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Alt 05.10.08, 14:12
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Danke claus juergen,

und es hat sich gelohnt!! Ich finde das ist aller Ehren wert!!

Schnell und ohne Aufgeregtheiten wegen seines besonderen Berufsstandes, hat mir Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Oschlies freundlicherweise folgende Mai gesandt, mit auszugsweisen folgendem Inhalt:
"Eine wissenschaftliche Arbeit habe ich zum Thema Kroatien nicht mehr veröffentlicht, wohl aber eine kleine Darstellung, die - etwas gekürzt - im Mai 2008 in der Hamburger "Preußischen Allgemeinen Zeitung" erschien. Ich schicke Ihnen das Manuskript mit. Mit besten Grüßen - Wolf Oschlies "
Und hier die angesprochene """kleine""""Darstellung: (Ohne Zwischenzeilen wegen der Größe)

Kroatien: Fröhlich in die Wirtschaftskrise
Wolf Oschlies
Stets im Frühling frönen die Kroaten ihrer Neigung zum Selbstbetrug. Die touristische Saison beginnt, 12 Millionen Urlauber werden erwartet. Die Regie-rung legte Ende Mai ein Programm zur Privatisie-rung von vier Großwerften auf, das Geld in die Kassen bringen und Arbeitsplätze erhalten wird. Seit Anfang April hat Kroatien die Einladung der NATO zur Mitgliedschaft und in einem Jahr will es EU-Mitglied sein. Und ähnliche gute Nachrichten mehr, die alle zwei Fehler haben: Sie sind besten-falls Halbwahrheiten und sie verbergen eine Wirt-schaftsentwicklung, die tief in die Krise führt.
Im Februar 2003 stellte Kroatien einen Aufnahme-antrag in die EU, im Oktober 2005 begannen die Beitrittsverhandlungen, die seit Monaten stagnie-ren. Vergebens mahnt Brüssel die Harmonisie-rung von über 60 Gesetzen an, Zagreb rührt sich nicht. Von insgesamt 33 Kapiteln der Beitrittsge-spräche sind ganze zwei abgehakt, bis Juni müs-sen fünf weitere wenigstens begonnen sein, dar-unter so wichtige wie Justiz und Subventionen, was schon zeitlich unmöglich ist. Sollte Kroatien durch eigene Saumseligkeit bei Reformen nie in die EU gelangen, werden das 65 Prozent aller Kroaten gutheißen, wie jüngste Umfragen bele-gen. Die EU sieht in Kroatien „keinen politischen Willen“ und eine „höchst inkompetente Staatsver-waltung“ als größte Barrieren des EU-Beitritts.
Bis Oktober 2006 hätte Kroatien sein System staatlicher Subventionen reformieren sollen, was es nicht tat und nun die Folgen spürt: Bis März 2009 muß es nach EU-Willen seinen Schiffsbau sanieren, der seit 2003 12,5 Milliarden Kuna Sub-ventionen verschlang (1 Euro = 7,3 Kuna), aber dennoch 8,4 Milliarden Kuna Verlust einfuhr. Bis 2012 sind für die Sanierung weitere 30 Milliarden nötig, was die EU nicht gestatten will, so daß die geplante Werftenprivatisierung scheitern wird, zumal sich bislang kein Kaufinteressent zeigte.
Die EU wird langsam böse und will wissen, was mit ihren Millionenhilfen für Kroatien konkret ge-worden ist. Sie sind irgendwo im kroatischen Kor-ruptionssumpf verschwunden, denn dieses Land ist nach dem Urteil des Europarates vom April „ein wahres Paradies für alle Arten von Manipulation mit illegal erworbenen Finanzmitteln“ – „korrupte Verwaltungschefs, Manager und Direktoren von Staatsbetrieben“ veruntreuen Riesensummen, die sie per Geldwäsche auf eigene Konten leiten und dabei keine Angst vor inexistenten Gesetzen oder inaktiven Strafverfolgern haben müssen.
Noch im März hat EU-Erweiterungskommissar Ol-lie Rehn „mehr energische Beiträge zur Erfüllung der Voraussetzungen und Standards für eine EU-Mitgliedschaft Kroatiens“ angemahnt. So etwas regt in Zagreb niemanden auf, zumal es durch kleine Konzessionen zu beschwichtigen ist, etwa die Rücknahme der zu Jahresbeginn verkündeten Ausweitung kroatischer Territorialgewässer, die von den Adria-Anrainern Italien und Slowenien als geradezu feindseliger Akt empfunden wurde. Seit Mitte März ist der Streit vom Tisch, Kroatien hat eine Atempause, Brüsseler Mittel fließen weiter.
Bei näherem Hinsehen entpuppt sich Kroatien als Wirtschaftsruine. Ende 2007 war das Land mit 32,61 Milliarden Euro im Ausland verschuldet, En-de Januar 2008 waren es bereits 33,9 Milliarden – mit steigender Tendenz. Die Inlandsverschuldung des Staates beträgt monatlich 430 Millionen Euro, womit Altschulden beglichen und unumgängliche Investitionen, etwa in der maroden Elektrowirt-schaft, getätigt werden.
Das alles wäre beherrschbar, hätte Kroatien einen profitablen Außenhandel. Tatsächlich steht es vor einem wachsenden Defizit. Von Januar bis Febru-ar 2008 hat es für umgerechnet 2,13 Milliarden Dollar exportiert, aber für 4,63 Milliarden impor-tiert, ein Minus von 2,5 Milliarden Dollar. 2007 be-trug die kroatische Export-Import-Deckung noch 47,9 Prozent, derzeit sind es 46 Prozent – mit fal-lender Tendenz. Dieses Defizit ist größtenteils hausgemacht, denn die kroatische Nationalwäh-rung „Kuna“ ist seit ihrer Einführung im Mai 1994 um mindestens 20 Prozent überbewertet, was Ex-porte „bestraft“ und Importe „belohnt“.
Den Kroaten gefällt das noch: Importwaren sind billig, Kredite auch – mit etwas Schuldenmachen kann man sich viele schöne Dinge leisten. Wie lange noch? Finanzminister Zarko Primorac hat bereits im März in einer dramatischen Rede ge-fordert, mit dem bisherigen Selbstbetrug aufzuhö-ren. Inflation ist kein Fremdwort in Kroatien, wie die Regierung stets behauptet, vielmehr hat es sie immer gegeben und angesichts der gegenwärtig enorm steigenden Ölpreise wird sie sich im Jah-resverlauf schmerzhaft akkumulieren. Hinzu kommt eine strukturelle Unproduktivität, da die öf-fentliche Verwaltung 51 Prozent des Bruttoin-landsprodukts verschlingt, der Schuldendienst für die Auslandsverschuldung weitere 32 Prozent.
Ein kroatisches Durchschnittseinkommen liegt ge-genwärtig bei umgerechnet 680 Euro im Monat, was weniger als 2007 ist und angesichts steigen-der Preise Angst macht. Zudem beziehen nur Be-schäftigte dieses Einkommen, Arbeitslose nicht. Um diese wird seit Jahren der größte Selbstbetrug betrieben. Allgemein ist bekannt, daß in Kroatien 500 – 600.000 Menschen ohne Arbeit sind, aber bislang fürchteten sich alle Regierungen, die „psy-chologische Grenze“ von 300.000 Arbeitslosen zu übersteigen. Laut Arbeitsamt waren am 1. April 2008 245.205 Arbeitslose „registriert“, was nicht auf die reale Lage, wohl aber auf statistische Tricks der Politik verweist. Man kann in Kroatien sehr leicht aus der Arbeitslosenstatistik „gestri-chen“ werden, damit diese „schöner“ aussieht. Den Betroffenen bleibt nur die Flucht in die Schwarzarbeit, der in Kroatien derzeit schät-zungsweise eine halbe Million Menschen nach-geht. Dem Staat entgehen dadurch pro Jahr etwa 15 Milliarden Kuna Steuereinnahmen.
Kroatien, klagt man in Brüssel, betrachtet den EU-Beitritt als rein technisches Problem, zu dem es selber kaum etwas beizutragen hat. Premier Ivo Sanader beklagt sich, Kroatien habe „schwerere Verhandlungen als andere Länder“. Tatsache ist jedoch, daß das Land zu wenig Reformbereit-schaft zeigt – und zu viele EU-Flaggen an seinen öffentlichen Gebäuden.
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Alt 06.10.08, 08:44
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hallo helmut,

