Istrien
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Thema: Die österreichische Festung auf dem Monte Madonna

  1. #1
    Forum-Guide Avatar von claus-juergen
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    Die österreichische Festung auf dem Monte Madonna

    Um den Hauptkriegshafen der K.u. K. Kriegsmarine Pola zu verteidigen, wurden ab der Mitte des 19. Jahrhunderts rund um das heutige Pula mehrere Verteidigungsanlagen errichtet. Auf dem Monte Madonna, östlich des heutigen Dorfes Sisan im Bereich der Gemeinde Liznjan wurde auf einer Seehöhe von 80 m eine Verteidigungsgruppe errichtet, die in ihrem Hauptteil an der östlichen Seite aus drei 15cm Küstenkanonen bestand. Dazu gehörten ein granatsicheres Munitionsmagazin, ein granatsicherer Mannschaftsunterstand sowie ein Feuerleitstand und Distanzmesser. Dazu kamen verschiedene Scheinwerfer zur Vorfeldbeleuchtung. Daneben gab es zur Nahverteidigung verschiedene Kanonen und Maschinengewehrstellungen.

    Nach dem ersten Weltkrieg wurden Teile der Anlagen durch die Italiener abgebaut. Später wurde das Gelände erst durch die jugoslawische Volksarmee und später durch die kroatische Armee genutzt. Seit einiger Zeit stehen die Gebäude leer. Das gesamte Areal befindet sich meines Wissen nun im Besitz der Gemeinde Liznjan. Im September 2010 habe ich mir die alten Anlagen angesehen.



    Das Foto zeigt den Eingang zur alten Militärkaserne auf dem Weg von Sisan zur Kale-Bucht. Zur Bade- und Fischerbucht geht der Weg unmittelbar vor dem Tor links ab.



    Dieses Gebäude befindet sich unmittelbar nach dem Eingang auf der linken Seite. Aus österreichischer Zeit stammen lediglich die Grundmauern. Das Gebäude selbst wurde später errichtet.



    Welchem Zweck diese zu jugoslawischer Zeit errichtete Lagerhalle diente, ist mir nicht bekannt.



    Wenn man dem Weg an den Gebäuden vorbei bergab einige hundert Meter folgt, dann stösst man auf eine erst vor kurzem gerodete Fläche, die den Blick auf drei Geschützstellungen freigibt. Oberhalb der linken befindet sich ein Aussichtsturm aus Metall.





    Mittels der kreisförmig angeordneten Schrauben waren die Geschütze befestigt. Die Nische im Hintergrund führt zu den unterirdischen Bunkeranlagen, die die drei Geschützstellungen verbindet. Ein Zugang ist nicht möglich.





    Obwohl ich von militärischen Dingen keine Ahnung habe, nehme ich an, daß dieses Rohr dazu diente, den Pulverdampf nach dem Abschuss einer Granate möglichst schnell aus der Stellung wegzubekommen.



    Oberhalb der Geschützstellung befindet sich dieser Abluftstutzen. Möglicherweise wurde hier über ein Gebläse der Pulverdampf abgesaugt. Es ist aber auch denkbar, daß dieses Rohr zur Belüftung der rückwärtigen Bunker diente.



    Das Panorama zeigt den Blick in Richtung Kuje-Bucht bei Liznjan vom Aussichtsturm oberhalb der Stellung.



    Noch weiter rechts davon Liznjan aus ungewohnter Perspektive.



    Der Blick nach links vom Aussichtsturm aus streift die Kale-Bucht. Im Hintergrund kann man die Einfahrt zur Budava-Bucht erkennen.



    Unterhalb der gerodeten Fläche mit den drei Geschützstellungen befinden sich noch Reste einer Feldeisenbahn. Das alte Fahrgestell dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit für einen Mobilen Scheinwerfer zur Vorfeldbeleuchtung gedient haben (Danke an Huberlinger36!). Im Allgemeinen wurden diese Feldeisenbahnen dazu eingesetzt, um zwischen den einzelnen militärischen Anlagen Munition zu transportieren.



