kaffeehaus und übergab mit tatsächlich ein Schulheft mit dem Titel „vier gewinnt“. Richard sagte, er habe seine Aufzeichnung in dieses Heft übertragen, um mir die Arbeit zu erleichtern. Allerdings seien einige seiner Hypothesen in der Eile nicht bis zum Ende gedacht und insoweit sei er den wissenschaftlichen Beweis schuldig geblieben. Ich müsse mich daher auch noch in einigen Punkten ein bisschen inhaltlich mit seinen Überlegungen auseinandersetzen. Ursprünglich bin ich davon ausgegangen, dass ich lediglich eine Schreibarbeit zu leisten hätte. Erst später musste ich feststellen, dass ich mich sehr intensiv in das Thema „vier gewinnt“ einarbeiten musste, um den Inhalt von Richards Schulheft in die jetzt vorliegende Form bringen zu können. Richard hat mich bei der Übergabe des Hefts eindringlich gebeten, eine Ausfertigung unbedingt an Bruno zu schicken. Nachträglich hat er noch die Heimatanschrift von Bruno auf die letzte Seite eingetragen.


    Eigentlich hätte sich Richard mit der Übertragung in das Schulheft noch etwas Zeit lassen können, wenn er erahnt hätte, dass wir unsere Abreise spontan noch um einen Tag hinauszögern würden. Zu diesem Schritt haben wir uns entschlossen, weil an unserem beabsichtigten Abreisetag erstmals seit einigen Tagen wieder herrliches Wetter war. Wir wurden von unserer Zimmerwirtin in unserem Entschluss bekräftigt, indem sie uns diesen zusätzlichen Urlaubstag nicht in Rechung stellen wollte. Auch unser Taxibootfahrer hat uns kostenlos auf die Insel übergesetzt.


    Den zweiten Bericht habe ich auf Bitten von Anne, der Verlobten des Schweberats, verfasst. An unserem geplanten Abreisetag im Frühsommer 2006 mussten wir auch tatsächlich abreisen, weil unser Zimmer am gleichen Tag wieder von neuen Gästen belegt werden sollte. Unsere Zimmerwirtin bat uns, die Wohnung spätestens bis Mittag zu räumen, damit ihr noch ausreichend Zeit bliebe, die erforderliche Endreinigung vornehmen zu können. Wir saßen dann ab 12 Uhr mittags mit gepackten Rucksäcken bei der heiligen Barbara und warteten auf die Fähre am Nachmittag, die uns auf Lastovo bringen sollte. Nachdem wir uns einen Warteplatz an dieser prominenten Stelle ausgewählt hatten, blieb es nicht aus, dass unsere Abreise bemerkt wurde und für einige von Interesse war. So ließen sich die Verlobte des Schweberats sowie auch der Schweberat selbst umfänglich von unseren weiteren Reiseplänen berichten. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir wenig dazu sagen, da wir bis auf den gebuchten Rückflug von Dubrovnik nach Stuttgart noch nichts detailliert geplant oder vorbestellt hatten. Lediglich der ungefähre Reiseverlauf war uns klar: zunächst mit der Fähre nach Lastovo, dann sich rechtzeitig bis nach Cavtat durchschlagen, weil dort unser Flug wartete. Zum Abschied bat uns Anne, wir sollen ihr von unseren Erlebnissen berichten und davon, ob alles so eingetroffen sei, wie wir uns das vorgestellt haben.


    Den jetzigen, dritten Bericht erstatte ich aus vertraglicher Verpflichtung heraus. Auftraggeber für den vorliegenden Bericht ist natürlich unser allseits geschätzter Bruno. Und das kam so: Barbara und ich sitzen also im Juni 2007 eines Morgens auf der Terrasse und beobachten das Treiben an der Riva. Sodann kommt Dieter zu uns und übergibt mir eine Flasche Rotwein. Es handelt sich dabei um ein Cuvée der Taverna Luvij. Wir kennen schon von einigen abendlichen Besuchen deren Weisweine der Rebsorten Zlatan Otok und Luvij, die allesamt um Klassen besser sind, als das, was man sonst in der Stadt unter der Bezeichnung „Vino“ angeboten bekommt. Da wir anscheinend zu den selteneren Gästen gehören, die einen guten Tropfen zu schätzen wissen, gibt uns die Wirtin eines Abends zum Abschied eine Flasche als Geschenk mit. Sie erklärt ihre Geste an uns gerichtet: „Sie lieben dieses Wein!“ Dieter teilt uns mit, er habe diese Flasche von Bruno erhalten verbunden mit dem Auftrag, diese an mich weiterzugeben. Sie sei gedacht als Honorar für einen neuen Bericht. Nachdem ich die Flasche aber angenommen habe, fühle ich mich verpflichtet, den Auftrag, den mir Bruno erteilt hat, zeitnah zu erfüllen. Die besagte Flasche liegt übrigens noch in unserem Weinkeller und soll erst nach Abschluss des Berichts genossen werden. Insoweit kann ich noch kein Urteil darüber abgeben, ob sich die Mühe lohnen wird.


