Serbien - Kroatien:
Suche nach Aussöhnung
(Die Presse) 16.11.2004
Historischer Besuch: Kroatiens Premier Sanader verhandelte in Belgrad mit dem einstigen Kriegsgegner über bessere Beziehungen.
BELGRAD. Zum ersten Mal seit dem Zerfall des sozialistischen Jugoslawien besuchte gestern, Montag, ein kroatischer Regierungschef Serbien: Ivo Sanader traf in Belgrad unter anderem mit Serbiens Premier Vojislav Kostunica zusammen.
Die ehemaligen jugoslawischen Bruderrepubliken, die Anfang der 90er Jahre gegeneinander Krieg geführt hatten, bemühen sich wegen des von beiden Ländern angestrebten EU-Beitritts um eine Verbesserung ihrer schwierig gebliebenen Nachkriegsbeziehungen. "Es gibt keine Alternative zur Normalisierung unseres Verhältnisses", beteuerte Kroatiens Premier Sanader. Serbiens Regierungschef Kostunica stellte Pläne für eine wirtschaftliche Zusammenarbeit in den Mittelpunkt der Gespräche.
Ein anderer Schwerpunkt war der Minderheitenschutz. Als "historischen Akt", bezeichnete Sanader das gestern unterzeichnete Abkommen über den Schutz der Minderheiten. Das Dokument bestätigt die Rechte der kroatischen Minderheit in Serbien und der serbischen Minderheit in Kroatien. Weiters will Sanader Aufklärung über das Schicksals von 1200 seit dem Krieg vermissten Kroaten.
Serbien fordert von Zagreb, dass die Rückkehr der im Krieg aus Kroatien vertriebenen Serben beschleunigt wird. Vor allem bei der Rückerstattung des Eigentums der Flüchtlinge spießt es sich. Sanader betonte, dass dies "keine politische, sondern eine finanzielle Frage" sei. Anfang der 90er Jahre machten die in Kroatien lebenden Serben zwölf Prozent der Gesamtbevölkerung aus, heute sind es nur noch vier Prozent.
Unter Sanaders Führung hat die einst nationalistische Regierungspartei HDZ einen Weg Richtung Reformen eingeschlagen.
Mazedoniens Reformer haben indes einen Rückschlag erlitten. Der sozialdemokratische Premier des Balkan-Staates, Hari Kostov, gab am Montag seinen Rücktritt bekannt. Kostov warf seinem Koalitionspartner, der albanisch-nationalen DUI, vor, ein Hindernis bei den Wirtschaftsreformen zu sein. Die DUI habe sich hauptsächlich mit den Rechten der albanischen Minderheit und zu wenig mit Modernisierung beschäftigt.
|