vielen dank für deine bemühungen, die nun durch den von dir eingestellten artikel von herrn oschlies belohnt wurden.

somit ist meine ursprüngliche frage "wann kommt der eu-beitritt kroatiens?" so gut wie beantwortet. auch wenn mancher die ausführungen des herrn oschlies vielleicht als parteiisch ansehen werden, mache ich mir keine grossen hoffnungen, dass in ein bis zwei jahren der stau an der grenze slo-hr vorbei sein wird.

zum thema schwarzarbeit kann ich dem autor zustimmen. bei meinem hausbau in istrien vor 5 jahren habe ich von keinem einzigen handwerker eine rechnung erhalten! wie soll ein staat auch sinnvoll wirtschaften können, wenn kaum steuern hereinkommen und das eingenommende geld zum grossen teil in privaten taschen versickert.

grüsse

jürgen - fahre in ein paar tagen wieder nach istrien
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Alt 06.10.08, 09:15
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Zitat:
Zitat von claus-juergen
.... zum thema schwarzarbeit kann ich dem autor zustimmen. bei meinem hausbau in istrien vor 5 jahren habe ich von keinem einzigen handwerker eine rechnung erhalten! wie soll ein staat auch sinnvoll wirtschaften können, wenn kaum steuern hereinkommen und das eingenommende geld zum grossen teil in privaten taschen versickert.

grüsse

jürgen
Ich nehme doch mal an, daß Du diese Rechnungen mit "Nachdruck" gefordert hast, denn die zusätzliche MWSt hättest Du
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Alt 06.10.08, 09:20
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mhh ...

in zwei bis drei Jahren wird es wohl so weit sein ... der Beitritt wird und muss erfolgen, sowohl aus der Sicht der EU als auch aus der Sicht Kroatiens.

ja, der Herr Oschlies hat schon eine "eigene Meinung" zu Kroatien und in manchen Dingen auf jeden Fall andeutungsweise Recht.