    In diesem Frühsommer waren unsere Damen aus beruflicher Sicht nur für 2 Wochen abkömmlich. Dieter und ich haben da als Staatsdiener weniger Rücksichten zu nehmen. Wir beschlossen daher, dass die Herren eine Woche vorher aufbrechen und sich mit den Damen danach im Hafen von Split vereinigen wollten. Bis zum Wiedersehen wollten wir Männer die südsteirische Weinstraße in Slowenien besuchen, dann das Örtchen Vrbenik auf der Insel Krk, sodann Käse erwerben auf der Insel Pag und schließlich den Nationalpark Paklenica erwandern.


    Unser erstes Ziel war die Stadt Ptuj in Slowenien.Ptuj(deutsch Pettau), die älteste Stadt Sloweniens, erhielt ihren Namen von den Illyrern, die sich hier an der Drau und der nahen Haloze niederließen. Der Name der Stadt wurde erstmals im Jahre 69 n. Chr. vom römischen Geschichtsschreiber Tacitus unter der Bezeichnung Poetovia erwähnt. Die Stadt hatte damals bis zu 40.000 Einwohner (heute 18.000) und war schon zu dieser Zeit eine bedeutende Weinstadt und auch in der Ziegelproduktion weit über die Grenzen hinaus berühmt. Dies beweisen Funde von römischen Ziegeln aus Ptuj, die inEngland gefunden wurden.


    In Ptuj sind noch fünf Mithräen erhalten. Als Mithräum bezeichnet man einen Tempel des Mithrakults, der aus Persien stammte und von den Römern adoptiert wurde. In der Region um Ptuj war dieser Kult stark verbreitet. Mithräen waren meist unterirdisch angelegt oder in Fels gehauen. Für die nur ein bis zwei Dutzend Mitglieder zählenden Mithrasgemeinden genügte ein verhältnismäßig kleiner Kultraum. Das größte bekannte Mithräum bot Platz für 80 Gläubige. Dieter und ich haben uns eines der Mithräen allerdings nicht angeschaut. Unser Interesse galt einer anderen unter der Erde gelegenen Anlage, nämlich dem berühmten Weinkeller von Ptuj.Die Geschichte des Weinkellers ist eine über 500jährige. Große Teile der Altstadt ruhen auf den Kellergewölben, deren Gänge mehrere Kilometer lang sind und in denen mehrere hundert Eichenfässer lagern. Das größte noch in Verwendung stehende Weinfass Sloweniens hat ein Fassungsvermögen bis 40.000 Liter. Die Fässer wurden von den Fassbindern im Keller zusammengebaut, da für diese enormen Größen keine entsprechenden Eingänge in die Keller vorgesehen waren. Wir wollten uns in diesem Keller einen ersten Eindruck über die Weine Sloweniens verschaffen. Bislang war uns nicht geläufig, dass in Slowenien ein beachtlicher Weinanbau betrieben wird. Die erste Glanzzeit erlebte der Weinbau zwischen dem 1. und 4. Jahrhundert. Nach dem Zerfall des Römischen Reiches ging es auch mit dem Weinbau bergab und erlebte erst in der Zeit der Christianisierung und dem Einzug der Minoriten im Jahr 1239 und der Dominikaner eine Renaissance. 1438 kamen die Weinberge der Haloze an die Herren von Ptuj und leiteten eine neue Blütezeit des Weinbaus ein. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden Riesling und Sipon (Furmint) in viele europäische Länder und auch nach Amerikaexportiert. Die Reblaus hat diesem Treiben, wie im restlichen Europa auch, vorübergehend den Garaus gemacht. Mittlerweile haben sich die Rebstockbestände aber augenscheinlich wieder gut erholt.


    Der Weinkeller hat an Samstagen Ruhetag. An diesem Wochentag wird bei uns in der Pfalz der meiste Wein verkauft. Insoweit ist dieser Ruhetag etwas verwunderlich. Dieter und ich waren samstags angereist und standen dementsprechend vor verschlossener Tür. Aus Enttäuschung hatte Dieter fortan kein positiv gestimmtes Interesse an Ptuj. Diese Stadt ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts durch den Bau der österreichischen Südbahn von Wien nach Triest in einen Dornröschenschlaf gefallen. Die Strecke wurde nicht an Ptuj, sondern an dem damals wesentlich kleineren Maribor vorbei geführt. Dies hatte zur Folge, dass Ptuj erheblich an Bedeutung verlor während Maribor gedeihen konnte.


    Ptuj erinnert an Salzburg, natürlich kleiner und nicht so geschleckt und herausgeputzt. Die Altstadt hat sich einen morbiden Charme erhalten. Eine maßvolle Restaurierung soll ihn auch erhalten. Bislang fließt der Strom der Touristen an Ptuj vorbei, obwohl die Stadt an einer vielbefahrenen Straße liegt. Unser Reiseführer hatte uns einen bestimmten Gasthof empfohlen. Wie alles im Leben hat jede Sache zwei Seiten. Das Essen war gut, das Zimmer dafür skandalös. Selbst ein moldawischer Fernfahrer hätte hier keine zweite Nacht verbracht und vielerlei Gründe zur Beanstandung gehabt. Nach einer Übernachtung sind wir dann in Richtung Jeruzalem abgereist.