    Die Schienen verlaufen in die Bunkeranlage, die mit einer Stahltüre verschlossen ist.



    Hier das von einen "Graffitikünstler" verzierte Schloss der Stahltüre.



    Vielleicht kann mir jemand mit Sprachkenntnissen das an der Stahltüre angebrachte Schriftstück übersetzen? Danke!!!



    Diese Halterungen aus massivem Stahl waren zur Führung von Stacheldraht gedacht. Selbst wenn durch Beschuß der Stacheldraht beschädigt wurde, konnte binnen kurzer Zeit neuer Draht durch die Ösen gezogen werden. Im Allgemeinen waren sämtliche militärischen Anlagen durch mehrere Reihen von Stacheldraht geschützt.



    Etwas weiter weg befinden sich mehrere dieser Unterstände. Ich nehme an, daß sie aus späterer Zeit stammen.

    Zusammenfassend sei gesagt, daß die Anlage Monte Madonna durch die Strategische Lage auf einem Hügel die Überwachung des Schiffsverkehrs in der Kvarner Bucht zwischen Cres und dem Festland ermöglichte. Wie weit man mit den eingebauten Geschützen, ab Ende 1915 oder Anfang 1916 ein 30,5 cm Mörser M 11 und eine 30,5 cm Schiffskanone schießen konnte, kann ich nicht sagen.

    Im zweiten Weltkrieg wurde die Anlage übrigens von der deutschen Wehrmacht genutzt und mit 15 cm Schiffskanonen L/40 von Krupp ausgestattet.

    Die technischen Informationen dieses Berichts entstammen dem Buch Festung Pola von Erwin Anton Grestenberger (nwv Wien).

    Hoffen wir auf eine friedliche Zukunft des Areals. Aufgrund der vorhandenen Infrastruktur wie Asphaltstraße bis zum Gelände, Wasser und Strom sehr ich durchaus eine Zukunft für die weitere Entwicklung.

    Wer sich für weitere Festungen in der Gegend interessiert, den möchte ich noch auf diese Beiträge von Huberlinger36 verweisen:

    In und um Pula - Teil 25 A : Besuch der Küstenbatterie Benedetto

    In und um Pula - Teil 25 B : Besuch der Mörserbatterie Caluzzi

    Jürgen
    Geändert von claus-juergen (07.07.2011 um 19:36 Uhr) Grund: E'rgänzung
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  2. Die folgenden 8 Nutzer bedanken sich bei claus-juergen für den guten Beitrag:

    Fritz Ernst (07.11.2010), Gismohamm (07.11.2010), Goldie (07.11.2010), Grenzgänger 65 (07.07.2011), Huberlinger36 (06.11.2010), Marius (18.11.2010), mkr (07.11.2010), Titanius Anglesmith (07.11.2010)

  3. #2
    Registriertes Mitglied Avatar von ELMA
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    Gut recherchiert und gut dokumentiert!
    Danke, Jürgen!

    Man erhält einen sehr guten Eindruck , mit welchem Aufwand eine solche Anlage konstruiert und erbaut wurde !
    Es fragt sich nun, welche menschliche Schicksale und Tragödien sich dort ereignet haben.
    Ob man das jemals erfahren wird?

    Gruß,
    ELMA
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    Friedrich Rückert

  4. #3
    Forum-Guide Avatar von claus-juergen
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    hallo elke,

    so weit mir bekannt ist, wurde die anlage nie in kriegerische auseinandersetzungen verwickelt. bis zum ende des ersten weltkrieges haben die alliierten den hafen pula nicht angegriffen. lediglich im november 1918 kurz vor oder nach dem waffenstillstand haben italienische kampfschwimmer das flaggschiff der kuk-marine, die viribus unitis mit 200 mann besatzung im hafen von pula versenkt.

    grüsse

    jürgen
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  5. #4
    Admin Avatar von burki
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    Beeindruckend was hier im Forum an "Festungs-Beiträgen" zusammen getragen wird.