Zum Glück sind die meisten seiner "Horrorszenarien", die er den Balkan betreffend Ende der Neunziger "entwickelt" hat, nicht eingetroffen. ... und werden hoffentlich auch nicht mehr eintreffen.

Nicht in Abrede stellen kann man seine exzellenten Kenntnisse dieser Region ...
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  #45 (permalink)  
Alt 06.10.08, 11:31
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Zitat:
Zudem beziehen nur Be-schäftigte dieses Einkommen, Arbeitslose nicht. Um diese wird seit Jahren der größte Selbstbetrug betrieben. Allgemein ist bekannt, daß in Kroatien 500 – 600.000 Menschen ohne Arbeit sind, aber bislang fürchteten sich alle Regierungen, die „psy-chologische Grenze“ von 300.000 Arbeitslosen zu übersteigen. Laut Arbeitsamt waren am 1. April 2008 245.205 Arbeitslose „registriert“, was nicht auf die reale Lage, wohl aber auf statistische Tricks der Politik verweist. Man kann in Kroatien sehr leicht aus der Arbeitslosenstatistik „gestri-chen“ werden, damit diese „schöner“ aussieht. Den Betroffenen bleibt nur die Flucht in die Schwarzarbeit, der in Kroatien derzeit schät-zungsweise eine halbe Million Menschen nach-geht.
...toll, die haben ja richtig schnell von Deutschland gelernt.
Deutschland hat, nicht schöngerechnet, 10 Millionen Arbeitslose

L.G.

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Alt 06.10.08, 12:14
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Zitat:
Zitat von Fred
Zitat:
Zitat von claus-juergen
.... zum thema schwarzarbeit kann ich dem autor zustimmen. bei meinem hausbau in istrien vor 5 jahren habe ich von keinem einzigen handwerker eine rechnung erhalten! wie soll ein staat auch sinnvoll wirtschaften können, wenn kaum steuern hereinkommen und das eingenommende geld zum grossen teil in privaten taschen versickert.

grüsse

jürgen
Ich nehme doch mal an, daß Du diese Rechnungen mit "Nachdruck" gefordert hast, denn die zusätzliche MWSt hättest Du
ganz selbstverständlich mit Freuden entrichtet !
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  #47 (permalink)  
Alt 06.10.08, 12:17
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hallo fred,

nix "nachdruck". ich habe gefragt, was das kostet und hinterher bei der bezahlung nach rechnung wegen garantieleistungen gefragt und hierbei erfahren, dass es nicht üblich sei, rechnungen zu schreiben. von mwst, die hinzukommt, ist nie die rede!

grüsse

jürgen
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Alt 06.10.08, 12:51
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Zitat:
Zitat von claus-juergen
..... und hierbei erfahren, dass es nicht üblich sei, rechnungen zu schreiben. von mwst, die hinzukommt, ist nie die rede!

grüsse

jürgen
Hmm ...... und ich habe gedacht, Du kennst Dich gut aus .......

Selbstverständlich müssen auch Handwerker Rechnungen ausstellen.

Auf jeder Rechnung ist dann die Mehrwertsteuer ausgewiesen !
Sogar auf Rechnungen von Restaurants und bei Tankrechnungen.

Deiner Argumentation kann ich leider nicht folgen .....

Obwohl natürlich keine Rechnung ohne die dazugerechnete MWSt. auch nicht gerade unangenehm ist.
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Alt 22.10.08, 07:00
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Standard EU-Beitritt Kroatiens bis Ende 2009

Der ORF meldet:

EU-Beitritt Kroatiens bis Ende 2009 ausgehandelt . . .

Kroatien rechnet mit dem Beitritt zu Europäischen Union im Jahr 2010. . . .

Der ganze Bericht hier: http://www.orf.at/?href=http%3A%2F%2...%2F305815.html
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Gruß von Jürgen
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Alt 22.10.08, 08:14
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Nein, noch nicht ganz. Nämlich Sarkozy hat gesagt es gibt keine Erweiterung bis die Lissaboner Verträge nicht unterzeichnet sind. Damit erhöt er den Druck auf Irland und Tschechei die noch nicht unterschrieben haben. Deutschland schliess sicht diesem an. Das sind nur jetzt Spielchen unter den "Grossen" in der EU. Eigentlich ein Armutszeugnis!!!
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