    In meinem letzten Bericht habe ich euch eher beiläufig von Kaiser Vespasian und seiner Latrinensteuer berichtet. In Ptuj bin ich zufällig erneut auf seine Spuren gestoßen. Das Jahr 69 nach Christus wurde im römischen Reich als 4-Kaiserjahr bekannt. In vorangegangenen Jahr 68 wurde Kaiser Nero in den Suizid getrieben. Diese Geschichte wurde sogar in „Quo Vadis“ verfilmt und dadurch einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Sein Nachfolger, Kaiser Galba wurde am 15. Januar 69 von der Prätorianergarde umgebracht und an seiner statt wurde Otho, Statthalter der Provinz Hispania, zum Kaiser ausgerufen. Mehrere Armeen in Germanien und Britannien unterstützten aber Aulus Vitellius und marschierten nach Italien ein. Am 14. April unterlag Othos Armee in Oberitalien. Otho tötete sich am nächsten Morgen. Sodann wurde Vitellius zum Kaiser ausgerufen. Zu dieser Zeit war ein gewisser Marcus Antonius Primus Oberbefehlshaber der Legion Galbiana in Pannonien. Das Hauptquartier dieser Legion befand sich in Poetovia (Ptuj). Bei einer Legionärskonferenz der pannonischen Legionen in Ptuj wurde Vespasian, seinerzeit Statthalter von Pannonien, im Herbst 69 auf Betreiben vom Primus zum Kaiser gewählt. Vespasian befand sich zu der Zeit im jüdischen Krieg und belagerte gerade die Stadt Jerusalem, nicht das Weinbauörtchen Jeruzalem im heutigen Slowenien, von dem anschließend noch zu sprechen sein wird, sondern das berühmte Jerusalem in Palästina. Nach der Proklamation überquerte Primus den Apennin und marschierte in Rom ein. Dort setzte er Vitellius am 20. Dezember ab, woraufhin dieser erst öffentlich zur Schau gestellt und getötet und dann in den Tiber geworfen wurde, ganz so wie das damals üblich war. Damit war im Jahr 69 für Vespasian der Weg als vierter Kaiser des römischen Reiches frei. Begonnen hat seine kaiserliche Kariere im beschaulichen Ptuj. Neben der bereits erwähnten Steuer hat Vespasian einige berühmte Bauwerke hinterlassen. Am bekanntesten dürfte allerdings das flavische Amphitheater in Rom sein, dessen Bau er initiierte und das heute als Kolosseum bekannt ist. Außerdem war er der Begründer der flavischen Dynastie, die drei Kaiser des römischen Reiches stellte.


    Bevor ich tiefer in die römische Geschichte eindringe, berichte ich lieber von Jeruzalem. Dieses Örtchen soll die besten Weine Sloweniens hervorbringen. Es liegt im Nordosten Sloweniens und man sagt, dass man bei einigermaßen guter Fernsicht vier Länder sehen kann, nämlich Slowenien, wenn man auf den Boden schaut, die österreichische Steiermark, wenn man nach Norden schaut, den ungarischen Plattensee mit Blick nach Osten und das kroatische Varaždin im Süden.


    Über die Entstehung des Namens Jeruzalem gibt es widersprüchliche Angaben. So sollen Kreuzfahrer Weinreben aus Jerusalem hierher gebracht haben oder umgekehrt oder die Kreuzfahrer sollen eine Reliquie aus Jerusalem hier vergraben haben. Mir persönlich erscheint eine weitere Theorie am einleuchtendsten, dass einige der Kreuzfahrer auf dem Weg nach Jerusalem wegen des guten Weines, der hier gedeiht, den Tross einfach haben weiterziehen lassen und sich hier niederließen. In Reminiszenz an ihr hehres Ziel sollen sie diesen Ort dann in Jeruzalem umbenannt haben.


    Jeruzalem ist eigentlich keine Ortschaft im herkömmlichen Sinn. Die Anwesen sind auf etlichen steilen Hügelchen verteilt. Meistens stehen die Häuser auf den Hügelkuppen und meistens nur ein einziger Hof. Die Bauernhöfe sehen noch so aus, wie wir uns als Kinder einen Bauernhof vorgestellt haben. So hat jeder Hof neben seinen ausgedehnten Weingärten noch für den Eigenbedarf einen Gemüsegarten, Kartoffel-, Mains- und Getreidefelder, Milch- und Federvieh und Mastschweine. Oft gehört auch noch ein kleines Wäldchen für die Brennholzversorgung dazu. Die Leute verstehen aus diesen Gaben hervorragende Fleisch- und Wurstwaren herzustellen. Dies wird zusammen mit dem selbstgekelterten Wein auf dem Hof an die wenigen Gäste, die vorbeikommen, ausgegeben. Diese Bewirtungsform wird in dieser Gegend Sloweniens als Buschenschank bezeichnet. Euch Österreichern könnte dieser Begriff eventuell geläufig sein, wir haben das noch nie gehört.