    Super Bericht!

    burki
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    macht mit
    Kroatische Produkte gibt es hier oder wir besuchen den Schlemmershop hier aber buchen tun wir hier

  6. Der folgende Nutzer bedankt sich bei burki für den guten Beitrag:

    claus-juergen (07.11.2010)

  7. #5
    Registriertes Mitglied Avatar von Huberlinger36
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    http://webcache.googleusercontent.co...&ct=clnk&gl=de

    Hallo Claus-Jürgen,
    ich wollte Dir das Scheinwerferbild direkt per PN schicken. Das System nimmt aber von mir keine PN an Dich an. Das Bild hier direkt zu veröffentlichen könnte rechtliche Probleme bringen.
    Über den o.a. Link findet man es aber auch.
    Die Scheinwerfer waren häufig beweglich angeordnet, damit sie dem feindlichen Beschuss (der ja umgehend zu erwarten war) schnell ausweichen konnten. Ein Bunker oder sonstiger fester Unterstand für den teuren Scheinwerfer war in der Regel auch vorhanden.
    Gruß Huberlinger36

  8. Der folgende Nutzer bedankt sich bei Huberlinger36 für den guten Beitrag:

    claus-juergen (07.11.2010)

  9. #6
    Forum-Guide Avatar von claus-juergen
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    hallo huberlinger36,

    danke für den link! die wahrscheinlichkeit, daß auf dem mobilen gestell ein scheinwerfer montiert war, nähert sich der marke 100 %. im falle monte madonna ist es auch so, daß die noch vorhandenen schienen parallel ca 100 m unterhalb der geschützstellungen verlaufen. ich kann keine abzweigung in richtung der geschützstellungen erkennen. so ist es denkbar, daß die scheinwerfer quasi von links nach rechts mit hilfe der feldeisenbahn sehr schnell bewegt werden konnten. eine sichere verwahrung war dann im gezeigten bunker möglich.

    die granaten für die geschütze dürften in diesem fall dann im bunker verwahrt worden sein, der sich jeweils hinter den offenen stellungen befand. da war dann anscheinend handarbeit durch das bedienungspersonal erforderlich.

    vielleicht meldet sich conrad ja noch mal und gesteht, was er da vor 50 jahren abmontiert hat um seinen zigarettenkonsum zu finanzieren.

    grüsse

    jürgen
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  10. #7
    Forum-Guide Avatar von claus-juergen
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    hallo,



    jadran hat mir nun die zeilen der gemeinde liznjan dankenswerterweise wie folgt übersetzt:


    !!!! Wichtig !!!

    das objekt ist versichert und geschützt aus mitteln der kommune Liznjan

    jede art von gewalttätigkeiten ( Zerstören, Einbrechen, Müllablagern, Stehlen, Feuer anzünden oder anderweitige Zerstörung sind untersagt )

    führt zu sofortigen anzeige von seiten der polizei und der kommune Liznjan, einschließlich der nationalen gesellschaft.

    anrufen bei

    aufgeführt die 3 namen mit tel. nr.

    grüsse

    jürgen
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  11. Der folgende Nutzer bedankt sich bei claus-juergen für den guten Beitrag:

    Titanius Anglesmith (18.11.2010)

  12. #8
    Registriertes Mitglied Avatar von Marius
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    kleine Korrekturen der schon recht guten Übersetzung von Jadran:

    Das Objekt ist nicht "versichert" sondern "gesichert" durch Vorrichtungen der Gemeinde (nicht Kommune) Liznjan. Kommune bedeutet "komuna"
    NUF (nacionalna udruga za fortifikacije) = Nationale Gesellschaft für Wehranlagen

  13. Der folgende Nutzer bedankt sich bei Marius für den guten Beitrag:

    claus-juergen (18.11.2010)

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