    Dieter und ich haben an zwei Tagen die nähere Umgebung intensiv erwandert und einige der Buschenschanke aufgesucht. Die Weine sind tatsächlich so gut wie ihr Ruf. Im Buschenschank Ratek haben wir, kaum dass wir uns niedergelassen haben, ein Jahrhundertunwetter über uns ergehen lassen müssen. Ein Sturzbach aus Schlamm und Geröll drohte das Gehöft zu verwüsten. Dieter und ich haben selbstverständlich mit zugepackt und mit gemeinsamen Kräften ist es uns gelungen, die braune Flut in unschädlichere Bahnen zu leiten. Gemeinsam wurde dann zusammen mit den Winzersleuten die Rettung des Hofes gebührend gefeiert. Nach genauerem Studium der verschiedenen Rebsorten sind wir nach 2 Tagen nach Vrbenik auf der Insel Krk in der Kvarner Bucht weitergereist.


    Vrbenik ist ein kleines Dorf an der Nordseite der Insel Krk und ist als Künstlergemeinde bekannt. Dort soll Mersad Berber eine Galerie betreiben. Außerdem gibt es dort eines der besten kroatischen Restaurants, das Nada. Schließlich wird dort der berühmte Weiswein Žlahtina angebaut. Die für den Wein verwendete Rebsorte ist eine autochthone Art, die nur in der Umgebung von Vrbnik wächst. Also haben wir im Nada zu Mittag gespeist und sodann im nahe gelegenen Weinkeller den Žlahtina verkostet. In einer günstigen und noch fußläufig zu erreichenden Entfernung von etwa 10 Metern vom Ausgang des Weinkellers haben wir steil über dem Meer eine Ferienwohnung bezogen. Am Nachmittag habe ich die Galerie Berber besucht, die gerade nach der Winterpause wieder eröffnet werden sollte. Ich habe beim Auspacken der Bilder zugeschaut und mich mit dem Galeristen, der ein naher Verwandter von Mersad Berber ist, über die optimale Platzierung der Gemälde beraten. Leider sind die Bilder dort auch nicht billiger als bei einem Galeristen in Deutschland, also für uns nicht bezahlbar. Berber gehört zu den bekanntesten und gefragtesten Malern der Gegenwart. In zahlreichen Museen, privaten und öffentlichen Sammlungen der Welt befinden sich seine Werke; im Jahr 1984 wurde er durch Ankauf in das wohl ehrwürdigste Museum der Welt, die Tate Gallery London, aufgenommen. Die Eigenart und Kostbarkeit seiner altmeisterlichen Malerei und golddurchwirkten Grafik, in der sich Elemente des Ikonenhaften und Byzantinischen, des Islamischen und des Florentinischen, des Jugendstilartigen und Surrealen auf poetisch verfremdete Weise vereinen, fand von Anfang an ein nachhaltiges Echo. Zu den immer wiederkehrenden Leitmotiven zählen Mädchengesichter und Pferdeköpfe von Anmut und edler Schönheit.


    Den Abend in Vrbenik verbrachten Dieter und ich mit mitgebrachtem Wein aus Jeruzalem auf dem Balkon mit herrlichem Blick auf Cirkvenica, Novi Vinodolski und Senj.


    Am nächsten Morgen sind wir über die Küstenstraße auf die Insel Pag gekommen und haben zunächst Novalja besucht. Vor einigen Jahren haben wir in Hvar im Restaurant des Hotels Pallace eine ältere, mit reichlich Gold behangene Dame getroffen, die uns ein Loblied über Novalja vorgesungen hat. Also haben Dieter und ich zunächst Novalja in Augenschein genommen. Dort befindet sich das touristische Zentrum der Insel und war somit für uns wenig interessant, sodass wir ziemlich bald weitergezogen sind. Unterwegs haben wir nahezu vergeblich nach den Schafen, die die Milch für den berühmten Käse geben sollen, Ausschau gehalten. In Ermangelung umfangreicherer Vegetation ist die Insel recht übersichtlich. Einige Stellen sehen wie eine Mondlandschaft aus. Übermäßig viele Tiere haben wir aber nicht sehen können. Dennoch gibt es auf der Insel einige Käsereien, die alle original Paški Sir verkaufen und den Durchreisenden versichern, dass dieser Käse aus der Milch einer freilebenden, kleinwüchsigen Schafart hergestellt werde, die auf der Insel lebe. Das besondere Aroma des Paški Sir werde durch mehrere Faktoren beeinflusst: Da auf dem karstigen Untergrund der Insel Pag nur wenig Gras wachse, ernährten sich die Schafe vor allem von wildwachsenden und salzhaltigen Kräutern. Der Käse, den wir gekauft hatten, schmeckte uns dennoch ganz gut, wo immer auch die Milch dafür herkam. Nach einer Übernachtung in der noch wenig touristisch entwickelten und damit noch einigermaßen ursprünglichen Stadt Pag sind wir nach Starigrad weitergereist.


    Die Stadt, auch Starigrad-Paklenica genannt, liegt zwischen Karlobag und Zadar am Fuße des Velebit-Gebirges, ungefähr dort, wo die Küstenstraße den Zadarkanal überbrückt und auf den Archipel von Zadar übergeht. Ziel unseres dortigen Aufenthaltes war die Besichtigung des Nationalparks Paklenica. Der Eingang des Park liegt 2 km von der Küste entfernt und reicht bis zum höchsten Gipfeln des Velebit-Gebirges, dem 1757 m hohen Vaganski Vrh. Die tiefen Schluchten Velika und Mala Paklenica bilden hier einen direkten Zugang von den Bergen zum Meer. Die stellenweise über 400 Meter hohen Felswände, Höhlen, Grotten und bizarre Felsformationen machen diese Landschaft zu einem herausragenden Naturerlebnis. Die steilen Felshänge sind noch mit dichtem Pinienwald bewachsen, der aufgrund des spezifischen Klimas und des felsigen Untergrundes einen recht ungewöhnlichen Baumwuchs aufweist. Im Parkgebiet gibt es insgesamt 800 Pflanzenarten, 40 davon endemisch. Auch die Tierwelt ist bemerkenswert. So leben hier allein über 200 Vogelarten und 82 Arten von Schmetterlingen, darunter auch der Apollo, einer der schönsten Schmetterlinge in Kroatien. Auch Wild ist reichlich vertreten, welches für die hier anwesenden Bären, Luchse und Wildkatzen bejagungsrelevant ist.


    Paklenica ist mit den senkrecht aufragenden, mehrere hundert Meter hohen Felsklippen der Velika Paklenica-Schlucht das bekannteste und wohl auch aufregendste Kletter-Gebiet in Kroatien. Die Nordwand der Anica Kuk gilt als einer der schwierigsten Klettersteige weltweit. Dieter und ich haben uns nicht daran getraut, sondern wir haben uns an die üblichen Touristenwege und mittelschwere Kletterpfade gehalten, die ohne Bergsteigerausrüstung zu begehen sind. Das hat aber gereicht, dass sich Dieter eine Blase gelaufen hat und am Folgetag pausieren musste. Also bin ich am nächsten Tag alleine los. Am oberen Ende in etwa 500 Metern Höhe weitet sich die Schlucht zu einer breiten Hochebene. Bei 1000 Metern Höhe steigen dann die hohen Gipfel steil an. Auf der Hochebene, die nur zu Fuß durch die Schlucht zu erreichen ist, stehen weit verstreut einige bewohnte Häuser. Es wird ein wenig extensive Landwirtschaft und Viehzucht für den Eigenbedarf betrieben. Strom und sonstige Errungenschaften der Zivilisation gibt es noch nicht und der Esel wird immer noch als einziges Transportmittel genutzt. In einem Gehöft habe ich nach dem Weg gefragt. Ein uraltes Paar saß im Hof und zupfte Lindenblüten. Nachdem sie mich gesehen hatte, verschwand die ganz in schwarz gekleidete Alte in dem Haus und ließ sich nicht mehr blicken. Der Patron dagegen wies mir den Weg, bewirtete mich mit selbstgebranntem Schnaps und befragte mich zu den Neuigkeiten außerhalb seines Tals. Hier oben gab es keinen Handyempfang; ich habe auch keine Antenne oder Sattelitenschüssel gesehen. Die Menschen scheinen hier wirklich noch abgeschnitten vom Weltgeschehen zu leben und sind auf die Neuigkeiten angewiesen, die sie von den wenigen Besuchern von außerhalb des Tals erhalten. Die Leute hier schienen auch alle Zeit der Welt zu haben. Nur nach meinen Hinweis auf den langen Abstieg hin entließ er mich, bevor er mir noch weitere seiner Schnäpse einflößen konnte.


    Die Situation erinnerte mich an eine Begebenheit, die wir Anfang Oktober 2001 auf Hvar erlebt haben. Wir waren auf dem Weg nach Sučuraj, um mit der Fähre auf das Festland nach Drvenik und dann weiter nach Süden zu kommen. Irgendwo hinter Jelsa wies ein selbst gemaltes Schild auf Lavendel- und Rotöl hin. Über eine abenteuerliche Piste haben wir nach ungefähr drei Kilometern ein altes Gehöft inmitten der Wildnis angetroffen. Der Öleinkauf gestaltete sich dann schwieriger als erwartet. Zunächst mussten wir in einem mit Weintrauben beschatteten Patio Platz nehmen und selbstgekeltertem Wein und Zisternenwasser trinken. Später wurden noch selbstgebackenes Brot, eigene Oliven und Obst gereicht. Später hat man uns noch vom Wildschwein angeboten, welches der Hausherr Tomo in der letzten Nacht erlegt hatte. Im Gegenzug mussten wir von den Neuigkeiten aus aller Welt berichten. Die Leute hatten noch nicht einmal von dem Zusammensturz der twin towers in New York am 11.09.2001 etwas gehört. Der unzureichende Informationsfluss hielt sie aber nicht davon ab, auf ihrem Anwesen eine touristische Destination gründen zu wollen. Als erstes hatte Tomo in 200 Meter Entfernung in der Macchia ein WC errichtet, welches er Barbara voller Stolz vorführte. Seiner Ansicht nach sei für den Touristen das Wichtigste, eine moderne Sanitäranlage vorzufinden. Alles andere würde sich dann finden, wenn die ersten Gäste da wären. Eine Tür gab es nicht, dafür aber ein Dach. Die Wasserspülung bestand aus einer Tonne mit Brackwasser und einer daneben stehenden Blechgießkanne. Dort konnte man sein Geschäft unter den gelangweilten Blicken einiger schwarzer Ziegen erledigen.


    Nach dem Abstieg durch die große Paklenica-Schlucht habe ich den Dieter in unserer Ferienwohnung angetroffen. Er war in Frank Schätzings Roman „Der Schwarm“ schon 200 Seiten weitergekommen. Am gleichen Abend sind nach einer Urlaubswoche unsere Damen mit dem Wagen angereist und zu uns gestoßen. Wir haben bis spät in die Nacht Wiedersehen gefeiert und wir Männer haben unsere Schätze aus Jeruzalem und Pag in den Ring geworfen.


    Nach unserer letzten Reise nach Apulien mit dem Flugzeug hat Barbara verkündet, künftig nur noch Reiseziele besuchen zu wollen, die einigermaßen bequem mit dem Auto zu erreichen sind. Mit diesem Wunsch stößt sie bei mir nicht auf taube Ohren. Grundsätzlich ist Fliegen die entwürdigendste Art des Transports überhaupt. Fliegen erinnert mich immer an Massentierhaltung: Hühner in einer Legebatterie, die abgefüttert werden. Im Unterschied zu den Menschen im Flugzeug sind die Hühner zumindest nicht angeschnallt.


    So kam es auch, dass wir 2007 unsere Urlaubsreisen nur noch mit dem Auto unternommen haben. Im Januar waren wir in Sankt Peter Ording auf der Halbinsel Eiderstedt an der nordfriesischen Küste und im Oktober in der bretonischen Bucht von Mont Saint Michelle. Beide Ziele liegen am Meer, beim ersten scheint der Strand, die See und der Himmel in dieser Jahreszeit miteinander in einem Nebel von Grau zu verschmelzen und man fürchtet um die Orientierung, beim zweiten sorgt der größte Tidenhub weltweit dafür, dass das Meer, wenn es bei Flut mit der Geschwindigkeit eines galoppierenden Pferdes anlandet, ebenfalls für einen gewissen Respekt. Beides ist nicht mit dem mediterranen Flair der dalmatinischen Adria zu vergleichen.


    Nach einer gemeinsamen Übernachtung sind wir nach Hvar weitergereist und im üblichen Quartier untergekommen. Noch am selben Abend haben wir den Bruno getroffen. Er berichtete uns, dass er schon seit Ende April auf der Insel sei. Seine Fahrten nach Stipanska habe er heuer allerdings stark eingeschränkt. Anscheinend schrecken auch ihn die dortigen Veränderungen ab. Er habe sich dafür mehr auf die therapeutischen Wallfahrten nach Milna verlegt. Auf diesen Gängen fände er alles, wonach er suche.


    Gegen Ende unseres Aufenthalts haben wir zufällig Christine gesehen. Sie erzählte uns, dass Richard immer noch Hvar boykottiere. Allerdings hätten sie gemeinsam eine große Osteuropareise unternommen. Es sei zwar beschwerlich gewesen, insbesondere das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln und die Unterkünfte, die nicht unseren hygienischen Vorstellungen entsprächen, aber es sei jetzt wohl eine der letzten Gelegenheiten, diese Region in seiner Ursprünglichkeit vor den großen Umwälzungen unserer Zeit besichtigen zu können.


    Hvar hat sich bislang jedes Mal verändert, wenn wir ein Jahr später wiederkommen. Heuer waren die beiden Hotels Adriana und Riva, das ehemalige Slavia, unter neuer Leitung geöffnet worden. Man hat viel Personal gesehen, aber wenige Gäste. Der Schweberat ist der Sache auf den Grund gegangen und hat das Hotel Adriana besichtigt. Schon aufgrund seiner Erscheinung kann man ihm durchaus zutrauen, dass er ein potentieller Kunde eines solch vornehmen Hauses sein könnte. Deshalb wurde er zuvorkommend herumgeführt und ihm wurde bereitwillig Auskunft gegeben. Er hat sich die Zimmer und Suiten zeigen lassen, welche für 200 bis 500 Euro pro Nacht zu mieten seien. In diesem Preis sei das Frühstück aber nicht mit inbegriffen. Anschließend ist er mit dem Lift auf die Terrasse gefahren, hat sich das renovierte Schwimmbad, welches jetzt als Rooftop Pool with Launge Area bezeichnet wird, angeschaut und für 50 Kuna eine Tasse Kaffee getrunken. Man habe ihm versichert, dass momentan 5 zahlende Gäste anwesend seien. Darauf hin hat Rainer beschlossen, doch in seiner Privatunterkunft zu bleiben und nicht in eines der Hotels umzusiedeln.


    Wir haben von den Restaurantbesitzern und der Taxibootführern mehrfach erfahren, dass das Geschäft in diesem Jahr nicht so gut laufe. Es fehlten eben die Gäste, die früher in den Hotels wohnten und einiges an Geld ausgegeben hätten. Es gäbe zwar viele Tagestouristen, die aber würden kaum etwas da lassen. Ein untrügliches Zeichen für diese Veränderung war, dass die sonst obligatorisch alljährlich stattfindende Preiserhöhung um 5 Kuna für die Überfahrt auf die Inselchen ausgeblieben ist. Weiterhin war auch allgemein ein leichter Anstieg im Bemühen um die Gäste subtil spürbar. Bleibt zu hoffen, dass dieser Trend anhält. Allerdings haben wir auch weniger Positives zu berichten. So hat die Eierbucht völlig ihren Charme verloren. Dafür sorgen Musikbeschallung, Mietschirme und –liegen sowie einiges mehr, was angeblich den Strandaufenthalt angenehm machen soll. Im Lokal, in dem der Schweberat seine Verlobung gefeiert hat, habe ich mir Spaghetti mit Meeresfrüchten bestellt. Tatsächlich kam eine Portion Nudeln mit einer undefinierbaren braunen Masse. Unsere Katze frisst so etwas unter der Bezeichnung „Whiskas Thunfisch + Lachs“ ganz gerne.


    Momentan läuft eine globale Werbekampagne auf höchstem Niveau, die noch weit mehr Besucher nach Hvar bringen soll. Die New York Times brachte am 9.12.2007 den Artikel: „The 53 places to go in 2008“. Darin wurde Hvar an Platz 11 der Rangliste der Orte genannt, die ein Amerikaner, der sich für einigermaßen kultiviert hält, in diesem Jahr einfach besuchen muss. Die englische Zeitschrift „Traveller“ stellt in der Ausgabe April 2008 mehrseitig die Stadt Hvar und insbesondere die renovierten Hotels vor. Ähnliche Artikel sind in der kanadischen „The Toronto Star“ vom 8.11.2007 und in der australischen „Travel + Leisure“. Alle Artikel stellen Hvar als neuen Stern am Firmament der touristischen Welt dar. Auf Schritt und Tritt könne der Reisende dort auf die schönsten, berühmtesten, reichsten und interessantesten Menschen der ganzen Welt treffen. Ein Besuch in einem Kaffeehaus sei quasi unmöglich, ohne sich das Lokal mit Bill Gates, Madonna und mindestens einem weiteren Dutzend Weltstars teilen zu müssen. In familiärer Atmosphäre könne man ganz ungezwungen mit allen Prominenten ins Gespräch kommen. Der südländische Flair der Stadt und der allgegenwärtige Duft nach Lavendel erleichtere diese Annäherung an die ansonsten entrückte Elite ungemein. Die massive Anwesenheit dieser Prominenten sei der zwingende Beweis für die Exklusivität und einmalige Schönheit der Stadt. Dennoch seien die Preise noch nicht so hoch, als dass sich der Pauschaltourist dieses grandiose Schauspiel nicht leisten könne. Die Hotels böten einen traumhaften Luxus auch für den kleinen Geldbeutel an. Dezente Hinweise auf die Adresse von Sunčani Hvar, das wohl Initiator für diese Reklame ist, befinden sich überall. Ich gehe davon aus, dass dieser Imagewechsel den Hotels wahrscheinlich sogar ganzjährig tatsächlich volle Belegung sensationshungriger Besucher bringen wird.


    Es gab auch positivere Erlebnisse. Eines Abends sitze ich mit Barbara im Lokal „Miss Piggy“. Am Nachbartisch spielt ein Einheimischer mit Pferdeschwanz auf seiner Gitarre und singt dalmatinische Weisen dazu. Ein Touristenehepaar bleibt stehen und hört beseelt zu. Nach Aufforderung des Musikers setzen diese sich an seinen Tisch. Die Dame wünscht sich nach einiger Zeit das unvermeidliche „Marijana“. Nach mehrmaligem Bitten erfüllt ihr der Musiker sichtbar unlustig diesen Wunsch. Danach schiebt die Touristin dem Musiker einen 200-hundert Kuna Schein zu. Er lehnt ab und schiebt den Schein zurück, sie wieder hin. Nach einiger Zeit eskaliert die Situation. Der Musiker wischt den Schein samt sämtlichen Gläsern und dem Aschenbecher vom Tisch. Alles zerschellt auf dem Boden. Die Touristin verlässt daraufhin verstört das Lokal, ihr Begleiter hebt den Schein auf, bezahlt die Rechnung und folgt ihr ebenso irritiert. Dabei haben sie wohl nur irrtümlich vermutet, in Hvar kostet sogar jedes Husten einen Kuna. Sie schienen überrascht zu sein, dass es unter den Einheimischen noch Menschen gibt, die sich nicht an die modernen Sitten und Gebräuche der Stadt angepasst haben.


    Im Übrigen war unser Aufenthalt sehr kurzweilig. Wir müssen jedes Jahr einmal zu den 2 Brüdern und einmal zu Moli Onte in Mila, einmal in das Restaurant Panorama und bei Fernsicht in das Lokal Levanda auf dem Vidikovac, auf die verschiedenen Inseln usw. Bei einer unserer früheren Aufenthalte haben wir bei Dagmar Meneghello das von ihr editierte Buch über Palmižana gekauft und sind mit ihr ins Gespräch gekommen. Ich habe ihr erzählt, dass ich mit meinen Eltern bereits 1962 schon einmal da gewesen sei. Sie war sehr aufmerksam und hat sich insbesondere für alte Fotografien interessiert. Also habe ich ungefähr 30 alte Dias, die mein Vater damals gemacht hat, im Diascanner digitalisiert, auf eine DVD gebrannt und ihr in diesem Jahr überreicht. Das hat uns ein opulentes Mittagsmahl auf Kosten der Gastgeberin eingebracht.


    In Ždrilca sind wir dieses Jahr mit einem Paar näher ins Gespräch gekommen, die wir vom sehen schon gekannt haben. Wir haben uns mit Ellen und Helmut aus Fulda auf der Rückreise in Jeruzalem verabredet und auch tatsächlich eine breite Weinverkostung durchgeführt. Auf die Art und Weise kam auch Barbara in den Genuss, diese Gegend kennen zu lernen.


    Jetzt – wahrscheinlich ab Ende Mai – wollen wir auf jeden Fall Bosnien und die Herzegovina und eventuell auch noch Montenegro besichtigen und auch einen Aufenthalt auf Hvar einplanen. Ab dem 4.06.2008 können wir unsere angestammte Ferienwohnung bei Marija und Frane beziehen. Letzteres muss schon aus dem Grund sein, weil sich kein Ort besser für Utopien eignet als eine Insel.
     
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  16. m.w.
    Offline

    m.w. erfahrenes Mitglied

    Diese Passage eures Berichts hat mich am meisten interessiert, weil ich heuer, also 12 Jahre später auch auf Lastovo war. Jetzt kann man sagen, dass die Saison zumindest "schon" Mitte Juni beginnt, im Hotel waren schon viele Zimmer gebucht und auch sonst waren immer wieder Touristen zu sehen, z.B. beim Public Viewing zur Fußball-WM in einer Promenadenbar in Pasadur mit 15 bis 20 anderen Gästen (überwiegend Engländer). Über einige Fotos von damals würde ich mich sehr freuen, vielleicht lässt sich das noch nachholen? Diese Insel ist natürlich nur etwas für Individualtouristen, für Massentourismus fehlt (zum Glück) die Infrastruktur und außerdem ist die Lage der Insel für große Reiseveranstalter uninteressant (4 bis 5 h Katamaran- bzw. Fährüberfahrt tut man sich nach einem Flug kaum an... und bei ungünstigen Flugzeiten bedeutet das 1 Zwischenübernachtung auf dem Festland bei An- und/oder Abreise). Aber das lustigste war - am Berg Hum habe ich Landsleute (Österreicher) getroffen - fast schon klischeehaft, wir Ösis treiben uns immer im Gebirge rum :D
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Dez. 2018 um 21:58 Uhr
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  17. Halbheimchen
    Offline

    Halbheimchen neues Mitglied

    Hallo m.w.
    Dann bist du also auch individual-tourist. Das ist sehr vernünftig. Schön, dass du Interesse an der Passage hattest. Wir waren seit dieser Zeit nie mehr auf Lastovo gewesen. Vielleicht sollten wir der Insel eine zweite Chance geben. Ich weiß nicht, ob ich damals Bilder gemacht habe. Das Wetter war wirklich so wie beschrieben. Wie sieht es jetzt aus auf der Insel?
     
  18. Barraquito
    Offline

    Barraquito erfahrenes Mitglied

    Wie sieht es jetzt aus auf der Insel?

    Im Sommer 2016 war es einfach wunderschön, noch immer einsam, noch immer ursprünglich, noch immer das, was Dalmatien für uns ausmacht.
    Noch immer besteht die "Inselhauptstadt" aus der von Dir geschilderten Passage, 2 Bars, wenn ich richtig gezählt habe und noch immer gab es damals keine Eisdiele oder was Vergleichbares. Und noch immer steht der Leuchtturm an seinem Ort an den Klippen und hält Wacht über das Meer.
    Und auch noch immer hab ich den perfekten Geschmack dieser herrlichen Zitronenmarmelade auf der Zunge, den Geschmack des Sommers auf einer einsamen, entlegenen kleinen Insel in der Adria.
     
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  19. Halbheimchen
    Offline

    Halbheimchen neues Mitglied

    Hallo Barraquito,

    Danke für deine Antwort. Wir sehen ja Lastovo von Hvar aus. Ich denke, wir werden der Insel von dort aus einen kurzen Besuch abstatten. Vielleicht kann ich dann ein paar Bilder machen. Ich liebe Leuchttürme, Wir sehen von unserer Terasse auf Hvar jeden Abend das Leuchtfeuer von Stoncica auf Vis.
     
  20. Barraquito
    Offline

    Barraquito erfahrenes Mitglied

    Halbheimchen,

    lieber einen längeren als einen kürzeren Besuch: es gibt viel zu entdecken auf dieser einsamen Insel.

    Die Bucht v Ubli von unserem Appartment aus, zusammen mit dem hauseigenen Fumari, dem Wahrzeichen der Insel.

    IMG_8192.JPG

    Auch v unserer Terrasse aus

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    Im Rektorenpalast in der Oberstadt

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    Spuren aus vergangener Zeit

    IMG_8447.JPG
     

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